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Das 3:3 des FC St.Gallen zum Saisonauftakt in Lausanne scheint zu bestätigen, was wir in Teil 1 unserer Saisonvorschau konstatiert hatten: Sportlich gibt es Grund zum Optimismus, im Umfeld sieht es freilich etwas anders aus.

Das Kader des FC St.Gallen Ausgabe 2017/18 lässt sich sehen. Im ersten Teil unserer Saisonvorschau kamen wir zum Schluss, dass die Fans durchaus positiv in die Saison gehen können. Das 3:3 in Lausanne hat zwar einzelne Schwächen aufgezeigt, aber eben auch eines unserer Fragezeichen – die Offensive – zumindest teilweise beseitigt. Auch wenn die erste Halbzeit der später abgebrochenen Partie in Lugano nicht berauschend war: Sportlich macht sich dieses Jahr kaum jemand wirklich Sorgen.

Die grossen Baustellen des FCSG scheinen heuer im Umfeld zu liegen. Seit dem überraschenden Rücktritt von Dolf Früh blieb kaum Zeit zum Durchatmen. Gefühlt verging kaum eine Woche ohne eine Nachricht zum Umfeld des Vereins. Doch eigentlich ist der Anfang der aktuellen Unruhen schon früher zu suchen, mindestens 2015: Im März jenes Jahres ersetzte Marco Otero Roger Zürcher als Nachwuchschef. Otero soll sich von Donato Blasucci beraten lassen. Dem Spielerberater wird, wie das «St.Galler Tagblatt» es ausdrückte, «grossen Einfluss auf Früh» attestiert. Kurze Zeit später trat auch Sportchef Heinz Peischl zurück. Sein Nachfolger wurde Christian Stübi.

Stübi in der Kritik

Stübi war nicht unbedingt der Wunschkandidat der meisten Fans. Viele hegten Zweifel, ob er der Aufgabe gewachsen ist. In seinen rund zwei Jahren als Sportchef schaffte er es, viele Zweifler zu überzeugen. Dabei halfen vor allem die Transfers von Tranquillo Barnetta, Albian Ajeti oder Nzuzi Toko.

Als im Mai dieses Jahres Zinnbauer doch endlich entlassen wurde, schien vorerst etwas Ruhe einzukehren. Mit Giorgio Contini wurde ein Nachfolger eingestellt, der in St.Gallen wegen des Meistertitels 2000 sowieso viel Kredit geniesst. Vor allem aber dürfte jedem St.Galler Fan in schmerzlicher Erinnerung sein, wie oft Contini als Vaduz-Trainer gegen den FCSG angetreten ist und nie verloren hat. Dass er auch Teil des Blasucci-Netzwerks sein soll, wusste man zwar auch zu dieser Zeit schon, es warf aber kaum Wellen.Am meisten Kritik musste er einstecken, weil er als Nachfolger von Jeff Saibene den deutschen Joe Zinnbauer präsentierte, dem er gleich einen Dreijahres-Vertrag anbot. Als Sportchef ist er offiziell zumindest mitverantwortlich, dass der FC zu lange am Deutschen festhielt. Es wurde jedoch schon früh gemunkelt, dass Zinnbauer auch bei Stübi nicht mehr viel Kredit genossen hat. Das «Tagblatt» schrieb sogar: «Doch völlig überraschend – und gegen den Willen Stübis – wird nicht der Deutsche, sondern Talentmanager und Co-Trainer Martin Stocklasa entlassen.»

Contini, Stübi und Otero auf einer Ebene

Das änderte sich kurze Zeit später. Wenige Tage nach der Bekanntgabe des neuen Trainers konnte Früh auch seinen eigenen Nachfolger präsentieren: Mit Stefan Hernandez wurde ein gänzlich Unbekannter Präsident der FC St.Gallen Event AG. Die weitreichenden Änderungen geschahen indes im Organigramm der FC St.Gallen AG – quasi als letzte Amtshandlung änderte Früh dort das System: Der bisherige «Future Camp Ostschweiz»-Geschäftsführer Ferruccio Vanin wurde zum CEO. Darunter stehen Contini, Stübi und Otero auf einer Ebene. Die Änderung kam faktisch einer Entmachtung des Sportchefs gleich, auch wenn dies von verschiedenen Beteiligten immer wieder abgestritten wird.

Das Organigramm der FC St.Gallen AG. (Bild: fcsg.ch)

Dieses System stösst rundherum auf Skepsis. Das «Tagblatt» schrieb von einem Pulverfass und zitierte den früheren YB- und heutigen Rapid Wien-Sportchef Fredy Bickel, der das neue Organigramm als «höchst untragbare Lösung» bezeichnet. Erschwerend kommt hinzu, dass Vanin und Otero seit gemeinsamen FCO-Zeiten ein verschworenes Team zu sein scheinen.

Wie gross der Einfluss von Berater Blasucci auf die beiden und auf Contini ist, ist von aussen schwierig abzuschätzen. Dass mit dem neuen Assistenztrainer Markus Hoffmann und Konditionstrainer Harry Körner zwei weitere, vermeintlich zum Blasucci-Netzwerk gehörende Exponenten den Weg nach St.Gallen finden, beruhigt zumindest nicht. Hernandez gab in einem «Tagblatt»-Interview an, die Sache im Griff zu haben. Er dulde keine solche Einflussnahme. In einem Artikel des «Tagesanzeigers» räumte er jedoch ein, von der Allianz rund um den Spielerberater zu wissen.

Für Stübi wurde die Situation offenbar untragbar. Er gab seinen Rücktritt bekannt. Die Unruhe verging auch in der Folge nicht. Nur wenige Wochen vor Saisonstart wurde der bisherige Physiochef Simon Roth abgesetzt – die Gründe blieben vage – und Verteidiger Roy Gelmi wechselte – mit unschönen Nebengeräuschen – nach Thun, obwohl er eigentlich gerne in St.Gallen geblieben wäre.

Wer will Sportchef werden?

Natürlich sind Netzwerke im Fussball nicht prinzipiell verwerflich. So funktioniert der Sport, vielfach sind Netzwerke sogar unabdingbarer Bestandteil. Wer zum richtigen Berater ein gutes Verhältnis pflegt, kommt eher zu einem guten Transfer. Dass sich die Verantwortlichen bei der Besetzung von wichtigen Posten in ihren Bereichen nach Vertrauten umsehen, ist ebenso wenig im Grundsatz verwerflich. Dass der Einfluss eines einzelnen «Kuchens» aber so gross wird, dass ein Sportchef nur noch den Ausweg des freiwilligen Rücktritts sieht, dürfte so eigentlich nicht geschehen.

Damit in St.Gallen wieder Ruhe einkehren kann, braucht der FC St.Gallen einen starken Sportchef, der nicht zum gleichen Dunstkreis gehört. Ob im bestehenden Organigramm überhaupt Platz dafür ist, scheint äusserst fraglich. Welcher Sportchef würde eine solche Position übernehmen wollen? Deshalb darf auch dieses Organigramm nicht sakrosankt sein.

Hier ist Hernandez gefragt: Wenn er von Allianzen Kenntnis hat, die ihm die Arbeit und dem FCSG die Zukunft erschweren, muss er einschreiten. Zur Not auch gegen den Willen Frühs, der diese Änderung des Organigramms zum Schluss seiner Amtszeit noch umgesetzt hat. Wieso es zu dieser Änderung kam, die sich nicht aufzudrängen schien, bleibt sowieso weiterhin unklar. Im angesprochenen «Tagesanzeiger»-Artikel wird von Unstimmigkeiten zwischen Früh und dem restlichen Verwaltungsrat zum Schluss seiner Amtszeit gesprochen.

Früh soll verkaufen

Vor diesem Hintergrund wäre es wünschenswert, wenn Früh den angekündigten Verkauf von Teilen seines Aktienpakets möglichst bald umsetzt. Damit würde er deutlich machen, dass er nicht im Hintergrund als graue Eminenz weiterwirken will. Mit seinen aktuell beinah 50 Prozent Anteilen an der FC St.Gallen Event AG dürfte sich dieses Gerücht sonst noch lange halten.

Die Gefahren eines Verkaufs sind schliesslich gering, auch dank Früh. Er und das restliche Aktionariat haben sich untereinander abgesichert, um einen Verkauf in unliebsame Hände möglichst zu verunmöglichen. Damit würde Früh auch den Prozess der Machtübergabe abschliessen. Wie wir schon zu seiner Rücktrittsankündigung geschrieben haben, wird es diese Übergabe sein, die im kollektiven Gedächtnis der FCSG-Fans den Ausschlag geben wird, wie Früh in Erinnerung bleibt.


Dieser Beitrag erschien am 2. August 2017 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv kommentiert dort in der Rubrik «Am Ball» das Geschehen auf und neben dem Platz.


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Felix Lauffer – FCSG-Fan auf der Gegentribüne – hat sich erneut ans Reimen gemacht und uns einige Gedanken zur neuen Saison zukommen lassen.

Da ist ein neuer Präsident,
den bisher keiner richtig kennt.
Man hofft, er setzt sich tüchtig ein
und führt erfolgreich den Verein.

Contini, ruhig, kompetent,
der seine Spieler bestens kennt,
bringt Qualität und frischen Wind,
was hoffnungsvolle Zeichen sind.

Ajeti, den die Fans so lieben,
ist Gott sei Dank bei uns geblieben.
Zwar hat ihn Basel arg bequasselt,
doch dann den Deal aus Geiz vermasselt.

Von Ben Khalifa wird erwartet,
dass er gleich mit Furore startet
und – lieber heute schon als morgen –
kann für die tollsten Tore sorgen.

Verteidiger (Ex-Zürcher) Koch
hat viel Talent, doch muss er noch
in Zukunft den Beweis erbringen,
dass seine Pläne auch gelingen.

Tschernegg, der neue starke Mann,
zeigt von Beginn weg, was er kann.
Beherzt, mit Übersicht und Mut
macht er es überraschend gut.

Barnetta mit dem Kämpferherz
kennt, auch wenn’s wehtut, keinen Schmerz.
Er ist ein Vorbild und Idol
und fühlt sich in St. Gallen wohl.

Roman Buess zeigt seine Stärke
und geht resolut zu Werke.
Ist er weiter so in Form.
nützt er seinem Team enorm.

Aleksic – leider ist das so –
macht uns nicht immer restlos froh.
Sein grandioses Freistoss-Tor
zeigt aber: Er kann’s nach wie vor!

Arratore, grosse Klasse,
toller Einsatz, Tempo, Rasse.
Damit bringt er, das ist klar,
stets die Gegner in Gefahr.

Silvan Hefti kann von allen
ganz besonders gut gefallen.
Seine Reife und sein Können
mag man ihm von Herzen gönnen.

Die letzte Saison war fürwahr
ein hoffnungslos verlorenes Jahr.
Doch gross ist nun die Zuversicht:
Das wiederholt sich sicher nicht!


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Immer wieder bringt der FC St.Gallen seine Fans zum Verzweifeln. Und trotzdem haben alle zu Saisonbeginn die leise Hoffnung, dass es dieses Jahr besser wird. SENF wirft zum Saisonstart einen Blick auf die Mannschaft und kommt zum Schluss: Optimisten dürfen sich bestätigt fühlen.

Dem Saisonstart wohnt nicht nur die Neugier über nie Dagewesenes oder leider erneut Auftauchendes – Hallo FCZ – inne, sondern auch der obligate innerliche Kampf zwischen klammheimlichen Optimismus und gegen aussen präsentiertem Pessimismus. Um auch weiter seine Daseinsberechtigung am Stammtisch zu rechtfertigen, gibt man sich immer betont pessimistisch, das verringert die fachliche Fallhöhe. Wenn sich die Prognose als zu schlecht herausstellt, bleibt das weniger haften.

Sowieso: Wer nur schon verhaltene Hoffnung preisgibt, macht sich verdächtig. Ist das ein richtiger Grün-Weisser, eine richtige Grün-Weisse? Schliesslich hat uns der FC St.Gallen über die Jahre vor allem eins gelehrt: Es kann und wird schlimmer kommen. Trotzdem können wirs so ganz nicht lassen, etwas Hoffnung zu verbreiten. Denn: Es gibt durchaus Anhaltspunkte, die auf eine überraschend angenehme Spielzeit schliessen lassen.

Wiss: unaufgeregt und erstaunlich unangenehm

Die Nummer Eins ist auch diese Saison Daniel Lopar, der sich gegen Dejan Stojanovic durchsetzte. Nicht wenige sehen im Herausforderer den besseren Fussballer, was besonders für das bei Giorgio Contini konsequent praktizierte Hintenrausspielen ein wesentlicher Faktor sein dürfte. Zweifelsohne hat Lopar fussballerische Defizite, doch macht der Dienstälteste das mit seinem Standing in der Mannschaft und seiner Erfahrung wett. Und auf der Linie ist Lopar meist ein exzellenter Vertreter seines Fachs.

Die Innenverteidigung dürften vorerst Karim Haggui und Alain Wiss bilden, da der mutmassliche Anwärter Silvan Hefti verletzt fehlt. Wiss dürfte sowieso einer der Gewinner des Trainerwechsels sein. Von Joe Zinnbauer kaum beachtet, sieht Contini im Innerschweizer viel Qualität. Vollkommen zu Recht.

Wiss kann gerade im vom Kurzpassspiel geprägten Aufbau durch seine ehemalige Position als Sechser glänzen. Er ist unaufgeregt und im Zweikampf erstaunlich unangenehm. Sein Compagnon im Abwehrzentrum, Haggui, ist vor allem im Kopfballspiel gefragt, was auch offensiv eine Waffe sein kann. Gut vorbereitete Trainer dürften ihre Angreifer auf Wiss ansetzen, womit der Aufbau in die Verantwortlichkeit Hagguis oder eines zurückfallenden Mittelfeldspielers fällt.

Auf der rechten Verteidigerposition ist Neuzugang Philipp Koch vorgesehen. Der Zürcher ist ein durchschnittlicher Super League-Spieler und somit keine signifikante Verstärkung. Weil aber Probleme auf den Aussenverteidigerpositionen global verbreitet sind, ist ein durchschnittlicher Akteur schon ziemlich brauchbar. Sein Pendant links ist Andreas Wittwer, der Fortschritte gemacht hat in der vergangenen Saison. Als Assistgeber schafft er es dann und wann auch offensive Akzente zu setzen.

Überdurchschnittliches Mittelfeld

Im Mittelfeld wiegt vor allem das monatelange Fehlen von Toko schwer. Fussballerisch als auch menschlich, ist der Kongolese doch Spielführer und Bestandteil der Achse der St.Galler. Neuverpflichtung Peter Tschernegg fügte sich beim finalen Test gegen Southampton aber bereits bemerkenswert gut ein. Zumindest in den 90 Minuten in der Goldacher Kellen konnte man ihm ein gutes Gespür für die Variationen des Passspiels unterstellen. Kein überzogener Aktionismus, sich profilieren zu wollen. Er scheint den einfachen Pass als ebenso notwendiges Mittel begriffen zu haben.

Etwas vor ihm agiert Tranquillo Barnetta. Der Rückkehrer litt unter der fast steten Baisse des Teams in der Rückrunde. Als Instinktfussballer ist mangelndes Selbstvertrauen Gift. Umgekehrt ist Barnetta bei gutem Befinden noch immer kreative Brillanz zuzutrauen. Er improvisiert, kann mittels technischem Geschick oder Schnittstellenpass aus aussichtslosem Mittelfeldgeschiebe eine entscheidende Torchance erschaffen. Instrumente Barnettas in solchen Situationen sind etwa Marco Aratore – der in den letzten eineinhalb Jahren wohl konstanteste St.Galler neben Lopar – oder Yannis Tafer, dessen Potenzial unbestritten ist.

Das alles zeigt: Das Mittelfeld der Espen ist überdurchschnittlich besetzt. Dazu kommt ja auch noch Danijel Aleksic, der ebenfalls vom Trainerwechsel profitiert hat. Und mit Gjelbrim Taipi und Stjepan Kukuruzovic kommen gar noch zwei neue Spieler dazu, die sich aufdrängen wollen.

Zinnbauer hat es nicht geschafft, die Protagonisten so hinzukriegen, dass sie ihr Können effektiv abrufen. Wie gut Contini den FC St.Gallen prägen kann, wird deshalb auch am Gelingen des Mittelfelds festzumachen sein.

Grosses Fragezeichen

Vorne hingegen fehlt mindestens bis zum ersten Heimspiel der heftigst umworbene Albian Ajeti. Vergessen geht dabei oft Roman Buess, der allgemeinhin etwas unterschätzt wird. Er litt unter Zinnbauer auch an der Ideenlosigkeit des Mittelfeldes. Zudem ist er keiner, dessen Tun nur an den Toren gemessen werden darf. Man würde seine Fähigkeit, Räume aufzureissen und Verteidiger zu beschäftigen, damit verschweigen.

Ein Zwei-Mann-Sturm mit Ajeti klingt verheissungsvoll. Und auch Nassim Ben Khalifa ist, sollte er dort anknüpfen, wo er bei Lausanne aufgehört hat, eine durchaus hoffnungsvolle Option. Vor allem, so lange Ajeti noch nicht einsatzfähig ist.

Trotzdem bleibt der Sturm das grosse Fragezeichen. Auch, weil in der Vorbereitung das Toreschiessen schwer fiel. Warum vor diesem Hintergrund – und mit dem drohenden Abgang Ajetis im Hinterkopf – die neuen Verantwortlichen des FC St.Gallen nicht darauf ihr Augenmerk gerichtet haben, bleibt deshalb fraglich. Auf die Veränderungen in der Organisation gehen wir in Teil 2 unserer Saisonvorschau ein.


Dieser Beitrag erschien am 21. Juli 2017 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv kommentiert dort in der Rubrik «Am Ball» das Geschehen auf und neben dem Platz.


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«Der FC St.Gallen gewinnt die Champions League. Nach dem Sieg gegen den FC Schalke 04 im Halbfinale war auch Paris Saint-Germain den Grün-Weissen hoffnungslos unterlegen.» Was wie die Off-Stimme aus den schönsten Träumen eines FCSG-Fans klingt, könnte tatsächlich Realität werden. Zugegeben, auf dem Rasen dürften die St.Galler Spieler kaum je für solche Nachrichten sorgen. Seit vergangenem Dezember tritt der FC St.Gallen aber auch in der virtuellen Welt des Fussballs an. Dort könnte möglich sein, was dem Verein sonst verwehrt bleibt.

Als erster Super League-Vertreter, der in eSports einsteigt, übernimmt der älteste Fussballclub der Schweiz auch in der virtuellen Fussballwelt eine Pionierrolle. Aber nicht nur deshalb macht der FC St.Gallen mit. Es geht dabei auch – manche sagen vor allem – um die Erweiterung des Marktes, um zusätzliche Sponsoren oder um Likes in den Sozialen Medien.

Wir haben uns in dieser auch für uns neuen Welt umgesehen. Wir sprachen mit den Profi-eSportlern und den Verantwortlichen des FCSG und setzten uns mit dem Präsidenten des Schweizer eSports-Verband zusammen. Und natürlich haben wir auch selbst recherchiert, eingeordnet und sogar mitgespielt.

Wie immer befassen wir uns neben dem Titelthema mit vielen weiteren Geschichten rund um den FC St.Gallen, die Stadt St.Gallen und den Fussball im Allgemeinen. Erscheinungstermin für die achte Ausgabe des SENF ist der 17. August. Zum ersten Mal wird der Release im Bierhof stattfinden, wohin das Fanlokal per Saisonstart umziehen wird. Ganz unserem Titelthema entsprechend ermöglichen wir euch eine FIFA-Partie gegen die Profis des FC St.Gallen. Dazu müsst ihr einfach am Vortag des Release, also am Mittwoch, 16. August, schon in den Bierhof kommen und euch im Ausscheidungsturnier beweisen. Am Release erwartet euch nebst dieses David gegen Goliath-Duells wie immer auch ein Einblick in unser Heft und ein kurzes Gespräch zum Titelthema.

Wer am 17. August noch in den Ferien weilt, sonst verhindert ist oder ganz einfach auf Nummer sicher gehen will, der kann unsere neuste Ausgabe bereits jetzt vorbestellen.


HIER: SENF #08 VORBESTELLEN


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Jeder FCSG-Fan weiss es. Seit YB im neuen Wankdorf spielt, hat der FC St.Gallen dort noch nie gewonnen. Das konnten Hutter & Mock bei ihrem Besuch im November 2005 natürlich noch nicht wissen. Was aber damals schon offensichtlich war: Bei YB setzt man auf Ladies Night und Gastgeschenke. Oder einfacher: auf Event.

Wankdorf

Hutter führte Tanja über Schnee und Glatteis in Richtung Wankdorf. Mock trug einen Haufen Sitzkissen und Wolldecken vor sich und Pia her. Es war klirrend kalt und die Glocken läuteten. «Mitternachtsmesse im Stade de Suisse! Wer hatte eigentlich die Idee gehabt zu diesem besinnlichen Ausflug?» Mock hatte nur gewartet, dass Hutter damit beginnen würde. «Ich, Hutter, ich allein, und ich würde jederzeit wieder gleich entscheiden. Falls du umkehren willst, – bitte, Bern hat bestimmt ein wunderbares Kulturprogramm in gut geheizten Räumen.»

Plötzlich standen sie vor der leuchtend weissen Fassade des Schweizer Fussballtempels. Tanja und Pia wurden von hilfsbereiten Stewards in gelben Westen hineingeführt. Es war Ladies Night! Hutter und Mock tappten wie abservierte Liebhaber hinter ihren Frauen her. Sie trauten ihren Augen nicht. Sie sassen in der Kathedrale des Schweizer Fussballs und waren fast allein. Hutter hatte seine eigene Methode, um die Stimmung im Family Corner aufzuheizen: «Wirklich überzeugend, diese Super League! Statt gratis Heizkissen und Kafi Schnaps zu verteilen, reissen sie uns mit ihrem neuen Stadion-TV auch noch den letzten Nerv aus.» Hakan Yakin legte sich auf Grossleinwand Gurken aufs Gesicht und Adrian Eugster plapperte im Smoking über seine alten Kollegen aus St.Gallen. «Entertainment vor dem Match gehört heute einfach dazu, Schalke machts, Real auch und Austria Lustenau sowieso.»

Hutter dachte an das 1:0 von Hottiger gegen Italien und an die schwankende Stahlrohrtribüne im alten Wankdorf. Ein verzweifelter Speaker bat die entfesselten Schweizer Fans inständig, mit dem Stampfen aufzuhören. Das war Unterhaltung! Trainer Loose hatte seiner Truppe gegen die Kälte viel Vorwärts-Bewegung verordnet. Callà stach wie ein Pfeil hinein in die freien Räume auf dem Flügel. Marazzi dribbelte sich schwindlig. Alex fightete. Aber der letzte Pass wollte einfach nicht gelingen. Dann unterschätzte Cerrone eine harmlose Flanke von Aziawonou und Varela versenkte den Ball mit dem Kopf hinter Razzetti. 1:0. Hutter stand auf: «Das wars wohl, ich organisiere Überlebensnahrung. Tanja, wie wärs mit einer kleinen Stadionbesichtigung?» In der Pause spielte der neue Mister Schweiz mit drei weiblichen Matchbesucherinnen um Tickets für das Robbie-Williams-Konzert! Mock gähnte und Pia fragte nur, warum sie bei einem Wettbewerb eigentlich nie gewinne. In der zweiten Hälfte wärmten die Grünweissen ihre zahlreichen Anhänger endlich mit gefälligem Spiel auf. Sie schnürten die Gastgeber minutenlang im Strafraum ein, fanden die Lücke zum Tor aber doch nicht. Mock spürte seine Zehen nicht mehr. Pia massierte ihre gefrorene Nase. Ein YB-Spieler blieb verletzt am Boden liegen. Sanitäter rollten eine Bahre aus dem Jahre 1954 aufs Feld und über die Grossleinwand flimmerte die Werbung für ein neues Schmerzmittel. Mock faltete die Wolldecke zusammen. «Pia, ich habe dich an einen schrecklichen Ort ausgeführt. Komm, wir suchen unsere Freunde!»

Mock wunderte sich, als ein Steward Pia eine gelbe Rose überreichte. Da traf ihn ein Schneeball am Kopf. Mock sah zornig auf und erblickte Hutter und Tanja, die lachten und ihn mit weiteren Schneebällen herausforderten. Mock und Pia nahmen die Einladung an.


Die Geschichten von Hutter & Mock waren über Jahre fixer Bestandteil der St.Galler Matchvorbereitung. Die ersten 37 Folgen bis zum Abschluss der Rückrunde der Saison 2003/04 sind in einem Sammelband im Saiten-Verlag erschienen. Der Autor Daniel Kehl hat uns freundlicherweise die nachfolgenden, bisher nicht in Buchform erschienenen Episoden überlassen. Wir veröffentlichen in jeder Ausgabe des SENF eine Hutter & Mock-Episode, die erste im SENF #02. Zusätzlich erscheint jeden zweiten Monat eine Episode hier auf diesem Blog.

Die aktuelle Episode «Schneeball für Robbie Williams» erschien anlässlich des Heimspiels in der 17. Runde der Saison 2005/06 gegen Neuchâtel Xamax.

Hutter & Mock