Der österreichische Getränkehersteller Red Bull engagiert sich seit vielen Jahren im Sport-Sponsoring. Dies unter anderem auch mehr oder weniger erfolgreich im Fussball. Vielen eingefleischten Fussballfans stösst das Engagement des österreichischen Brauseherstellers dabei sauer auf. Ein kürzlich online publizierter Artikel sorgt nun für weiteren Unmut in den sozialen Medien.

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Anfangs Oktober veröffentliche das Red Bull-Magazin «The Red Bulletin» einen Artikel mit dem Titel «Fussball Fauxpas: Wie du am Spieltag besser nicht ins Stadion gehst». Das Magazin, welches sich laut Selbstbeschreibung das Ziel gesetzt hat, «Monat für Monat atemberaubende Stories aus der Welt von Red Bull und ihren „Playgrounds“ zu erzählen», geht in diesem Artikel unter anderem der Frage nach, welches Trikot man im Stadion anziehen solle und wie bunt die dazugehörigen Schuhe sein dürfen.

Als eingefleischter Fussballfan ist man geneigt, diese Frage mit «Ein Red Bull-Trikot, natürlich!» zu beantworten. Die fleissigen Schreiberlinge des «Red Bulletin» kommen hinsichtlich des richtigen «Looks» wenig überraschend zu einem anderen Schluss: Halb-Halb-Fan-Schals, Vereins-Tattoos sowie Merchandise gehören laut dem PR-Magazin des multinationalen Konzerns nicht ins Stadion. Die Begründung, weshalb man keine Halb-Halb-Schals am Spieltag tragen soll, leuchtet den meisten Stadiongängern dabei wohl noch ein:

«Ein Schal mit den Vereinsfarben und Logos beider Mannschaften geht nur bei einer wirklich engen Freundschaft der Vereine in Ordnung. Zur Not bei Freundschaftsspielen oder internationalen Duellen. Aber bei Liga- und Pokalspielen stellst du dich ja auch nicht im Trikot des Gegners in den Block deines Teams, oder?»

So weit, so gut. Man könnte beinahe meinen, der österreichische Brausehersteller habe dazugelernt. Die Begründung, weshalb man sich im Stadion nicht seines T-Shirts entledigen sollte, sorgt dann doch bereits wieder für Stirnrunzeln:

«Das Sixpack im Fitnessstudio vergessen? Dann lass im Stadion immer schön dein Shirt an und erspare es den umstehenden Fans, den Fernsehkameras und damit auch der Welt deinen wohlgeformten Bierbauch.»

Zugegeben, auch wenn der durchschnittliche Fussballfan nicht gerade eine ähnlich wohldefinierte Bauchmuskulatur wie der in diesem Zusammenhang im Artikel genannte Ronaldo besitzt, offenbart diese Begründung, was für ein Körperbild den Journalistinnen und Journalisten für ihre Kundschaft vorschwebt. Makellos und durchtrainiert, soll der Körper sein – am Bestem dank eines Red Bull-induzierten Trainingswahns. Handkehrum kann man von einem Magazin, welches sexistische Artikel darüber schreibt, was es für Gründe gibt, kroatischen Frauen-Basketball zu schauen, wohl nichts Anderes erwarten. Soviel sei an dieser Stelle verraten: Basketball ist es nicht.

Komplett zur Farce verkommt das Ganze beim letzten Punkt: Den Fanartikeln oder im Marketingsprech auch «Merchandising» genannt. Zwar ist der Ausspruch gegen übertriebene Fanartikel wie den als Beispiel dienenden Arsenal-Weihnachtspullover grundsätzlich lobenswert. Der Hinweis, dass man sich beim «Club-Merchandise» nur auf kleine Accessoires beschränken soll, grenzt dabei hingegen an Zynismus. Dies insbesondere wenn man bedenkt, dass Red Bull gerne einmal Vereinsnamen zu Marketingzwecken abändert und das angestammte Vereinslogo durch das eigene ersetzt. Ein Unternehmen, dessen Aktivitäten im Sport ausschliesslich der eigenen Marke dienen sollen, will nicht, dass diese Marke im Stadion möglichst oft zu sehen ist? Schwierig zu glauben…

Entsprechend hämisch fallen die Reaktionen in den sozialen Medien auf den misslungenen Artikel aus. Von grundsätzlichen Unmuts-Bekundungen zum fussballerischen Engagement des österreichischen Brauseherstellers über Tadel aufgrund der unzureichenden Recherche des Artikels bis hin zum ungläubigen Kopfschütteln über diese Art der «Kundenerziehung» findet sich beinahe alles. Der Kommentar eines gewissen Markus Alexander Wittek, welcher meint, dass man vor allem nicht mit einem Red Bull-Trikot ins Stadion solle, gefällt uns bis jetzt definitiv am besten.

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