Wenn der FC St.Gallen wegen der Länderspielpause nicht zum Einsatz kommt, sucht sich das SENF-Team Alternativen. Im Oktober haben wir uns auf den Plätzen der Region umgesehen, in der jüngsten Natipause wollten wir uns auf die grosse Bühne begeben, nahmen aber einen Umweg über einen englischen Pokalwettbewerb und über einen gänzlich fussballfremden Sportanlass.

Leyton Orient

Man wird das Gefühl nicht los, dass in Grossbritannien so viele Pokalwettbewerbe wie sonst nirgends durchgeführt werden. Die bekanntesten sind der FA Cup und der League Cup. Auch diese pausieren aber, wenn sich die Nationalteams duellieren. Bleibt also noch die Football League Trophy. Da in diesem Wettbewerb einzig Mannschaften der League One und der League Two – Englands dritt- bzw. vierthöchster Liga – antreten, startete unser Alternativprogramm mit dem Spiel Leyton Orient gegen Northampton Town. Vor 1’966 Zuschauern gewannen die Hausherren aus dem gleichnamigen Londoner Stadtteil mit 2:0. Mehr gibt es zum Spiel tatsächlich nicht zu sagen, denn herausragende Fussballunterhaltung sieht anders aus. Die 9’271 Zuschauer fassende Brisbane Road, das schmucke Kleinstadion des Heimteams, kann sich jedoch sehen lassen. Typisch englisch und mitten im Wohnquartier. Tatsächlich bilden sogar die Balkone eines mehrstöckigen Wohnhauses eine Ecke des Stadions. Doch auch im Nordosten Londons ist man wie in St.Gallen auf Geld angewiesen, auch hier wurde das Stadion mittlerweile nach einem Sponsor benannt: Matchroom Stadium, immerhin irgendwie passend.

Weil danach aber selbst in England kaum ein vernünftiges Fussballspiel aufzutreiben war, hat sich SENF (nach dem Motto Sogar Emol Nöd Fuessball) zum Tennis aufgemacht. In den ATP World Tour Finals machten immerhin gleich zwei Schweizer mit. Das Fazit ist schnell gezogen: Die O2 Arena ist gross, warm und verfügt über bequeme Sitze plus Doppelspiele sind relativ ermüdend plus Stan ist chancenlos gegen Djokovic gleich Tennis bleibt für SENF keine ernsthafte Option für die Zukunft. Wir bleiben beim Fussball.

So setzten wir uns vergangenen Freitag für einen knapp 24-stündigen Abstecher nach Glasgow in den Flieger. Auf dem Programm stand das EM-Qualifikationsspiel Schottland gegen Irland. Die Affiche versprach einiges, war doch die Ausgangslage in der Gruppe D äusserst spannend. Der Gruppenfavorit Deutschland war vor diesem Spieltag hinter Irland klassiert und wies gleich viele Punkte wie Schottland auf. Auch auf den Rängen war einiges zu erwarten, sind doch beide Nationen als laute Sänger bekannt. Das Spiel wurde im rappelvollen Celtic Park durchgeführt. Das Stadion ist für jeden St.Galler ein Traum. Das ganze Stadioninnere ist in grün-weiss gehalten, sogar Verpflegungsstände und Fussböden. Das Spiel selber lief wie erwartet ab: viel Kampf auf beiden Seiten – als würden sich 22 St.Galler gegenüberstehen. Den sehenswerten und entscheidenden Treffer schoss schliesslich der Schotte Shaun Maloney nach 74 Minuten: ein wunderbarer Schlenzer quer durch den Strafraum. Das Stadion schien zu explodieren. Auf den Rängen war die Stimmung sowieso das ganze Spiel hindurch ausgezeichnet. Vor allem die Hymne – während dem Spiel gesungen – erzeugte Gänsehaut.


Laut wurde es auf den Rängen auch, wenn der Ire Aiden McGeady am Ball war. Die irische Nummer sieben wurde bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen, ausgebuht und beschimpft, denn McGeady, der in Schottland geborene Flügel, hat sich gegen Schottland und für das irische Nationalteam entschieden. Die mitgereisten Gäste aus Irland waren gegen die schottische Übermacht meist unterlegen. Dass die Iren singen können, haben sie aber unter anderem an der EM 2012 eindrücklich bewiesen, als sie kurz vor Schluss des Spiels gegen Spanien Fields of Athenry anstimmten – beim Stand von 0:4 notabene. Nach dem Spiel machten sich die Fans zu Fuss auf dem Heimweg quer durch die Stadt, da der Celtic Park nicht annähernd am U-Bahnnetz angeschlossen ist, und so war an ein Durchkommen mit Bus oder Auto nicht zu denken. Es kamen Erinnerungen an den Europacup-Ausflug nach Swansea hoch.

Am Tag darauf fand im Wembley das Qualifikationsspiel zwischen England und Slowenien statt. Das Wembley, 2003 bis 2007 nach dem Abriss des alten Stadions neu erbaut, hat Platz für 90’000 Zuschauer; nach dem Camp Nou in Barcelona ist es somit das zweitgrösste Fussballstadion Europas. Im Gegensatz zum Camp Nou ist das Wembley jedoch kein Stadion einer Clubmannschaft. Hier trägt die englische Nationalmannschaft ihre Spiele aus. Zusätzlich finden im Wembley jeweils die Finalspiele der Englischen Pokalwettbewerbe und das Finalspiel der Aufstiegsplayoffs in die Premier League statt. Auch die NFL (American Football) war schon zu Gast. Und schliesslich wird das Wembley auch für Konzerte gebraucht. Wenn man an der U-Bahnhaltestelle Wembley Park aussteigt, sieht man den charakteristischen Bogen des Stadions schon von weitem, der Weg dorthin ist somit nicht zu verfehlen. Ausser dem eindrücklichen Bau und der lauthals mitgesungenen Nationalhymne war das Spiel jedoch enttäuschend. Zwar haben die mitgereisten rund 1’000 slowenischen Gästefans ab und zu mitgemacht, in so einem Stadion geht das jedoch schnell unter. Das englische Publikum rang sich ab und an ein bisschen zum Mitmachen durch, alles in allem jedoch herrschte eine Stimmung fast wie in der Kirche. Sogar beim Tennis war die Stimmung besser. Die Slowenen – leider ohne Dzengis Cavusevic – gingen dank eines Eigentors der Engländer in Führung, Rooney konnte keine fünf Minuten später ausgleichen und Danny Welbeck sorgte mit einem Doppelpack für das 3:1-Endresultat.

England im Wembley

Was bleibt nun nach einer Woche Grossbritannien mit Klubfussball, Tennis und Länderspielen? Die Stimmung beim Tennis ist trotz verordneter Ruhe während dem Spiel besser als bei Länderspielen der Three Lions. Die Schotten aber, die haben uns wohl für die meisten Länderspiele verdorben.

Schreibe eine Antwort

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

Erforderlich