Anlässlich des Auswärtsspiels vom vergangenen Sonntag in Lugano wagt das Senf-Kollektiv einen Blick zurück – in die Jahre 2008 und 2009, in denen eine der eindrücklichsten Abfolgen von Gastspielen im Tessin stattfand.

Ob strahlender Sonnenschein oder strömender Regen: Das Wetter nach der Fahrt durch den Gotthard ist immer eine Überraschung. Die Vergangenheit zeigt: Ziemlich ähnlich verhält es sich, wenn St.Gallen auswärts im Tessin spielt. Auch hier wissen wir nie, was am Ende des Tages herausspringt.

Barrage in Bellinzona – das Wetter sagt alles

Wir schreiben das Jahr 2008. St.Gallen tritt in Bellinzona zum Hinspiel der Barrage an. Eine der prägendsten Erinnerungen: Es regnet in Strömen und ohne Unterbruch. In Bellinzona, wo doch sonst immer die Sonne scheint. Dieses Mal nicht. Vielleicht weil wir gegen den Abstieg spielen? Das Wetter als Sinnbild für die Lage des Clubs: Land unter!

Damals haben wir – nass bis auf die Knochen – noch nicht gewusst, dass der eigentliche Tiefpunkt im Rückspiel im Espenmoos folgen würde: der Abstieg und gleichzeitige Abschied vom Espenmoos, mit unschönen Nebengeräuschen.

Seit diesem Spiel kontrollieren wir immer doppelt, ob wir wasserfest angezogen sind, wenn wir ins Tessin reisen.

Locarno – hat das Tessin etwas zu kompensieren?

Es kommt, wie es kommen musste, der FCSG steigt ab – und wir reisen 2008/2009 darum mehr als je zuvor in den Süden, weil sich in der zweiten Liga zu diesem Zeitpunkt doch einige Tessiner Vereine finden. Einer davon, Locarno, und das Auswärtsspiel im Lido haben es uns besonders angetan.

Als ob das Tessin sich mit uns versöhnen wollte, herrscht bei unserer Ankunft im friedlichen Locarno strahlender Sonnenschein. Ausflugstimmung kommt auf, wir essen Gelati am See, erkunden ein zu diesem Zeitpunkt doch etwas verschlafenes Städtchen, marschieren ins Stadion und erleben einen ungefährdeten Sieg unseres FCSG, während die Sonne unermüdlich scheint.

Seit diesem Spiel kontrollieren wir immer doppelt, ob wir die Sonnencrème mit Schutzfaktor 50 eingeschmiert haben, wenn wir ins Tessin reisen.

Lugano zum Ersten – «mer gönd no lang nöd ha ha hai»

Und am Ende dieser erweiterten Saison (wenn man das Barrage-Spiel noch dazuzählt), die uns zwei Spiele mit zwei Extremen beschert hat, fahren wir noch einmal durch den Gotthard, dieses Mal jedoch vor einem völlig anderen Hintergrund: Nach dem gewonnenen Spiel gegen Concordia Basel, was den Aufstieg für den FCSG bedeutet, führt uns das letzte Spiel in der unteren Liga nach Lugano. Die Gefühlslage könnte nicht unterschiedlicher sein, wenn man das Bellinzona-Spiel damit vergleicht.

Wieder hat ein ordentlicher Haufen St.Galler den Weg ins Tessin gefunden, aber dieses Mal singen wir, feiern den Aufstieg. Im Cornaredo erleben wir einen der unvergesslichen Momente: ein Auswärtsspiel, das uns 90 Minuten voller Freude beschert.

Seit diesem Spiel kontrollieren wir immer doppelt, ob wir die Siegeszigarren eingepackt haben, wenn wir ins Tessin reisen.

Jedes Auswärtsspiel im Tessin – vom Barrage-Spiel bis zum Wiederaufstieg – war eine Wundertüte. Unterschiedlicher hätten sie kaum sein können. Deswegen erinnern wir uns wohl so gut an sie. Und deswegen kontrollieren wir seither immer doppelt, ob wir genügend Sonnencrème unter der wasserdichten Kleidung aufgetragen haben und ob wir genügend Zigarren und Champagner für Siegesfeiern im Gepäck haben. Denn, wie gesagt; im Tessin kann man alles erleben – vom einen Extrem ins andere.


Dieser Beitrag erschien am 20. Oktober 2015 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.

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