Im ausführlichen Interview in der vierten Ausgabe «sicher isch sicher» des SENF vergleicht der Erste Staatsanwalt Thomas Hansjakob die – seiner Ansicht nach – «schlimmen Zustände» in Basel mit denjenigen in St.Gallen. Seine Aussagen sind brisant. Sowohl der FC Basel als auch FCSG-Präsident Dölf Früh haben auf Hansjakobs Aussagen reagiert und erläutern ihre Sicht der Dinge.

SENF_Fussballplatzgitter

Wenn es um Sicherheit bei Fussballspielen geht, wird St.Gallen gerne als – je nach Sichtweise positives oder negatives – Beispiel herangezogen. Insbesondere der Erste Staatsanwalt des Kantons St.Gallen, Thomas Hansjakob, hat sich mit seinem harten Durchgreifen gegenüber Fussballfans einen Namen als Hardliner gemacht. Im ausführlichen Interview für die aktuelle Ausgabe des SENF wollten wir deshalb von ihm wissen, was denn beispielsweise in Basel anders gemacht werde, dass der Fussballclub am Rheinknie trotz des höheren Zuschauerschnitts bedeutend weniger im (medialen) Fokus steht. Daraufhin führte Thomas Hansjakob aus, dass die Situation, die im St.Jakobspark herrsche, in St.Gallen niemand wolle: «Ich meine den dauernden Krawall und die Pyros, dazu gibt es immer wieder Schlägereien, aber verhältnismässig wenig Stadionverbote. Diejenigen, die ein Stadionverbot haben, sind relativ schnell wieder im Stadion. Das sind schlimme Zustände.»

Hansjakob ging auch auf mögliche Gründe dafür ein: «Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Offiziellen des FC Basel Angst haben, gewissen Leuten Stadionverbot zu geben, da sie persönlich bedroht werden. Da können Sie mich fragen, die Stadtpolizei oder auch Dölf Früh. Die sagen alle: Solche Zustände wie in Basel wollen wir hier nicht.» Insbesondere diese Aussage nahm man in Basel und beim FCSG-Präsidenten Dölf Früh mit Verwunderung auf. Beide haben dem SENF eine Stellungnahme zukommen lassen. Sowohl der FC Basel wie auch der FCSG-Präsident kritisieren die Aussagen von Thomas Hansjakob. Grundsätzlich seien die Vereine nämlich auf einem guten Weg, so Dölf Früh. Er meint weiter: «Von daher ist es nicht zielführend, wenn punktuell Negativbeispiele breitgetreten werden und im schlimmsten Fall noch pauschalisierend auf einen vermeintlichen Gesamtzustand einzelner Klubs ausgeweitet werden. Dem FC St.Gallen 1879 ist es von daher sehr daran gelegen, sich von solchen verallgemeinernden und ohne entsprechend mit Fakten untermauerten Thesen zu distanzieren.» Schliesslich herrsche sowohl in St.Gallen als auch in Basel eine «friedliche Stimmung, die es jedem Matchbesucher ermöglicht, den Sport und die damit verbundenen Emotionen zu erleben und zu geniessen.» Negative Auswüchse seien auch in der Gesellschaft allgegenwärtig und hätten nicht in erster Linie etwas mit dem Fussball zu tun. Der FCSG-Präsident nimmt denn auch den FC Basel in Schutz: «Dass der FC St.Gallen gemeinsam mit der St.Galler Justiz und dem Kanton ein sehr stringentes und nachhaltiges Ahnden von fehlbarem Verhalten praktiziert, darf im Umkehrschluss nicht dahin gehend ausgelegt werden, dass der FC Basel dies beispielsweise nicht tut.»

Deutliche Worte findet auch der FC Basel: «Zum Thema Fan- und Sicherheitspolitik im Schweizer Fussball melden sich immer wieder Personen zu Wort, deren Aussagen bei Licht betrachtet erschreckend sind. Während ein gewisses Mass an Unsachlichkeit in Debatten um alle Themen und um den Fussball akzeptiert werden muss, ist irritierend, wenn im sensiblen Bereich der Sicherheit mit realitätsfremden Aussagen in respekt- und verantwortungsloser Weise negative Emotionen geschürt werden.» Und weiter: «Besonders bedenklich ist, wenn zur scheinbaren Verstärkung vorgefasster Meinungen und nicht-belegter Thesen Personen angeführt werden, die in ihren Aussagen falsch wiedergegeben werden, oder gar Strafdelikte (Drohung gegen Clubvertreter) erfunden werden.» Der FC Basel will deshalb gar nicht im Detail auf die Aussagen des Ersten Staatsanwalts eingehen: «Diese müsste darin bestehen, den Urheber mit den Realitäten in den beiden Kantonen bzw. in den Stadien anhand einer Auflistung der Ereignisse der letzten Jahre, der wissenschaftlich begleiteten Zuschauerumfragen sowie der vorliegenden Studien und Statistiken der FedPol und der kantonalen Polizeibehörden zu konfrontieren.» Darauf verzichte der FC Basel, weil es nicht um ein Schwarzpeterspiel gehe. Vielmehr gehe es um eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Behörden, Klubs und Kantonen. Auch beim FC St.Gallen will man an diesem «längst eingeschlagenen Weg» weiterarbeiten, um «in einem konstruktiven Miteinander die Grundlagen zu schaffen, einheitlich und konsequent fehlbares Verhalten zu ahnden und zu sanktionieren statt sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen zu verstricken», wie Dölf Früh abschliessend festhält.

Das Interview mit dem Ersten Staatsanwalt Thomas Hansjakob ist im SENF #04 nachzulesen – bestellen kann man das Heft nachwievor hier.

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