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Italien gegen Spanien: Der Achtelfinal hatte es in sich, auch was das Publikum betrifft. Doch beim Public Viewing am Treffpunkt Herisau blieben die Fans friedlich. Hier der Bericht, Teil 3 von #Senfgoespublic.

herisau1In Herisau trifft man sich zum gemeinsamen Fussballschauen passenderweise gleich im Treffpunkt. Das Restaurant vis-à-vis des ausserrhodischen Regierungsgebäudes hat für die EM eine Leinwand im Freien aufgebaut. Beim frühabendlichen Spiel Italien gegen Spanien am Montag spielt auch das Wetter mit. Gut so, weil nur etwa die Hälfte der rund 80 Besucherinnern und Besucher im überdachten Teil der Gartenwirtschaft Platz finden. Bei unserer Ankunft etwa 45 Minuten vor Spielbeginn scheint die Sonne gar noch so hell, dass wir uns Sorgen machen um die Bildqualität. In Herisau sorgt nämlich nur ein ziemlich gewöhnlich aussehender Beamer für die Übertragung der EM-Partien. Pünktlich zu Spielbeginn ist die Sonne aber schon genügend tief, dass das Bild den hohen Ansprüchen der beiden anwesenden Kollektivmitglieder des SENF knapp genügt.

Unter den anderen Besucherinnen und Besuchern sind die Sympathien ziemlich klar verteilt: Den zahlreichen Italien-Fans stehen beziehungsweise sitzen nur ein paar Spanierinnen und Spanier gegenüber. Ohne Fantrennung. Man kennt und versteht sich in Herisau. Die spanische Unterzahl kann eine einzelne Besucherin ganz gut kompensieren, indem sie mehrfach lautstark «Venga España» zur Leinwand schreit. Könnte ja was bewirken, wie der Postillon unlängst «bewies».

Heute bleiben aber alle Motivationsversuche, die Spanien zum Sieg führen sollten, ergebnislos. Als Italien das 1:0 schiesst, jubelt die Menge. Als sie kurz vor Schluss das Spiel mit dem zweiten Treffer entscheiden, fliegen gar Mützen durch die Gegend. Die Szenerie erinnert an die guten alten Zeiten, als die Herren noch mit Anzug und Mütze im Stadion standen. Den Spaniern bleibt nur, sich mit der Menükarte des Treffpunkts zu trösten. Das anwesende Senf-Team konnte mangels Hunger die extra für die EM gestaltete Essenskarte nicht testen, aber die an uns vorbeigetragenen Speisen sahen sehr lecker aus. Und wer sich flüssig ernähren will: Die Stange Appenzeller-Bier gibts für faire 4.40 Franken. Wer sich ausserkantonal mit einem Bier an die nahe Heimat erinnern will: Klosterbräu ist auch zu haben.

Als wir kurz vor Schluss wegen der angesprochenen Flüssignahrung die Toilette aufsuchen, entdecken wir – leider zu spät – das eigentliche Bijou dieses Public Viewings: In den Innenräumen des Treffpunkts empfängt uns englische Atmosphäre. Das Licht ist gedämpft, aber nicht düster, Burgerduft hängt in der Luft und in einer Ecke wird sogar Englisch gesprochen. Natürlich wird auch hier die EM gezeigt. Fehlt nur noch der ranzige Teppich, dann könnte man sich in Herisau über ein Pub freuen.

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Kurzbewertung:

Lage: 2 von 5 Croissants – ja, klar, eine eigene Bushaltestelle hat der Treffpunkt eigentlich auch. Aber die steht halt in Herisau. Und Herisau selber liegt eigentlich nicht dort, wo der Bahnhof liegt, der mit Herisau angeschrieben ist.

Stimmung: 4 von 5 Croissants – hier sind wir etwas pingelig. Zwar war es durchaus angenehm während dem Spiel und auch ziemlich laut nach den beiden Toren, aber bei Italien gegen Spanien sind die Voraussetzungen für eine gute Stimmung halt schlicht besser als bei England gegen Russland.

Verpflegung: 5 von 5 Croissants – in Herisau hat man sich Mühe gegeben und gleich eine eigene Karte für die EM kreiert. Wir wissen zwar nicht, was davon auch sonst zu haben ist, aber Burger (sowieso) und Flammkuchen (weil Frankreich), das passt.

Kosten: 5 von 5 Croissants – kein Eintritt, Bier für 4.40. Und auch beim Appenzeller Bier gibts bei jeder Stange die Chance, eine weitere zu gewinnen. Unser Portemonnaie freuts, die Leber weniger.

#Platzverweis:

Seit kurzem können Schiedsrichter schon vor Anpfiff der Partie rote Karten verteilen. Wir haben schon vor Turnierbeginn zehn Herren eruiert, bei denen wir von dieser Möglichkeit Gebrauch machen würden. Im ersten Test kam Roman Neustädter hinzu, im zweiten Stephan Lichtsteiner. An diesem Montag muss sich der Schiedsrichter selber aus dem Spiel nehmen. Teilweise pfiff Cüneyt Cakir überaus kleinlich, manchmal sah er glasklare Fouls nicht. Eine Linie war nicht erkennbar. Deshalb: #Platzverweis!


Dieser Beitrag erschien am 28. Juni 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz. Während der EM testen wir verschiedene Public Viewings der Region.


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Während die Fussballwelt nach Frankreich schaut und gebannt die EM verfolgt, verbringt ein Mitglied des SENF-Kollektivs den Sommer in der Rekrutenschule. Auch dort kommt man nicht an der EM vorbei.

Esssaal_lang

Um die grösste Einschränkung gleich zu Beginn zu nennen: Während dem Militärdienst ist es abgesehen vom Ausgang nicht erlaubt, Alkohol zu trinken – schon gar nicht in rauen Mengen, wie es bei manchen während der EM durchaus vorkommen kann.

Auch die ansonsten pünktlich zum Eröffnungsspiel auftretende Vorfreude blieb dieses Jahr weitestgehend aus. Schliesslich gestaltet sich das bei einem komplett durchgeplanten Tagesablauf und einer chronisch unterbeschäftigten Leber ziemlich schwierig.

Euphorie im Esssaal
Dennoch kam in unserer Kompanie nach den ersten Spielen trotz der langen Tage und kurzen Nächte – einem schleichenden Aufbauprozess infolge einer Verletzung vergleichbar – ein wenig Euphorie auf. Die Gespräche an den Esstischen begannen sich immer mehr zu ähneln: «Hey Jungs, wiä wiit denkeder, dass XY chunnt?» oder «Läck, isch da ä langwiligs Spil gsi gescht».

Da dank dem neuen Modus fast ganz Europa an die EM fahren konnte und in unserer Kompanie Rekruten aus ähnlich vielen Nationen den «Dienst am Vaterland» erfüllen, entwickeln sich logischerweise rege Diskussionen über die anstehendenden und gespielten Partien. Verfolgt werden die Spiele meist im Esssaal vor dem Beamer oder gemeinsam im Kiosk, der glücklicherweise mit einem Fernseher ausgerüstet ist.

«Golden Ticket» Wachdienst
Die mehr als einwöchige Einteilung für den Wachtdienst zu Beginn der EM war zunächst ein kleiner Schock – im Nachhinein stellte sich diese Einteilung, wie wir es im Militär so schön nennen, jedoch als «Golden Ticket» heraus. Der ansonsten aufgrund des stundenlangen Herumsitzens ungeliebte Wachdienst erwies sich dank den zahlreichen Pausen zwischen den einzelnen Schichten als Glücksfall.

Zusammen mit den anderen dienstfreien Kameraden – bewaffnet mit Eistee als Bier-Ersatz samt den obligaten Bauchschmerzen nach dessen übermässigem Genuss – verfolgte man die Partien dank Laptop und Beamer jeweils gemeinsam. Es kam öfters vor, dass auch mal ein Offizier vorbeikam und sich stillschweigend dazusetzte, bis ihm ein Geschehnis auf dem Platz sauer aufstiess und er sich genauso über den Schiedsrichter aufregte, wie die anderen anwesenden Soldaten.

Besonders bei den Spielen der Schweizer Nationalmannschaft kochte die Stimmung teilweise über, sodass es vereinzelt vorkam, dass ein Stuhl durch die Lüfte flog oder ein Becher mit voller Wucht auf den Boden geschleudert wurde. Man kann spüren, dass König Fussball im ansonsten disziplinbetonten Militär-Alltag die Emotionen zum Vorschein bringt und man gradunabhängig hitzige Diskussionen führt, die man als umsichtiger Soldat eigentlich besser bleiben liesse.

Paranoide Blicke
Als einziger Wehmutstropfen des ansonsten fussballfreundlichen 24-Stunden-Betriebs auf der Wache lässt sich anführen, dass man teilweise auch während den Spielen tatsächlich Wache schiebt und man als geneigter Fussballfan höllisch aufpassen muss, sich nicht beim heimlichen Schauen der Partie auf dem Handy erwischen zu lassen.

Die Blicke wechseln dabei jeweils schon fast paranoid von der Türklinke am Eingang auf den Handybildschirm und zurück. Dennoch wurde es mit der Zeit zu einem Ritual, dass man sich kurz vor 15 Uhr, 18 Uhr und 21 Uhr für das anstehende Spiel einrichtete und seine Prognose den Kameraden mitteilte.

«Leider» geht auch die Zeit auf der Wache irgendwann zu Ende und man muss wieder den ganzen Tag zurück aufs Feld, um an irgendwelchen Übungen teilzunehmen, deren Sinn wohl niemand je ganz verstehen wird. Auch das Verfolgen der einzelnen Partien gestaltet sich auf dem Feld logischerweise schwieriger. Dabei könnte man stets hochgepriesene militärische Kameradschaft doch geradesogut bei Fussball und Bier (oder in unserem Fall: Eistee) pflegen…


Dieser Beitrag erschien am 24. Juni 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz. Aber auch während der EM haben wir was zu sagen.


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Man kann von der EM halten, was man will – sicher ist: Sie bringt Menschen vor Bildschirmen zusammen. Und schafft damit vorübergehend neue öffentliche Räume. Das Senf-Kollektiv testet im Verlauf der EM ein paar Public Viewing-Orte. Teil 2: Palace St.Gallen.

palace

Seit Jahren ist das Palace ein sicherer Wert während grossen Turnieren. Zum einen ist man vor den Kapriolen des Wetters geschützt: Wenns draussen zu heiss ist, ists im ehemaligen Kino angenehm kühl. Wenns regnet – wie dieses Jahr eigentlich ständig – ists drinnen trocken. Zum anderen sind die Besucher meist sehr angenehm. Keine grölenden Massen, keine aufgeheizte Stimmung, viele fachkundige Gespräche.

Wer ob der negativen Schlagzeilen aus Frankreich Angst vor herumfliegenden Stühlen hat, den können wir auch beruhigen: Die Kino-Sessel sind fest im Boden verankert und sowieso zu schwer. Seine volle Qualität kann das Palace allerdings vor allem dann ausspielen, wenn nicht die Schweizer Nationalmannschaft spielt und der Saal nicht so überfüllt ist.

Zugegeben, die lauten «Oohs» und «Aahs», wenn mal wieder ein Schweizer seine bisher nicht bekannten St.Galler Wurzeln zeigt und eine Grosschance versemmelt, die haben schon was für sich. Gemeinsam leiden ist ja doch irgendwie angenehmer. Und auch der Torjubel, wie beim 1:1-Ausgleichstreffer durch Mehmedi gegen Rumänien, ist in der Masse irgendwie intensiver. Glück soll ja das einzige sein, was grösser wird, wenn man es teilt. So viel Fussballromantik muss sein.

Aber eben, wenn sich das Palace nach einem Schweizer Spiel leert und für das anschliessende Spiel Frankreich gegen Albanien nur noch jeder zweite Kinosessel besetzt ist, dann fühlt es sich wie ein überdimensioniertes Wohnzimmer an. Vorne wird «töggelet», in den Sesseln wird gefachsimpelt und das Sofa wird kurzerhand so vor die Leinwand verschoben, wie man es zuhause auch vor den Fernseher stellen würde.

Wäre das für die eigene Gesundheit nicht schädlich, man könnte in der Tat einziehen. Aber eben, bei Bratwurst als Grundnahrungsmittel und grossem Bier für faire sechseinhalb Stutz dürfte man das schon nach zwei von vier Wochen EM bereuen. Wobei, wenn man dort wohnt, muss man sich ja auch nicht mehr so fest bewegen.

Wenns beim Public Viewing an diesem Mittwochabend etwas zu bemängeln gab, dann eigentlich nur, dass die Jungs vom Adrenalin-Team lediglich das Spiel der Schweiz gegen Rumänien live kommentierten. Zumal man sie wegen der vielen Leute eben auch nicht so gut verstand. Bei Frankreich-Albanien waren zwar weniger Leute anwesend, diese wären dafür aber sicher umso aufmerksamer gewesen.

Und nebenbei: Eine Loge im Obergeschoss gibts hier natürlich auch. Wer aber dort Platz nehmen will, muss bei Spielen der Schweiz früh kommen. Das frühe Kommen lohnt sich übrigens sowieso: Sobald das Palace nämlich voll ist, wird auch trotz eines fehlenden Eintrittspreises «ausverkauft» vermeldet.

Kurzbewertung:

Lage: 4 von 5 Croissants – das erste getestete Public Viewing hatte mit einer eigenen Bushaltestelle einen vermutlich nicht zu überbietenden Vorteil. Deshalb müssen wir hier pingelig sein. Der Bahnhof ist leider ein paar Meter zu weit weg, um als Palace-eigen zu gelten.

Stimmung: 4 von 5 Croissants – beim Schweiz-Spiel sicher angenehmer als anderswo und meist herrscht perfekte Wohnzimmeratmosphäre. Abzug gibts nur, weil wir mehr Adrenalin hören wollen.

Verpflegung: 3 von 5 Croissants – Das Essensangebot ist zwar nicht sonderlich innovativ, dafür verfügt das Palace über eine komplett eingerichtete Bar – ein neuer Sitzungsort fürs SENF-Kollektiv?

Kosten: 5 von 5 Croissants – Gratis Eintritt und grosses Bier für 6.50. Zudem gibts bei jedem Bier die Chance, eine Stange zu gewinnen.

#Platzverweis:

Seit kurzem können Schiedsrichter schon vor Anpfiff der Partie rote Karten verteilen. Wir haben schon vor Turnierbeginn zehn Herren eruiert, bei denen wir von dieser Möglichkeit Gebrauch machen würden.

Im ersten Test kam Roman Neustädter hinzu. An diesem Abend müssen wir Lichtsteiner tadeln. So ein unnötiges Foul, das zu einem Penalty führt, dürfte dem erfahrenen Verteidiger nicht passieren. Wegen ihm musste die Schweiz einem Rückstand nachrennen. Ohne dieses unnötige Foul wäre das nicht passiert. Deshalb: #Platzverweis!


Dieser Beitrag erschien am 17. Juni 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz. Während der EM testen wir verschiedene Public Viewings der Region.


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Man kann von der EM halten, was man will – sicher ist: Sie bringt Menschen vor Bildschirmen zusammen. Und schafft damit vorübergehend neue öffentliche Räume. Das Senf-Kollektiv testet im Verlauf der EM ein paar Public Viewing-Orte. Zum Auftakt: Grossacker St.Gallen.

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Als wir an der Haltestelle Grossacker aus dem  Bus steigen, sticht uns die Grossleinwand sofort ins Auge. Prominent steht sie mitten auf dem Innenhof des Einkaufszentrums. Wo Menschen normalerweise auf den Bus warten, mit vollen Einkaufstaschen über den Platz hetzen oder nach dem Einkaufen den neusten Tratsch und Klatsch des Quartiers austauschen, lädt ein Public Viewing während der EM dazu ein, sich länger als üblich dort aufzuhalten.

Und: Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen, wo für den gleichen Fussball und den gleichen Salzgeber Eintritt verlangt wird, können die Spiele beim Grossacker gratis angesehen werden.

Loge im Obergeschoss

Festbänke und Holztische vor der Leinwand, die Terrasse des Restaurants «la bocca» und – vermutlich jeweils nur nach Ladenschluss – auch Festbänke unter dem Vordach der Post: Einen Platz findet an diesem Samstag jeder Besucher. Das Spiel zwischen Russland und England scheint keine grossen Massen anzuziehen. Wir mögens natürlich exklusiver und begeben uns in den Logenbereich im Obergeschoss. Von dort hat man die beste Sicht auf die Leinwand, könnte aber auch dem Treiben an den Festbänken zuschauen. Könnte.

Wegen des Wetters – es regnet zwar nur ab und an – haben sich die meisten der rund 50 Besucher unters Vordach zurückgezogen. Im Logenbereich spielen Kinder mit einer Plastikflasche Fussball. Strassenfussball, quasi. Quartierfussball.

Sowieso hat dieses Public Viewing Potenzial, dem Quartier Leben einzuhauchen. Umso mehr irritiert es, dass im Quartier niemand informiert wurde, was beim Grossacker während der EM passiert. Zumal man doch fast alles richtig gemacht hat und weiterhin macht: Die Grossleinwand läuft nur solange, wie sie muss. Der Lärmpegel ist nicht zu brachial, und das Bier kostet angenehme vier Franken dreissig, mit einem Bierpass ist sogar jedes sechste gratis. Dazu gibt’s Würste vom Grill.

Wer kein Fleisch mag oder sich während der EM schon zu viele Bratwürste gegönnt hat, kann sich in der Speisekarte des «la bocca» umsehen. Sollte dort kein Platz in Sichtweite der Leinwand frei sein, hängt beim Quartier-Italiener auch ein Fernseher im Lokal, in dem man übrigens auch sein Bier wieder loswerden kann. Sogar fürs Geldabheben – auch wenn bloss glücklicher Zufall für die Veranstalter – ist beim Grossacker gleich mit zwei Automaten gesorgt.

Lediglich die Helligkeit der Leinwand irritiert. Wir empfehlen auch für Spiele um 21 Uhr die Sonnenbrille mitzunehmen. Und wir empfehlen auch, sich von den unzähligen «Dieser Bereich wird videoüberwacht»-Hinweisen und dem anwesenden Sicherheitsmann nicht irritieren zu lassen. Ob Auflage oder dem aktuellen Sicherheitswahn geschuldet: Nötig wärs wohl kaum. Dass zum Schluss einer der letzten Besucher beim Abräumen einer Festbank und absichtlich die Rolle vorwärts versucht, konnte auch der Sicherheitsmann nicht verhindern.

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Kurzbewertung:

Lage: 5 von 5 Croissants – mit einer eigenen Bushaltestelle ist das Public Viewing perfekt erreichbar. Zentrum muss nicht immer Stadtzentrum sein; hier sind wir mitten im Quartierzentrum.

Stimmung: 2 von 5 Croissants – grosszügigerweise, aber bei dem Wetter ist wohl kaum ein Public Viewing unter freiem Himmel mit Bombenstimmung gesegnet.

Verpflegung: 3 von 5 Croissants – vom Grill gibt’s Würste und bei der Pizzeria das übliche Angebot. Etwas Spezielles vermisst man.

Kosten: 5 von 5 Croissants – Eintrittspreise gibt’s nicht und das Bier erhält man für faire 4.30, jedes sechste sogar gratis.

#Platzverweis:
Seit kurzem können Schiedsrichter schon vor Anpfiff der Partie rote Karten verteilen. Wir haben schon vor Turnierbeginn zehn Herren eruiert, bei denen wir von dieser Möglichkeit Gebrauch machen würden. Die Erfahrung lehrt uns, dass bei jedem Spiel eine Personalie dazukommt.

Bei Russland gegen England war das nicht anders. Roman Neustädter stand in der Startaufstellung der russischen Nationalmannschaft. Russe ist der Schalke-Spieler aber erst seit Mitte Mai. Zwar hat er durchaus russische Wurzeln und gegen eine Einbürgerung an sich ist auch gar nichts einzuwenden, aber wenn Putin per Präsidialdekret kurz vor der EM eine solche verfügt, riecht das zumindest mal streng. Deshalb: #Platzverweis!


Dieser Beitrag erschien am 13. Juni 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz. Während der EM testen wir verschiedene Public Viewings der Region.


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Auswärtsspiele gegen GC bergen immer ein gewisses Konfliktpotential. Dies nicht zuletzt aufgrund der nicht ganz unproblematischen Beziehung zwischen den beiden Fanlagern aus Zürich und St.Gallen. Am letzten Samstag sorgte jedoch die martialisch auftretende Stadtpolizei für eine beklemmende Atmosphäre. Ein SENF-Augenzeuge schildert die Situation, wie er sie vor Ort angetroffen hat.

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Vergangenen Samstag bewahrheitete sich vermutlich wieder einmal das dritte Newtonsche Axiom, welches besagt, dass auf eine Aktion eine entsprechende Reaktion folgt. Im Rahmen des Auswärtsspieles gegen den FCZ zu Beginn dieses Monats waren in Zürich einzelne Ordnungshüter und das VBZ-Personal von einigen mitgereisten St.Gallern mit Farbballons beworfen und dabei auch die bereitgestellten Extrabusse in Mitleidenschaft gezogen worden. Was Sinn und Zweck dieser Aktion war, bleibt bis auf Weiteres rätselhaft. Was jedoch auf jeden Fall zu denken gibt, ist die vermeintliche Reaktion der Stadtpolizei Zürich auf diese Aktion.

Den FCSG-Fans bot sich bei der Ankunft des Extrazuges im Bahnhof Altstetten ein Bild, das nicht nur beim mitgereisten SENF-Autor Verwunderung auslöste. Die zahlreich angereisten Fans wurden bei strömendem Regen von dutzenden Beamten in Vollmontur, mehreren Kamerateams und zwei (!) Wasserwerfern in Empfang genommen. Unmittelbar nach der Ankunft des Zuges wurde mittels der bereitgestellten Extrabusse und der zahlreichen vergitterten Kastenwagen ein Kessel gebildet, um die verdutzten Fans am Verlassen des Bahnhofes zu hindern und sie zum Einsteigen in die Busse zu zwingen. Das ist zwar sowieso immer so gedacht, mit einer derartigen Vehemenz trat die Polizei bisher aber noch nie auf. In Folge der etwas späten Ankunft des Zuges drängte die Zeit und das Wetter lud sowieso nicht zum Verweilen ein. Die Abfahrt der Busse erfolgte entsprechend zackig. In Begleitung mehrerer Kastenwagen und Blaulicht wurde die kurze Strecke zum Letzigrund zurückgelegt.

Dort bot sich erneut ein gewöhnungsbedürftiges Bild. Der Bereich rund um den Gästeblock wurde wiederum zu einem Polizei-Kessel umfunktioniert, wobei die Einsatzleitung der Polizei das Dispositiv abermals mit zwei Wasserwerfern bestückte. Die Polizisten in Vollmontur begaben sich jetzt sogar noch ein Stück näher an die Fans und signalisierten dadurch zum wiederholten Male, dass man einer Konfrontation nicht aus dem Weg gehen würde. Es goss allerdings noch immer wie aus Kübeln und die FCSG-Fans hatten nach wie vor kein besonderes Interesse an einer Auseinandersetzung mit der martialisch auftretenden Polizei. Sie suchten im Gegenteil möglichst schnell Obdach unter dem Stadiondach.

Nach dem Spiel und einer weiteren Niederlage gegen den ungeliebten Rekordmeister standen erneut VBZ-Extrabusse bereit, um die FCSG-Fans an den Bahnhof Altstetten zurückzubringen. Nach einer ereignislosen Rückfahrt schaltete die Stadtpolizei noch einen Gang hoch und bugsierte die FCSG-Fans nun schon zum dritten Mal in einen Polizeikessel. Dieses Mal wurde die Maxime Deeskalation so grosszügig wie möglich ausgelegt und sogar der Durchgang zum Perron, auf welchem der Extrazug stand, durch eine Polizeikette blockiert. Somit waren die FCSG-Fans komplett eingeschlossen und konnten den Zug nicht besteigen. Sie taten ihren Unmut über diese Situation schnell durch entsprechende Verlautbarungen kund. Daraufhin konnte bei den ersten – nach wie vor in Vollmontur bereitstehenden – Polizisten ein Zucken am Gummischrot-Abzugfinger beobachtet werden. Dank dem raschen Intervenieren deeskalierender Kräfte konnte die ganze Situation jedoch relativ rasch beruhigt werden. Daraufhin wurde der Weg zum Perron doch noch freigegeben, sodass die FCSG-Fans einsteigen konnten, um den Heimweg anzutreten.

Nach diesem Polizeieinsatz bleiben einige Fragen offen. Zunächst einmal: Inwiefern kann es verhältnismässig sein, ein derart martialisches Polizei-Dispositiv aufzubieten? Rechtfertigt das Verhalten der FCSG-Fans in den vorangegangenen Auswärtsspielen in Zürich wirklich ein solches Polizeiaufgebot? Kann dies aufgrund der Vorkommnisse tatsächlich als notwendig gerechtfertigt werden? Ebenfalls liegt die Frage nahe, ob der Grund für dieses massive Polizeiaufgebot nicht vielmehr darin zu suchen ist, dass die Fans des FCSG als Figuranten für den bald anstehenden 1. Mai den Kopf hinhalten mussten. Auch das Auftreten am Bahnhof Altstetten vor der Rückfahrt des Extrazuges ist zu hinterfragen. Weshalb wird den Fans der direkte Weg zurück zum Extrazug versperrt? Und weshalb werden sie stattdessen noch einmal – dieses Mal ohne Ausweichmöglichkeit – eingekesselt? Handelt es sich letztendlich um eine Machtdemonstration der Zürcher Polizei, mit dem Ziel zu zeigen, dass schärfer zurückgeschossen werden kann, wenn die Fans mit Farbe um sich schiessen?