Wieso wir immer noch ans Spiel fahren – Das SENF-Kollektiv hat sich umgehört und eine Liste mit Gründen zusammengestellt. Spoilerwarnung: Fussball gehört auch dazu.

Rund 200 Leute steigen in St.Gallen am Sonntagmorgen noch vor 7 Uhr in den Zug, um ihren FC St.Gallen in Lugano zu unterstützen. Sie fahren mit der Aussicht los, im Tessin verregnet zu werden, die nächste Niederlage mitzuerleben und erst spätabends wieder zuhause zu sein. Trotzdem haben sie sich früh aus dem Bett gequält oder dieses gar nicht erst aufgesucht. Die Gründe dafür sind vielfältig:

Die Optimistische(re)n:

«Vielleicht gewinnen wir ja doch irgendwann mal wieder.»
«Vielleicht sehen wir heute ja mal einen anständigen Eckball.»
«Der Optimist in mir ist noch nicht ganz tot.»

Die Nostalgiker:

«Die alte Gotthardroute nochmal erleben, bevors dann durch diesen langweiligen, nur noch geraden, neuen Tunnel geht.»
«Die Extrazugwaggons sind und bleiben einfach die besten Zugwaggons. Auch wenn sie nicht einmal mehr vom REX verwendet werden.»
«Im Zug rauchen können.»

Die Pragmatiker:

«Ich kann ohnehin nie lange schlafen.»
«Meine Kollegen sind auch hier.»
«So günstig komme ich sonst nicht ins Tessin.»
«Ich war eh bis 6 Uhr im Ausgang.»
«Sonst hätte ich mit der Freundin die Wohnung neu dekorieren müssen.»
«Meine Mutter hat extra Brötchen gestrichen.»
«Hier kann ich morgens um 7 Uhr Bier trinken, anstatt um 9 Uhr mit der Grossmutter ins Café gehen zu müssen.»
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Die Zyniker:

«Jemand muss sich das ja noch antun.»
«Ich habe eine masochistische Ader.»
«Fussball interessiert mich gar nicht.»

Die Kulturinteressierten:

«Ich will die kulinarischen Aspekte der verschiedenen Stadien vergleichen.»
«Man kann andere Mentalitäten kennenlernen und in einer anderen Sprache fluchen.»
«Ich will mir selber bestätigen, dass das Bier in den Auswärtssektoren halt eben doch schlechter ist.»
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Und dann gewinnt der FC St.Gallen tatsächlich in Lugano. Zum ersten Mal seit 1990. Entsprechend heisst es auf der Rückfahrt dann meist nur noch: «Genau darum.»


Dieser Beitrag erschien am 8. November 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv kommentiert dort in der Rubrik «Am Ball» das Geschehen auf und neben dem Platz.

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