Die Vorfreude war gross, als dem FC St.Gallen der Swansea City FC zugelost wurde – nicht wenige wünschten sich dieses Los bereits in der Qualifikationsphase. Dies nicht zuletzt, da die schönen Erinnerungen an den letzten britischen Gegner noch omnipräsent sind. Man verlor damals im Jahr 2000 zwar das Hinspiel gegen den Chelsea FC an der Stamford Bridge in London knapp mit 1:0, jedoch wurde das Londoner Team im Rückspiel mit 2:0 gebodigt und so aus dem UEFA-Cup geworfen. Auf eine ähnliche Sensation hoffte wohl insgeheim auch jeder gegen die Swans. Swansea City gewann in der letzten Saison den englischen Ligacup, weshalb die Waliser im Europacup vertreten sind. Bei ihrem Aufstieg 2011 waren sie gar die erste Premier League-Mannschaft aus Wales, mittlerweile ist Erzrivale Cardiff nachgezogen.

Gemäss dem Internetforum der Swansea-Fans erwarteten diese einige Dutzend Investment-Banker und Uhrmacher mittleren Alters, die mit gefederten Filzhüten in Swansea auftauchen würden. Was sich als eine «total miscalculation» herausstellen sollte. Rund 1‘500 Grün-Weisse nahmen die Reise nach Swansea in Angriff. Die Einwohner Swanseas waren am verregneten Spieltag Zeugen einer regelrechten grün-weissen Invasion. Aus allen Löchern – oder in diesem Fall wohl eher Pubs – kamen die Ostschweizer gekrochen und versammelten sich auf dem Castle Square, um gemeinsam den Marsch zum Stadion anzutreten. Da die britische Fankultur von einer Politik ausgerottet wurde, auf die man hierzulande gerne referenziert, war dieser Anblick für die Waliser ein sehr seltener. Biertrinkende, schreiende aber friedliche Fussballfans, die gemeinsam durch die Gassen Swanseas streiften.

Als die Mannschaften einliefen, verwandelte sich der Gästesektor schliesslich in ein Meer aus Fackeln, Schals, Fahnen und Doppelhaltern, begleitet von wirklich ohrenbetäubendem Support. Das Spiel im Liberty Stadium selbst war eine Nervenprobe für die mitgereisten Anhänger des FCSG. Nach einem harschen Start jubelte der grün-weisse Mob, als St.Gallen in der 14. Minute ein Penalty gegeben wurde. Karanovic vergab diesen jedoch fahrlässig und verwandelte sich vom russischen Goldmariechen zum walisischen Pechvogel mit Hirnerschütterung. Manch einer haderte noch mit dem Schicksal, als Mathys in der 18. Minute das Tor von Swansea-Goalie Tremmel nur knapp verfehlte. Nach diesem Chancenplus für die Ostschweizer waren es dann die Swans, die auffallender waren und ebenfalls zwei riesige Chancen vergaben.

Schade, das Spiel war verloren. Gewonnen haben immerhin die frenetischen Fans des FC St.Gallen, nämlich den Respekt der walisischen Zuschauer: «Well done you guys – best away support I’ve seen at our ground – don’t think you stopped singing!».

Reise nach Swansea

Dieser Text ist ein Auszug aus dem im SENF #01 erschienen Artikel «Mir spielet international – ein europäisches Tagebuch». Die Erstausgabe kann hier, im Fanlokal oder an Heimspielen am DV-Stand bezogen werden. Nur solange der Vorrat reicht!

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