SENF begleitet die WM auf saiten.ch und senf.sg. Wir berichten direkt aus Russland, schauen zuhause bei grossen Public Viewings und in kleinen Beizen vorbei, und natürlich tickern R.S. und R.S das eine oder andere Spiel. Sämtliche Artikel, Bilder, Ticker und sonstige Erzeugnisse, die wir bis Mitte Juli zu digitalem Papier bringen, werden hier verlinkt. Natürlich informieren wir auch auf FacebookTwitter und Instagram unter dem Hashtag #SENFWM was wir gerade im Sinn haben.


3. Juli

Nach Openair-bedingter Pause kehrt SENF heute ins Turnier zurück. Schafft die Schweiz die Viertelfinalqualifikation? R.S. und R.S. tickern live.


27. Juni

Im letzten Gruppenspiel kann die Schweiz den Achtelfinaleinzug sicherstellen. Gelingt das? SENF tickert live.


22. Juni

Die Schweiz trifft im zweiten Gruppenspiel auf Serbien. Auf dem Weg Richtung Achtelfinal ist das Spiel von grosser Bedeutung. SENF tickert live vom Public Viewing des serbischen Kulturvereins Sveti Sava in Altstätten.


19. Juni

Wir unterbrechen die WM-Berichterstattung für eine Eilmeldung: Der FC St.Gallen ist morgen nach fünf Jahren wieder einmal Teil einer Europa League-Auslosung. Das Prozedere ist leicht verwirrlich, deshalb haben wir es hier erklärt.


17. Juni

R.S. und R.S. tickern den Auftakt der Schweiz gegen Brasilien live.


14. Juni

Die WM geht los. Das heisst nicht nur einen Monat lang Fussball schauen, das heisst auch: Einen Monat lang WM-Songs ertragen. Wir haben reingehört, damit ihr nicht müsst.


13. Juni

Nur noch einmal schlafen, dann startet die Weltmeisterschaft. Höchste Zeit, die Tipps für die ersten Spiele abzugeben. Wer beim SRF-Tippspiel mitmacht, kann gerne unserer Tippgruppe namens SENF beitreten.


12. Juni

Vor einer WM erscheinen unzählige Berichte, Bilder, Videos und vieles mehr. Wenig davon ist so gut wie dieser Kurzfilm.

12. Juni

Die Karpatenukraine ging als Sieger vom Platz und darf sich Weltmeister nennen. Conifa-Weltmeister zumindest. In der Heimat drohen derweil unangenehme Fragen wegen angeblicher separationistischer Handlungen. Unser Bericht vom Finaltag der WM für Fussballhipster ist hier zu lesen.

7. Juni

Die Halbfinals sind gespielt. Nordzypern schlägt Padania mit 3:2, die Karpatenukraine schlägt Szeklerland 4:2. Am Samstag machen folglich Nordzypern und die Karpatenukraine den Weltmeistertitel unter sich aus. Die Begegnung verspricht spannend zu werden. In der Gruppenphase trennten sich die zwei Teams 1:1. Padania und Szeklerland machen Platz 3 aus. In der Gruppenphase gewann Padania dieses Spiel mit 3:1. Auch im Spiel um Platz 3 dürften sie leicht favorisiert sein. SENF wird von beiden Partien berichten. Als einziges Schweizer Medienhaus berichten wir vor Ort von beiden WM-Finals diesen Sommer. Wir tun das am schnellsten und mit Bildern auf unserem nagelneuen Instagram-Kanal.


5. Juni

In den Viertelfinalspielen der Conifa-WM setzten sich Nordzypern gegen Barawa, Padania gegen Punjab, die Karpatenukraine gegen Cascadia und Szeklerland gegen Westarmenien durch. In den Halbfinals trifft Nordzypern auf Padania und die Karpatenukraine auf Szeklerland. Die Spiele finden am 7. Juni statt.

Dass Barawa überhaupt in die Viertelfinals vorstossen konnte, sorgte für ordentlich Zündstoff. Barawa soll einen Spieler nach dem ersten Spiel nachgemeldet haben. Ellan Vannin, das Team von der Isle of Man, das in der Vorrunde nur knapp gescheitert war, legte Protest ein. Die Conifa lehnte diesen ab. Sehr zum Unbill von Ellan Vannin:

Die Mannschaft verzichtete in der Folge sogar auf die Platzierungsspiele, die sie noch hätten spielen sollen. In der Zwischenzeit soll aber ein gutes Treffen mit dem Präsidenten der Conifa, dem ehemaligen Schiedsrichter Per-Anders Blind, stattgefunden haben:


5. Juni

Schon bevor in Russland der erste Pfiff ertönt, werden in London WM-Viertelfinals gespielt. Die von der Fifa nicht anerkannten Teams treten zur Conifa-WM an. Wir waren vor Ort: Die WM für Fussballhipster

 


Heute und morgen Mittwoch werden in Nyon die Partien der zweiten Qualifikationsrunde der Europa League ausgelost. Die Partie des FC St.Gallen wird morgen ausgelost. Und trotzdem könnte der Gegner auch danach noch unklar sein.

Jeff Saibene

Zum ersten Mal seit 2013 wird der FC St.Gallen wieder am europäischen Geschäft teilnehmen. Damals berechtigte der dritte Platz in der Saison 2012/13 zum Eingreifen im Playoff, der letzten Stufe vor der Gruppenphase. St.Gallen bekam Spartak Moskau zugelost, der Rest ist Geschichte. Will der FC St.Gallen auch 2018 wieder in die Gruppenphase gelangen, muss er insgesamt drei Qualifikationsrunden überstehen. Eingreifen müssen die Espen schon in der zweiten Runde.

Die Auslosung zu dieser zweiten Runde findet morgen Mittwoch statt. Allerdings sind zu diesem Zeitpunkt weder die erste Runde noch die sogenannte Vorqualifikationsrunde gespielt. Das heisst: Auf den Losen, die im Topf für die zweite Qualifikationsrunde sind, sind nicht nur einzelne Teams aufgedruckt, sondern auch Begegnungen der Vorqualifikation und der ersten Qualifikationsrunde, die noch nicht stattgefunden haben.

Vaduz greift in der ersten Runde ein

Die Ziehung der Partien der ersten Qualifikationsrunde findet unmittelbar vor der Ziehung mit dem FC St.Gallen statt. Für diese wurden schon Gruppen definiert. In sieben Gruppen sind zehn Teams, in zwei Gruppen zwölf Teams. Immer die Hälfte ist gesetzt und trifft auf ein ungesetztes Team. Möglich sind Partien wie Gabala FK gegen Progrès Niederkorn. Aber auch grössere Namen wie die Glasgow Rangers, Partizan Belgrad oder Lech Poznan greifen schon in dieser Runde ins Geschehen ein. Und auch der FC Vaduz.

Reise nach Swansea

Auch in der zweiten Runde trifft dann ein gesetztes Team auf ein ungesetztes. Damit auch ohne bereits gespielte erste Qualifikationsrunde klar ist, welcher Koeffizient herangezogen wird, um die gesetzten Teams zu definieren, erhält der Sieger der Partie immer den Koeffizienten des besseren Teams. Das hat zur Folge, dass die Begegnung mit dem Koeffizienten des besseren Teams in die Ziehung eingeht. Sollte also Vaduz (Koeffizient von 2.750) gegen Lech Poznan (Koeffizient 7.000) spielen müssen, geht dieses Los mit Koeffizient 7.000 in die Ziehung der zweiten Runde ein.

Das alles macht Prognosen unmöglich. Dazu kommt noch: In der Ziehung der ersten Qualifikationsrunde sind bereits sieben Lose im Topf, auf denen eine Begegnung und kein einzelnes Team aufgedruckt ist, die Partien der Vorqualifikation. Diese sind zwar schon ausgelost, aber noch nicht gespielt. Es ist also möglich, dass der FC St.Gallen nach der Auslosung sogar noch drei mögliche Gegner hat.

Es gibt viele mögliche Gegner

Ein hypothetisches Beispiel: Birkirkara (Malta, Koeffizient 2.750) trifft in der Vorqualifikation auf KI Klasvik (Färoer Inseln, 0.750). In die Ziehung zur ersten Qualifikationsrunde geht dieses Los mit Koeffizient 2.750. Dieser Begegnung könnte beispielsweise CS Fola Esch (3.500) zugelost werden. Das Los mit den drei möglichen Siegern Birkirkara, Klasvik und Fola Esch würde mit dem Koeffizient 3.500 in die Ziehung zur zweiten Qualifikationsrunde eingehen. Damit wäre das Los im Topf der Ungesetzten. Der FC St.Gallen weist einen Koeffizienten von 6.040 auf und ist in der zweiten Qualirunde sicher gesetzt. Das Dreifach-Los wäre also eine Möglichkeit.

Möglich ist aber auch, dass der FCSG den Gegner sogleich kennt. Einige Teams treten erst in der zweiten Qualifikationsrunde in den Wettbewerb ein, sind aber im Gegensatz zum FCSG ungesetzt. Dazu gehören beispielsweise Hapoel Haifa, Aberdeen oder Djurgardens IF.

Wer jetzt völlig den Durchblick verloren hat, dem sei die Seite von Bert Kassies empfohlen. Dort werden alle Runden so durchgespielt, als würde immer das Team mit dem höheren Koeffizienten eine Runde weiterkommen.

Ab 13 Uhr gehts los

Angesetzt ist die Ziehung der ersten Qualifikationsrunde übrigens auf 13 Uhr Schweizer Zeit. Wir fürchten aber, dass wie üblich zuerst viel zu viel geplaudert wird. Die Auslosung der zweiten Runde erfolgt dann im Anschluss. Dazu werden die Lose in sieben Gruppen aufgeteilt. Gruppen 1-5 bestehen aus zehn Teams, Gruppen 6 und 7 aus zwölf Teams. Möglich sind zu diesem Zeitpunkt entsprechend noch fünf oder sieben sechs Lose. Wie viele Mannschaften damit noch möglich sind, lässt sich wegen oben dargelegter Vorgehensweise nicht sagen.

Wer in einer Begegnung zuerst gezogen wird, hat zuerst Heimrecht, spielt also am 26. Juli zuhause und am 2. August auswärts. Das Einzige, was wir jetzt schon mit Gewissheit sagen können: Wir wissen nach der Auslosung, in welcher Woche wir Ferien nehmen müssen. Wohin es geht, das könnte weiterhin unklar sein. Wenn es dann nur nicht Vaduz wird…

Fanmarsch in Swansea

Update (19. Juni 2018, 21 Uhr): Seit Kurzem stehen auf der Uefa-Webseite neue Zeiten für die morgige Auslosung. Die Auslosung der ersten Runde soll um 12 Uhr starten. Danach werden die Gruppen für die Auslosung der zweiten Runde bekanntgegeben. Diese Auslosung soll dann um 14 Uhr folgen.


Es ist vor jeder WM das gleiche Phänomen: Die halbe Musikwelt veröffentlicht einen Song, um auf der medialen Euphorie mitzureiten, die das grösste Fussballturnier alle vier Jahre aufs Neue erzeugt. Schön anzuhören ist das selten. Wir haben es getan, damit ihr es nicht tun müsst.

Eine WM bringt immer allerlei Begleiterscheinungen mit sich, insbesondere musikalischer Art. Schon vor vier Jahren hatten wir festgestellt, dass dabei oft gesangliche Blutgrätschen herauskommen. Zum Beispiel vor der WM 1994, als Alain Sutter sogar die Gitarre zur Hand nahm. Getönt hat das damals so (Reinhören auf eigene Gefahr).

2018 ist es leider nur bedingt besser. Der SFV hat sich mit dem offiziellen Schweizer WM-Song gleich mal richtig schön in die Nesseln gesetzt. Bei Watson war zum Beispiel zu lesen: «Auffallend: Beim knapp vierminütigen Stück geht es nicht einmal um Fussball. Der Text – hauptsächlich in englischer und spanischer Sprache verfasst – dreht sich um Partys, um Frauen im Bikini und um Alkohol.» Wer sich den Song dennoch antun will:

Die Tageswoche hat vorsorglich schon mal einen alternativen Song gefunden, der dann natürlich aus Basel kommt:

Laut Selbstbeschreibung handelt es sich um ein Plädoyer dafür, dass «Ohrwurm-Elemente und halbwegs reflektierte (oder augenzwinkernde) Lyrics durchaus Hand in Hand gehen dürfen». Kann man durchaus so sehen.

Auch SRF3 präsentiert eine Alternative.  Damian Lynn sorgt mit seinem offiziellen SRF-WM-Song dafür, dass Leutschenbach bereits seit Mitte Mai für die WM brennt. In Chur bedient man sich derweil der gängigen Russland-Klischees in Verbindung mit ein wenig Fussball-Enthusiasmus. Angesicht solcher musikalischen Ergüsse möchte man nicht nur eine Rakete ins All schiessen.

Natürlich sind mehr oder weniger misslungene WM-Songs aber keine Schweizer Eigenheit. Der Blog Football and Music hat eine riesige Liste zusammengetragen. Wer sich durchklickt, stellt schnell fest: So schlecht der offizielle Schweizer WM-Song sein mag, er tanzt nicht unbedingt aus der Reihe. «Live it up» zum Beispiel, der offizielle WM-Song, «has nothing to do with football».

Wir sind gespannt, welcher Song aus der grossen Auswahl dieses Jahr zum beliebtesten WM-Song wird. Wir befürchten allerdings, dass wir auch 2018 wieder Baschi dabei helfen müssen, irgendwas nach Hause zu bringen. Der «Torwurm» (Zwölf) ist einfach nicht totzukriegen.

Mehr zum Thema Fussball und Musik gibt’s dann übrigens im SENF #10, der im August erscheint.


SENF berichtet umfassend von der WM 2018. Die Übersicht zu Berichten, Tickern und allem anderen gibts immer hier: http://senf.sg/senf-zur-wm-2018/


Die Karpatenukraine wird Weltmeister und muss sich bei der Heimkehr wohl unangenehmen Fragen stellen. Auch das zeigt, wie viel den Teams der Conifa an der Teilnahme an der etwas anderen Fussball-Weltmeisterschaft liegt.

Karpatenukraine feiert

Die Karpatenukraine feiert den Conifa-WM-Titel (Bild: Con Chronis/Conifa)

Der Lärm ist ohrenbetäubend. Die britische Luftwaffe fliegt über die Londoner Innenstadt und malt weisse, rote sowie blaue Linien in die Luft. Die Queen hat Geburtstag. Oder besser gesagt: Sie feiert Geburtstag. Denn eigentlich wurde sie schon im April 92 Jahre alt. Die Feierlichkeiten finden traditionsgemäss jedoch am zweiten Samstag im Juni statt. So auch an diesem 9. Juni.

Königin Elizabeth spielt auch nördlich der Innenstadt eine tragende Rolle. Im Londoner Quartier Enfield findet das Finale der WM für Fussballhipster statt. Das Stadion des gastgebenden Enfield Town FC trägt seit 1977 den Namen «Queen Elizabeth II Stadium». Trotz dieses royalen Touchs, bleibt der Finaltag der Conifa-WM von pompösem Gehabe verschont.

Wenig Luft nach langem Turnier

Auf dem Platz duellieren sich zuerst Szeklerland und Padania um den dritten Platz. Letztere konnten die gleiche Begegnung in der Gruppenphase für sich entscheiden, starten aber mit Problemen in die Partie. Szeklerland, das Team der ungarischen Minderheit in Rumänien, startet temporeich ins Spiel. Die Norditaliener von Padania schaffen es nur mit langen Bällen, sich aus der eigenen Hälfte zu befreien. Dabei fällt vor allem Marius Stankevičius auf. Der Verteidiger verteilt die Bälle derart gut, dass Padania trotz des Drucks von Szeklerland ab und an gefährlich wird.

Wenig überraschend können die Ungarn das Tempo nicht halten. Gegen Ende der ersten Halbzeit kommt Padania immer besser ins Spiel. Auch in Halbzeit Zwei machen sie zu Beginn den besseren Eindruck. Schon nach 60 Minuten scheint bei beiden Teams aber die Luft draussen. Die Folgen der vielen Spiele innert kürzester Zeit – es ist das sechste Spiel in zehn Tagen – sind offensichtlich. Schnell wird klar: Nur eine Standardsituation oder der Zufall können dieses Spiel entscheiden. Es kommt nicht dazu. Ohne Verlängerung geht es direkt zum Penaltyschiessen, das Padania für sich entscheidet.

Viele Zuschauer beim Final

Schon beim Spiel um Platz 3 waren die Plätze rund ums Spielfeld gut belegt. Nun strömen noch mehr Leute ins Stadion. So viele, dass der Anpfiff des Finals um eine halbe Stunde zurückverlegt wird. In diesem Final trifft die Karpatenukraine auf Nordzypern. Bei Ersteren handelt es sich ebenfalls um eine ungarische Minderheit, in der namensgebenden Ukraine. Die Fans von Szeklerland bleiben deshalb gleich vor Ort und unterstützen auch das zweite ungarische Team lautstark und farbenfroh. Auf der anderen Seite steht mit Nordzypern ein Staat, der nur von der Türkei anerkannt wird. Die Unterstützung in Nordlondon für das Team ist gross. Auch für dieses Team werden Flaggen gehisst, Lieder gesungen und Fackeln gezündet.

Nordzypern (in weiss) trifft im Conifa-WM-Final auf die Karpatenukraine (Bild: Con Chronis/Conifa)

Das Spiel wirkt von Anfang an deutlich intensiver, die Mannschaften physisch stärker als noch beim kleinen Final. Wenn die Wogen aber zu hoch gehen, holt Schiedsrichter Mark Clattenburg die Spieler schnell auf den Boden zurück. Clattenburg, der noch vor zwei Jahren den Final der Champions League pfiff, konnte dank des Hauptsponsors verpflichtet werden. Diesem verdankt das Turnier im Übrigen auch den eigenen WM-Song von Right Said Fred, der mit einigen Anspielungen aufwartet.

Auf dem Platz bleibt die Forderung der Band, das Haus abzureissen, unerfüllt. Der Sportjournalist im Zuschauer denkt in Plattitüden wie «neutralisieren» und «abstasten». Es fesselt wenig, dieses Spiel. Auch die Fans können sich mit anderem beschäftigen und deshalb zeigt sich, dass hier eher eine Diaspora vor Ort ist als mitgereiste Fans. Die Ungarn singen in perfektem Englisch die unter englischen Fans bekannten Lieder «Don’t take me home» und «Your support is fucking shit». Auch bei den nordzypriotischen Fans ist Cockney-Slang in Reinform zu hören.

Karpatenukraine wird Weltmeister

Dass das Spiel nicht fesselt, zeigt sich auch zehn Minuten vor Schluss, als Regen einsetzt. Etliche Zuschauer verlassen das Stadion, trotz WM-Final. Gekommen war man wegen des exotischen Faktors, wirklich interessiert sind dann doch nicht alle. Wer bleibt, sieht die Karpatenukraine im unausweichlichen Penaltyschiessen gewinnen. Das Team, das nur wegen des Rückzugs von Féldivek, eines anderen Teams einer ungarischen Minderheit, überhaupt dabei war, kann den Pokal in die Luft stemmen.

Im strömenden Regen feierte die Karpatenukraine ihren Titel weiter, zusammen mit den Fans, «deren farbenvolle Fackeln dem Spiel eine einzigartige Atmosphäre verliehen hatten», wie die Organisatoren in einem Fazit zum Finaltag sagten. Auch zum ganzen Turnier fällt das Fazit ausgesprochen positiv aus. Sascha Düerkop, Generalsekretär der Conifa, sagt: «Wir waren sehr positiv überrascht von den Zuschauerzahlen und dem überragenden Feedback, welches wir von Medien und Zuschauern aus aller Welt bekommen haben.» Noch nie sei man so sehr im Fokus der Weltöffentlichkeit gestanden.

Ukrainische Regierung ist nicht erfreut

Im Fokus zu stehen bringt indes auch Nachteile, wie sich drei Tage nach dem letzten Pfiff zeigt. Die Spieler der Gewinnermannschaft dürfen sich auf unangenehme Fragen der ukrainischen Regierung gefasst machen.  Dass das Team separatistische Propaganda machen würde, scheint indes in der Tat schwer zu glauben. Und selbst wenn sie es wollten, würden es die Veranstalter nicht zulassen. «Über die Hymne und Flagge hinaus ist jede Botschaft hier strikt verboten», sagt Düerkop. «Wir haben kein Interesse daran politische Spannungen zu erzeugen. Wir zielen vielmehr darauf ab, alle Menschen zusammenzubringen und durch den Fußball zu vereinen.»

Das sei denn auch ausgezeichnet gelungen. «Politische» Aufreger blieben aus. Die Fans hätten sich vorbildlich verhalten, aber «auch abseits des grünen Rasens haben sich die Mannschaften super verstanden, Freundschaften gebildet und sich gegenseitig durchgehend unterstützt». Düerkop wählt grosse Worte, um das zu beschreiben: «Wir haben ein grosses Fussballfestival erlebt, einen Karneval der Kulturen auf und neben dem Rasen, und sind mit Liebe überschüttet worden.»

Ellan Vannin wird ausgeschlossen

Diesem Fazit vermutlich nicht zustimmen, werden die Vertreter von Ellan Vannin. Das Team der Isle of Man hatte sich zurückgezogen, nachdem ihr Protest gegen einen nachgemeldeten Spieler im Team von Barawa nicht erfolgreich war. Man mag geteilter Meinung sein, ob die Conifa sich selber einen Gefallen tat, dem Team von Barawa eine Nachmeldung für das zweite und dritte Gruppenspiel zu erlauben. Die Umstände bei den Teams, die oft mit Visa-Problemen kämpfen, bedürfen einer pragmatischen Handhabung. Die Fairness gegenüber allen Teams bedarf trotzdem gewisser Regeln. Dass sich der Verband von Ellan Vannin nach einem unliebsamen Entscheid einfach zurückzieht, ist indes sicher die falsche Lösung. Dass die Conifa nun gleich einen Ausschluss Ellan Vannins in die Wege leitet, dürfte aber auch kaum zur Beruhigung und Problemlösung beitragen. Das letzte Wort hat die Generalversammlung aller beteiligten Verbände.

Der Rückzug von Ellan Vannin und der nachfolgende Ausschluss aus der Conifa ist vor allem zu bedauern, weil bei diesem Turnier die sonst so oft missbrauchte Phrase «Dabei sein ist alles» eben für viele tatsächlich zutraf. Um das zu belegen, braucht es nur einen kurzen Blick auf das Team von Matabeleland. Trotz Platz 13 von 16, das Turnier war ein Erfolg. Davon zeugt der Kurzfilm von Joel Rookwood genauso wie dieser Tweet des Trainers Justin Walley.


SENF berichtet umfassend von der WM 2018. Die Übersicht zu Berichten, Tickern und allem anderen gibts immer hier: http://senf.sg/senf-zur-wm-2018/


Die Gruppenphase der WM endete mit zwei dicken Überraschungen: Vorjahressieger Abchasien musste bereits die Segel streichen, ebenso Mitfavorit Ellan Vannin. Heute stehen die Viertelfinals auf dem Programm.

Matabelelands Spieler und Betreuer klatschen beim Publikum ab. (Bild: Con Chronis/CONIFA)

Während Fussballfans rund um den Kontinent die Spielpläne der in neun Tagen beginnenden WM studieren, den Grill in Position bringen und die Biervorräte auffüllen, läuft in London bereits eine Fussball-Weltmeisterschaft.

Dort spielen die Teams, die nicht Teil der FIFA sind. Und, wie der Guardian ausführte, meist auch nicht Teil der internationalen Gemeinschaft: «the world’s outcasts, the dispossessed, the not-quite nations, the once-were nations and in many cases never-will-be nations. Some are not geographical entities at all, such as Japan’s Korean minority.» Am greifbarsten sind vermutlich die Auswahlen von Tibet und Nordzypern. Oder Raetia, die Bündner Landesauswahl, die auch dank des Rappers Gimma ins Leben gerufen wurde, sich aber dieses Jahr nicht qualifiziert hat.

Eine somalische Hafenstadt organisiert die WM

Die Auswahlmannschaften haben sich unter dem Banner der Confederation of Independent Football Associations (Conifa) zusammengefunden, um internationale Spiele bestreiten zu können. In verschiedenen Modi haben sich 16 Teams für die Weltmeisterschaft qualifiziert, die von Barawa organisiert wird. Barawa ist eigentlich eine Hafenstadt in Somalia. Der Fussballverband wird aber von der in England lebenden Diaspora verantwortet, weshalb auch das Turnier im Grossraum London ausgetragen wird.

Gespielt wird in klassischen Non-League-Grounds, Spielstätten von Teams also, die mit Profifussball nichts am Hut haben. Zum Beispiel das Coles Park Stadium, die Heimstätte des Haringey Borough FC, der gerade in die Isthmian League Premier Divison aufgestiegen ist, die siebthöchste englische Liga.

Es sei keine wohlhabende Gegend, sagt Matt Walker, den wir am letzten Samstag im Coles Park Stadium treffen. Walker hat in der vergangenen Saison in allen 55 Uefa-Nationen ein Spiel der obersten Liga gesehen. Auch in St.Gallen war er zu Gast. Mehr zu ihm gibt’s demnächst im Fussballmagazin Zwölf. Obwohl er das ganze Jahr mit Fussballspielen in den von der Uefa und Fifa anerkannten Ländern verbracht hat, ist er doch ein typischer Gast bei dieser WM. Es ist ein Stelldichein der Fussballnerds, eine Art Happening für Fussballhipster. Wer keinen Bezug zu einem der beteiligten Länder hat, kommt vor allem, weil es hier Fussball gibt, den es sonst nirgends gibt.

Eine Abmachung für den Afrikacup in Kamerun

Als wir uns mit Matt unterhalten, fällt das Wort Bromley, eine Londoner Gegend nicht weit von seinem Zuhause entfernt. Just in diesem Moment passiert uns ein Fan des Bromley FC, der sich angesprochen fühlt. Es entwickelt sich ein Gespräch. Schnell merken der Bromley-Fan und Matt, dass sie schon mal an den gleichen aussergewöhnlichen Orten waren, teilweise an den gleichen Spielen. Wie man in Äquatorial-Guinea am besten an Tickets kommt und wie die Reisepläne für den Afrikacup 2019 in Kamerun sind: An dieser WM dreht sich wegen solcher Fragen niemand überrascht um. Wenn sich einer umdreht, dann um sie zu beantworten.

Es gibt aber natürlich auch die Fans. Die erste Begegnung, die wir uns anschauen, ist Szeklerland gegen Matabeleland. Letzteres liegt im Süden von Simbabwe, Ersteres ist eine Gegend im heutigen Rumänien, das hauptsächlich von Ungaren bewohnt wird. Neben Szeklerland gibt es drei weitere Conifa-Mitglieder, die sich auf Ungaren ausserhalb Ungarns stützen: Felvidék, Délvidék und die Karpatenukraine. Aus Felvidék stammt auch Alex. «Ich wurde im gleichen Ort wie meine Vorfahren geboren, aber in einem anderen Land», sagt der Hungaro-Slowake, der in London lebt. Weil sich Felvidék aber zurückgezogen hat, unterstützt er heute Szeklerland.

Mit ihm tun das noch an die 100 andere. Sie treffen lautstark im Stadion ein. Auch während dem Spiel fallen sie durch ihre Stimmung auf. «Ria, ria, Hungaria» ertönt es immer und immer wieder. Dazu zünden die Fans Rauchfackeln in den ungarischen Nationalfarben. Als Aussenstehender weiss man oft nicht so recht, wie man das Auftreten deuten muss. Nationalismus ausserhalb der Nation? Gezielte Abgrenzung gegenüber dem ungeliebten Rumänien? Die Fans von Szeklerland geben aber kaum Anlass zur Beanstandung. Fotografen können sich so ungehindert zwischen ihnen bewegen wie in kaum einem Stadion sonst. Nur nach dem Spiel kommts in der Stadionbar zu Unstimmigkeiten. Das Barpersonal erträgt die Trommeln und das Megaphon nicht, die Fans ertragen die Zurechtweisung nicht. Es bleibt aber beim Wortgefecht.

Das ganze Stadion für den Underdog

Das Spiel hatte Szeklerland da schon mit 5:0 gewonnen. Der Sieg hätte auch höher ausfallen können. Matabeleland zeigte offensiv einen ansehnlichen Auftritt, in der Defensive fehlte aber die Organisation. Wohl auch deshalb sah sich der Torhüter nach rund einer halben Stunde zu einer Notbremse veranlasst, die natürlich eine rote Karte zur Folge hatte. Matabeleland gelang nicht einmal ein Ehrentor. Trotz zweier guter Chancen kurz vor Schluss, bei denen das ganze Stadion – so schien es – mit den Underdogs mitlitt.

Für Matabeleland, bei dem der ehemalige Liverpool Goalie Bruce Grobbelaar für das Torhütertraining zuständig ist, ist aber alleine die Teilnahme ein kleines Wunder. Per Crowdfunding hat das Team 20’000 Dollar gesammelt, um nach London reisen zu können. Paul Watson, der Commercial Director von Conifa, sagte nach der Gruppenphase denn auch, die Spieler Matabelelands hätten nach einer Niederlage glücklicher ausgesehen als manch andere Spieler nach einem Sieg.

Auch bei der zweiten Partie an diesem Tag sind die Rollen klar verteilt. Padania, Mitfavorit auf den Titel, trifft auf Tuvalu. Obwohl Tuvalu den einzig souveränen Staat im Teilnehmerfeld stellt, haben die Kicker von den Inseln mit der Domain-Endung .tv keine Chance. Das Spiel bleibt wohl aber wegen einer anderen Besonderheit in Erinnerung. Der Schiedsrichter zeigte zum ersten Mal eine grüne Karte. Damit wird ein Spieler bestraft, der sich beispielsweise einer Schwalbe schuldig gemacht hat. Der Spieler muss zwar vom Feld, kann aber ersetzt werden, sofern das Team sein Auswechselkontingent nicht schon ausgeschöpft hat.

Keine politischen Äusserungen

Zum Schluss steht es 8:0 für Padania, der Region im Norden Italiens, die sich vor allem durch die Abgrenzung zum Süden definiert. Am Beispiel Padania zeigt sich ein ungelöster Konflikt, der während des Turniers aber nicht in den Vordergrund tritt. Der Ausdruck Padania ist in Italien konnotiert. Die Lega Nord hat ihn für sich gepachtet. Die Conifa will politisch neutral sein. Gleichzeitig wollen die Veranstalter aber niemanden ausschliessen, solange darauf verzichtet wird, sich an Spieltagen politisch zu äussern.

Dass diese Grenzen nicht ganz so einfach zu ziehen sind, zeigt sich auch am Tag darauf. Im St Paul’s Sports Ground trifft Cascadia auf Tamil Eelam. Cascadia, eine grenzübergreifende Region an der amerikanischen und kanadischen Westküste, will sich nach eigenen Aussagen auf den Sport konzentrieren, die gemeinsame Kultur der Region in den Vordergrund rücken. Eine politische Konnotation wollen sie sich explizit nicht auferlegen. Und trotzdem werden sie auf der Plattform Deadspin doch so kategorisiert: «The idea of Cascadia represents a connection with nature, a leftist ideology, and a disillusionment with American corporatism.»

Noch deutlicher zeigen sich potenzielle Probleme aber bei Tamil Eelam. Das Gebiet, das diese Mannschaft vertritt, liegt im Norden und Osten Sri Lankas. Auch islamistische Gruppierungen wollen hier Einfluss nehmen. Das Konzept von Tamil Eelam geht auf die Tamil United Liberation Front zurück. Die Liberation Tigers of Tamil Eelam, bei uns bekannt als Tamil Tigers, hatten versuchten, die Abspaltung zu erzwingen. Rund um das Spielfeld sind einige Tamilen mit Pullovern zu sehen, auf denen Soldaten abgebildet sind.

«Es gibt kein Tamil Eelam»

Auf Twitter kursiert ein Schreiben an den Conifa-Präsidenten, das von der High Commission of the Democratic Socialist Republic of Sri Lanka stammt:

In diesem steht, es gebe kein Tamil Eelam und die Liberation Tigers of Tamil Eelam seien Terroristen.

Die Spieler scheinen das nicht in den Vordergrund stellen zu wollen. Auch wenn es schön sei, für die eigenen Leute zu spielen, sagt Kabilan Sithamparasakthi nach dem Spiel, das Tamil Eelam gleich mit 0:6 verliert. Er sagt es auf Schweizerdeutsch, denn Sithamparasakthi spielt nächste Saison beim FC Aegeri in der 2. Liga interregional. Dass er im Team von Tamil Eelam steht, verdankt er seiner Leistung bei einem Sichtungstraining in Luzern, wo er sich gegen rund 40 andere Fussballer durchgesetzt hat.

Den politischen Diskussionen können aber weder Spieler noch Verantwortliche ganz ausweichen. Schon am Eröffnungstag hätten einige Georgier die Teilnahme von Abchasien angeprangert, weil sie es als abtrünnige Region ansehen. Die zypriotische Regierung beschwerte sich, dass die türkischen Nachbarn von Nordzypern mittun dürfen. Deutlicher werden die politischen Interventionen aber, wenn es um Tibet geht. Gleich mehrere potenzielle Sponsoren hätten ihre Unterstützung daran geknüpft, Tibet auszuschliessen, sagt Paul Watson. Darauf sei man aber natürlich nicht eingegangen.

«Good spraying, ref!»

Politische Diskussionen finden auch unter den Zuschauern immer wieder statt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Was, wenn Westarmenien – von der Türkei nicht anerkannt – auf Nordzypern – nur von der Türkei anerkannt – treffen sollte? Alles in allem beherrscht aber eine gelöste, gute Stimmung an den Spielen. So zum Beispiel am erwähnten Sonntagnachmittag im St Paul’s Sports Ground, wo normalerweise der Fisher FC und die Frauenmannschaft von Millwall spielen, direkt in der Anflugschneise des London City Airports. Hinter dem Tor versammelt sich eine bunt gemischte Gruppe, die schlicht und einfach Spass am Fussball zu haben scheint. Je länger das Spiel dauert – und wohl auch je mehr Bier getrunken wird –, desto kreativer werden die Zwischenrufe. Da wird schon einmal der Linienrichter als Reptiloid bezeichnet oder der Einsatz des Freistoss-Sprays des Schiedsrichters frenetisch bejubelt: «Good spraying, ref!»

Vielleicht war es auch etwas Wetterglück, aber das Fazit der Organisatoren nach der Gruppenphase fällt fast schon euphorisch aus. Alle Erwartungen seien übertroffen worden, sagt Paul Watson. Es seien viel mehr Zuschauer gekommen und die sportliche Qualität sei sehr gut gewesen. In den Viertelfinals, die heute stattfinden, trifft Barawa auf Nordzypern, Padania auf Punjab, die Karpatenukraine auf Cascadia und Westarmenien auf Szeklerland. Die Halbfinals sind auf Donnerstag angesetzt, das Spiel um Platz 3 und der Final auf Samstag, wo SENF wieder vor Ort sein wird. Und unter anderem dem ehemaligen Profi-Schiedsrichter Mark Clattenburg zusehen wird, der den Final pfeift.


SENF berichtet umfassend von der WM 2018. Die Übersicht zu Berichten, Tickern und allem anderen gibts immer hier: http://senf.sg/senf-zur-wm-2018/