Als Medium mit vielschichtigen Interessen und einer grossen Verantwortung gegenüber der ganzen Region ist die SENF-Redaktion mehrere Stunden am Tag damit beschäftigt, sich darüber zu informieren, was in der Ostschweiz passiert. Was bewegt die Leute, welche Ängste und Sorgen haben sie und inwiefern stehen diese Sorgen im Zusammenhang mit dem FC St.Gallen?

Während der Lektüre des Toggenburger Tagblatts haben wir heute folgendes erfahren: «Im Rahmen der Aktion ‘Leuchtende Kirchen’ sollen die reformierten Kirchen in Wattwil, Lichtensteig und Krinau in grüne Farbe getaucht werden. Mit der Lichtaktion macht die Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg darauf aufmerksam, dass Kirchen das Ortsbild mitprägen. Die Kirchgemeinde stehe damit zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung.» Zumindest in Wattwil scheint diese Verantwortung nicht mehr möglich zu sein. Wie die findigen Journalisten des Toggenburger Tagblatts herausgefunden haben, leuchteten die Scheinwerfer in Wattwil nur bis Montag – in der Nacht auf Dienstag wurden sie bereits gestohlen.

 

Ob dieser Dreistigkeit der Diebe haben wir natürlich zuerst einen neuen Kaffee geholt und uns während dem Gang zur Kaffemaschine gehörig aufgeregt. Bereits auf dem Rückweg zum Sitzungszimmer waren wir bereits wieder im gewohnt professionellen Kreativmodus. Was nach einer solchen Nachricht durch die Köpfe unserer Redaktoren geht zeigen wir hier gerne auf.

– Mögliche Schlagzeile: «Gestohlene Scheinwerfer, Polizei tappt im Dunkeln»

– Präsident S.H., das Geständnis: «Ich klaute einen Fluter, meine Loge war nicht die hellste.»

– Im Rahmen der Aktion ‘Leuchtende Logen’ soll die Loge von Edgar Oehler in grüne Farbe getaucht werden. Mit der Lichtaktion macht der Investor darauf aufmerksam, dass Logen das Ortsbild mitprägen. Die AFG stehe damit zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung.

– Wären wir beim Blick: «LED-Trottel – 18jähriger St.Galler Ultra beleuchtet Kinderzimmer mit gestohlenem LED-Fluter. Bei einer Hausdurchsuchung wurden unter anderem 300 Glühbirnen, 50 Kilo Energiesparlampen, diverse Batterien und ein Schrank voller Kerzen sichergestellt. Zudem sind Fahnder der Dorfpolizei Toggenburg an seinem Arbeitsplatz auf mehrere Schreibtischlampen gestossen.»

– Ob in naher Zukunft das Kloster St.Gallen grün beleuchtet wird?

– Lösungsansatz für die Polizei: Am Sonntag hat St.Gallen gegen GC gewonnen. Die Polizei soll alle Wattwiler GC-Fans kontrollieren. Bestimmt hat einer von denen die grüne Kirche entdeckt und bei so viel Grün Rot gesehen.

– Leserbrief von morgen: «Die Schweiz am Abgrund: Sogar unsere Kirchen werden bestohlen.»

– Mögliche Medienmitteilung der IG Stiller: «Im Toggenburg wurde in der Nacht auf Montag die IG Dunkler gegründet. Unser Ziel: Im Stadion soll nach 17 Uhr kein Flutlicht mehr brennen dürfen.»

– Mögliche Medienmitteilung des FCSG: «Dank des grosszügigen Engagements eines Sponsors, wird es uns in Zukunft möglich sein, das gesamte Stadion grün zu beleuchten und nicht nur den kybunpark-Schriftzug. Wir bedanken uns herzlich.»

Ob der Scheinwerfer tatsächlich wieder zum Vorschein kommt, erfahren Sie wohl am ehesten, wenn sie regelmässig Zeitung lesen. Die SENF-Redaktion hat bis dann bereits andere wichtige Themen in Arbeit und kann hier deshalb nicht am Ball bleiben. Es sei denn, der FCSG wäre tatsächlich in diesen Vorfall involviert. Dann werden wir die SENF-Detektei auf den Fall ansetzen.

Bei dieser Gelegenheit eine Ankündigung in eigener Sache: Beim alljährlichen Adventskalender der Stadt St.Gallen wird SENF dieses Jahr auch mitmachen. Am 22. Dezember beleuchten wir zu diesem Zweck unser Bürohochhaus im Finanzviertel leuchtend grün. Unsere Leser sind herzlich dazu eingeladen, Teil dieses Spektakels zu sein. Den Glühwein bringen Sie bitte selber mit.


Es ist keinen Monat her, da haben wir auf unserem Blog einen Eintrag mit dem Titel «Wir brauchen 100 Abos bis Ende Monat» veröffentlicht. Der Text erinnerte ein wenig an die Sammelaktionen, die unser geliebter FCSG Mitte Neunzigerjahre durchführte, um an die NLA-Lizenz zu kommen. Erfolgreich, denn auch in der nächsten Saison hütete Eric Pédat gegen GC und Servette das St.Galler Tor und nicht irgendein anderer in irgendeiner anderen Liga.

Wir können nachfühlen, wie sich der legendäre FCSG-Goalie gefühlt haben muss: Auch wir haben gebangt, und auch wir haben unser Ziel erreicht. Sogar noch viel mehr als das. Wir sind glücklich, wir sind erleichtert. Unser Problem war zwar nicht existentiell, aber doch da, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Jetzt hat die Ostschweiz – und nicht nur sie! – auch mit uns Solidarität gezeigt. Wir sagen Danke dafür. Danke dafür, dass ihr uns gerne lest. Danke dafür, dass ihr das auch in Zukunft tun möchtet. Danke dafür, dass ihr SENF-Leser oder SENF-Leserin bleibt. Und natürlich auch Danke dafür, dass ihr neue SENF-Leser oder SENF-Leserinnen werdet. Wir sind sicher: Ihr werdet es nicht bereuen.

Wir sind aber nicht nur glücklich und erleichtert, sondern auch überwältigt. Unser Ziel, 100 neue Abos zu erreichen, haben wir bei Weitem übertroffen. Die 100 hatten wir schon nach zwei Tagen erreicht. Bis Ende Oktober sind 208 neue Abos bei uns eingegangen. Das macht uns fast sprachlos. Es geht uns ein wenig wie den ungläubig dreinblickenden Zuschauern des unvergessenen Nebelspiels gegen Aarau im Dezember 1995: Wir bleiben nicht nur in der NLA, wir gehen sogar in die Finalrunde.

208 Abos sind schön, sehr sogar, auferlegen uns aber auch ein wenig (positiven) Druck. 208 Abos, das bedeutet: Jetzt müssen wir liefern. Jetzt ist die Reihe an uns. Jetzt sind wir gefragt, auch in Zukunft ein Magazin zu liefern, das jeder von euch – und hoffentlich noch einige mehr – gerne lesen. Ein Magazin zu liefern, das nicht ihr nicht irgendwo verstauben lässt, sondern sofort verschlingt und auch danach noch hin und wieder in die Hand nehmt.

Wir sind uns sicher, dass uns das mit der neunten Nummer gelingt. Mit dem Titelthema Espenmoos wecken wir die Erinnerungen vieler, die jahrzehntelang dort die Spiele besucht haben. Und wir wecken die Vorstellungskraft derer, die zu jung sind, um sich richtig daran zu erinnern. Wir lassen die Geschichte des schönsten Stadions der Welt nochmals aufleben, kramen in unser aller Erinnerungsschatz und provozieren Lachmuskeln und Tränendrüse. Nach der neunten Nummer feiern wir dann schon Jubiläum – auch dank euch, liebe neue und bestehende Abonnenten und Abonnentinnen, dürfen wir das überhaupt feiern. Wir sagen 208-fach Dankeschön!

Euer SENF-Kollektiv

PS: Obwohl der Oktober durch und das Ziel erreicht ist, darf der SENF natürlich auch weiterhin abonniert werden. Hier gibt’s alle Infos dazu: http://senf.sg/aboservice/


«Update the UK Traffic Signs Regulations to a geometrically correct football», heisst die aktuell laufende Petition des Stand-up-Comedian und ehemaligen Mathelehrers Matt Parker. Ihm ist aufgefallen, dass die englischen Stadion-Schilder einen Ball zeigen, der ausschliesslich aus Sechsecken besteht, woraus geometrisch kein runder Ball geformt werden kann. Nun sammelt Parker Unterschriften für eine Anpassung des Sujets. Auch wir helfen.

In seiner Petition fordert Parker, dass die Bälle auf den Stadion-Schildern geometrisch korrekt in Sechs- und Fünfecken abgebildet werden sollen. Über 19’000 Unterschriften hat Parker bisher gesammelt. Damit die Petition im Parlament besprochen wird, müssten es bis am 6. April 2018 mindestens 100’000 Unterschriften sein. In einer ersten Stellungnahme äussert sich das Verkehrsministerium kritisch zu Parkers Vorhaben: Die aktuelle Gestaltung würde von der Öffentlichkeit verstanden, zudem sei die Abänderung aller Stadion-Schildern mit hohen Kosten verbunden. Parker widerspricht und betont, dass laut Petition lediglich neue Schilder angepasst werden sollen.

So oder so, das SENF-Kollektiv ist Fan von spieltauglichen Fussbällen und unterstützt Matt Parker gerne bei seiner Petition. Mit einer anregenden Auswahl von geometrisch raffiniert umgesetzten Fussbällen. Gefunden im Schweizer Sportmuseum, Basel – veröffentlicht im Estrich der SENF-Ausgabe #04.

In diesem Sinne: Thank you, Matt, for your unflagging commitment. If you need any further help, please feel free to contact us at your convenience. With Senf, s’Kollektiv


Mit dem Sieg über die Grasshoppers hat sich der FC St.Gallen den Schweizer Fussballmeistertitel zurückgeholt, den er am 29. Mai 2015 gegen den FC Basel verloren hatte. Und keiner merkts…

Die Feierlichkeiten über die Rückkehr des Meistertitels in die Ostschweiz fallen wohl vor allem deshalb eher gering aus, weil kaum einer weiss, was der FC St.Gallen mit seinem Sieg gegen die Grasshoppers erreicht hat. Der errungene Meistertitel ist nämlich kein offizieller, es handelt sich dabei um eine Adaption des Nasazzi-Stabs auf die Schweizer Liga.

Der Nasazzi-Stab ist eigentlich eine inoffizielle Wertung der Nationalteams. Benannt ist der Titel nach José Nasazzi, dem ehemaligen Captain des Nationalteams von Uruguay. Der Titelgewinn Uruguays bei der ersten Weltmeisterschaft im Jahre 1930 – dank einem 4:2-Sieg gegen Argentinien im Finale – gilt als Ausgangspunkt der Wertung. Seither wechselte der Titel, oder eben der Stab, bei jeder Niederlage des aktuellen Meisters an die überlegene Mannschaft. Wie beim Boxen. Aktueller Titelträger ist Finnland, das sich den Titel am 2. September mit einem 1:0-Sieg gegen Island sicherte. Dreimal hat das Team den Titel bereits verteidigt, beim 1:0 gegen den Kosovo, beim 1:1 gegen Kroatien und beim 2:2 gegen die Türkei. Die beste und aktuellste Übersicht findet sich auf der französischen Wikipedia-Seite zum Nasazzi-Stab.

Wir haben den Nasazzi-Stab auf die Schweiz angewendet. Allerdings mit zwei Anpassungen: Bei den Nationalteams zählt das Resultat nach 90 Minuten, in unserer Version immer das Resultat nach Verlängerung oder Elfmeterschiessen. Und während bei den Länderauswahlen sämtliche Spiele in die Wertung fallen, sind es hier nur Pflichtspiele Schweizer Teams gegen andere Schweizer Teams. Ausnahmsweise dazu gezählt wird auch der FC Vaduz. Wie beim Vorbild mussten aber auch wir einen Startpunkt wählen. Dort war es der erste Weltmeister, bei uns ist es der erste Meister in den 2000ern. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass der FC St.Gallen als Meister startet.

Der Startvorteil hat dem FCSG aber wenig genützt. Im Zeitraum seit dem Meistertitel 2000 waren die St.Galler nur gerade 36mal zuoberst, der aktuellste Triumph ist der 37. Meistertitel. Damit steht er auf dem siebten Platz. Wenig überraschend schwingt auch in dieser Wertung der FC Basel oben aus: Satte 202mal stand er zuoberst. Danach kommt lange nichts. Die Berner Young Boys auf dem zweiten Platz haben nur noch 86 Meistertitel vorzuweisen. Danach folgt der FC Zürich mit 73, die Grasshoppers mit 60 und der FC Luzern mit 45. Eher überraschend: Auch Neuchâtel Xamax liegt noch vor dem FCSG, mit 38 Meistertiteln sind die Westschweizer aber in Griffnähe. Die Grundlage für diese 38 Meistertitel schufen die Neuenburger vor allem mit einer Serie von 12 Spielen ohne Niederlage im Frühjahr 2001.

Zugegeben, diese Wertung mag nicht die grösste Relevanz besitzen. Aber trotzdem: Mit mindestens einem Unentschieden im nächsten Spiel könnte der FC St.Gallen zu Xamax aufschliessen und mit einem weiteren Spiel ohne Niederlage die Neuenburger gar überholen. Und bald wäre vielleicht sogar Luzern und damit die Top 5 in Reichweite. Das wäre doch zumindest ein gutes Omen für den Rest der Saison.


Dem SENF wurde die Ehre zuteil zwei Treppenhäuser des Stadions neu zu gestalten. Seit letzter Woche sind die Folien aufgezogen und die Aufgänge zum oberen Teil der Haupttribüne erstrahlen in neuem Glanz. Wir waren mit der Kamera vor Ort.

Wer die bittere Olma-Pleite gegen die Waadtländer nicht gerade auf der Medientribüne oder den Logen verfolgte, dürfte davon nichts mitbekommen haben: Seit letzter Woche erstrahlen die Aufgänge in der Haupttribüne in neuem Glanz. Für alle, die ebenso in naher Zukunft nicht gerade eine Stadionführung planen, präsentieren wir hier einige Bilder der zwei neu gestalteten Treppenhäuser der Haupttribüne im Heimstadion des FC St.Gallen. Die aufgezogenen Folien zeigen über neun Stockwerke hinweg einen Zeitstrahl, welcher geschichtsträchtige Ereignisse der FCSG-Historie mit passenden Bildern illustriert. Von der Gründung, über den ersten Meistertitel in der Saison 1903/04 bis zu aktuelleren Ereignissen wie dem grossen Sieg von Moskau im Jahr 2013 kann der Betrachter in Erinnerungen schwelgen oder sich in vergangene Höhepunkte hineinversetzen. Auch dem aktuellen Kader wurde ein Platz gewidmet. Wie sich der Zeitstrahl fortschreibt, wird sich schon diesen Donnerstag im Spiel gegen SR Delémont zeigen. Nach dem Krampfsieg im Elfmeterschiessen gegen Linth 04 aus der zweiten Liga Interregional, wartet auf den FCSG im Schweizer Cup nun ein Gegner aus der 1. Liga Promotion.