Wir waren völlig überrumpelt. Innert weniger Minuten waren die Espenmoos-Bastelbögen ausverkauft. Und die Nachfrage noch lange nicht gestillt. Also haben wir uns am Tag nach dem Release gleich wieder aufgemacht zur Druckerei und einen neuen Auftrag platziert. Deshalb können wir euch jetzt die gute Nachricht überbringen: Wer noch keinen Bastelbogen hat, kriegt nochmal eine Chance!

Wer Bastelbögen reservieren will, schreibt bis spätestens 21. Februar ein Mail mit Name und Anzahl gewünschter Bögen an bestellung@senf.sg. Der Preis beträgt 10 Franken pro Bastelbogen. Achtung: Weil der Versand aufgrund der Grösse schwierig und teuer wäre, müssen die Bastelbögen abgeholt werden. Möglich ist das am Donnerstag, 22. Februar, zwischen 19 und 20 Uhr, im Bierhof oder am Sonntag, 25. Februar, nach dem Heimspiel gegen den FC Lugano neben dem DV-Stand hinter dem Espenblock.



St.Gallen ist eine Fussballstadt, das wissen wir. Seit gestern ist St.Gallen auch eine Bastelstadt: Am Release der neuen SENF-Ausgabe war nicht nur das Magazin, sondern auch der Espenmoos-Bastelbogen ein Renner. «Drümol d’Kombi, bitte», sagte manch einer, der sich rund 90 Seiten Lektüre über das Espenmoos besorgen wollte – und dazu ein Espenmoos für zuhause. Die Bastelbögen waren nach wenigen Minuten ausverkauft. Von diesem Ansturm wurden wir etwas überrumpelt, eine zweite Auflage ist in Arbeit.

Das zeigt vor allem etwas: St.Gallen ist auch zehn Jahre nach dem Auszug aus seiner alten Heimspielstätte noch stark mit dem Espenmoos verbunden. Das bewiesen nicht nur die vielen Interessenten am Release, sondern auch die beiden Gäste, die das Cover der Nummer Neun enthüllten. Mit Werner Zünd und Tranquillo Barnetta gab es einen Rückblick auf die Zeit im Espenmoos, die die beiden St. Galler Urgesteine lange miterlebt haben.

Werner Zünd, vielen bekannt als Super-Werni, punktete mit viel Humor. Und überraschte mit einem Bekenntnis: Er sei, bevor er in St. Gallen angefangen habe, Fan einer anderen Mannschaft gewesen. Wir verzichten jetzt mal darauf, sie mit Namen zu nennen – es ist keine, die in der Ostschweiz beliebt ist. Zünd sagte aber auch, sehr schnell ein grün-weisses Herz bekommen zu haben. Ein sehr grosses obendrein, war er doch etwa drei Jahrzehnte für den FCSG tätig. Einmal wurde er vom Assistenztrainer zum Fast-Platzwart degradiert: «Das war der Tiefpunkt, fast zu viel für mein grün-weisses Herz», sagte Zünd.

Der wortgewandte Rheintaler teilte mit den etwa 100 Erschienenen einige witzige Erlebnisse. «Wir haben öfters mal bei den Schrebergartenbesitzern Bittibätti machen müssen, damit wir den Ball zurückbekommen», sagte er etwa. Oder: Als sich in einer Mannschaft Grüppchen bildeten, die in der Kabine jeweils wenig miteinander gesprochen hatten, sei halt einfach die Trennwand «rausgetätscht» worden. Zünd zeichnete ein romantisches Bild des Fussballs, sagte auch, das Espenmoos sei mehr ein Zuhause gewesen als es das neue Stadion in Winkeln ist.

Kaum einer hat im Espenmoos mehr erlebt als Werner Zünd. Auch nicht Tranquillo Barnetta. Der vielleicht bekannteste St.Galler Tschutter der Neuzeit erlebte dort aber auch einiges – er kam zuerst als Fan ins Espenmoos, dann als Spieler, er debütierte, schoss sein erstes Tor, wurde Publikumsliebling. «Das Espenmoos ist eine wunderschöne Erinnerung», sagte er, das neue Stadion sei aber auf einem ganz anderen Standard. «Auch im Espenmoos war nicht immer alles lustig, vor allem, wenn nach einem kalten Spiel mal wieder nur eine Dusche funktioniert hat.»

Zum Abschluss gabs die Frage, ob die Mannschaft bereit sei für das Spiel gegen Zürich am Sonntag. «Ich glaube schon», sagte Barnetta lachend, während Zünd nur sagte, er werde sich hüten, ein Urteil darüber abzugeben. Das Heimspiel gegen den FCZ ist nicht nur das erste nach der Winterpause und für den FCSG die Gelegenheit, die Scharte vom YB-Spiel auszuwetzen – es ist auch für alle die Gelegenheit, den neuen SENF zu erstehen. Unsere Verkäufer sind rund ums Stadion vor Ort. Natürlich kann man die neuste Ausgabe auch bestellen oder ein Abo abschliessen.


Ganz St.Gallen hoffte darauf, dass sich die Aufbruchstimmung im Verein auf den Platz übertragen würde. Das geschah nicht. Vor allem, weil Trainer Giorgio Contini offenbar kein Interesse daran hatte, dass seine Mannschaft ein Tor schiesst.

Wankdorf

Dem ersten Spiel nach der Winterpause wohnt immer ein gewisser Zauber inne. Erstmals zeigt sich, woran die Teams über die spielfreien Wochen gearbeitet haben und wie die Neuverpflichtungen sich ins Kollektiv einfügen.

In St.Gallen wurde dieses Jahr das erste Spiel nach der Pause noch etwas gespannter erwartet. Die Aufbruchsstimmung im Club nach dem Wechsel an der Spitze liess die Fans von einem Fussball träumen, der vielleicht nicht immer erfolgreich, aber immer engagiert ist. Die neue Führung um Matthias Hüppi und auch Sportchef Alain Sutter haben wiederholt betont, dass sie den Zuschauerinnen und Zuschauern einen Fussball präsentieren wollen, der sie unabhängig vom Resultat begeistert. Ein kämpfendes Kollektiv sollte die grün-weisse Euphorie endgültig entfachen.

Dass das für Chefcoach Giorgio Contini schwierig werden könnte, hat «Tagblatt»-Journalist Christian Brägger schon im Vorfeld der Auftaktpartie in Bern beschrieben: «Und dennoch muss der Coach plötzlich beginnen, auf andere zu hören, auf Sutter, Hüppi oder den Verwaltungsrat Stefan Wolf. Auf Leute also, denen der Sinn mehr nach Leidenschaft, Kampf und Unterhaltung steht und Resultate sekundär sind, solange der Auftritt stimmt, der die Leute anlockt. ‹Ich will mit dem FC St. Gallen Erfolg haben›, sagt Contini. Da zählen eben auch Resultate und Tabellenplatz, pragmatischer Fussball ist also nicht unbedingt der falsche Ansatz.» Am Samstag in Bern konnte man zum ersten Mal beobachten, wie Contini die Vorstellungen der neuen Führung umzusetzen gedenkt. Die Antwort war eindeutig: Gar nicht.

Contini liess in Bern ein System spielen, das mit viel gutem Willen als 3-5-2 durchgegangen wäre. Faktisch zeigte es sich aber als 5-3-2. Rechts musste Marco Aratore den Aussenverteidigerposten einnehmen. Eine Rolle, die ihm sichtlich nicht behagte. Und vor allem eine Rolle, auf der seine Talente schlicht verloren sind. Auf links war Silvan Gönitzer, der sich immer mehr zur Entdeckung der Saison mausert, zwar nicht ganz so verloren, aber konnte auch keine Wirkung gegen vorne entwickeln. Zumal er immer mit einem Aussetzer von Yrondo Musavu-King rechnen musste. In der ersten Halbzeit hätte ein solcher – ein schwacher Rückpass zu Dejan Stojanovic – beinahe zu einem Tor geführt. Die angebliche Leistungssteigerung, die King über den Winter gezeigt haben soll, war zumindest in Bern nicht festzustellen.

Contini zog es also vor, mit einer geballten Defensive in Bern zu starten. Die Möglichkeit, ein Tor zu schiessen, hat der Chefcoach offenbar nie in Betracht gezogen. Alles war auf ein 0:0 ausgerichtet. Dabei hätte der FC St.Gallen nichts zu verlieren gehabt. Mit einem Sieg rechnet im Wankdorf niemand, warum also nicht einfach alles auf eine Karte setzen? Kein Wunder ging unter den im Berner Gästesektor anwesenden Fan vor allem ein Wort um: Angsthasenfussball. Kaum jemand dürfte glauben, was Nzuzi Toko nach dem Spiel in der Mixed Zone gesagt haben soll: «Wir sind nicht hierhergekommen, um nur einen Punkt mitzunehmen, wir wollten gewinnen.»

Es bleibt die Hoffnung, dass der FC St.Gallen im ersten Heimspiel des neuen Jahres ein anderes Gesicht zeigt. Die Veränderungen der letzten Wochen haben das Potenzial, eine Euphorie zu entfachen. Dafür brauchts aber auch die entsprechenden Leistungen auf dem Platz.


Dieser Artikel erschien zuerst beim Kulturmagazin Saiten.


Der FC St.Gallen hat in seiner fast 139-jährigen Geschichte viel erlebt: Zwei Meistertitel, Abstiege, Aufstiege, Beinahe-Konkurse, europäische Nächte, dubiose Verantwortliche und viel mehr. Doch kaum ein Einschnitt war so prägend wie der Abschied aus dem Espenmoos. Nach 98 Jahren im Osten der Stadt zügelte der FCSG in den Westen. Nach 98 Jahren im stets improvisiert wirkenden Quartierstadion mit charakteristischer Haupttribüne und morschen Holzlatten spielen die Espen seit dem Jahr 2008 in einem Betonbunker mit Mantelnutzung und Parkhaus.

Noch immer haben viele FCSG-Fans Mühe, sich im neuen Stadion zuhause zu fühlen, das noch immer keinen Namen hat, der länger als ein Sponsoringvertrag Bestand hat. Doch weshalb genoss und geniesst das Espenmoos, dem es eigentlich an so vielem mangelte, einen so guten Ruf? Wieso sind fehlende sanitäre Anlagen, die mancherorts schlechte Sicht aufs Spielgeschehen und Lichtausfälle im Rückblick bloss charmante Anekdoten? Wir haben uns auf die Suche nach einer Antwort gemacht. Und unzählige Antworten gefunden. So viele, dass wir damit zwei Magazine hätten füllen können.

Das Resultat ist ein Heft, das für einmal 92 Seiten aufweist, von denen fast alle direkt oder indirekt mit dem Espenmoos zu tun haben. Auf diesen finden sich ein langes Interview mit Meistertrainer Marcel Koller, der das Espenmoos als das Heimstadion schlechthin bezeichnet. Teil des Hefts sind selbstverständlich auch eure Antworten aus der grossen Fan-Umfrage, in der ihr das Espenmoos gleich reihenweise als perfekt bezeichnet habt. Natürlich haben wir uns auch angeschaut, wie das Heiligkreuz-Quartier heute aussieht. Dazu kommt eine Übersicht der skandalträchtigsten Spiele, ein Text des letzten Espenmoos-Platzwarts, ein Gespräch mit Meisterstürmer Ionel Gane und natürlich lassen wir ganz viele Bilder sprechen, so zum Beispiel von einigen Choreografien im Espenmoos.

Diese nicht abschliessende Aufzählung macht vor allem eines klar: Über das Espenmoos gibt es unglaublich viel zu erzählen. Auch zehn Jahre nach dem Auszug. Mit unserer neunten Ausgabe tragen wir hoffentlich dazu bei, dass das noch lange so bleibt. Der Release des SENF #09 findet am Donnerstag, 8. Februar, ab 20 Uhr im Bierhof St.Gallen statt. Wie immer wird dort das Cover enthüllt. Im Anschluss an das Rahmenprogramm kann das Heft vor Ort gekauft werden. Ab sofort kann das Heft zudem auch vorbestellt werden.


HIER: SENF #09 VORBESTELLEN


In der Saison 2005/06 bewegte sich der FC St.Gallen schon Runden vor Schluss im relativ gesicherten Mittelfeld der Liga. Im Cup war er in blamabler Weise gegen Küssnacht am Rigi ausgeschieden. Kein Wunder, begaben sich Hutter & Mock zum Cupfinal des FCW gegen den FC Sion nach Winterthur.

Hutter staunte über die vielen Frauen in der Schlange. Er studierte ihre Gesichter. Mock nervte sich. Hinter ihm drückte ein Kerl mit schwarzer Lederjacke und Ohr-Piercings nach vorn. Mock machte sich breit. Winterthur feierte das Fussballfest des Jahres. Winterthur – Sion! Das war ein Abend der Versprechen und der Hoffnung. Zwei zweitklassige Mannschaften, die in den Cupfinal wollten und endlich wieder zurück zu vergangenem Erfolg. Die Winterthurer Bierkurve, die Eulach-Ultras und die Libero-Bar empfingen die eigenen Helden mit einer eindrücklichen rotweissen Choreografie – «Gschicht schriebe!» – und den Gast aus dem Wallis mit einer grossen Fendantflasche und einem witzigen «Flasche leer». Hutter und Mock fanden Platz auf der ungedeckten Gegentribüne und Mock heimelte das richtig an. «Das ist ja fast wie früher im Espenmoos, da konnten wir noch von hinten her auf die Tribüne hochklettern.» Hier konnten die hintersten Zuschauer nicht sehen, was sich unten an der Seitenlinie abspielte, denn der Tribünen-Architekt hatte sich beim Bau verrechnet. Das passte zum Spiel. Das neureiche Sion versuchte es wie einst der Erzfeind Servette mit Spielkultur und individueller Klasse. Und das einfache «Winti» wehrte sich so wie früher der gute alte FC Sion: mit viel Herzblut und Kampf.

Mock kümmerte sich rührend um eine 85-jährige Dame, die von ihrem 29-jährigen Enkelkind begleitet wurde. 1975 war sie mit dem verstorbenen Mann an den letzten grossen FCW-Cupfinal nach Bern gefahren – «mit dem Extrazug für die gewöhnlichen Leute». Der Enkel war damals noch nicht einmal auf der Welt. Winterthur tauchte ab bis in die erste Liga und der Enkel ging fremd, nach Zürich zu den «Grass-Smokers», einem Grasshopper-Fanclub. Hutter zählte die Stockwerke des leeren Sulzer-Hochhauses und stellte sich vor, wie der Hauswart in den goldenen Siebzigerjahren das Licht in einigen Büros brennen liess und so ein grosses «FCW» über die Schützenwiese zauberte. «Winti»-Stürmer Renfer traft die Latte und der gefährliche Vogt narrte Hüter Hürzeler ums Haar mit einem Absatztrick. Das Spiel wogte hin und her und wurde ein richtig spannender Cup-Fight.

Dann schnappte auf der Schützenwiese die Abseitsfalle nicht zu. 0:1 für Sion. «Winti» bäumte sich auf, mit einem generösen Publikum im Rücken, das jede Sekunde dieses Cup-Traums auskostete. Aber der auffällige Patrick Bengondo vergab die letzte Chance für den FCW. Die Walliser Fans stürmten den Rasen und warfen Schneebälle gegen die einheimische Bierkurve, die gelassen auf die die Provokation reagierte. Mock erinnerte sich an früher, als noch zwanzig Fans mit rotweissen Fahnen ihren FCW auf dem Espenmoos anfeuerten – mitten unter den St.Galler Zuschauern. Kein Zaun, keine Polizei, kein Fanbetreuer weit und breit. Winterthur feierte trotz Cup-Out. Ein Fan kletterte auf die alte Totomat-Wand und wechselte die Resultattafeln aus: FCW 2, Gast 1.


Die Geschichten von Hutter & Mock waren über Jahre fixer Bestandteil der St.Galler Matchvorbereitung. Die ersten 37 Folgen bis zum Abschluss der Rückrunde der Saison 2003/04 sind in einem Sammelband im Saiten-Verlag erschienen. Der Autor Daniel Kehl hat uns freundlicherweise die nachfolgenden, bisher nicht in Buchform erschienenen Episoden überlassen. Wir veröffentlichen in jeder Ausgabe des SENF eine Hutter & Mock-Episode, die erste im SENF #02. Zusätzlich erscheint jeden zweiten Monat eine Episode hier auf diesem Blog.

Die aktuelle Episode «Flasche leer» erschien anlässlich des Heimspiels in der 26. Runde der Saison 2005/06 gegen den FC Thun.

Hutter & Mock