Seit der Saison 2003/04 treten in der obersten Schweizer Liga zehn Teams gegeneinander an. Mittlerweile hat sich aber einiges getan: Meister wird nur noch Basel, die halbe Liga spielt international und fast überall stehen neue Stadien. Selbst in der Challenge League drücken einige Teams mit ansprechender Infrastruktur nach oben. In der aktuellen Ausgabe haben wir exklusiv die damals noch im Rennen befindlichen Formate vorgestellt. Die Liga hat sich nun entschieden, bei einer Zehnerliga zu bleiben. Wir zeigen, was den Fussballfans dadurch entgeht. Und was wir davon halten.

 

Finalrunde und Auf-/Abstiegsrunde

12er-Liga – die ersten acht Mannschaften qualifizieren sich für die Finalrunde und spielen um die Meisterschaft, die letzten vier duellieren sich mit den ersten vier Teams der Nationalliga B um vier Plätze in der Nationalliga A. Kann etwas, was jahrelang funktionierte und dann doch nicht als tauglich befunden wurde, heute wieder für Spannung sorgen? Wir bezweifeln das. Je nach Tabellenrang war die Saison schon im Winter gelaufen oder brach bereits im Herbst Panik aus. Der sportlichen Führung des FCSG käme dieser Modus hingegen bestimmt gelegen. Das Saisonziel «Finalrunde» tönt halt einfach besser als «Ligaerhalt».

Punkte zur Saisonhälfte halbieren

Wer kann sich noch an die Punktehalbierung erinnern? Wohl jeder. Und wer an eine erfolgreiche Rückrunde des FCSG? Wohl niemand. Aufgrund dieser eklatanten Rückrundenschwäche unseres geliebten Teams fliegt dieser Vorschlag im SENF-Kollektiv ohne Gegenstimme raus.

Punkte zur Saisonhälfte halbieren und multiplizieren

Die Punktehalbierung funktioniert also nicht. Die international angesehenen Wissenschaftler des SENF-Büros für angewandte Wissenschaften (SBfaW) haben die Lösung: Punkteteilungs-Multiplizierungs-Kombination. Die Punkte aus der Vorrunde werden geteilt und jeweils mit dem Tabellenrang multipliziert. Halbe Punkte werden danach aufgerundet. Die Meisterschaft der abgelaufenen Saison wäre mit diesem Modus ganz anders verlaufen. Die Meisterschaft wird im Winter somit neu gestartet, die Saison bleibt über die gesamte Länge spannend. Wann hatten wir das bisher zum letzten Mal? Unser SENF dazu: endlich mal ein vernünftiger, ernsthaft zu prüfender Vorschlag. Vor allem, da wir uns mit diesem Modus für den Europacup qualifiziert hätten.

Modus mit Zuschauerberücksichtigung

Fragt man nach Gründen, warum eine Mannschaft nicht in die Super League gehört, ist der Zuschaueraufmarsch ein vielfach hervorgebrachtes Argument. Teams wie Vaduz, Lugano, Lausanne, Thun und GC, welche pro Heimspiel im Schnitt weniger als 5’500 Zuschauer anlocken, hätten in der höchsten Schweizer Liga nichts verloren – wenn schon das lokale Interesse nur zweitklassig ist, ist es das Team offenbar auch. Dass man diese Mannschaften nicht zwangsrelegieren kann, liegt auf der Hand. Denn: Durch wen soll man sie ersetzen? Erhielt doch letzte Saison in der Challenge League einzig der FC Zürich das Gütesiegel «Publikumsmagnet», mit einem durchschnittlichen Zuschaueraufmarsch von 9’702. Mit 3’506 Zuschauern folgt Winterthur in dieser Statistik weit abgeschlagen auf Rang zwei.

Da nun Zürich aufgestiegen ist und mit Vaduz das Zuschauer-schwächste Team der abgelaufenen Saison nur noch zweitklassig spielt, sind diese Saison in der Super League sowieso schon zehn Teams mit vielen Zuschauern vertreten. Die Unterschiede der Besucherzahlen pro Team sind jedoch auch innerhalb der Super League enorm. Im Schnitt besuchten in Basel über 22’000 Zuschauer mehr die Heimspiele als in Lugano. Obwohl die Tessiner eine tolle Rückrunde gespielt haben, scheint das Interesse eher gering zu sein. Als positives Beispiel muss man hier die Ostschweiz erwähnen: Obwohl St.Gallen wie gewohnt nur äusserst bescheidene Saisonleistungen zeigte, liegt der Club in der Zuschauerstatistik nach wie vor auf Rang drei.

Die Liga spielt nun mit der Idee, im neuen Modus auch die Zuschauerzahlen zu berücksichtigen. Unentschieden sollen wie bisher einen Punkt geben, Niederlagen null und Auswärtssiege drei. Bei Heimsiegen wird jedoch neu eine Unterteilung eingeführt. So sollen Heimsiege nur noch mit drei Punkten belohnt werden, wenn das Zuschauerinteresse einen gewissen Wert übersteigt. Erste Berechnungen von Experten gehen hier von 8’000 Zuschauern oder einer Stadionauslastung von mindestens 60 Prozent aus. Wird keiner dieser beiden Werte erreicht, gibt es nur zwei Punkte für den Sieg. Mit dieser Massnahme soll sichergestellt werden, dass die Zuschauer die Partien wieder vermehrt im Stadion statt zuhause vor dem Fernseher verfolgen. «Ich gehe nicht mehr zum Spiel, ich kann ja doch nichts beeinflussen» würde nicht länger als Argument zählen, läge es doch zukünftig an jedem einzelnen Fan, ob sein Team drei oder nur zwei Punkte beim nächsten Heimspiel holt.

Geschlossene Liga

Was in Amerika funktioniert, kann eigentlich gar nicht so schlecht sein. Entgegen dem Credo des «Landes der unbegrenzten Möglichkeiten» sind die Möglichkeiten, in einer der amerikanischen Profiligen mitzuspielen, doch ziemlich begrenzt – unabhängig der Sportart. Dein Team liegt nach der Saison auf dem letzten Platz? Kein Problem, absteigen kann nämlich niemand, was vor allem den Teams auf den hinteren Tabellenplätzen Planungssicherheit verschafft. Teure Nottransfers in der Winterpause würden der Vergangenheit angehören. Will jedoch ein anderes Team auch in der obersten Spielklasse mitmischen, muss es entweder hoffen, dass die Liga aufgestockt wird. Oder man kauft einem anderen Team die Lizenz ab und die ganze Franchise zieht in eine andere Stadt um.

Um die Liga spannender zu machen taugt dieser Modus nur bedingt, war doch der Abstiegskampf in vielen vergangenen Spielzeiten vielfach das Einzige, was bis zum Schluss spannend geblieben ist. Zudem bleibt offen, nach welchen Kriterien die neue MLS (Major League Switzerland) entscheidet, wer dabei sein darf und wer nicht. Würde man Basel nicht mitspielen lassen, wäre dieser Modus natürlich ein einfaches Mittel, die Meisterschaft wieder ausgeglichen zu gestalten. Doch wer will Jahr für Jahr gegen die genau gleichen Gegner spielen? Und wer garantiert, dass die Liga nicht auf die Idee kommt, das Ganze ohne St.Gallen durchzuziehen? Diese Idee gefällt SENF gar nicht, der Vorschlag fällt durch.

Saisonstart mit Handicap

Ein Vorschlag, welcher von den kleinen Teams und YB eingebracht und forciert wird, ist das sogenannte «Anfangshandicap». Es wird vorgeschlagen, dass die Teams der Super League nicht wie bisher mit null Punkten in die Saison starten, sondern je nach Tabellenrang der vergangenen Saison mit einem bis maximal zehn. Die Höhe des Handicaps berechnet sich aufgrund der Platzierung in der abgelaufenen Saison – Basel würde so diese Saison zum Beispiel mit einem Punkt starten, St.Gallen mit sieben, der Aufsteiger mit zehn. So soll das Leistungsgefälle der Liga minimiert werden, erhoffen sich einige Vereine. Wir hingegen sind skeptisch. Neun Punkte gegenüber dem Aufsteiger holt der FC Basel dummerweise locker auf.

Kombination mit eSports

eSports ist in aller Munde. Nachdem der FC St.Gallen als erstes Team der Schweiz eine solche Abteilung eingeführt hat, haben mittlerweile diverse andere Vereine nachgezogen. eSports ist definitiv die Zukunft des Sports. Um diesem Fakt Rechnung zu tragen, will die Liga die eSports-Teams stärker im Ligabetrieb integrieren. Ein Vorschlag sieht vor, dass für die Lizenzerteilung für die beiden höchsten Spielklassen ein eSports-Team obligatorisch sein soll. Diese Teams spielen eine eigene Meisterschaft, parallel zum Spielbetrieb in der Super League. Am Ende der Saison werden die Punkte auf dem Rasen und die digitalen Punkte addiert und es wird eine Tabelle erstellt. Wer am meisten Punkte hat, darf sich Schweizer Meister nennen. eSports und richtiger Fussball sollen somit zukünftig je zu 50 Prozent gewichtet werden. Als Pionier in diesem Bereich könnte der FCSG dank dieser Änderung endlich wieder mal Erfolge feiern. Das gefällt uns, weil wir so endlich mal oben mitmischen.

Ein Gedanke zu „DIESE LIGAFORMATE WURDEN NICHT BERÜCKSICHTIGT

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