Ein grün-weisser Klub zieht von einem altehrwürdigen Quartierstadion in eine moderne Arena – was wie die Geschichte des FC St.Gallen klingt, ist auch jene von Hammarby IF. Wir wollten uns das genauer anschauen und sind nach Schweden gereist.

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Der Hammarby IF aus Stockholm musste vor rund drei Jahren aus dem angestammten Zuhause im Stadtteil Södermalm ausziehen. An den diesjährigen Fussballlichtspielen St.Gallen wurde unter anderem der Film «Vi är bäst ändå – This is Söderstadion» gezeigt, der den Ablöseprozess der Fans dokumentiert. In der neuen Arena ging die letzte Saison nicht allzu gut zu Ende. Hammarby belegte in der abgelaufenen Saison – in Schweden wird von Frühling bis Herbst durchgespielt – Rang 11 von 16. Im letzten Heimspiel der Saison gegen Norrköping ging es um nichts mehr. Auch deshalb, weil sich Norrköping einen Spieltag zuvor aus dem Meisterrennen verabschiedet hatte. Der Match ähnelte den Spielen in St.Gallen stark. Eine Mannschaft in grün-weiss, die zwar bemüht, aber doch nicht erfolgreich agiert und sich am Ende mit einem mageren 1:1 begnügen muss.

Auch sonst ähnelt Hammarby irgendwie ein bisschen dem FC St.Gallen. Die Zuschauer sind trotz fehlendem Erfolg unglaublich treu, erscheinen zahlreich – gegen Norrköping waren es rund 20‘000 – und unterstützen ihr Team auch in schlechteren Zeiten. Wir treffen uns in Stockholm mit Magnus, einem der Protagonisten des Films «Vi är bäst ändå». Er warnt uns schon vor dem Spiel, dass wir heute nicht zu viel erwarten dürften, da die Saison nicht so erfolgreich verlaufen sei.

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Uns interessiert aber vor allem, wie es den Fans von Hammarby nach dem Umzug vor rund drei Jahren geht. Schliesslich kennen wir die Situation: In Stockholm zügelten sie vom Söderstadion in die Tele 2 Arena, in St.Gallen zügelten wir vom Espenmoos in die AFG Arena. Auch die Fans von Hammarby vermissen ihr altes Stadion. Neu ist eben nicht immer besser, hat aber durchaus auch Vorteile. Da wäre zum Beispiel die Grösse. Ins alte Söderstadion passten gerade mal 10’000 Zuschauer. In die neue Arena dreimal so viel. Zudem muss wohl auch der Romantiker akzeptieren, dass viele Fans den Komfort eines neuen Stadions dem einer – wenn auch charmanten – Bruchbude vorziehen. Gerade für Familien sei der Matchbesuch angenehmer geworden, sagt Magnus. Und schliesslich sei es auch einfacher an Tickets zu kommen. Das ermögliche mehr Zuschauern ins Stadion zu kommen. Das bedeute auch: mehr Fans. Einige davon wüssten jedoch (noch) nicht, dass auch sie für die Atmosphäre im Stadion zuständig seien: «Sie gehen ans Spiel um die Stimmung zu konsumieren und nicht um sie zu erzeugen.»

Trotzdem findet Magnus das neue Stadion besser, als er es erwartet hätte. Dass das neue Stadion ganz nah am alten gebaut wurde, habe zusätzlich geholfen. Dass es viel schlimmer hätte kommen können, zeige sich aktuell beim Rivalen AIK. Deren neues Stadion sei zu gross, die Zuschauer zu weit weg vom Feld. Und dann stünde das Stadion noch in einer ganz anderen Gegend, ohne Restaurants und Bars. Noch so eine Parallele zum FC St.Gallen und seinem neuen Stadion: Irgendwie wird man nicht so richtig warm mit der neuen Heimat, aber besser als andere Stadionneubauten ist es halt doch noch. Ein Schicksal Hammarbys teilt St.Gallen jedoch nicht – wir müssen unser Stadion mit niemandem teilen. Hammarby hingegen schon – ihr Stadtrivale Djugården spielt in derselben Arena.

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