Offiziell hat es einfach nicht mehr gepasst. Wie bei einer ausgelatschten Beziehung hat man sich auseinandergelebt. Der Trainer hat die Mannschaft nicht mehr erreicht. Die Mannschaft nicht mehr auf den Trainer gehört. Oder: Der eine hat die Ideen des anderen nicht mehr wie gewünscht umgesetzt. So oder ähnlich tönt es immer, wenn im Fussballbusiness ein Trainer entlassen wird. So auch heute in St.Gallen: Die Verantwortlichen sahen kein Vertrauen von Contini in die Vorgesetzten und ihre Ziele.

Wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht mehr vertrauen, muss eine der beiden Seiten die Notbremse ziehen. Das gilt in einer Toggenburger Schreinerei genauso wie im Schnellimbiss in der Zürcher Bahnhofshalle oder beim FC St.Gallen. Somit erscheint der Schritt des FCSG, trotz laufendem Vertrag, zukünftig auf Trainer Giorgio Contini zu verzichten und die Zusammenarbeit per sofort zu beenden, für Aussenstehende nur logisch. Zu oft hat man in den Medien davon gelesen, wie unzufrieden Contini mit der Situation beim FC St.Gallen ist.

Doch, wie SENF exklusiv in Erfahrung bringen konnte: Der offizielle Grund der Trennung ist mit Vorsicht zu geniessen. Denn: Es war noch bis vor Kurzem beschlossene Sachen, bis zum Vertragsende mit Contini weiterzuarbeiten. Einleuchtend, denn finanziell kann sich der FCSG eigentlich keinen weiteren Trainer auf der Lohnliste leisten. Gekippt ist der Verwaltungsrat nach dem Spiel vom Samstag gegen Thun. Allerdings nicht wegen der Niederlage.

Die Leserinnen und Leser unseres Livetickers beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten haben bereits während des Spiels mitbekommen, dass zwei Posauner im Stadion anwesend waren, um die Mannschaft zu «unterstützen». Dutzende Leserinnen und Leser beschwerten sich bei uns. Sogar das St.Galler Tagblatt berichtete im Nachhinein. Gemäss den investigativen Recherchen des Tagblatts darf nicht jeder sein Instrument mitbringen, die beiden Herren hatten aber eine Bewilligung dazu. Und genau hier liegt der wahre Grund für die Entmachtung Continis.

Ausgestellt hat die Bewilligung nämlich der Trainer höchstpersönlich. Pikant: Die beiden Musikanten sind Mitglied des Giorgio-Contini-Fanclubs. Die Bewilligung soll Contini zudem an seinen Vorgesetzten vorbeigeschleust haben. «Tätschhässig» soll gemäss Zeugen der sonst so besonnen und ausgeglichen agierende Sportchef Alain Sutter gewesen sein, schliesslich favorisiere er die im ganzen Stadion verbotenen Vuvuzuelas. Continis Vergehen wiegen für die Verantwortlichen des FCSG schwer: Vetternwirtschaft, Handeln gegen die Interessen des Arbeitgebers, Überschreiten von Unterschriftskompetenzen sowie Unterstützung von organisiertem Instrumentenschmuggel. Gerüchten zufolge sollen sich die Musiker auch der akustischen Belästigung hart arbeitender Medienschaffender schuldig gemacht haben. Der Assistenztrainer Markus Hoffmann muss seinen Posten im Zuge der Posaunen-Affäre ebenfalls räumen. Eine Gehilfenschaft Hofmanns könne im «Ostschweizer Posaunen-Krimi» (Blick) nicht ausgeschlossen werden. Im verschwiegenen Ostschweizer Blechinstrumenten-Milieu wird eifrigst ermittelt.

Contini ist somit ab sofort wieder auf dem Trainermarkt zu haben. Das dürfte vor allem die Zürcher Grasshoppers zutiefst ärgern. Hätten Sie mit der Verpflichtung von Thorsten Fink nur wenige Stunden länger zugewartet, sie hätten stattdessen Contini und Hoffmann haben können. Contini hätte seinen Fanclub und die lautstarke musikalische Unterstützung gratis in den Stimmungsmoloch Letzigrund mitgebracht.


(Video: Screenshot Youtube)

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