Nichts, aber auch gar nichts, hat beim FC St.Gallen am Sonntag gegen den FC Vaduz funktioniert. Mit 0:3 ging er im Ländle unter. Es wird deutlich: Der FCSG hat ein Problem in den ersten 15 Minuten beider Halbzeiten.

Wer beim Lesen des Leads ein Déjà-Vu hatte, den können wir beruhigen. Der Text fängt absichtlich genau gleich an wie jener nach dem Auswärtsspiel gegen den FC Zürich.Damals suchten wir das Problem in der Verteidigung. Heute gehen wir ins Detail.

Das Problem ist nicht nur, dass die Verteidigung seit der Winterpause schwächelt (siehe Grafik). Vielmehr scheint der FCSG weder in Halbzeit eins noch in Halbzeit zwei wirklich bereit auf den Platz zu kommen. In den bisherigen 26 Spielen weist der FC St.Gallen in den ersten 15 Minuten beider Halbzeiten eine negative Bilanz auf (siehe Grafik).

Zu Beginn der ersten Halbzeit hat er sechs Tore geschossen und neun erhalten. Anfangs der zweiten Hälfte ist der Saldo noch schlechter. Zwei geschossenen Toren stehen acht erhaltene gegenüber.

Typisch FCSG
Das Spiel in Vaduz war also typisch für den FCSG Ausgabe 2015/16. Kaum hatte der Schiedsrichter das Spiel angepfiffen, konnten die Vaduzer nahezu ungehindert nach vorne stürmen. Roy Gelmi bleibt zu passiv gegen Armando Sadiku, der bringt den Ball in die Mitte, wo der Ex-St.Galler Dejan Janjatovic elegant weiterleitet, bevor mit Moreno Costanzo ein anderer ehemals Grün-Weisser den Ball problemlos im Tor unterbringen kann. Für ihn schien sich gar keiner der St.Galler Verteidiger zuständig zu fühlen.

Keine fünf Minuten später der nächste Aussetzer. Gelmi spielt einen miserablen Rückpass in Richtung Daniel Lopar. Sadiku fängt den Ball ab und netzt ein. 2:0 für Vaduz, keine zehn Minuten sind gespielt.

Das Spiel war aber nicht nur typisch, weil der FCSG früh zwei Tore kassierte. Es war auch typisch, weil die St.Galler gegen Vaduz keine wirkliche Chance hatten. Und weil hauptsächlich Ex-Espen den FCSG abschossen – Janjatovic traf noch vor der Pause zum 3:0. Untypisch war lediglich, dass die Grün-Weissen die ersten fünfzehn Minuten nach der Pause schadlos überstanden.

Vielleicht lag das daran, dass Joe Zinnbauer Gianluca Gaudino einwechselte. Warum dieser überhaupt auf der Bank hatte Platz nehmen müssen, bleibt ein Rätsel. Die Alternativen Mario Mutsch und Mario Leitgeb hatten sich in den letzten Spielen nur sehr bedingt aufgedrängt.

Wahrscheinlich ist aber sowieso, dass die Vaduzer einfach kein Bedürfnis mehr hatten, weitere Tore zu schiessen. Gerade in der Rückrunde wäre dies gegen den FCSG nach der Pause nämlich kaum ein Problem. Schaut man die bereits angesprochene Statistik nur für die Spiele im Jahr 2016 an, wird noch deutlicher, dass der FCSG nach dem Pausentee nicht in die Gänge kommt. Ein Saldo von minus fünf Toren im Zeitraum von der 46. bis zur 60. Minute spricht Bände. Vielleicht müsste man den Spielern in der Pause Energy Drinks reichen.

Zyniker im Aufwind
In der St.Galler Fankurve hielt die Unterstützung trotzdem bis zum Schluss an. Zwar wurden die Aufforderungen an die Mannschaft, doch bitte endlich zu kämpfen, etwas expliziter vorgetragen als auch schon. Allzu grosse Missmutbekundungen blieben aber aus.

Es scheint fast so, dass sich die Fans daran gewöhnt haben, dass gegen Vaduz einfach nichts zu holen ist. Und manchmal hat das ja auch ganz praktische Vorteile: Letzte Saison erspielten die Liechtensteiner so viele Punkte gegen den FCSG, dass am Schluss Aarau absteigen musste. Der Zyniker im St.Gallen-Fan hat wieder mal Aufwind…


Dieser Beitrag erschien am 12. April 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.

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