Der Video Assistant Referee (VAR), der sogenannte Videoschiri, soll mehr Fairness bringen. Das klappt nicht immer. Die Diskussionen halten an.

Die Videoschiris bei der Arbeit. (Bild: Screenshot FIFA TV)

Auch im letzten Spiel der Weltmeisterschaft kam er wieder zum Einsatz, der Video Assistant Referee (VAR). Der «Videoschiri», wie er im Volksmund genannt wird, wies den eigentlichen Schiedsrichter Néstor Pitana darauf hin, dass der Kroate Ivan Perišić im eigenen Sechzehner die Hand zur Hillfe nahm. Pitana konsultierte die Fernsehbilder und entschied auf Penalty. Eine übersehene Regelübertretung wird nachträglich geahndet. Ein Einschreiten des Videoschiris hat einen Fehler korrigiert.

Was allerdings für Verwirrung sorgen kann, ist die Frage, wann er überhaupt eingreifen darf. Blenden wir zurück: In der 19. Minute geht Frankreich in Führung. Nach einem Freistoss, der nicht gegeben hätte werden dürfen. Antoine Griezmann liess sich ohne Fremdeinwirkung fallen, Schiri Pitana hatte aber ein Foul gesehen.

Der Videoschiri konnte hier nicht eingreifen. Er darf das nur unter gewissen Umständen: bei Toren, Penaltyentscheidungen, möglichen roten Karten und Spielerverwechslungen. Hätte in der 34. Minute bei Perišićs Handspiel nicht der Videoschiri eingegriffen, so hätte man vermutlich von ausgleichender Gerechtigkeit gesprochen.

Natürlich ist es legitim, nicht eine Fehlentscheidung durch eine zweite ausgleichen zu wollen. Es ist sogar wünschenwert, das nicht zu tun. Insofern ist das erwähnte Beispiel für sich alleine kein stichhaltiger Grund gegen den Videoschiri. Besser illustriert das Spiel Iran-Portugal das Problem. Die zahllosen Unterbrechungen vergrösserten den Spass am Fussballschauen ohnehin nicht. Wenn dann die Entscheidungen gar nach der Konsultation der Fernsehbilder strittig bleiben, verfehlt das neue Instrument den Zweck sowieso.

Dass auch ein Videoschiri nicht für die völlige Gerechtigkeit besorgt sein kann, zeigt ironischerweise aber ein Schiri am besten. Der Schweizer Spielleiter Sascha Amhof wurde im SRF jeweils zu strittigen Szenen befragt. Beim Spiel Argentinien-Island kam es zu einer kontroversen Penaltysituation. Dazu sagte Amhof: «Unter dem Strich ist es für mich ein Penalty.» Ein Skandal sei es aber nicht, dass der Schiri diesen nicht gepfiffen hätte. «Das ist der Grund, weshalb der VAR nicht eingegriffen hat, weils nicht skandalös falsch ist.»

Zusammengefasst: Eigentlich wärs Penalty, aber so schlimm war das Foul dann doch nicht. Deshalb kann man weiterspielen lassen. Das ist Schwachsinn. Es gibt nur «Foul» und «kein Foul». Ein «bisschen Foul» gibts nicht. Absurder ist da höchstens noch die Frage von Amhof, was denn hier die Realität sei, die Originalgeschwindigkeit oder die Slow-Motion.

Die Diskussionen über den Videoschiri werden so schnell nicht enden, auch im SENF-Kollektiv herrscht keine Einigkeit. Vielleicht ist aber gerade das das Schöne am Video-Schiri: Trotz vermeintlicher Objektivität kann man immer noch trefflich diskutieren.


SENF berichtet umfassend von der WM 2018. Die Übersicht zu Berichten, Tickern und allem anderen gibts immer hier: http://senf.sg/senf-zur-wm-2018/

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