Am vergangenen Donnerstag lud das SENF-Kollektiv bereits zum vierten Mal ins Fanlokal ein. Grund dafür war der Release der vierten Ausgabe des Fussballmagazins SENF. Die aktuelle Ausgabe widmet sich dem Titelthema «sicher isch sicher».

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Um dem Release einen würdigen Rahmen zu geben, fand dieses Mal ein spezieller Anlass statt. In vier Kategorien sollte jeweils ein Preis vergeben werden: der «Goldene Schlagstock», der «Goldene Käfig», das «Goldene Altpapier» sowie das «Goldene Megaphon». In jeder Kategorie wurden dabei im Vorfeld vier mögliche Preisträger nominiert. Durch den Abend führte Jaan Schaller von toxic.fm.

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Kleines WEF in Aarau
Der erste Preis, der goldene Schlagstock, wurde – wenig überraschend – an die Kapo Aargau vergeben. Etrit Hasler verglich in seiner Laudatio den Einsatz beim Spiel zwischen dem FC Aarau und dem FC Zürich mit dem WEF in Davos. Die Kapo Aargau habe ihr eigenes WEF durchgeführt und die ganze Stadt abgeriegelt. Dabei habe sie rechtsstaatliche Schranken weit überschritten, pauschale Verhaftungen am Bahnhof durchgeführt und unzählige unschuldige Menschen verhaftet. Der Staat verfüge über das Gewaltmonopol und müsse daher Gesetz und Verfassung beachten, was die Kapo Aargau nicht getan habe. Hasler schloss seine Laudatio mit einem positiven Punkt: Die Aktion sei ein richtiger Rohrkrepierer gewesen. Aufwand und Ertrag stünden in keinem Verhältnis, dazu sehe sich der Staat mit Schadensersatzklagen konfrontiert. Dies führe dazu, dass sich wohl in Zukunft keine andere Polizei an einer solchen Aktion die Finger verbrennen wolle. Der einfachste Weg sei halt nicht immer der Beste.

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Goldener Käfig für Luzern
Auch beim goldenen Käfig setzte sich der Favorit durch. Das Gastspiel in Luzern zählt nicht gerade zu den Highlights der Saison. Das beginnt schon bei der Ankunft am Bahnhof, schnellstmöglich sollen die Busse bestiegen werden. Entscheiden sich die Gästefans, den Weg trotzdem zu Fuss zurückzulegen, erfolgt sofort eine Absperrung durch die Polizei, verbunden mit einer Durchsage des Einsatzleiters: «Stieget sie id Böss, es git e kei Marsch!» Zu Fuss gehen: unmöglich. Immerhin kennen die Gästefans aufgrund der verschiedenen Fahrrouten zum Stadion, die auch mal hinter den Mob der Luzerner liegen, mittlerweile Luzern wie kaum eine andere Stadt in der Schweiz. Beim Stadion folgt ein langsam vorangehendes Eingangsprozedere auf engstem Raum. Ist man im Stadion, erwartet jeden Fan der Gästesektor mit der wohl schlechtesten Sicht der Schweiz. Deshalb ist der FC Luzern der verdiente Preisträger.

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Zweikampf zwischen Blick und Fredi Kurth
Das goldene Altpapier wurde als Publikumspreis vergeben. Francesco Benini und 20 Minuten konnten nur wenige Stimmen verbuchen und verabschiedeten sich zuerst aus dem Titelrennen. Da in etwa gleichviele Personen für den Blick und Fredi Kurth stimmten, musste ein zweiter Wahlgang durchgeführt werden, was für ungeahnte Spannung sorgte. Schlussendlich setzte sich der Blick hauchdünn gegen Fredi Kurth durch. Damit wurde auch für diesen Preis ein würdiger Preisträger gefunden. Schliesslich fährt der Blick seit Jahren eine regelrechte Hetzkampagne gegen Fussballfans. Fredi Kurth hingegen vermag mit seiner Kolumne immerhin auf fussballerischer Ebene zu überzeugen. Sobald es aber um Fans geht, vertut er sich regelmässig.

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Thomas Gander für jahrelanges Engagement geehrt
Zum Abschluss wurde mit dem goldenen Megaphon der einzige positive Preis des Abends vergeben. Thomas Gander, langjähriger Fanarbeiter in Basel und Chef der Fanarbeit Schweiz, erhielt den Preis für sein langjähriges Engagement für eine Objektivierung der Diskussion rund um Fussballfans. Der St.Galler Fanarbeiter Thomas Weber las in seiner Laudatio einen Ausschnitt aus «Der Fanarbeiter» von Pascal Claude vor. Dabei erwähnte er insbesondere, dass der Fanarbeiter eben nicht nur reaktiv tätig sei, wenn es zu Ausschreitungen kommt. Thomas Gander habe dies in den letzten Jahren eindrücklich bewiesen. Gerade in der Zeit rund um die EURO 08 wurde in der Diskussion rund um Fussballfans Sachlichkeit und Verantwortlichkeit vermisst. Thomas Gander habe diese Lücke gefüllt, zu einer Versachlichung des Diskurses beigetragen und auch konstruktive Lösungsansätze eingebracht. Zudem habe er sich als Chef der Fanarbeit Schweiz zum Sprachrohr einer ganzen Berufsgattung entwickelt. Ein würdiger Preisträger zum Abschluss der SENF Awards.

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SENF #04 ab sofort erhältlich
Das letzte Highlight des Abends stellte die Enthüllung des neuen Covers dar. Der neue SENF ist über 80 Seiten stark und bietet verschiedenste Inhalte rund um das Thema Sicherheit. Dazu gehören unter anderem ein ausführliches Interview mit dem Ersten Staatsanwalt Thomas Hansjakob oder ein Bericht zur Problemzone Gästesektor. Zudem mischen wir uns in die Pyro-Diskussion ein und haben Matthias Hüppi, Brodwurscht-Promi dieser Ausgabe, besucht. Der SENF ist wie immer im Fanlokal, beim DV-Stand, im Internet oder in diversen Buchhandlungen erwerbbar.

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