Share on FacebookTweet about this on Twitter

Alles kann man wechseln – den Partner, den Beruf, die Automarke –, nur nicht den Fussballclub, hat der spanische Autor Javier Marias einmal gesagt. So ernst nehmen viele Fans die Verbundenheit mit ihrem Fussballclub. Fussball ist aber nun mal ein Spiel, das nur funktioniert, wenn auch ein Gegner auf dem Platz steht. Kurzum: «Mir» sind zwar immer und unzweifelhaft die Besten, ohne «di Andere» geht es aber halt auch nicht.

Die siebte Ausgabe des SENF widmet sich genau diesem Spannungsfeld. Wir beschäftigen uns deshalb unter anderem mit unserem «Lieblingsfeind» GC, mit dem wir eine lange Geschichte aber wenig Gemeinsamkeiten teilen. Zudem lassen wir Michael Lang zu Wort kommen, der bei ebendiesem GC gespielt hat, nachdem er den FCSG verlassen hatte und bevor er zum FC Basel wechselte.

In unserem grossen Interview lassen wir den zurückgekehrten Tranquillo Barnetta ausführlich erzählen, wie er die «Anderen» im Ausland wahrgenommen hat. Und Quillo verrät uns auch seine Pläne für die Zeit nach dem Karriereende.

Schliesslich liefern wir auch abseits des Titelthemas spannende Einblicke: Mit Roman Buess analysieren wir die vergangene Hinrunde, unser Vereinsmaskottchen Gallus erzählt von seinem Alltag als Berufsenthusiast und die Thurgauer Journalistin Mona Vetsch erklärt uns, weshalb sie gelegentlich auch mal ihre Kinder foult.

Der Release der siebten Ausgabe findet am Donnerstag, 2. Februar im Fanlokal statt. Zu Gast sein werden Christian Brägger (St.Galler Tagblatt), Jaan Schaller (Toxic.fm), Josef Zindel (früherer Kommunikationsverantwortlicher FC Basel) und Remo Zollinger (SENF). Sie diskutieren über einen weiteren «Anderen» im Fussballzirkus: die Medien. Kann man überhaupt objektiv über einen Fussballclub berichten? Darf man selber Fan sein, wenn man einen Verein medial begleitet? Und sowieso die Fans: Wie berichtet man über sie? Gesprächsstoff dürfte vorhanden sein. Natürlich kann am Release-Abend auch die neueste Ausgabe des SENF erstanden werden. Wer sich das Magazin lieber nach Hause liefern lässt, wird hier fündig. Und wem noch frühere Ausgaben fehlen, der kann seine Sammlung hier vervollständigen.


Share on FacebookTweet about this on Twitter

Der Jahreswechsel bietet stets eine gute Gelegenheit, auf die vergangenen zwölf Monate zurückzublicken. An dieser Stelle präsentieren wir euch deshalb die fünf Blogbeiträge, die ihr 2016 am meisten angeklickt habt.

Platz 5: PINK IST NICHT DAS NEUE GRÜN

Zu Beginn des vergangenen Jahres präsentierte der FCSG zwei speziell für Frauen hergestellte Fanartikel in Form von «stylischen New Era Caps». So weit so gut. Wir störten uns in der Folge weniger an der neuen speziell für Frauen hergestellten Kopfbedeckung, sondern an der damit verknüpften stereotypen Darstellung der weiblichen Fussballfans, welche sich durch das pinke Design manifestiert. Dieser Ansicht waren offenbar auch unsere Leserinnen und Leser machten den Blogbeitrag zum fünftbeliebtesten des vergangenen Jahres. Den ganzen Beitrag könnt ihr hier (nochmals) lesen.

Platz 4: TOP-FLOP

Fehleinkäufe gehören (leider) genauso zum FC St.Gallen wie das Bier zur Bratwurst. Entsprechend hohe Wellen schlug beim SENF-internen Nachrichtenticker die Meldung, dass unsere Kollegen vom Zwölf einen Beitrag über die grössten Fehleinkäufe des FCSG geplant hatten. Mit grosser Spannung erwarteten wir ihre Liste, um sie mit unseren eigenen Lieblingsfehleinkäufen zu vergleichen. Ähnlich ist es anscheinend auch euch ergangen, denn der Blogbeitrag mit den grössten FCSG-Fehleinkäufen wurde am viertmeisten angeklickt. Und er wurde auf Facebook so oft kommentiert wie kaum ein anderer. Die vollständige Liste könnt ihr euch hier (noch einmal) ansehen.

Platz 3: VERFRÜHTER 1. MAI IN ZÜRICH?

Auswärtsspiele in Zürich bergen immer ein gewisses Konfliktpotential. Für einmal waren es jedoch nicht die Fans, welche sich mit Drohgesten hervortaten, sondern die Stadtpolizei Zürich, welche anlässlich des Auswärtsspiels gegen die Grasshoppers im Frühling äusserst martialisch auftrat. Das Auftreten der Stadtpolizei Zürich warf anscheinend nicht nur bei uns einige Fragen auf, sondern auch bei unseren Leserinnen und Lesern. Den ganzen Augenzeugenbericht gibt es hier zum nachlesen.

Platz 2: DIE WAHRHEIT ÜBER WIL

Unser zweitbeliebtester Beitrag stammt aus der Feder unseres Gastautoren Etrit Hasler, welcher in seinem – nicht ganz ernstgemeinten – Blogbeitrag einen Erklärungsversuch für das fragwürdige Engagement der türkischen Investoren beim FC Wil liefert. Da schlüssige Erklärungen bis dato Mangelware gewesen sind, wurde der Blogbeitrag am zweitmeisten angeklickt. Wer Etrits Erklärungsversuch verpasst hat, kann ihn hier lesen.

Platz 1: STURM DER HALBWAHRHEITEN

facepalm

Da unser Magazin bekanntlich in einem halbjährlichen Publikationsrhythmus erscheint, nutzen wir den Blog von Zeit zu Zeit, um auf tagesaktuelle Ereignisse einzugehen. So auch Mitte April, als ein Tagblatt-Artikel nach der blamablen 0:7-Niederlage des FCSG gegen den FC Basel suggerierte, dass «eine verärgerte Hundertschaft die unterirdische Zufahrt zur AFG Arena blockierte und die Spieler daran hinderte, von der Stätte des Unheils wegzukommen». Die ebenfalls in der Tiefgarage anwesenden Kollektivmitglieder erlebten das Ganze ein wenig anders und stellten ihre Sicht der Dinge im meistgelesenen Blogbeitrag des Jahres 2016 dar.

In diese Auswertung eingeflossen sind sämtliche im Jahr 2016 erschienenen Blogbeiträge des SENF-Kollektivs. Aufgrund von auswertungstechnischen Einschränkungen konnten die auf Saiten.ch publizierten Beiträge nicht vollumfänglich einbezogen werden. Sämtliche zuerst beim Saiten-Magazin publizierten Blogbeiträge können hier eingesehen werden.


Share on FacebookTweet about this on Twitter

Seit April tickern wir an den Heimspielen des FCSG das Spielgeschehen für das Ostschweizer Kulturmagazin Saiten live aus dem Stadion. Zum Jahreswechsel präsentieren wir die Highlights des Ticker-Jahres 2016.

Tickern unter erschwerten Bedingungen

Der Start im April war denkbar schlecht. Beim ersten Live-Ticker kommt der FC Basel nach St.Gallen und schiesst die Espen gleich mit 7:0 ab. Der Vorteil: Viel Material für das Ticker-Team. Und so kommts im ersten Spiel gleich zum ersten literarischen Highlight:

Minute 47 – Vielversprechender Beginn. Traoré bedient von links per Massflanke Angha, der noch nicht mitgekriegt hat, dass Seitenwechsel war. Eigentor – 0:2. Don’t look back in Angha, I heard you say.

Dass sich Martin Anghas Name gut für Wortspiele eignet, wird bei der Niederlage gegen Lugano im September gleich nochmal deutlich:

Einen Gegenspieler darfst du nicht so angha, das gibt immer Freistoss.

Öfter als humorvolle Wortspiele kommt jedoch der typisch st.gallerische Zynismus zum Vorschein. Beim Spiel gegen Sion im April erhält der FCSG bereits in der zweiten Minute den zweiten Eckball zugesprochen. Wir meinen:

Zweiter Eckball für Grün-Weiss. Ob ich mein Meister-T-Shirt noch irgendwo habe?

Auch im Oktober gegen Thun zeigt sich unser Zynismus…

Minute 1 – Das Spiel läuft. Um gleich mal Positives zu erwähnen: St.Gallen hält hier noch immer das Unentschieden.

…oder im November gegen Lausanne:

13:35 Uhr – Unsere Freude über das 0:0 währte nur kurz. Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, dass das Spiel erst in 10 Minuten beginnt.

Und trotzdem bleibt der Optimismus. Zum ersten Spiel der aktuellen Saison kommen die Berner Young Boys nach St.Gallen. Wir tickern kurz nach Spielstart:

Minute 1 – Die (Meister-)Saison läuft.

Wir kümmern uns aber regelmässig auch darum, was neben dem Platz passiert. Im erlösenden Spiel gegen den FCZ, in dem der FCSG am Pfingstmontag dem Abstieg endgültig davon schleicht, können wir kurz vor Spielende Folgendes vermelden:

Auf der Tribüne gegenüber des Espenblocks haben sich Ordner mit gelben Westen auf der Treppe platziert. Eine Art menschlicher Zaun. Der stand aber offenbar falsch. Also gehen alle wieder runter, gehen einen Aufgang weiter und platzieren sich auf der dortigen Treppe. Das hat fast schon was von einer Prozession. Ist ja auch Pfingsten.

Zu den auffälligen Personen abseits des Spielfelds gehörte mitunter Stadionspeaker Fischbacher. So zum Beispiel beim Spiel gegen Luzern im Mai…

Nochmals ein Nachtrag zum Lattentreffer von Luzern: Dieser wurde wegen dem Rauch im Stadion verzögert. Der Stadionspeaker verzweifelte fast: „Im Namä vom Schiedsrichter, bitte höräd uf zündä. Ihr gsehnd selber, me gseht nüt!“

…oder im letzten Spiel des Jahres gegen Sion:

Nachdem die Sion-Fans einen Böller gezündet haben, wendet sich Fischbacher auf Französisch an die Gästefans, das doch bitte sein zu lassen. Kurz darauf meldet er sich nochmal: „Und ez no uf Dütsch für d’Oberwalliser.“

Alles gut im Blick von der Pressetribüne

Natürlich sticheln wir auch immer wieder gerne gegen den gerade anwesenden Gastverein. Zum Beispiel, wenn der FCZ nach St.Gallen kommt (Mai)…

Es sind ausserordentlich viele Zürcher in der Arena präsent. Wollen auch mal eine schöne Stadt, einen geilen Verein und ein volles Stadion sehen. Sie: „Schatz, wohii gahsch?“ Er: „Ha Wiiterbildig, sorry.“

…oder am Olma-Match gegen Vaduz (Oktober):

Speaker Richard Fischbacher begrüsst die Auswärtsfahrer aus dem Fürstentum. Eine Auswärtsfahrt von Vaduz-Fans. Oder auch: Familienurlaub.

Dabei haben wir auch immer ein Auge auf das aktuelle Zeitgeschehen. Als im Juli YB zu Gast ist, sucht die ganze Welt mit dem Smartphone vor der Nase nach Pokémon. So auch der Berner Coach:

Herrlich, wie wir Adi Hütter gerade beim frustrierten Kopfschütteln beobachtet haben. Ein Taubsi zu fangen ist eben nicht immer leicht. Legt dann das Handy wieder weg und widmet sich dem Spiel.

Was Büne Huber dazu meint, wissen wir nicht. Zum Fussball hat er aber eine klare Haltung, die wir – natürlich auch im Spiel gegen YB – aufgreifen:

Scott Sutter bleibt nach einem Kopfballduell kurz liegen. Und irgendwo in Bern ruft Büne Huber: „Huere Pussy!“

Der Hauptfokus unserer stets objektiv-nüchternen Berichterstattung liegt natürlich stets auf dem FCSG. So zum Beispiel beim letzten Saisonspiel im Mai gegen Luzern:

Nächste Saison empfängt der FC St.Gallen die Gegner im Kybun Park. Die Namensgebung erfolgt zu Ehren des Captains der südkoreanischen WM-Mannschaft von 1954. Wenig bekannt in der Ostschweiz, aber Ky-Bun Park trainierte damals mit seiner Mannschaft in St.Gallen für die WM in der Schweiz.

Der Stadionname sorgt das ganze Spiel über für Gesprächsstoff:

In der Pause wurde auf den Rängen weiter über den neuen Stadionnamen diskutiert. Es bleiben Fragen. Wird die Shopping Arena jetzt zum Shopping Park? Die Arena Card zur Parkkarte? Sitzplätze zu Parkplätzen? Gibts statt Stadionverboten jetzt Parkverbote? Bei all diesen offenen Fragen wird die Sommerpause intensiv.

Nicht immer wars so schattig

Und natürlich dreht sich der Ticker dann und wann auch um das sportliche Geschehen. Wir können nämlich schon, wenn wir wollen. Zum Beispiel gegen Basel im April…

Schwächen machen wir vor allem in der grün-weissen Spieleröffnung aus. Wiss wird von den Basler clever attackiert, Angha scheint ideenlos. Angeberwissen: Gaudino soll sich zurückfallen lassen, um den ersten Ball spielen zu können, während die beiden Aussenverteidiger aufrücken, um im Mittelfeld Überzahl zu schaffen. Wer ist nochmal Pep Guardiola?

…oder beim Treffer zum 2:0 gegen GC im August:

Ein Gedicht, dieser Treffer. Erst das anmutige Massnehmen Tafers inmitten des feinen Knistern im Vorlauf einer mutmasslichen Torchance. Umrahmt wurde das Ganze vom ziellosen Geräuschpegel, der mit jedem kleinen, bedächtigen Schritt Anlauf des Schützen abnahm. Und, als der Ball in der Luft für einen Moment verharrte, schien das Stadion plötzlich für einen Moment mit unausgesprochener Übereinkunft zu schweigen. In freudiger Erwartung auf die Explosion, die Sekundenbruchteile später folgen sollte. Nach liebevollem Kuss am Pfosten, hüpfte der Ball ins Netz. Jetzt verliebt: der SENF-Liveticker.

Manchmal müssen wir uns sogar um andere Sportarten kümmern, wie gegen YB im Juli:

Ein Berner rutscht in Lopar, als dieser den Ball schon in den Händen hatte. Danach wechseln 20 der 22 Spieler auf dem Feld die Sportart. Schiri Jaccottet verstreut Sägemehl und verteilt anschliessend wegen fehlendem Abklopfen der gegnerischen Schulter zweimal Gelb. SENF – Din Schwingsport-Liveticker.

Schön anzusehen war vor allem das Rencontre vom Angha, Martin, der seinen Berner Kontrahenten per Hoselupf zu bodigen versuchte. Wär ja schon was, so ein Munni. Da bist du der Star an jeder OLMA.

Standard-Ausrüstung

Alle diese Nachrichten verfasst ein kleines Team, das wir beim Hitze-Spiel gegen Luzern im August gleich selber beschreiben:

Der SENF ist mittlerweile fester Bestandteil des Journalismus-Establishment der Schweiz. Was der SENF schreibt, das glaubt die Schweiz. Wir gehen ein und aus in den nebulösen Hinterzimmern der Lobbyisten, treffen ranghohe Unternehmer und Politiker. Und das stets adrett gekleidet. Der sündhaft teure Anzug ist unsere zweite Haut. Aber heute, in dieser verdammten Hitze, müssen wir auf kurze Hosen und T-Shirt zurückgreifen. Wir fühlen uns nackt, emotional verwundbar.

Auch im September ists fürs Ticker-Team nicht einfach, als sich die Espen gegen Lugano schwertun:

Pause. Runterfahren, sich sammeln. Vielleicht mal weinen, es rauslassen, um dann neu starten zu können. Nobody said it was easy. Und dann Tränen. Mitten auf der Pressetribüne. Obwohl mit Hemd. Und Bier. Aber doch schmerzt es. Verdammter Rückstand.

Zwischendurch wird es so schlimm, dass wir uns Hilfe holten:

Heute tickern für euch R.S. und R.S. Aber, wir gebens zu, wir sind beide angeschlagen. Die sportlichen Rückschläge der letzten Wochen und Monate haben uns stark zugesetzt. Wir haben emotionale Achterbahnfahrten erlebt. Die Gefühle, die uns beim Tickern regelmässig übermannen, sind kaum noch zu ertragen. Als Vorsichtsmassnahme sitzt heute Dr. O.W. neben uns. Er wird sich ab und an einschalten, wenn die Gefühle das Ruder zu übernehmen drohen.

Und dann, zum letzten Spiel der Saison gegen Sion, fällt das Team auch noch auseinander. Temporär und ferienbedingt. Der einzig verbleibende R.S. weiss sich zu helfen:

Das grösste Problem, wenn man alleine tickert: Was tun, wenn man gerne ein neues Bier hätte? Die Kollegen vom Adrenalin-Team helfen aus. Ich bedanke mich herzlichst!

Die letzte Meldung hatte ich übrigens zuhause schon vorgeschrieben, damit ich dem Adreanlin-Team gleich zu Beginn sagen konnte, dass sie da jetzt nicht mehr drumrum kommen. Gnihihi, schlau wie ein Fuchs.


In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern einen guten Rutsch ins 2017. Auf den SENF #07 und #08, auf viele Live-Ticker und auf viele Punkte für den FC St.Gallen!


Share on FacebookTweet about this on Twitter

Das Fussballmagazin Zwölf hat sich an eine fast unlösbare Aufgabe gemacht und eine Liste der schlechtesten Transfers des FC St.Gallen erstellt.

Top-Flops

Als die erste Meldung in der SENF-Redaktion eintraf, dass im neuesten ZWÖLF (Nummer 57) die grössten Fehleinkäufe der grün-weissen Geschichte verewigt würden, lief der hausinterne Nachrichtenticker heiss. Jeder hatte einen eigenen Lieblings-Fehleinkauf, die meisten gleich mehrere. Denn schliesslich bleiben die ganz schlechten Spieler oft irgendwie stärker in Erinnerung als die soliden, aber durchschnittlichen.

Ähnlich ging es den Kollegen des ZWÖLF: «Es gibt sie bei jedem Verein und sie gehören irgendwie zu den Lieblingen der ZWÖLF-Redaktion: Jene Spieler, die als grosse Verheissungen vorgestellt werden und nach kurzer Zeit schon wieder durch die Hintertüre verschwinden, ohne den geringsten Eindruck hinterlassen zu haben», erklärt Chefredaktor Mämä Sykora das Interesse für die Auflistung in der aktuellsten Ausgabe. «Nirgends kommt das häufiger vor als beim FC St.Gallen. In den letzten zehn Jahren wurden mit beängstigender Regelmässigkeit Spieler verpflichtet mit angeblich fantastischen Eigenschaften, wenige Monate später blieb oft nur noch die Vertragsauflösung. Die schiere Fülle an Transferflops machte die Auswahl für unsere Rubrik ‘Startaufstellung’ für einmal besonders schwer.»

Geschafft haben sie es aber trotzdem. In der Endauswahl sind folgende Spieler zu finden:

Sandro Calabro & Tim Bakens
Die beiden Holländer sollten 2010 mit ihrer Grösse alles und alle überragen. Überragend waren dann aber doch bloss die schlechten Leistungen.

Atila
2011 nach St.Gallen gekommen, eineinhalb Jahre später ohne einen einzigen Einsatz wieder gegangen.

Igor Tadic
Der Stürmer erzielte bis zu seiner Verpflichtung im Jahr 2012 etliche Tore in der Challenge League. Nach dem Wechsel in die Ostschweiz passierte, was so oft passiert: nichts.

Juho Mäkelä
«Juho, juhee» und «Chasch nöd mäkelä». Zu mehr als Wortspielen reichte es dem Finnen in St.Gallen nicht.

Daniel Dziwniel
Der Pole hatte kaum Einsatzzeit, sollte sich dann in der U21 wieder nach oben arbeiten, riss sich aber gleich beim ersten Auftritt für die zweite Mannschaft das Kreuzband. Das wars für ihn in St.Gallen.

Serdal Kül, Bernt Haas & Fernando
Kül und Haas durften im ersten Saisonspiel 2007 ran, nachher nie mehr. Also musste Fernando in die Bresche springen. Besser war das auch nicht.

Jesús Méndez
Der Rekordtransfer, die Versprechung für bessere Zeiten oder noch mehr. Für Mendez waren nur Superlative gut genug. Blöd nur: Man holte ihn als 10er, er sah sich als 6er.

Klemen Lavric
Sein Ruf eilte Lavric voraus. Seine Leistungen kamen gar nie erst an.

Alhassane Keita
Er versprach 25 Tore in einer Saison und lieferte kaum etwas.

Der Vergleich mit der SENF-internen diskussion zeigt: Schlecht ist die Auswahl nicht. Aber viele weitere Namen hätten auch einen Platz verdient. Zum Beispiel Jefferson, der im ersten Spiel ein herrliches Tor erzielte, danach aber nichts mehr auf die Reihe kriegte. Oder Leo Lerinc, der gar nie in Fahrt kam. Oder Stefanovic. Oder Pavlovic. Oder Agouda. Oder, oder, oder. Die Liste scheint ziemlich lang. Kein Wunder waren auf der Longlist vom Zwölf, die SENF exklusiv einsehen durfte, noch viele weitere Namen aufgeführt, die in St.Gallen kaum in guter Erinnerung bleiben. Oder weiss noch jemand, wer Bruno Lazaroni war?

Dass die Transferpolitik nicht erst seit Kurzem Anlass zur Sorge gibt, zeigt diese Liste, die ausdrücklich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, eindrücklich auf. Viel eher ist sie seit Jahren Teil des Problems. Oder, wie es Sykora ausdrückt: «Dass die Häufigkeit der Fehlgriffe auch einen grossen Anteil an der dauerhaft angespannten Lage bei den Espen hat, versteht sich von selbst.»


Share on FacebookTweet about this on Twitter

Der österreichische Getränkehersteller Red Bull engagiert sich seit vielen Jahren im Sport-Sponsoring. Dies unter anderem auch mehr oder weniger erfolgreich im Fussball. Vielen eingefleischten Fussballfans stösst das Engagement des österreichischen Brauseherstellers dabei sauer auf. Ein kürzlich online publizierter Artikel sorgt nun für weiteren Unmut in den sozialen Medien.

redbull_post_senf

Anfangs Oktober veröffentliche das Red Bull-Magazin «The Red Bulletin» einen Artikel mit dem Titel «Fussball Fauxpas: Wie du am Spieltag besser nicht ins Stadion gehst». Das Magazin, welches sich laut Selbstbeschreibung das Ziel gesetzt hat, «Monat für Monat atemberaubende Stories aus der Welt von Red Bull und ihren „Playgrounds“ zu erzählen», geht in diesem Artikel unter anderem der Frage nach, welches Trikot man im Stadion anziehen solle und wie bunt die dazugehörigen Schuhe sein dürfen.

Als eingefleischter Fussballfan ist man geneigt, diese Frage mit «Ein Red Bull-Trikot, natürlich!» zu beantworten. Die fleissigen Schreiberlinge des «Red Bulletin» kommen hinsichtlich des richtigen «Looks» wenig überraschend zu einem anderen Schluss: Halb-Halb-Fan-Schals, Vereins-Tattoos sowie Merchandise gehören laut dem PR-Magazin des multinationalen Konzerns nicht ins Stadion. Die Begründung, weshalb man keine Halb-Halb-Schals am Spieltag tragen soll, leuchtet den meisten Stadiongängern dabei wohl noch ein:

«Ein Schal mit den Vereinsfarben und Logos beider Mannschaften geht nur bei einer wirklich engen Freundschaft der Vereine in Ordnung. Zur Not bei Freundschaftsspielen oder internationalen Duellen. Aber bei Liga- und Pokalspielen stellst du dich ja auch nicht im Trikot des Gegners in den Block deines Teams, oder?»

So weit, so gut. Man könnte beinahe meinen, der österreichische Brausehersteller habe dazugelernt. Die Begründung, weshalb man sich im Stadion nicht seines T-Shirts entledigen sollte, sorgt dann doch bereits wieder für Stirnrunzeln:

«Das Sixpack im Fitnessstudio vergessen? Dann lass im Stadion immer schön dein Shirt an und erspare es den umstehenden Fans, den Fernsehkameras und damit auch der Welt deinen wohlgeformten Bierbauch.»

Zugegeben, auch wenn der durchschnittliche Fussballfan nicht gerade eine ähnlich wohldefinierte Bauchmuskulatur wie der in diesem Zusammenhang im Artikel genannte Ronaldo besitzt, offenbart diese Begründung, was für ein Körperbild den Journalistinnen und Journalisten für ihre Kundschaft vorschwebt. Makellos und durchtrainiert, soll der Körper sein – am Bestem dank eines Red Bull-induzierten Trainingswahns. Handkehrum kann man von einem Magazin, welches sexistische Artikel darüber schreibt, was es für Gründe gibt, kroatischen Frauen-Basketball zu schauen, wohl nichts Anderes erwarten. Soviel sei an dieser Stelle verraten: Basketball ist es nicht.

Komplett zur Farce verkommt das Ganze beim letzten Punkt: Den Fanartikeln oder im Marketingsprech auch «Merchandising» genannt. Zwar ist der Ausspruch gegen übertriebene Fanartikel wie den als Beispiel dienenden Arsenal-Weihnachtspullover grundsätzlich lobenswert. Der Hinweis, dass man sich beim «Club-Merchandise» nur auf kleine Accessoires beschränken soll, grenzt dabei hingegen an Zynismus. Dies insbesondere wenn man bedenkt, dass Red Bull gerne einmal Vereinsnamen zu Marketingzwecken abändert und das angestammte Vereinslogo durch das eigene ersetzt. Ein Unternehmen, dessen Aktivitäten im Sport ausschliesslich der eigenen Marke dienen sollen, will nicht, dass diese Marke im Stadion möglichst oft zu sehen ist? Schwierig zu glauben…

Entsprechend hämisch fallen die Reaktionen in den sozialen Medien auf den misslungenen Artikel aus. Von grundsätzlichen Unmuts-Bekundungen zum fussballerischen Engagement des österreichischen Brauseherstellers über Tadel aufgrund der unzureichenden Recherche des Artikels bis hin zum ungläubigen Kopfschütteln über diese Art der «Kundenerziehung» findet sich beinahe alles. Der Kommentar eines gewissen Markus Alexander Wittek, welcher meint, dass man vor allem nicht mit einem Red Bull-Trikot ins Stadion solle, gefällt uns bis jetzt definitiv am besten.