Share on FacebookTweet about this on Twitter

Dzengis Cavusevic wechselt zum FC Zürich. Wir haben dem Stürmer im SENF #03 einen Artikel gewidmet, den wir an dieser Stelle zu seinem Abgang in voller Länge zugänglich machen.

CavusevicVier von 30 St.Galler Toren in der Hinrunde hat Dzengis Cavusevic geschossen. Das ist für einen Stürmer nicht besonders viel – gegenüber SENF erklärt der Slowene, wie es dazu kam und weshalb er mit der eigenen Hinrunde und derjenigen der Mannschaft doch zufrieden ist.

Fussballer haben häufig die Angewohnheit, dass sie in Interviews nichtssagende Floskeln verwenden. Das liegt nicht etwa daran, dass sie keine Meinung, ja keinen Charakter hätten, sondern dass ihnen dies oftmals vom Verein eingetrichtert wird, ihnen Sanktionen vom Trainer drohen. Deshalb flüchten sie in hohle Phrasen wie «wir schauen von Spiel zu Spiel» oder «wichtig ist, dass die Mannschaft gewonnen hat» – Aussagen, die mittlerweile niemand mehr hören kann beziehungsweise lesen will.

Dzengis Cavusevic bildet da keine Ausnahme. Der Slowene sagt nach der Hinrunde etwa «meine Statistik interessiert mich nicht» oder «es sind immer noch 18 Spiele zu spielen». Nur: Dem Slowenen nimmt man das ab. Dies erkennt man nicht nur im Gespräch mit dem Spieler, der sich danach vergewissert, ob der Interviewer auch wirklich alles verstanden habe, da sein Deutsch nun einmal nicht so gut sei. Man erkennt dies primär an seiner Körpersprache auf dem Feld, an seinem Einsatz für die Mannschaft, am eifrigen Torjubel mit Teamkollegen, wenn diese eingenetzt haben, an seiner unbändigen Lust, seinem Beruf Fussballspieler nachgehen zu können.

Fragt man den Slowenen nach seinem persönlichen Highlight der Vorrunde, so nennt er nicht etwa das Tor gegen YB nach 13 Saisonminuten. Oder das 2:1 in der Nachspielzeit gegen Luzern, mit dem Cavusevic nach drei Runden dafür zuständig war, dass in St. Gallen nicht schon wieder Unruhe ausbrach, da die ersten beiden Spiele mit nur einem Punktgewinn gar nicht positiv in Erinnerung blieben. Cavusevic sagt: «Mein Highlight ist, dass ich gesund bin, spielen kann, trainieren kann, der Mannschaft helfen kann.» Und man nimmt es ihm ab, wenn er sich solcher Allgemeinplätze bedient: Weil er im Gegensatz zu anderen Ex-Spielern dankbar dafür ist, dass ihm der FCSG nach zwei Kreuzbandrissen die Stange gehalten hat.

«Ich versuche zu helfen, auch defensiv. Ich versuche, Aktionen zu kreieren und auch für andere Platz zu machen», so der Slowene weiter, «ich schaue nicht auf meine Statistik. Das ist mein Charakter.» Und auch hier: Man glaubt es ihm, weil der 27-Jährige eine ebenso unscheinbare wie authentische Erscheinung hat, weil er seine technischen Defizite stets durch viel Einsatz kaschiert. Dass das in St.Gallen gerne gesehen ist, ist ihm bewusst. Dennoch treibt es ihm die Schamesröte ins Gesicht, wenn man ihm erzählt, dass er gerade für seinen kämpferischen Spielstil vom St.Galler Publikum stark geschätzt wird. «Das wusste ich so nicht», lächelt er verschmitzt.

Er ist bescheiden, der Cavusevic. Er träumt, wohl weil er so oft von Verletzungen gebeutelt wurde, nicht mehr von einer Weltkarriere bei einem Weltverein, sondern kann sich «auch vorstellen, die Karriere hier zu beenden. Ich habe hier alles, was ich brauche, sowohl als Profi wie auch im Privatleben.» Seit gut fünf Jahren wohnt Cavusevic in der Ostschweiz, vor dem FCSG war wie bei so manchem Spieler der FC Wil sein Arbeitgeber. Ein Verein, der auch sehr herzlich, ja familiär sei, so Cavusevic, «aber die Kulisse ist hier doch eine ganz andere».

Überhaupt, die Fans. Cavusevics Stimme wird noch leiser als sonst schon, wenn er sagt, dass hier eine super Stimmung herrsche und es ein schlechtes Gefühl sei, auswärts manchmal als Verlierer vom Feld gehen zu müssen. «Es ist ein Scheissgefühl», sagt er pointiert, «den Fans nichts zurückgeben zu können, wenn sie mehrere Stunden nach Sion, Basel oder sonst wohin reisen und wir dann das Spiel verlieren. Aber auch die Fans wissen, dass das halt ein Teil des Fussballs ist.»

Und verloren, das hat der FCSG in der Hinrunde hin und wieder. Vor allem am Anfang und am Schluss; wichtig sei gemäss Cavusevic aber gewesen, dass man sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen liess. St. Gallen war nach dem Unentschieden in Vaduz ins Niemandsland der Tabelle abgerutscht, konnte sich in Baulmes nur sehr mühselig gegen 
Le Mont-sur-Lausanne in die nächste Cup-Runde vorarbeiten. Der Saisonstart verlief harzig, was nicht anders zu erwarten war: Nach dem Kater der letzten Rückrunde fanden viele Wechsel statt, die Automatismen haben sich erst mal einspielen müssen.

Und auch hier gilt: Das ist keine hohle Phrase, wenngleich einige Punktverluste doch sehr ärgerlich waren. St.Gallen setzte zu einer positiven Serie an, die mitunter zwei Spieler als Sieger hervorbrachte: Der französische Offensivmann Yannis Tafer, der St. Gallen mit spielerischen Kabinettstückchen beglückt, wie dies kaum einem seit dem Meistertitel je gelungen ist, sowie Everton, seines Zeichens Terrier und Knochenbrecher im zentralen Mittelfeld. Immer hauchdünn an der Grenze zur roten Karte, aber vielleicht nicht zuletzt deshalb so wichtig für ein Kollektiv, das im Sommer seiner Schaltstation im Mittelfeld beraubt wurde, wofür ein Mix aus Neu- und Geldgier zuständig war.

Sieben Meisterschafts- und zwei Cupspiele in Folge verlor St.Gallen nicht, daraus folgte das Vorrücken in den begehrten oberen Teil des Klassements. In diese Phase fällt die Qualifikation für den Cup-Viertelfinal ebenso wie der zweite Sieg gegen den FC Basel – das Punktemaximum gegen den Schweizer Ligakrösus hat in dieser Spielzeit sonst nur Real Madrid erreicht. Die Euphorie nahm in dieser Phase Ausmasse an, die einem FC St. Gallen beinahe schon fremd sind, den Fussballfan in seiner manisch-depressiven Veranlagung aber charakterisieren. Viele erwarteten deshalb das, was darauf folgte: eine zweite schwächere Phase. Nach dem spektakulären 3:3 gegen Vaduz definierte es Innenverteidiger Daniele Russo, auch er ein Aufsteiger der Saison, deutlich: «Wir haben jetzt noch zwei Spiele.Diese werden uns aufzeigen, wo wir stehen: Holen wir Resultate, war die Hinrunde sehr gut. Tun wir das nicht, war sie mittelmässig bis gut.» Es folgte ein 2:4 gegen YB, die zuvor starke Abwehr kassierte in drei Spielen zehn Tore. «Wir waren unglaublich naiv», ereiferte sich Trainer Jeff Saibene, «so etwas darf uns nicht passieren.» Um einem Wiederholen dieser Szenen vor dem letzten Saisonspiel gegen Sion vorzubeugen, führte der Luxemburger Videoanalysen durch,insbesondere mit den Innenverteidigern.

Dass Sion dann ein zahnloser Tiger war, spielte St. Gallen zwar in die Karten, das Spiel wurde aber gewonnen, weil der FCSG Geduld walten liess, sich durch Sions einschläferndes Spiel nicht einlullen liess und kämpferisch blieb. Aus diesen Komponenten resultierte ein niemals gefährdeter 2:0-Sieg, der dafür gesorgt hat, dass der FCSG punktgleich mit Thun auf dem vierten Tabellenrang überwintert – vier Punkte hinter YB und Zürich auf dem zweiten, zehn Punkte vor GC auf dem sechsten Tabellenrang. Von einem neuerlichen Abenteuer in Europa zu träumen ist in der Ostschweiz derzeit keineswegs utopisch.

«Es ist schade um zwei, drei Punkte, die wir leichtfertig vergeben haben», kann sich Cavusevic nicht vollumfänglich mit der Winterpausen-Bilanz anfreunden, «aber es ist so, wie es ist. Wir müssen uns nun gut vorbereiten und versuchen, so viele Punkte wie möglich zu holen.» Man habe vor der Saison zwar kein konkretes Rangziel definiert, dennoch lässt er durchblicken, dass er mit einem neuerlichen Einzug in die Europa League liebäugelt. «Ob das dann realistisch ist oder nicht, werden wir sehen. Es sind immer noch 18 Spiele zu spielen.»

Dass er das letzte Europacup-Abenteuer aufgrund seiner Verletzungen verpasste, scheint ihn derweil weniger zu plagen, als man das als Aussenstehender denken könnte. «Natürlich bin ich motiviert, aber ich war zufrieden, dass die Mannschaft gezeigt hat, dass sie auch im europäischen Vergleich Qualität hat», gibt er nochmals eine Phrase zum Besten. Dann fügt er mit einem schelmischen Lächeln doch noch an: «Ich hoffe, ich bin im nächsten Jahr dabei!»

Nicht aus Verbitterung, die letzte Europacup-Phase verpasst zu haben. Nicht aus persönlichem Geltungsdrang. Sondern aus der simplen Lust,Fussball zu spielen. Durch seine Verletzungen blieb ihm dies nämlich lange genug verwehrt.


Share on FacebookTweet about this on Twitter

Die Saison 2015/16 ist vorbei, der FCSG schafft nach einer durchzogenen Leistung den Klassenerhalt. Die Senf-Experten blicken zurück auf eine weitere Übergangssaison.

Zu Beginn der Saison hatten wir vor allem Fragen: Wie wird unsere Abwehr in die neue Saison starten? Wie präsentieren sich die Neuzugänge? Welche Ziele kann der FCSG in dieser Saison verfolgen? Antworten hatten wir damals noch nicht. Zu unberechenbar waren die Espen schon in den zwei Jahren zuvor aufgetreten.

Nach fünf Spielen war dann eigentlich schon klar, wie die Saison werden würde. Nach dem Sieg gegen Luzern – dem ersten von insgesamt drei 1:0-Erfolgen gegen die Innerschweizer – stand der FCSG auf Platz 4. Die Statistik sprach eine deutliche Sprache: Es wird wieder eine unansehnliche Saison. Ohne Ambitionen nach oben, ohne grosse Gefahr nach unten. Wenig später legte nach rund vier Jahren Jeff Saibene sein Traineramt nieder und der zuvor als HSV-Jugendtrainer tätige Joe Zinnbauer übernahm für ihn. Wir hofften, dass er ein Feuer entfachen würde: «Anzünden! Los!» So lautete das einfache Fazit unseres ersten Blicks auf den Trainer.

Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben

Nach der Winterpause zog sich das bekannte Muster jedoch weiter, wie wir feststellen mussten: «Das ist zu wenig für ambitioniertes Liebäugeln mit Europa. Aber auch zu viel, um sich ernsthaft Abstiegssorgen zu machen.» Daran änderten auch die Neuverpflichtungen zur Saisonhalbzeit nichts. Danach ging es wie in den beiden Saisons zuvor bergab.

Zwei Probleme konnten wir in der Mitte der Rückrunde ausmachen: Die Verteidigung und die beiden ersten 15 Minuten beider Halbzeiten. Daran sollte sich bis zum Schluss wenig ändern. Im Gegenteil. Die Anzahl der Gegentore stieg stetig und zu den schlechten Anfangsviertelstunden gesellten sich praktisch alle anderen Spielabschnitte. Nur gerade vor der Pause trat der FCSG noch halbwegs positiv auf. So brach vor dem Heimspiel gegen den FC Zürich doch nochmal das grosse Kribbeln aus. Die Ostschweizer waren doch noch in den Abstiegskampf geraten und mussten dringend punkten.

Im Spiel gegen den FC Zürich zeigten die Espen für einmal jedoch eine starke Leistung und entledigten sich damit der Abstiegssorgen. Allerdings trug der FCZ mit einer desolaten Leistung nicht unerheblich dazu bei, dass die St.Galler drei Runden vor Schluss den Klassenerhalt auf sicher hatten. Wenig erstaunlich, dass jetzt genau der FCZ den Gang in die Challenge League antreten muss.

Die Tore fallen hinten statt vorne

Der Klassenerhalt vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, dass der FCSG eine missratene Saison gespielt hat. Insbesondere die Rückrunde war einmal mehr desolat. DieStatistik beweist es. Auch der Vergleich mit den anderen Teams ist wenig schmeichelhaft: Nur gegen den FC Luzern (neun Punkte) und gegen den FC Thun (sieben Punkte) holte der FCSG mehr als die Hälfte der möglichen zwölf  Punkte. Und nur gegen die Berner Oberländer gelang es den Espen, mehr Tore zu erzielen als zu erhalten. Auf die neue Saison muss sich einiges ändern, wenn man sich an den Europapokal- statt an den Abstiegsrängen orientieren will. Ein gesichertes Mittelfeld zwischen diesen beiden Polen gibt es bei einer Zehnerliga ohnehin nicht.

Zuallererst muss insbesondere in der Verteidigung für Stabilität gesorgt werden. Auch wenn der neu gefundene Fokus auf die Jugend beim FCSG grundsätzlich begrüssenswert ist, die abgelaufene Saison zeigt eben auch das Problem daran: Nach einer passablen Hinrunde folgte vor allem in der Defensive ein desolates Auftreten. Das Innenverteidigerduo Angha/Gelmi fiel nach der Winterpause regelrecht in ein Loch, aus dem es bis zum Schluss nicht mehr wirklich rauskam. Auch personelle Veränderungen brachten nur bedingt Besserung. Mit 66 Gegentoren stellen die Ostschweizer nach Zürich und Lugano die drittschlechteste Abwehr der Liga.  Für die nötige Stabilität braucht es wohl ein, zwei gestandene Spieler. Alain Wiss könnte so einer sein, nur war er aufgrund eines brutalen Fouls zu Beginn der Rückrunde lange verletzt. Und sowieso: Ob einer reicht, ist mehr als zweifelhaft.

Wenn die Espen aus einer gesicherten Defensive heraus agieren können, läuft es vielleicht auch offensiv wieder ganz von allein. Wahrscheinlicher ist aber, dass auch hier Änderungen nötig sind. Ein richtiger Knipser fehlt dem FCSG nach wie vor – lediglich 41 Treffer zeugen davon. Keine andere Mannschaft hat in der Saison 2015/16 so wenig getroffen wie die Ostschweizer – sogar der Absteiger FCZ schoss sieben Tore mehr.

Und dann die Trainerfrage

Nicht zuletzt muss auch Trainer Zinnbauer beweisen, dass er der richtige für den FC St.Gallen ist. In der SENF-Redaktion sind die Meinungen geteilt. Sicher ist: Die grossen Motivationskünste, die Zinnbauer nachgesagt werden, hat er bisher vermissen lassen. So schlecht, wie das Team jeweils aus der Kabine kam, scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein. Die Gänsehaut, von der frühere Spieler nach Zinnbauers Ansprachen gesprochen haben, hatten in dieser Saison höchstens die Fans. Aus anderen Gründen.


 

Dieser Beitrag erschien am 27. Mai 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.


Share on FacebookTweet about this on Twitter

Während dem Grossteil der Saison blieb der FCSG von Abstiegssorgen weitestgehend verschont. Verlieren die Espen aber am Montag gegen den FC Zürich, könnte es nochmals eng werden. Warum das nicht nur schlimm ist.

Espenblock

Wenn nach verpatzten Prüfungen der letzte Test des Semesters ansteht, entwickelt man sich zum unverbesserlichen Optimisten. Mittels Taschenrechner wird ermittelt, welche Note in der letzten Klausur nötig ist, um die erlösende Vier im Zeugnis zu erreichen. «Ich muss einfach eine Sechs schreiben und schon schliesse ich das Fach genügend ab», heisst es dann.

Natürlich scheitert man an dieser Vorgabe. Derzeitige Schüler und Studenten stimmen zähneknirschend zu, befinden wir uns doch wieder mitten im Endspurt eines Semesters. Auch Ehemalige fühlen sich bestätigt. Allerdings mit angenehmer Melancholie anstelle des Zweckoptimismus‘.

Pessimismus bei FCSG-Fans
Ein gegensätzlich funktionierendes Phänomen ist bei der FCSG-Anhängerschaft zu beobachten: Vor jeder neuen Partie tritt der unverbesserliche Pessimist zutage. Spätestens nach dem Auswärtssieg Luganos im Letzigrund letzten Mittwoch zückten die ersten St.Galler klammheimlich ihre Taschenrechner.

Weil in der grün-weissen DNA nicht nur masochistisch veranlagte Leidensfähigkeit eingepflanzt ist, sondern auch eine wohlige Prise Galgenhumor, können wir dem womöglich unverhofft spannenden St.Galler Saisonfinale doch noch Positives abgewinnen: Es wird spannend! Die lustlose Grauzone zwischen internationalen Liebäugeleien und nervenaufreibendem Abstiegskampf bleibt uns zum Ende der Saison doch noch erspart. Wenn auch die Frage um den Verbleib in der Spielklasse die unbeliebtere Ausführung der möglichen Gründe für überstrapazierte Nervenkostüme ist.

Kritische Situation nicht prekär werden lassen
Die letzten Spieltage verkommen so nicht zum leblosen Abspulen von Gewohnheiten. Sowohl die Mannschaft als auch die Fans dürften zumindest morgen Montag nochmals in den Genuss dieses einzigartigen Kribbelns kommen. Vor allem weil eine Niederlage gegen den FC Zürich am Montag zwei Wochen später im existenziellen K.O. gipfeln könnte. Auch der Verein will die potenziell kritische Situation nicht zur prekären Lage mutieren lassen – Saisonkartenbesitzer dürfen deshalb am Montag eine Person gratis mit ins Stadion nehmen.

Das Spiel mit dem Feuer ist deshalb reizvoll, weil ein Sieg von umso grösserer Bedeutung ist. Der FCSG zöselt, wie wir das beim Amtsantritt Zinnbauers bereits prognostiziert hatten. Man läuft Gefahr, sich die Finger böse zu verbrennen.

Im Idealfall  wird eines der beiden nächsten Heimspiele ein kleines Feuerwerk und so eine weitere Saison in der Super League bringen. Dann hoffentlich jenseits von nervenaufreibendem Abstiegskampf.


Dieser Beitrag erschien am 15. Mai 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.


Share on FacebookTweet about this on Twitter

Nichts, aber auch gar nichts, hat beim FC St.Gallen am Sonntag gegen den FC Vaduz funktioniert. Mit 0:3 ging er im Ländle unter. Es wird deutlich: Der FCSG hat ein Problem in den ersten 15 Minuten beider Halbzeiten.

Wer beim Lesen des Leads ein Déjà-Vu hatte, den können wir beruhigen. Der Text fängt absichtlich genau gleich an wie jener nach dem Auswärtsspiel gegen den FC Zürich.Damals suchten wir das Problem in der Verteidigung. Heute gehen wir ins Detail.

Das Problem ist nicht nur, dass die Verteidigung seit der Winterpause schwächelt (siehe Grafik). Vielmehr scheint der FCSG weder in Halbzeit eins noch in Halbzeit zwei wirklich bereit auf den Platz zu kommen. In den bisherigen 26 Spielen weist der FC St.Gallen in den ersten 15 Minuten beider Halbzeiten eine negative Bilanz auf (siehe Grafik).

Zu Beginn der ersten Halbzeit hat er sechs Tore geschossen und neun erhalten. Anfangs der zweiten Hälfte ist der Saldo noch schlechter. Zwei geschossenen Toren stehen acht erhaltene gegenüber.

Typisch FCSG
Das Spiel in Vaduz war also typisch für den FCSG Ausgabe 2015/16. Kaum hatte der Schiedsrichter das Spiel angepfiffen, konnten die Vaduzer nahezu ungehindert nach vorne stürmen. Roy Gelmi bleibt zu passiv gegen Armando Sadiku, der bringt den Ball in die Mitte, wo der Ex-St.Galler Dejan Janjatovic elegant weiterleitet, bevor mit Moreno Costanzo ein anderer ehemals Grün-Weisser den Ball problemlos im Tor unterbringen kann. Für ihn schien sich gar keiner der St.Galler Verteidiger zuständig zu fühlen.

Keine fünf Minuten später der nächste Aussetzer. Gelmi spielt einen miserablen Rückpass in Richtung Daniel Lopar. Sadiku fängt den Ball ab und netzt ein. 2:0 für Vaduz, keine zehn Minuten sind gespielt.

Das Spiel war aber nicht nur typisch, weil der FCSG früh zwei Tore kassierte. Es war auch typisch, weil die St.Galler gegen Vaduz keine wirkliche Chance hatten. Und weil hauptsächlich Ex-Espen den FCSG abschossen – Janjatovic traf noch vor der Pause zum 3:0. Untypisch war lediglich, dass die Grün-Weissen die ersten fünfzehn Minuten nach der Pause schadlos überstanden.

Vielleicht lag das daran, dass Joe Zinnbauer Gianluca Gaudino einwechselte. Warum dieser überhaupt auf der Bank hatte Platz nehmen müssen, bleibt ein Rätsel. Die Alternativen Mario Mutsch und Mario Leitgeb hatten sich in den letzten Spielen nur sehr bedingt aufgedrängt.

Wahrscheinlich ist aber sowieso, dass die Vaduzer einfach kein Bedürfnis mehr hatten, weitere Tore zu schiessen. Gerade in der Rückrunde wäre dies gegen den FCSG nach der Pause nämlich kaum ein Problem. Schaut man die bereits angesprochene Statistik nur für die Spiele im Jahr 2016 an, wird noch deutlicher, dass der FCSG nach dem Pausentee nicht in die Gänge kommt. Ein Saldo von minus fünf Toren im Zeitraum von der 46. bis zur 60. Minute spricht Bände. Vielleicht müsste man den Spielern in der Pause Energy Drinks reichen.

Zyniker im Aufwind
In der St.Galler Fankurve hielt die Unterstützung trotzdem bis zum Schluss an. Zwar wurden die Aufforderungen an die Mannschaft, doch bitte endlich zu kämpfen, etwas expliziter vorgetragen als auch schon. Allzu grosse Missmutbekundungen blieben aber aus.

Es scheint fast so, dass sich die Fans daran gewöhnt haben, dass gegen Vaduz einfach nichts zu holen ist. Und manchmal hat das ja auch ganz praktische Vorteile: Letzte Saison erspielten die Liechtensteiner so viele Punkte gegen den FCSG, dass am Schluss Aarau absteigen musste. Der Zyniker im St.Gallen-Fan hat wieder mal Aufwind…


Dieser Beitrag erschien am 12. April 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.


Share on FacebookTweet about this on Twitter

Nichts, aber auch gar nichts, hat beim FC St.Gallen am vergangenen Samstag gegen den FC Zürich funktioniert. Mit 0:4 ging er im Letzigrund unter. Die Ursachen sind in der Defensive zu suchen.

Es lag nicht daran, dass die Zürcher ein zugegeben gutes Pressing aufgezogen hatten.

Es lag nicht daran, dass sich die Zürcher zum ersten Mal seit Wochen oder gar Monaten in einem Zwischenhoch befinden.

Die Niederlage resultierte einzig aus der desolaten Leistung der St.Galler. Oder noch genauer: Aus der nahezu inexistenten Verteidigung. Die «SonntagsZeitung» meinte denn auch, die St.Galler noch im Ostermodus zu sehen: «Als hätten sie Angst, eventuell auf dem Letzigrund versteckte Schokohasen zu zertreten.»

Gestolper in der Verteidigung
Symptomatisch für die Art und Weise, wie der FCSG in Zürich auftrat, war eine schlussendlich unscheinbare Szene in der 40. Minute: Gianluca Gaudino versuchte, den Ball aus der Defensive herauszuspielen. Bedrängt wurde er von Zürchern, aber vor allem von Teamkollege Pascal Thrier, der ihm so unglücklich in die Quere kam, dass beinahe eine Chance für den FCZ entstand. So zeigten sich die Espen in der Abwehr das ganze Spiel über: Entweder stand man sich gegenseitig im Weg oder die einfachsten Pässe kamen nicht an. Kein Wunder, konnte der FCZ gleich viermal einnetzen.

In der 14. Minute war es Mario Leitgeb, der mit einem katastrophalen Fehlpass im Mittelfeld das Desaster einläutete. Unbedrängt spielte er einen Ball, der von den Zürchern abgefangen wurde, die dann sofort nach vorne stürmten. Beim ersten Schuss von Oliver Buff legten sich gleich zwei St.Galler auf den Rasen, um den Schuss zu stoppen, beim Nachschuss von Anto Grgic war niemand mehr da, der hätte blocken können. 1:0 für den FCZ.

Auch beim zweiten Tor nach 35 Minuten stand ein Fehlpass der St.Galler am Anfang. Aleksandr Kerzhakov übernahm den Ball, hatte Zeit und Raum, lancierte Buff, der wiederum spielte zu Burim Kukeli und schon stand es 2:0 für den FCZ.

Von hochgelobt zu anfällig
In der Pause dürfte es in der St.Galler Kabine ziemlich laut geworden sein. Trainer Joe Zinnbauer war schon während der gesamten ersten Halbzeit sichtlich unzufrieden und aufgebracht. Nur: Was auch immer Zinnbauer in der Pause seinen Spielern mitgegeben hatte, es brachte nichts. Zwar wirkte der FCSG in der zweiten Halbzeit etwas entschlossener, aber ein richtiges Aufbäumen blieb aus. Bei der einzigen wirklichen Chance, den Anschlusstreffer zu erzielen, war das Spiel schon weit fortgeschritten. FCZ-Goalie Yanick Brecher hatte Mühe mit einem Schuss von Danijel Aleksic, Batuhan Karadeniz konnte den Nachschuss aber nicht verwerten. Statt des Anschlusstreffers folgten die Tore drei und vier für den FCZ.

Das Spiel war bezeichnend für das Problem des FC St.Gallen in dieser Rückrunde. Die noch vor Kurzem hochgelobte Verteidigung um die jungen Martin Angha und Roy Gelmi ist in der Rückrunde anfällig geworden. So anfällig, dass Gelmi in Zürich sogar auf der Bank Platz nehmen musste, wofür kaum nur die kommunizierten Rippenprobleme der Grund gewesen sein dürften.

In der Hinrunde kassierten die Espen nur gerade 1,2 Tore pro Spiel. In den ersten sieben Spielen der Rückrunde waren es beinahe doppelt so viele: 2,3 Mal muss Daniel Lopar im Schnitt pro Spiel seit der Winterpause hinter sich greifen (Grafik). Und dabei gehört er zu den besten Torhütern der Liga.

Man will sich gar nicht ausmalen, wie es um den FCSG stünde, würde nicht wenigstens der Schlussmann seine Leistungen abrufen. Das Problem ist offensichtlich: Die Verteidigung des FC St.Gallen ist löchrig geworden.


Dieser Beitrag erschien am 4. April 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.