Die Olympischen Spiele in Rio sind in aller Munde. Und obwohl das olympische Fussballturnier im fernen Brasilien stattfindet, fühlt sich der FC St.Gallen auch hierzulande dem olympischen Gedanken verpflichtet. Der Matchbericht aus Lausanne.

facepalm

Donnerstagabend, 20:45 Uhr, Lausanne-Sport empfängt den FC St.Gallen. Oder: Aufsteiger gegen Fast-Absteiger. Mit Olympia hat das erstmal nicht so viel zu tun, wäre da nicht das Stadion der Waadtländer, das Stade Olympique de la Pontaise. Wir sind ehrlich: Das tönt schon viel besser als Kybunpark.

Im Gegensatz zum Olympiastadion in München, wo der FC Bayern seine Heimspiele früher ausgetragen hat, haben in Lausanne nie Olympische Spiele stattgefunden. Seinen Namen verdankt das Stadion der Tatsache, dass Lausanne seit 1915 Sitz des IOC ist. Und trotzdem wehte an diesem Donnerstag ein Hauch Olympia durch das weite Rund.

Citius, altius, fortius
Wer an Olympia denkt, hat auch das inoffizielle Motto «Dabei sein ist alles» im Kopf. Es scheint, dass sich der FCSG diese Saison genau diesen olympischen Gedanken auf die Brust geschrieben hat. Angefangen hat es schon mit der Zielsetzung zu Beginn der Saison: Während man sich in früheren Saisons in der obersten Liga etablieren wollte, hiess die Zielvorgabe für diese Saison kurz und knackig «Ligaerhalt».

Das schreit förmlich nach «Dabei sein ist alles». Dabei sein, wollen wir in der Super League. Dabei sein, aber nicht unbedingt gewinnen. Solange wir mit den Grossen mitspielen dürfen, ist alles gut.

Dabei ist «citius, altius, fortius» – zu Deutsch: «schneller, höher, stärker» – das eigentliche Motto der olympischen Spiele. An den Spielen in Paris 1924 wurde diese Devise das erste Mal offiziell zitiert. Frei nach diesem Motto agieren auch die St.Galler Spieler auf dem Feld. Schneller den Ball verlieren, höher übers Tor schiessen, den Gegner stärker reden. Auch in Lausanne wieder: Auf dem Feld waren die St.Galler nahezu inexistent, gespielt hat praktisch nur eine Mannschaft.

Die Frage: Mühe geben oder Mühe haben?
Wir täten dem FCSG unrecht, wenn wir die zwei Schüsse in der ersten Halbzeit auf das Lausanner Tor nicht erwähnen würden, richtig herausgespielt war jedoch erst die Chance durch Bunjaku kurz vor Schluss. Vorher gehörten die herausgespielten Chancen dem Aufsteiger. Wie auch das verdiente Siegtor.

Ob sich die St.Galler nach diesem Sieg besonders Mühe gaben, oder besonders Mühe hatten? Schwer zu sagen. Zwingende Aktionen, Ballstafetten oder Spielfluss suchten die weitgereisten Ostschweizer Fans jedenfalls vergebens.

Dem Matchbericht des Tagblatts war am Freitag zum Spiel des Gegners folgendes zu entnehmen: «Von Beginn weg war ein ausgereiftes System und eine klare Spielanlage zu erkennen. Mit einer Dreierabwehr, einem gekonnten Spiel über die Flügel und vielen Seitenwechseln dominierten die Waadtländer das Geschehen deutlich.»

Unweigerlich kommt man bei diesen Zeilen ins Grübeln. Wann war beim FC St.Gallen das letzte Mal ein «ausgereiftes System und eine klare Spielanlage» zu erkennen? Eventuell beim Entscheidungsspiel gegen den FCZ in der letzten Saison. Aber davor? Muss wohl noch unter Jeff Saibene gewesen sein – ziemlich lange her.

Daran stören will man sich in St.Gallen aber nicht. Gebetsmühlenartig wird vom Trainer gepredigt, dass die Spieler es im Training hervorragend machten und schon noch alles besser werde. Wir möchten gerne daran glauben und schauen derweil nach Rio. Dort, wo der olympische Gedanke zähen sollte, werden irgendwie aber auch nur die Sieger gefeiert. Vielleicht ist «dabei sein» eben doch nicht alles…


Dieser Beitrag erschien am 14. August 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.

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