Als ältester Verein Kontinentaleuropas könnte der FC St. Gallen eigentlich auf eine lange Geschichte zurückblicken. Abgesehen vom ersten Logo, das in den jüngsten Jahren ein Revival erlebte, und dem Meistertitel 1904 ist jedoch weder bei den Fans noch beim Verein häufig von den Ursprüngen des FCSG die Rede. SENF hat sich deshalb in den Archiven umgesehen und insbesondere die ersten 40 Jahre unseres Fussballclubs untersucht. Eine Leseprobe aus dem aktuellen SENF #02.

40 Jahre FCSG
Am 19. April 1879 sorgte die kleine Ankündigung im St. Galler Tagblatt, dass am selben Abend ein «Foot-bal Club» gegründet werden soll, wohl noch für wenig Aufsehen. Fussball hatte zu dieser Zeit bei weitem noch nicht den Stellenwert, den er einige Jahre später haben sollte. Im Gegenteil, 1919 äusserte sich der damalige Präsident Emil Gretler folgendermassen zu den Anfängen: «Das war damals richtige Pionier-Arbeit, als es noch hiess, etwas zu betreiben, für das niemand Verständnis aufbrachte, sondern nur Spott und Gelächter übrig hatte … Ohne irgendwelche behördliche Subventionierung, ja an vielen Orten gegen die grössten Schwierigkeiten seitens der Obrigkeit, musste der Platz erobert werden.»

Wechselhafter Start
Die ersten Jahre des noch jungen Vereins waren äusserst wechselhaft. Nach dem ersten Enthusiasmus der Gründungszeit folgten bald Rückschläge. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kämpften sämtliche Fussballvereine in St. Gallen – und derer gab es nun einige – um ihr Überleben. Während viele andere Vereine diese Zeit nicht überlebten, überstand der FCSG dank geschickten Schachzügen diese schwierige Zeit. Dazu gehörten Fusionen, die indes auch immer wieder zur Änderung des Vereinsnamens und der Clubfarben führten. Aus dem in grün-weiss antretenden Foot-bal Club wurde ein in blau-weiss antretender Foot-ball Club St. Gallen. Dieser wiederum änderte nach der Fusion mit dem FC Phoenix im Jahr 1898 seinen Namen auf Vereinigter Foot-Ball Club St. Gallen und spielte neu in gelb-schwarz. Der Wechsel zurück auf die ursprünglichen und auch heute immer noch aktuellen Farben grün und weiss erfolgte bereits wieder 1900, die Namensänderung in FC St. Gallen drei Jahre später.

Erster Meistertitel
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging es mit dem FC St. Gallen aufwärts. Es folgte der erste Meistertitel 1904. Zu verdanken hatte der FCSG diesen einer ersten Mannschaft, die auch noch im Jahr 1917 an einer Monatsversammlung offenbar für regelrechte Gefühlsausbrüche gesorgt haben muss: «Noch heute sehe ich jene Wackern von 1904 vor mir, von denen man wirklich sagen konnte: Sie liebten sich wie Brüder.» Ein gewisser Lehrer, Wilhelm Inhelder, dem diese Aussage im Protokoll zugeordnet wurde, konnte sich noch detailliert an die Spielweise der damaligen Akteure erinnern. Am amüsantesten ist mit Sicherheit die Beschreibung des linken Verteidigers, Felix Thöny: «Seine besondere Spezialität war, jeden anstürmenden Gegner, ob gross oder klein, stark oder schwach, ein oder zwei Mann, unbarmherzig auf den «Sack» zu legen, alles mit vigilanter Schnelligkeit und eleganter Grazie. Als die reinste Unschuld betrachtete dann unser Thöny das angerichtete Unheil, und jedermann hatte die Überzeugung: Die sind von selbst gefallen, es ist ihre eigene Schuld.»

Gesellschaftliche Bedeutung
Der FC St. Gallen engagierte sich nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftlich, wie sich den Archiven entnehmen lässt: «Die erste gesellschaftliche Veranstaltung von Bedeutung fand am 5. Januar 1884 im Museum statt anlässlich der Fahnenweihe. Als Gäste wurden jedoch nur solche angenommen, die im Stande waren, eine Dame mitzubringen. Letztere wurden aus der Vereinskasse bewirtet und scheinen einen recht guten Appetit mitgebracht zu haben.» Dazu finden sich in unzähligen Protokollen Beschreibungen des Clublokals und der Ortswechsel desselben. Die wohl grösste Bedeutung als Clublokal hatte das Löchlebad. Wo heute das Union-Gebäude steht, wurde früher getrunken, gejasst, Referenten gelauscht oder auf grossen Wandtafeln die Spielresultate aller Mannschaften betrachtet. Auch im Ausland schienen sich die Spieler nicht nur auf den Sport zu konzentrieren. Anlässlich einer Mailand-Reise an Ostern 1905 wird beispielsweise festgehalten: «Felix hatte sich derart angestrengt, dass der mitreisende Dr. Curti sich aus verschiedenen Gründen mitten in der Nacht in ein anderes Zimmer flüchten musste.»

Gegen Ende der ersten vierzig Jahre des FCSG brach der erste Weltkrieg aus; dieser ging auch am FC St. Gallen nicht spurlos vorüber. Das Team musste im Jahr 1918 – dem nach Aussage der Vereinschronisten wegen einer Grippewelle schwersten aller Kriegsjahre – viele sportliche Rückschläge einstecken. Doch bereits damals schien den FC St. Gallen auszuzeichnen, was auch heute noch gilt: Selbst wenn die Zeiten schlecht sind, lässt sich niemand so schnell unterkriegen. Oder wie dies der ehemalige Präsident Emil Gretler ausdrückte: «Aber dann wieder frisch aufs neue ans Werk, vielleicht geht’s das nächste Jahr besser. Dieser stete Ansporn erhält ja uns Footballer immer frisch und lässt richtige Sportleute nicht erlahmen.»

Den ganzen Artikel und noch viel mehr zur Geschichte des FC St.Gallen sowie zu vielen weiteren Themen gibts im aktuellen SENF #02. Das Heft kann hier bestellt werden. Ebenso erhältlich ist es an den Heimspielen des FCSG am DV-Stand, im Fanlokal, im Rösslitor und in der Comedia.

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