Fussball ist Kultur, propagieren die Organisatoren der Fussballlichtspiele St.Gallen seit der ersten Durchführung im Jahr 2015. Auch im dritten Jahr in Folge ist es gelungen, dies mit einem vielfältigen Programm zu untermauern. Das Publikum scheint ebenfalls zuzustimmen: Das OK konnte einen Publikumsrekord vermelden. Wir waren auch bei der Ausgabe 2017 als Medienpartner vor Ort und haben eine Rangliste mit vier Highlights des Festivals erstellt: eines für jeden Festivaltag.

Tag 1, das Highlight zu Beginn:

In der Pause des Auftaktfilms, einem Dokumentarfilm über das Leben unseres Meistertrainers Marcel Koller, war ein weit verbreitetes Gesprächsthema die Aussage Kollers, ihm seien nach den Jahren bei den Grasshoppers bei seinen nächsten Stationen vor allem Unterschiede in Sachen Professionalität aufgefallen. Die Älteren unter unseren Lesern erinnern sich, Koller hatte nach Ende seiner Spielerkarriere und ersten Schritten als Assistenztrainer bei GC zuerst zu Wil und dann zu St.Gallen gewechselt, und hier teilweise kalte Duschen und Schnee auf dem Spielfeld vorgefunden. Unser erstes Highlight daher: die Szenen im Film, in denen Koller unsere ehemalige Spielstätte besucht und auf dem Weg erzählt, wie sie hier beim Restaurant am Eingang zur Haupttribüne «amel Boccia gspielt hend», und jeweils vor Spielen im Winter «am Schnee usehole gsi sind». In der Ostschweiz ticke man eben einfach ein bisschen anders, so Koller im Film.

Tag 2, Bullshit wird Bingo:

Als am anderen Ende der Stadt das Spielfeld des St.Galler Stadions während des Qualifikationsspiels der Schweiz gegen Andorra gerade zu versinken drohte, spielte man am Public Viewing der Fussballlichtspiele ein Spiel der etwas anderen Art. Für uns ist diese Variante, wie man ein Fussballspiel der Nationalmannschaft sehen kann, schlagartig zur favorisierten aufgestiegen: mit einer Bingo-Karte in der Hand, auf der sich mögliche Ausdrücke des Moderators zu einem grossen Ganzen zusammenfügen, dem Bullshit-Bingo. Klassiker wie «der Mann aus Sursee» finden sich ebenso darauf wie «Ronaldo-mässig» oder «Aufflackern von fussballerischem Können». Unser persönliches Highlight ist unter den gegebenen Wetter-Bedingungen aber ganz klar «rutscht im dümmsten Moment aus». Den flüssigen Hauptpreis (nein, keine Dusche im sintflutartigen Regen) hat übrigens ein Mitglied des SENF-Kollektivs gewonnen, was natürlich mit der Auswahl dieses Highlights überhaupt nichts – ÜBERHAUPT NICHTS – zu tun hat!

Tag 3, durch eine andere Linse:

Wer es nicht gesehen hat, hat was verpasst. Unser drittes Highlight stammt aus der Begleitaustellung Am Ball: Meister FC St.Gallen, wo Portraits der St.Galler Meistermannschaft zu sehen (und zu kaufen) waren, fotografiert von Franziska Messner-Rast. Während alle Portraits die Spieler in ungewohnter Umgebung zeigen, stellt dasjenige von Ivan Dal Santo, dazumal Schönling der Mannschaft, alle anderen in den Schatten – auch dasjenige unseres aktuellen Trainers. Diese Frisur. Dieser Blick. Diese Pose.

Tag 4, Abschluss-Furioso:

Während wir auch für den vierten Tag eine ganze Auswahl an Highlights zur Verfügung hätten (wer Shaolin Soccer noch nicht auf der Liste zu schauender Filme hat, sollte dies unbedingt nachholen – ein grosses Danke für den Tipp gebührt der Zwölf-Redaktion), ist unser letztes Highlight eines, das allgemein ausfällt.

Auch dieses Jahr hat das Organisations-Komitee es geschafft, in der Gestaltung des Festivals, in der Programmauswahl und im Zusammenstellen der Schwerpunkte neue Massstäbe zu setzen. Die Tages-Themen waren sorgfältig gewählt – vom Erfolg des Underdogs, zur Nationalmannschaft, einem Südamerika-Fokus und dem Traum vom Profi –, kleinere Produktionen erhielten genauso Raum wie grössere und Gespräche mit Regisseuren und Podiumsdiskussionen erlaubten das Aufgreifen zahlreicher Themen: Dies ergab erneut ein stimmiges Gesamtpaket. Mit 400 Eintritten gab es zudem einen Zuschauerrekord, auch auf dieser Ebene sind die dritten Fussballlichtspiele gewachsen. Unser Fazit ist darum auch in diesem Jahr wieder klar: Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Ausgabe.

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