Der FC St.Gallen sucht einen Speaker für die Spiele der U21-Mannschaft. Wird allenfalls schon die Nachfolge des langjährigen Stadion-Speakers Richard Fischbacher vorbereitet?

Blog Speaker U21

Jeder St.Galler Stadionbesucher kennt seine Stimme: Seit 20 Jahren ist Richard Fischbacher Speaker der ersten Mannschaft. Er hat viel erlebt: Einen Meistertitel, zwei Abstiege, zwei Aufstiege und den Stadionwechsel in den Westen der Stadt. Insgesamt hat er über 400 Spiele via Lautsprecher begleitet, sechs neue Präsidenten begrüsst und zehn Trainer verabschiedet. Als Speaker stand er vor allem zu Espenmoos-Zeiten der Mannschaft nahe. Dann, als er zu Saisonbeginn noch Spinnweben und Insekten vom Speaker-Pult entfernen musste, gehörte ein Schwatz mit dem Trainer und Spielern dazu. Auch den Zeitpunkt der Einschaltungen bestimmte er im Heiligkreuz-Quartier selber. Heute ist das anders: Jedes Spiel ist durchgeplant, und so auch er Teil eines fixen Zeitplans. Dennoch bezeichnete er das Speaken zuletzt im Tagblatt als ein «wunderschönes Hobby». Wie lange er an seiner Passion festhält, lässt er offen. SENF weiss: In fünf Jahren erreicht Fischbacher das Pensionsalter.

Wer sich für die Nachfolge in Pole Position bringen will, hat jetzt eine einmalige Chance: Die U21-Mannschaft sucht einen neuen Speaker. Es würde dem Nachwuchskonzept entsprechen, wenn der Weg früher oder später zur ersten Mannschaft führen würde.

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Bild: Espenmoos – Eindrücke. Erlebnisse. Erinnerungen. (Nicolas Senn, Eastdesign.ch)


Der FC St.Gallen gewann am vergangenen Sonntag zum ersten Mal im neuen Stadion in Luzern. Die meisten Auswärts-Fans verfolgten das Spiel jedoch nicht im Stadion. Vor dem Gästesektor protestierten sie gegen den Eintrittspreis von 28 Franken. Doch nicht nur die Eintrittspreise kosten die Fans viel Geld. Für uns Grund, die Kosten genauer anzuschauen.

Auch wenn das Stadion in Luzern wegen der schlechten Sicht im Gästesektor für viele Fans sowieso den Eintrittspreis von 28 Franken nicht rechtfertigt, ist spätestens seit einer Mitteilung des Dachverbandes 1879 vom Februar dieses Jahres klar, dass die hohen Eintrittspreise nicht nur beim Gastspiel in der Innerschweiz ein Thema sind. In dieser Mitteilung forderte der DV1879 zusammen mit weiteren Fanszenen eine Obergrenze von 25 Franken für Erwachsene und Abstufungen für Lehrlinge und Studierende. SENF hat die effektiv anfallenden Kosten zusammengetragen, die Fans Schweizer Fussballvereine tragen müssen, wenn sie ihr Team auch auswärts unterstützen möchten.

Blog Kosten Auswärtsspiele

Die Fans des FC St.Gallen schauen dabei doppelt in die Röhre. Zum einen bezahlen sie für Tickets in den Gästesektoren insgesamt mehr als alle anderen Vereine. Rund 500 Franken kostet der Eintritt zu allen 18 Auswärtsspielen. Diese «Spitzenposition» verdanken die Fans der positiven Preispolitik des FC St.Gallen, der leider bisher kein anderer Verein gefolgt ist. Während Gäste in St.Gallen nur 20 Franken bezahlen, sind in jedem anderen Stadion 25 bis 30 Franken fällig. Abstufungen für Lehrlinge, Studierende oder Kinder sind die Ausnahme.

Zum anderen bedingt die Randlage St.Gallens aber auch, dass die Extrazüge in der Regel eine grössere Distanz zurücklegen müssen, um den Zielort zu erreichen. Hier werden, sofern man im Besitz eines Halbtax-Abonnements ist, nochmal 462 Franken fällig. Fehlt dieses Abonnement, sind es gar 924 Franken. Mithalten können hier einzig die Fans der Young Boys. Dies allerdings auch erst seit dieser Saison, in der mit dem FC Vaduz ein von St.Gallen aus nahe gelegener Verein in der Super League mitspielt.

Rechnet man zusammen, gibt ein Fan des FC St.Gallen im Jahr 944 Franken (plus 150.- für das Halbtax-Abonnement) oder gar 1‘406 Franken (ohne Halbtax) aus, um die Spiele seines Vereins auch auswärts verfolgen zu können. Nicht einberechnet sind Verpflegung, Cup- und Testspiele sowie allfällige internationale Auftritte. Rund 1‘400 Franken, um ein Jahr lang alle Auswärtsspiele seines Vereins sehen zu können – also fast 80 Franken pro Spiel –, ein stolzer Betrag. Selbst wenn man vom Besitz eines Halbtax-Abonnements ausgeht, verbleiben 1’094 Franken – also rund 60 Franken pro Spiel. Weil die SBB verhältnismässig günstige Tickets für die Extrazüge anbietet, ist dieser nicht noch höher. Es muss daher diskutiert werden, ob das Niveau der Eintrittspreise wirklich statthaft ist. Die Fans des FC St.Gallen haben am vergangenen Sonntag einen weiteren Anstoss zur Diskussion gegeben. Bleibt zu hoffen, dass die Vereine den Ball aufnehmen.


135 Jahre FCSG wollte das SENF-Kollektiv in wenigen Monaten verarbeiten und in Heftform pressen. Dass es da zum Schluss hektisch werden würde, war abzusehen. Nun ist der SENF #02 aber fertig und wir freuen uns auf den Release. Die Leserinnen und Leser erwartet eine geballte Ladung Fussballhistorie.

SENF02 Release

Die Geschichte des FC St.Gallen bietet einige interessante Episoden. So viele, dass es unmöglich war, sie alle in voller Länge im SENF #02 unterzubringen. Wichtige Ereignisse zu ignorieren ist aber ebenso wenig unser Ding wie interessante Geschichten verkürzt wieder zu geben. Wir haben uns deshalb an einen Spagat gewagt. Die Leserinnen und Leser erwartet im SENF #02 ein kompletter Überblick über die Vereinsgeschichte, die über blosses Titelaufzählen hinausgeht – der Trophäen-Schrank des FCSG quillt ja ohnehin nicht gerade über. So können wir zum Beispiel exklusiv eine Auflistung sämtlicher Trikots präsentieren, die der FCSG in seiner Geschichte getragen hat. Daneben räumen wir ausgewählten Themen mehr Platz ein, insbesondere wenn sie bisher nur so spärlich beleuchtet wurden wie die ersten 40 Jahre unseres Vereins. Neben weiteren Episoden der Vereinshistorie sind aber auch die aus der Erstaugabe bekannten Rubriken enthalten: Wir analysieren die Entwicklung auf wie neben dem Platz, zeigen Einblicke ins Leben nach der Fussballer-Karriere, unterhalten uns mit Brodwurscht-Promis, räumen einen Estrich aus, lassen Experten über ihr Fachgebiet sprechen, jonglieren mit Zahlen und üben uns in Satire.

Mehr möchten wir an dieser Stelle nicht verraten. Wir freuen uns, zusammen mit möglichst vielen Fans und weiteren Interessierten am Freitag, 22. August den Release des SENF #02 zu feiern. Die Türen zum Fanlokal an der Lämmlisbrunnenstrasse 7 öffnen sich um 19.00 Uhr, das Programm startet um 20.00 Uhr. Nebst Speis und Trank erwarten euch unter anderem Gesprächsgäste, die Anekdoten zu verschiedenen Aspekten der Vereinsgeschichte zum Besten geben. Und sobald das Cover der zweiten Ausgabe enthüllt wurde, kann der SENF #02 unter musikalischer Untermalung von DJ Plattenheeber natürlich auch erstanden werden. Wer am Freitag trotz dieses vielversprechenden Programms verhindert sein sollte, kann das Heft natürlich auch hier bereits vorbestellen und es sich bequem per Post nach Hause liefern lassen.


Auch über fünf Jahre nach dem Umzug vom Osten in den Westen der Stadt St.Gallen trauern viele noch dem Espenmoos nach. Die unvergleichliche Nähe zum Spielfeld, die stillvolle Haupttribüne kombiniert mit eher improvisiert anmutenden Stehplatzbereichen, der Weg durchs Quartier und die Schrebergärten… Auch wenn wir – ganz ohne grün-weisse Brille – sicher behaupten können, in der Ära der neuen Stadien ein eher besseres Los gezogen zu haben: Die Individualität, das Einzigartige fehlt im Westen der Stadt. Im SENF #01 hat Stefano Razzetti diesen Umstand sehr schön beschrieben: «Das Espenmoos war viel familiärer … Jetzt ist das Stadion ein riesiger Betonkomplex. Es ist einfach mehr Business als damals.» Offenbar sieht man das nicht nur in St.Gallen so. Im aktuellen tschutti heftli äussert sich Alain Wiss, seines Zeichens Luzerner, so: «Als ich vor sieben Jahren begann, gab es noch das Espenmoos in St.Gallen. Die Stimmung in diesem Stadion war immer top, da spielte ich immer gerne. Heute haben wir viele neue Stadien, aber leider sind alle ein bisschen ähnlich. Das Spezielle geht verloren.»

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