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Die Nachricht schlug ein: Aus gesundheitlichen Gründen tritt Dölf Früh als Präsident des FC St.Gallen schon im Mai zurück. Wie er in die Clubgeschichte eingeht, wird massgeblich auch davon geprägt sein, wem er die Macht übergibt.

Als Dölf Früh 2010 das Präsidentenamt beim FC St.Gallen übernahm, hatte der Club gerade eine der schwersten Krisen durchlebt. Zusammen mit anderen Geldgebern bewahrte Früh den Club vor dem Konkurs, verlangte dafür aber auch den entsprechenden Einfluss. Die Rettung brachte Früh in weiten Teilen von Beginn weg eine Art Heldenstatus ein.

Es gab aber auch Kritik. Insbesondere die Strukturen des Clubs, die mit der Übernahme einhergingen, waren umstritten. Bis zum Einstieg Frühs existierte zwar neben der FC St.Gallen AG mit der Betriebs AG schon eine weitere – und sehr umstrittene – Organisation, sie hatte aber nicht den Einfluss, den die an ihre Stelle tretende FC St.Gallen Event AG erhalten sollte. Diese lag von Beginn weg in den Händen weniger privater Investoren. Und sie wurde faktisch zur Muttergesellschaft der FC St.Gallen AG. Zwar blieb letztere im Publikumsbesitz, die Publikumsaktionäre büssten aber an Bedeutung ein.

Nur eine ausserordentliche GV

Realistischerweise hatten die Kleinaktionäre zwar auch vorher nur wenig zu sagen (wir haben auch deshalb unlängst mehr Demokratie gefordert). Zumindest theoretisch bestand jedoch immer die Möglichkeit, an einer Generalversammlung einen Entscheid in die gewünschte Richtung zu lenken. Faktisch wurden die Entscheide über den FC St.Gallen neu aber in der Event AG getroffen. Das zeigt gerade auch die aktuelle Situation. Der FC St.Gallen verweist in seiner Medienmitteilung bloss auf eine ausserordentliche Generalversammlung der Event AG. Zwar wird danach auch die FC St.Gallen AG eine Wahl durchführen, die wird aber wohl nur noch Formalität sein.

Der Dachverband 1879 befürchtete auch deshalb vor rund sieben Jahren: «Die langfristige Ausrichtung des FCSG liegt somit in der Hand von privaten … Investoren, die ihren Spass am FCSG vielleicht bald verlieren.» Insbesondere Dölf Früh hatte über seine eigenen Anteile an den beiden Gesellschaften sehr viel Macht angehäuft.

Die Skepsis war aber auch gross, weil die Misswirtschaft in den Jahren vor der Übernahme kaum personelle Konsequenzen hatte. Das Unverständnis darüber, dass verantwortliche Personen weiter beschäftigt wurden, war vielerorts sehr gross. Es sollte sich jedoch bald zeigen, dass auch Früh aufräumen wollte. Nach und nach ersetzte er die verantwortlichen Personen jener Tage. Heute ist von der ehemaligen Führungsriege praktisch niemand mehr an Bord. Zwar wollte Früh nie über einzelne Personalien sprechen, er liess aber immer wieder durchblicken, wie wichtig ihm die richtigen Leute sind, gerade in Führungspositionen. Und richtig war vor allem, wer ähnlich tickte.

Wenig Nebenschauplätze und klare Zuständigkeiten

Gegen aussen führte das dazu, dass eine bis dahin ungekannte Professionalität Einzug hielt. Die Zuständigkeiten waren und sind klar geregelt. Und sie werden beim FC St.Gallen heute gelebt, nicht nur festgehalten. Der Präsident selbst hingegen tritt in der Öffentlichkeit kaum auf. Es wurde ruhig um den FC St.Gallen. Wenn die Espen in den Schlagzeilen standen, dann fast nur noch wegen der Leistungen auf dem Platz. Die Nebenschauplätze, die in der Vergangenheit so oft das mediale Bild geprägt hatten, verschwanden zusehends. Selbst nach den vielen Spruchbändern im Spiel gegen den FC Thun blieb es erstaunlich ruhig.

Wer direkt mit Früh zu tun hatte, kannte aber auch dessen andere Seite. Früh konnte sich in Diskussionen derart enervieren, dass sich auch schon mal Unbeteiligte ob des Lärmpegels umdrehten. Oft genug prallten in diesen Diskussionen grundsätzlich andere Einstellungen aufeinander. Wir können es nur vermuten, aber das Arbeiten mit und für Früh war ziemlich sicher nicht nur einfach.

Die Strukturen des FC St.Gallen sind in der Präsidialzeit Frühs im Kern unverändert geblieben. Zwar haben sich die konkreten Besitzverhältnisse etwas verschoben, noch immer aber wird ersichtlich, wie viel Macht sich bei Früh konzentriert. Wir haben diese Verhältnisse (und die aller Super League-Clubs) für unsere aktuelle Ausgaberecherchiert.

Früh hält selber 8,25 Prozent an der FC St.Gallen AG. Er hat aber auch grossen, wenn nicht bestimmenden Einfluss auf die 41,35 Prozent, die von der FC St.Gallen Event AG gehalten werden. In dieser ist er mit fast 40 Prozent nämlich bei weitem der grösste Aktionär. Trotzdem haben sich bisher die schlimmsten Befürchtungen nie bewahrheitet. Im Gegenteil. Wiederholt hat sich Früh dafür ausgesprochen, dass ein Fussballclub kein Investitionsobjekt sei. So sagte er beispielsweise vor zwei Jahren im Interview mit uns: «Ich verwalte hier nur eine Institution, die der Ostschweiz und der Allgemeinheit gehört.»

Ein Club sollte «kein Kommerz-Objekt» sein

Er scheint dies auch heute noch so zu sehen. Vor wenigen Wochen befragte ihn die NZZ zum Fall des FC Wil. Früh sagte unter anderem: «Ein Schweizer Klub ist ein Gut der Region, da geht’s um Tradition, um gesellschaftliche Verpflichtung, um Verlässlichkeit. Er sollte kein Kommerz-Objekt sein.» Noch erfreulicher für die Fans dürfte sein, dass sich die Verantwortlichen untereinander abgesichert haben, sollte einer der Beteiligten aussteigen. Wir haben im jüngsten Artikel in dieser Kolumne schon resümiert: «Ein Verkauf des FC St.Gallen ist damit zwar nicht unmöglich, aber eben schwieriger als sonstwo.»

Obwohl Früh den Club nicht als Investitionsobjekt begriff, hat er ihn immer auch wie ein Unternehmen verstanden, das es auf Vordermann zu bringen gilt. Und unternehmerisch scheint er das geschafft zu haben. Der FC St.Gallen steht 2017 auf soliden finanziellen Beinen. Der unternehmerische Fokus wurde Früh immer mal wieder aber auch übel genommen. Zwar wünschte man sich in St.Gallen zum Zeitpunkt der Übernahme nichts sehnlicher als Stabilität. Aber nach einer ersten Phase der Konsolidierung und befeuert durch die sensationelle Europa League-Qualifikation im Jahr 2013 war das Verlangen der Fans nach sportlichen Höhepunkten eben doch wieder grösser.

Mit der Mittelmässigkeit wollten sie sich nicht mehr zufriedengeben. Das wiederholt ausgegebene Ziel des Ligaerhalts stand für viele gleichbedeutend mit Ambitionslosigkeit. Gepaart mit dem fast schon trotzig anmutenden Festhalten am erfolglosen Zinnbauer zum Ende der letzten Hinrunde, schien es offensichtlich, dass der Fokus auf die finanzielle Gesundheit auch seine Kehrseite hat. Zum ersten Mal nach der Skepsis bei der Übernahme kämpfte Früh wieder mit einem etwas härteren Gegenwind.

Wer tritt die Nachfolge an?

Ob nun ein Verkauf bevorsteht, ist nicht sicher. Zwar will Früh das Präsidentenamt abgeben, einzelne Medien berichten aber, dass er die Aktienpakete behalten wolle. Ob sich ein neuer Präsident darauf einlassen wird, ist zumindest fraglich. Ohne die Übertragung der Aktienpakete bliebe Früh der starke Mann. Sicher ist bisher nur, dass die Übergabe des Präsidentenamts ansteht. Und sie kommt vermutlich etwas eher, als Früh das geplant hatte. Noch vor zwei Jahren sagte er zu uns: «Ich habe es in jeder Unternehmung zu meiner Aufgabe gezählt, die Nachfolge zu regeln.» Die Umstände, die jetzt zum Wechsel an der Spitze führen, verunmöglichen diese Planung, sollte sie denn nicht sowieso schon weit vorangeschritten sein.

So oder so: In den nächsten Wochen wird sich zeigen, wie Früh in die Geschichte des FCSG eingehen wird. In den Jahren seit seiner Übernahme hat er viel dafür getan, die anfängliche Skepsis abzubauen. In erster Linie, weil der Club ohne finanziellen Sorgen dasteht. Zudem aber auch, weil die Verantwortlichen mit Bedacht kommunizieren. Lieber sagt man beim aktuellen FC St.Gallen mal gar nichts, als eine unnötige Diskussion zu befeuern. Mit einer guten Nachfolgeregelung kann sich Früh endgültig ein Denkmal setzen. Sein Fokus auf das Unternehmerische, sein teilweise etwas stures Festhalten an getroffenen Entscheiden und seine selbst proklamierte Ahnungslosigkeit bezüglich der sportlichen Seite des Fussballgeschäfts würden ihm dann wohl verziehen.

Sollte der Club aber in dubiose Hände geraten, könnten die Befürchtungen aus der Zeit der Übernahme doch noch Tatsache werden. Und darunter würde nicht nur Frühs Erbe leiden, sondern eben vor allem auch der FC St.Gallen und seine Fans.


Dieser Beitrag erschien am 10. April 2017 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv kommentiert dort in der Rubrik «Am Ball» das Geschehen auf und neben dem Platz.

 


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Bereits zum siebten Mal erschien vergangenen Donnerstag eine neue Ausgabe des St.Galler Fussballmagazins. Um das Erscheinen der neusten Ausgabe zu feiern, wurde zum wiederholten Mal eine Podiumsdiskussion veranstaltet. Die eingeladenen Podiumsgäste diskutierten über das Zusammenspiel von Fussball, Fans und Medien.

Im Vorfeld des Rückrundenstarts drehte sich in der FCSG-Fangemeinde alles um den verlorenen Sohn und Heimkehrer Tranquillo Barnetta. Entsprechend gross war der Andrang für den Ticketverkauf, welcher im Vorfeld der Podiumsdiskussion stattfand. Viele Fans blieben anschliessend im Fanlokal, um die Podiumsdiskussion mit Christan Brägger (St. Galler Tagblatt), Jaan Schaller (Toxic.fm) und Ruben Schönenberger (SENF) bei einem Umtrunk zu verfolgen. Eigentlich wäre noch Josef Zindel, seines Zeichens ehemaliger Kommunikationsverantwortlicher des FC Basel, angekündigt gewesen, dieser musste jedoch krankheitsbedingt Forfait geben. Nichtsdestotrotz boten die anwesenden Referenten den Zuhörerinnen und Zuhörern interessante Einblicke in ihre persönlichen Erfahrungen und Ansichten im Themenkomplex der Fusballberichterstattung.

So wurde beispielweise thematisiert, ob das St. Galler Tagblatt das Hausblatt des FCSG sei oder ob die Fussballfans überhaupt eine Stimme beziehungsweise eine angemessene Vertretung in den Medien erhalten. Während ersteres von Christian Brägger vehement verneint wurde, traf Jan Schaller den Nerv der anwesenden Fans mit seinen kritischen Ausführungen zur Berichterstattung über die Fussballfans. So wurde Brägger unter anderem auf seine reisserische Berichterstattung nach der desolaten 0:7 Niederlage gegen den FC Basel vom vergangenen Frühling angesprochen (unseren Text dazu findet ihr hier). Natürlich wurde auch die aussergewöhnliche Art der Fussballberichterstattung des Adrenalin Teams anlässlich der Heimspiele des FC. St Gallen thematisiert. Die drei Podiumsteilnehmer lieferten sich eine kontroverse, humorvolle und fachlich auf einem hohen Niveau geführte Diskussion, welche von Bruno Zanvit (SENF) geleitet wurde und im Publikum sichtlich auf Anklang stiess.

Nach der Podiumsdiskussion erfolgte der nächste Höhepunkt des Abends: Die Enthüllung des Covers der neusten SENF-Ausgabe. Passend zum Inhalt und zur allgemeinen «Quillophorie» ziert der verlorene Sohn Tranquillo Barnetta das Titelbild der siebten Ausgabe. Barnetta spricht in unserem grossen Interview über seine Beweggründe für die Rückkehr zum FCSG und erzählt uns von seinen Plänen nach dem Ende seiner Fussballkarriere. In der neusten Ausgabe beleuchten wir des Weiteren getreu dem Titelthema «Mir und die Andere» nicht nur das Geschehen rund um den FCSG, sondern blicken über den St.Galler Tellerrand hinweg. Schliesslich lässt sich Fussball nur mit einem Gegner spielen – möge er auch noch so ungeliebt sein wie beispielsweise der Grasshopper Club Zürich.

Neben dem ausführlichen Interview mit Michael Lang, der die Trikots beider Vereine trug und mittlerweile für den Ligakrösus Basel aufläuft, werden etwa die Besitzverhältnisse der Super League analysiert oder interessante Einblicke in den schweisstreibenden Alltag des St. Galler Maskottchen Gallus gewährt. Schliesslich liefern wir auch abseits des Titelthemas spannende Einblicke: Mit Roman Buess analysieren wir die vergangene Hinrunde und die Thurgauer Journalistin Mona Vetsch erklärt uns, weshalb sie gelegentlich auch mal ihre Kinder foult.

Die aktuelle Ausgabe kann an den Heimspielen, im Extrazug und dem Fanlokal sowie hier online gekauft werden.


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Alles kann man wechseln – den Partner, den Beruf, die Automarke –, nur nicht den Fussballclub, hat der spanische Autor Javier Marias einmal gesagt. So ernst nehmen viele Fans die Verbundenheit mit ihrem Fussballclub. Fussball ist aber nun mal ein Spiel, das nur funktioniert, wenn auch ein Gegner auf dem Platz steht. Kurzum: «Mir» sind zwar immer und unzweifelhaft die Besten, ohne «di Andere» geht es aber halt auch nicht.

Die siebte Ausgabe des SENF widmet sich genau diesem Spannungsfeld. Wir beschäftigen uns deshalb unter anderem mit unserem «Lieblingsfeind» GC, mit dem wir eine lange Geschichte aber wenig Gemeinsamkeiten teilen. Zudem lassen wir Michael Lang zu Wort kommen, der bei ebendiesem GC gespielt hat, nachdem er den FCSG verlassen hatte und bevor er zum FC Basel wechselte.

In unserem grossen Interview lassen wir den zurückgekehrten Tranquillo Barnetta ausführlich erzählen, wie er die «Anderen» im Ausland wahrgenommen hat. Und Quillo verrät uns auch seine Pläne für die Zeit nach dem Karriereende.

Schliesslich liefern wir auch abseits des Titelthemas spannende Einblicke: Mit Roman Buess analysieren wir die vergangene Hinrunde, unser Vereinsmaskottchen Gallus erzählt von seinem Alltag als Berufsenthusiast und die Thurgauer Journalistin Mona Vetsch erklärt uns, weshalb sie gelegentlich auch mal ihre Kinder foult.

Der Release der siebten Ausgabe findet am Donnerstag, 2. Februar im Fanlokal statt. Zu Gast sein werden Christian Brägger (St.Galler Tagblatt), Jaan Schaller (Toxic.fm), Josef Zindel (früherer Kommunikationsverantwortlicher FC Basel) und Remo Zollinger (SENF). Sie diskutieren über einen weiteren «Anderen» im Fussballzirkus: die Medien. Kann man überhaupt objektiv über einen Fussballclub berichten? Darf man selber Fan sein, wenn man einen Verein medial begleitet? Und sowieso die Fans: Wie berichtet man über sie? Gesprächsstoff dürfte vorhanden sein. Natürlich kann am Release-Abend auch die neueste Ausgabe des SENF erstanden werden. Wer sich das Magazin lieber nach Hause liefern lässt, wird hier fündig. Und wem noch frühere Ausgaben fehlen, der kann seine Sammlung hier vervollständigen.


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Der Jahreswechsel bietet stets eine gute Gelegenheit, auf die vergangenen zwölf Monate zurückzublicken. An dieser Stelle präsentieren wir euch deshalb die fünf Blogbeiträge, die ihr 2016 am meisten angeklickt habt.

Platz 5: PINK IST NICHT DAS NEUE GRÜN

Zu Beginn des vergangenen Jahres präsentierte der FCSG zwei speziell für Frauen hergestellte Fanartikel in Form von «stylischen New Era Caps». So weit so gut. Wir störten uns in der Folge weniger an der neuen speziell für Frauen hergestellten Kopfbedeckung, sondern an der damit verknüpften stereotypen Darstellung der weiblichen Fussballfans, welche sich durch das pinke Design manifestiert. Dieser Ansicht waren offenbar auch unsere Leserinnen und Leser machten den Blogbeitrag zum fünftbeliebtesten des vergangenen Jahres. Den ganzen Beitrag könnt ihr hier (nochmals) lesen.

Platz 4: TOP-FLOP

Fehleinkäufe gehören (leider) genauso zum FC St.Gallen wie das Bier zur Bratwurst. Entsprechend hohe Wellen schlug beim SENF-internen Nachrichtenticker die Meldung, dass unsere Kollegen vom Zwölf einen Beitrag über die grössten Fehleinkäufe des FCSG geplant hatten. Mit grosser Spannung erwarteten wir ihre Liste, um sie mit unseren eigenen Lieblingsfehleinkäufen zu vergleichen. Ähnlich ist es anscheinend auch euch ergangen, denn der Blogbeitrag mit den grössten FCSG-Fehleinkäufen wurde am viertmeisten angeklickt. Und er wurde auf Facebook so oft kommentiert wie kaum ein anderer. Die vollständige Liste könnt ihr euch hier (noch einmal) ansehen.

Platz 3: VERFRÜHTER 1. MAI IN ZÜRICH?

Auswärtsspiele in Zürich bergen immer ein gewisses Konfliktpotential. Für einmal waren es jedoch nicht die Fans, welche sich mit Drohgesten hervortaten, sondern die Stadtpolizei Zürich, welche anlässlich des Auswärtsspiels gegen die Grasshoppers im Frühling äusserst martialisch auftrat. Das Auftreten der Stadtpolizei Zürich warf anscheinend nicht nur bei uns einige Fragen auf, sondern auch bei unseren Leserinnen und Lesern. Den ganzen Augenzeugenbericht gibt es hier zum nachlesen.

Platz 2: DIE WAHRHEIT ÜBER WIL

Unser zweitbeliebtester Beitrag stammt aus der Feder unseres Gastautoren Etrit Hasler, welcher in seinem – nicht ganz ernstgemeinten – Blogbeitrag einen Erklärungsversuch für das fragwürdige Engagement der türkischen Investoren beim FC Wil liefert. Da schlüssige Erklärungen bis dato Mangelware gewesen sind, wurde der Blogbeitrag am zweitmeisten angeklickt. Wer Etrits Erklärungsversuch verpasst hat, kann ihn hier lesen.

Platz 1: STURM DER HALBWAHRHEITEN

facepalm

Da unser Magazin bekanntlich in einem halbjährlichen Publikationsrhythmus erscheint, nutzen wir den Blog von Zeit zu Zeit, um auf tagesaktuelle Ereignisse einzugehen. So auch Mitte April, als ein Tagblatt-Artikel nach der blamablen 0:7-Niederlage des FCSG gegen den FC Basel suggerierte, dass «eine verärgerte Hundertschaft die unterirdische Zufahrt zur AFG Arena blockierte und die Spieler daran hinderte, von der Stätte des Unheils wegzukommen». Die ebenfalls in der Tiefgarage anwesenden Kollektivmitglieder erlebten das Ganze ein wenig anders und stellten ihre Sicht der Dinge im meistgelesenen Blogbeitrag des Jahres 2016 dar.

In diese Auswertung eingeflossen sind sämtliche im Jahr 2016 erschienenen Blogbeiträge des SENF-Kollektivs. Aufgrund von auswertungstechnischen Einschränkungen konnten die auf Saiten.ch publizierten Beiträge nicht vollumfänglich einbezogen werden. Sämtliche zuerst beim Saiten-Magazin publizierten Blogbeiträge können hier eingesehen werden.


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Seit April tickern wir an den Heimspielen des FCSG das Spielgeschehen für das Ostschweizer Kulturmagazin Saiten live aus dem Stadion. Zum Jahreswechsel präsentieren wir die Highlights des Ticker-Jahres 2016.

Tickern unter erschwerten Bedingungen

Der Start im April war denkbar schlecht. Beim ersten Live-Ticker kommt der FC Basel nach St.Gallen und schiesst die Espen gleich mit 7:0 ab. Der Vorteil: Viel Material für das Ticker-Team. Und so kommts im ersten Spiel gleich zum ersten literarischen Highlight:

Minute 47 – Vielversprechender Beginn. Traoré bedient von links per Massflanke Angha, der noch nicht mitgekriegt hat, dass Seitenwechsel war. Eigentor – 0:2. Don’t look back in Angha, I heard you say.

Dass sich Martin Anghas Name gut für Wortspiele eignet, wird bei der Niederlage gegen Lugano im September gleich nochmal deutlich:

Einen Gegenspieler darfst du nicht so angha, das gibt immer Freistoss.

Öfter als humorvolle Wortspiele kommt jedoch der typisch st.gallerische Zynismus zum Vorschein. Beim Spiel gegen Sion im April erhält der FCSG bereits in der zweiten Minute den zweiten Eckball zugesprochen. Wir meinen:

Zweiter Eckball für Grün-Weiss. Ob ich mein Meister-T-Shirt noch irgendwo habe?

Auch im Oktober gegen Thun zeigt sich unser Zynismus…

Minute 1 – Das Spiel läuft. Um gleich mal Positives zu erwähnen: St.Gallen hält hier noch immer das Unentschieden.

…oder im November gegen Lausanne:

13:35 Uhr – Unsere Freude über das 0:0 währte nur kurz. Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, dass das Spiel erst in 10 Minuten beginnt.

Und trotzdem bleibt der Optimismus. Zum ersten Spiel der aktuellen Saison kommen die Berner Young Boys nach St.Gallen. Wir tickern kurz nach Spielstart:

Minute 1 – Die (Meister-)Saison läuft.

Wir kümmern uns aber regelmässig auch darum, was neben dem Platz passiert. Im erlösenden Spiel gegen den FCZ, in dem der FCSG am Pfingstmontag dem Abstieg endgültig davon schleicht, können wir kurz vor Spielende Folgendes vermelden:

Auf der Tribüne gegenüber des Espenblocks haben sich Ordner mit gelben Westen auf der Treppe platziert. Eine Art menschlicher Zaun. Der stand aber offenbar falsch. Also gehen alle wieder runter, gehen einen Aufgang weiter und platzieren sich auf der dortigen Treppe. Das hat fast schon was von einer Prozession. Ist ja auch Pfingsten.

Zu den auffälligen Personen abseits des Spielfelds gehörte mitunter Stadionspeaker Fischbacher. So zum Beispiel beim Spiel gegen Luzern im Mai…

Nochmals ein Nachtrag zum Lattentreffer von Luzern: Dieser wurde wegen dem Rauch im Stadion verzögert. Der Stadionspeaker verzweifelte fast: „Im Namä vom Schiedsrichter, bitte höräd uf zündä. Ihr gsehnd selber, me gseht nüt!“

…oder im letzten Spiel des Jahres gegen Sion:

Nachdem die Sion-Fans einen Böller gezündet haben, wendet sich Fischbacher auf Französisch an die Gästefans, das doch bitte sein zu lassen. Kurz darauf meldet er sich nochmal: „Und ez no uf Dütsch für d’Oberwalliser.“

Alles gut im Blick von der Pressetribüne

Natürlich sticheln wir auch immer wieder gerne gegen den gerade anwesenden Gastverein. Zum Beispiel, wenn der FCZ nach St.Gallen kommt (Mai)…

Es sind ausserordentlich viele Zürcher in der Arena präsent. Wollen auch mal eine schöne Stadt, einen geilen Verein und ein volles Stadion sehen. Sie: „Schatz, wohii gahsch?“ Er: „Ha Wiiterbildig, sorry.“

…oder am Olma-Match gegen Vaduz (Oktober):

Speaker Richard Fischbacher begrüsst die Auswärtsfahrer aus dem Fürstentum. Eine Auswärtsfahrt von Vaduz-Fans. Oder auch: Familienurlaub.

Dabei haben wir auch immer ein Auge auf das aktuelle Zeitgeschehen. Als im Juli YB zu Gast ist, sucht die ganze Welt mit dem Smartphone vor der Nase nach Pokémon. So auch der Berner Coach:

Herrlich, wie wir Adi Hütter gerade beim frustrierten Kopfschütteln beobachtet haben. Ein Taubsi zu fangen ist eben nicht immer leicht. Legt dann das Handy wieder weg und widmet sich dem Spiel.

Was Büne Huber dazu meint, wissen wir nicht. Zum Fussball hat er aber eine klare Haltung, die wir – natürlich auch im Spiel gegen YB – aufgreifen:

Scott Sutter bleibt nach einem Kopfballduell kurz liegen. Und irgendwo in Bern ruft Büne Huber: „Huere Pussy!“

Der Hauptfokus unserer stets objektiv-nüchternen Berichterstattung liegt natürlich stets auf dem FCSG. So zum Beispiel beim letzten Saisonspiel im Mai gegen Luzern:

Nächste Saison empfängt der FC St.Gallen die Gegner im Kybun Park. Die Namensgebung erfolgt zu Ehren des Captains der südkoreanischen WM-Mannschaft von 1954. Wenig bekannt in der Ostschweiz, aber Ky-Bun Park trainierte damals mit seiner Mannschaft in St.Gallen für die WM in der Schweiz.

Der Stadionname sorgt das ganze Spiel über für Gesprächsstoff:

In der Pause wurde auf den Rängen weiter über den neuen Stadionnamen diskutiert. Es bleiben Fragen. Wird die Shopping Arena jetzt zum Shopping Park? Die Arena Card zur Parkkarte? Sitzplätze zu Parkplätzen? Gibts statt Stadionverboten jetzt Parkverbote? Bei all diesen offenen Fragen wird die Sommerpause intensiv.

Nicht immer wars so schattig

Und natürlich dreht sich der Ticker dann und wann auch um das sportliche Geschehen. Wir können nämlich schon, wenn wir wollen. Zum Beispiel gegen Basel im April…

Schwächen machen wir vor allem in der grün-weissen Spieleröffnung aus. Wiss wird von den Basler clever attackiert, Angha scheint ideenlos. Angeberwissen: Gaudino soll sich zurückfallen lassen, um den ersten Ball spielen zu können, während die beiden Aussenverteidiger aufrücken, um im Mittelfeld Überzahl zu schaffen. Wer ist nochmal Pep Guardiola?

…oder beim Treffer zum 2:0 gegen GC im August:

Ein Gedicht, dieser Treffer. Erst das anmutige Massnehmen Tafers inmitten des feinen Knistern im Vorlauf einer mutmasslichen Torchance. Umrahmt wurde das Ganze vom ziellosen Geräuschpegel, der mit jedem kleinen, bedächtigen Schritt Anlauf des Schützen abnahm. Und, als der Ball in der Luft für einen Moment verharrte, schien das Stadion plötzlich für einen Moment mit unausgesprochener Übereinkunft zu schweigen. In freudiger Erwartung auf die Explosion, die Sekundenbruchteile später folgen sollte. Nach liebevollem Kuss am Pfosten, hüpfte der Ball ins Netz. Jetzt verliebt: der SENF-Liveticker.

Manchmal müssen wir uns sogar um andere Sportarten kümmern, wie gegen YB im Juli:

Ein Berner rutscht in Lopar, als dieser den Ball schon in den Händen hatte. Danach wechseln 20 der 22 Spieler auf dem Feld die Sportart. Schiri Jaccottet verstreut Sägemehl und verteilt anschliessend wegen fehlendem Abklopfen der gegnerischen Schulter zweimal Gelb. SENF – Din Schwingsport-Liveticker.

Schön anzusehen war vor allem das Rencontre vom Angha, Martin, der seinen Berner Kontrahenten per Hoselupf zu bodigen versuchte. Wär ja schon was, so ein Munni. Da bist du der Star an jeder OLMA.

Standard-Ausrüstung

Alle diese Nachrichten verfasst ein kleines Team, das wir beim Hitze-Spiel gegen Luzern im August gleich selber beschreiben:

Der SENF ist mittlerweile fester Bestandteil des Journalismus-Establishment der Schweiz. Was der SENF schreibt, das glaubt die Schweiz. Wir gehen ein und aus in den nebulösen Hinterzimmern der Lobbyisten, treffen ranghohe Unternehmer und Politiker. Und das stets adrett gekleidet. Der sündhaft teure Anzug ist unsere zweite Haut. Aber heute, in dieser verdammten Hitze, müssen wir auf kurze Hosen und T-Shirt zurückgreifen. Wir fühlen uns nackt, emotional verwundbar.

Auch im September ists fürs Ticker-Team nicht einfach, als sich die Espen gegen Lugano schwertun:

Pause. Runterfahren, sich sammeln. Vielleicht mal weinen, es rauslassen, um dann neu starten zu können. Nobody said it was easy. Und dann Tränen. Mitten auf der Pressetribüne. Obwohl mit Hemd. Und Bier. Aber doch schmerzt es. Verdammter Rückstand.

Zwischendurch wird es so schlimm, dass wir uns Hilfe holten:

Heute tickern für euch R.S. und R.S. Aber, wir gebens zu, wir sind beide angeschlagen. Die sportlichen Rückschläge der letzten Wochen und Monate haben uns stark zugesetzt. Wir haben emotionale Achterbahnfahrten erlebt. Die Gefühle, die uns beim Tickern regelmässig übermannen, sind kaum noch zu ertragen. Als Vorsichtsmassnahme sitzt heute Dr. O.W. neben uns. Er wird sich ab und an einschalten, wenn die Gefühle das Ruder zu übernehmen drohen.

Und dann, zum letzten Spiel der Saison gegen Sion, fällt das Team auch noch auseinander. Temporär und ferienbedingt. Der einzig verbleibende R.S. weiss sich zu helfen:

Das grösste Problem, wenn man alleine tickert: Was tun, wenn man gerne ein neues Bier hätte? Die Kollegen vom Adrenalin-Team helfen aus. Ich bedanke mich herzlichst!

Die letzte Meldung hatte ich übrigens zuhause schon vorgeschrieben, damit ich dem Adreanlin-Team gleich zu Beginn sagen konnte, dass sie da jetzt nicht mehr drumrum kommen. Gnihihi, schlau wie ein Fuchs.


In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern einen guten Rutsch ins 2017. Auf den SENF #07 und #08, auf viele Live-Ticker und auf viele Punkte für den FC St.Gallen!