Der Winter ist in der Regel fussballfreie Zeit. Der Ball ruht nicht zuletzt aufgrund der widrigen klimatischen Bedingungen in der Schweiz. Während der Meisterschaftspause reisen deshalb viele Clubs in den Süden um sich auf die Rückrunde vorzubereiten. Ein Teil des SENF-Kollektivs ist dem FCSG in die wärmeren Breitengrade gefolgt.

Mit Malta hat der FC St.Gallen ein eher ungewöhnliches Ziel für sein Trainingslager ausgesucht. Alle anderen Teams – abgesehen vom konkursbedrohten FC Thun – haben Südspanien bereist. Und sind dort wohl glücklicher geworden als unser FCSG auf der kleinen Mittelmeerinsel. Zumindest was die geplanten Testspiele angeht: Uni Craiova, ein Traditionsverein aus Rumänien, sagte kurzfristig eines der beiden angesetzten Testspiele ab. Terek Grozny gleich sein ganzes Trainingslager auf Malta. Und das Spiel gegen die lokalen Hibernians Paola fand wegen des ungastlichen Wetters nicht in ihrem schmucken Heimstadion, sondern wie die andere Partie auch im grossen, leeren Nationalstadion statt. Beim 6:2-Sieg der Grün-Weissen war der Gegner aber kein wirklicher Gradmesser, das Ganze glich eher einer besseren Bewegungstherapie. Immerhin hat’s nun aber doch noch geklappt, der FCSG hat den Inselaufenthalt kurzfristig um einen Tag verlängert, um sich am Samstag  mit dem Karlsruher SC messen zu können. Jenem Verein, der in der Winterpause Joe Zinnbauer leicht umgarnt hatte – wenn man den Gerüchten glauben schenkt…

Der guten Laune der Mannschaft und den mitgereisten Fans tat dies keinen Abbruch. Mit dem Hotel scheinen die Tschutter zufrieden zu sein und auch der Ausgang im Malta-Mallorca «Paceville» hat ihnen sichtlich gefallen. Auch wenn sie sich bei den Fans, die teils in den gleichen Lokalen verkehrten, kaum blicken liessen. Ebenso unterliessen sie es, die 13 reisefreudigen Fans beim Spiel gegen Hibernians eines Blickes zu würdigen. Klar, ein Trainingslager ist, wie der Verein diese Woche selbst schrieb, kein Ponyhof. Aber es hätte nur wenig gebraucht, um den mitgereisten Fans eine kleine Freude zu machen.

Ein Trainingslager in Malta ist auch aussergewöhnlich, weil man als Verein dort fast alleine ist. Die Suche nach Testspielgegnern erschwert sich dadurch, die Trainingsbedingungen sind hingegen ideal. Der FCSG konnte auf dem Trainingsplatz tun und lassen was und wie er wollte, er stand ihnen wie zuhause rund um die Uhr zur Verfügung. Das sei sehr positiv, sagte Mediensprecher Daniel Last, und in Spanien beinahe unbezahlbar. Nur der FC Basel leiste sich diesen Luxus. Ein Luxus, der es erlaubte, auch mal eine Trainingseinheit nur für die Jungen zu machen oder einfach sonst spontan zu sein. Wie sehr davon Gebrauch gemacht wurde, ist indes nicht bekannt. Es sei denn, Joe hat die Mannschaft mal wieder zu einem nächtlichen Straftraining verdonnert.

Dazu gab es zumindest nach dem zweiten Testspiel keinen Grund. Das Spiel wurde mit 6:2 diskussionslos gewonnen, dies obwohl die St.Galler Abwehr vor der Pause zweimal schlief und dem harmlosen Gegner so zwei Tore ermöglichte. Es schien aber weder die Fans noch Dölf Früh zu stören, denn der Präsident zeigte sich spendabel und quittierte die «Dä Präsi zahlt e Rundi»-Sprechhöre mit einer 200-Euro-Note. Das verdutzte Stadionpersonal, das nur wegen der mitgereisten FCSG-Fans überhaupt die Bar geöffnet hatte, staunte Bauklötze. Bei schön herausgespielten Toren und Freibier liess es sich definitiv aushalten, auch wenn ein eisiger Wind pfiff und die Spieler auf dem Rasen kurzzeitig regelrecht abgeduscht wurden.

Das Trainingslager in Malta wird, vermutlich, nicht als das Beste in die Vereinschronik eingehen. Aber sehen wir’s mal so: In den letzten Jahren hatte kaum einer etwas zu meckern nach der Trainingslager. Es folgten desaströse Rückrunden. Vielleicht ist’s diesmal ja andersrum.


Anmerkung (20.01., 18.54 Uhr): Ein ebenfalls mitgereister Fan hat uns geschrieben, die Mannschaft habe den Fans gegenüber mehrfach ihre Wertschätzung gezeigt. So seien die Fans mit Shirts beschenkt und nach dem ersten Spiel zum Fototermin in die Kabine gebeten worden. Auch sei im Ausgang durchaus miteinander angestossen worden. Zu diesem (späten) Zeitpunkt waren wir nicht mehr vor Ort. Wir haben uns im Text explizit auf den Dienstagabend bezogen. Dass wir dies nicht deutlicher kenntlich gemacht haben, ist unser Versäumnis.

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