Die Karpatenukraine wird Weltmeister und muss sich bei der Heimkehr wohl unangenehmen Fragen stellen. Auch das zeigt, wie viel den Teams der Conifa an der Teilnahme an der etwas anderen Fussball-Weltmeisterschaft liegt.

Karpatenukraine feiert

Die Karpatenukraine feiert den Conifa-WM-Titel (Bild: Con Chronis/Conifa)

Der Lärm ist ohrenbetäubend. Die britische Luftwaffe fliegt über die Londoner Innenstadt und malt weisse, rote sowie blaue Linien in die Luft. Die Queen hat Geburtstag. Oder besser gesagt: Sie feiert Geburtstag. Denn eigentlich wurde sie schon im April 92 Jahre alt. Die Feierlichkeiten finden traditionsgemäss jedoch am zweiten Samstag im Juni statt. So auch an diesem 9. Juni.

Königin Elizabeth spielt auch nördlich der Innenstadt eine tragende Rolle. Im Londoner Quartier Enfield findet das Finale der WM für Fussballhipster statt. Das Stadion des gastgebenden Enfield Town FC trägt seit 1977 den Namen «Queen Elizabeth II Stadium». Trotz dieses royalen Touchs, bleibt der Finaltag der Conifa-WM von pompösem Gehabe verschont.

Wenig Luft nach langem Turnier

Auf dem Platz duellieren sich zuerst Szeklerland und Padania um den dritten Platz. Letztere konnten die gleiche Begegnung in der Gruppenphase für sich entscheiden, starten aber mit Problemen in die Partie. Szeklerland, das Team der ungarischen Minderheit in Rumänien, startet temporeich ins Spiel. Die Norditaliener von Padania schaffen es nur mit langen Bällen, sich aus der eigenen Hälfte zu befreien. Dabei fällt vor allem Marius Stankevičius auf. Der Verteidiger verteilt die Bälle derart gut, dass Padania trotz des Drucks von Szeklerland ab und an gefährlich wird.

Wenig überraschend können die Ungarn das Tempo nicht halten. Gegen Ende der ersten Halbzeit kommt Padania immer besser ins Spiel. Auch in Halbzeit Zwei machen sie zu Beginn den besseren Eindruck. Schon nach 60 Minuten scheint bei beiden Teams aber die Luft draussen. Die Folgen der vielen Spiele innert kürzester Zeit – es ist das sechste Spiel in zehn Tagen – sind offensichtlich. Schnell wird klar: Nur eine Standardsituation oder der Zufall können dieses Spiel entscheiden. Es kommt nicht dazu. Ohne Verlängerung geht es direkt zum Penaltyschiessen, das Padania für sich entscheidet.

Viele Zuschauer beim Final

Schon beim Spiel um Platz 3 waren die Plätze rund ums Spielfeld gut belegt. Nun strömen noch mehr Leute ins Stadion. So viele, dass der Anpfiff des Finals um eine halbe Stunde zurückverlegt wird. In diesem Final trifft die Karpatenukraine auf Nordzypern. Bei Ersteren handelt es sich ebenfalls um eine ungarische Minderheit, in der namensgebenden Ukraine. Die Fans von Szeklerland bleiben deshalb gleich vor Ort und unterstützen auch das zweite ungarische Team lautstark und farbenfroh. Auf der anderen Seite steht mit Nordzypern ein Staat, der nur von der Türkei anerkannt wird. Die Unterstützung in Nordlondon für das Team ist gross. Auch für dieses Team werden Flaggen gehisst, Lieder gesungen und Fackeln gezündet.

Nordzypern (in weiss) trifft im Conifa-WM-Final auf die Karpatenukraine (Bild: Con Chronis/Conifa)

Das Spiel wirkt von Anfang an deutlich intensiver, die Mannschaften physisch stärker als noch beim kleinen Final. Wenn die Wogen aber zu hoch gehen, holt Schiedsrichter Mark Clattenburg die Spieler schnell auf den Boden zurück. Clattenburg, der noch vor zwei Jahren den Final der Champions League pfiff, konnte dank des Hauptsponsors verpflichtet werden. Diesem verdankt das Turnier im Übrigen auch den eigenen WM-Song von Right Said Fred, der mit einigen Anspielungen aufwartet.

Auf dem Platz bleibt die Forderung der Band, das Haus abzureissen, unerfüllt. Der Sportjournalist im Zuschauer denkt in Plattitüden wie «neutralisieren» und «abstasten». Es fesselt wenig, dieses Spiel. Auch die Fans können sich mit anderem beschäftigen und deshalb zeigt sich, dass hier eher eine Diaspora vor Ort ist als mitgereiste Fans. Die Ungarn singen in perfektem Englisch die unter englischen Fans bekannten Lieder «Don’t take me home» und «Your support is fucking shit». Auch bei den nordzypriotischen Fans ist Cockney-Slang in Reinform zu hören.

Karpatenukraine wird Weltmeister

Dass das Spiel nicht fesselt, zeigt sich auch zehn Minuten vor Schluss, als Regen einsetzt. Etliche Zuschauer verlassen das Stadion, trotz WM-Final. Gekommen war man wegen des exotischen Faktors, wirklich interessiert sind dann doch nicht alle. Wer bleibt, sieht die Karpatenukraine im unausweichlichen Penaltyschiessen gewinnen. Das Team, das nur wegen des Rückzugs von Féldivek, eines anderen Teams einer ungarischen Minderheit, überhaupt dabei war, kann den Pokal in die Luft stemmen.

Im strömenden Regen feierte die Karpatenukraine ihren Titel weiter, zusammen mit den Fans, «deren farbenvolle Fackeln dem Spiel eine einzigartige Atmosphäre verliehen hatten», wie die Organisatoren in einem Fazit zum Finaltag sagten. Auch zum ganzen Turnier fällt das Fazit ausgesprochen positiv aus. Sascha Düerkop, Generalsekretär der Conifa, sagt: «Wir waren sehr positiv überrascht von den Zuschauerzahlen und dem überragenden Feedback, welches wir von Medien und Zuschauern aus aller Welt bekommen haben.» Noch nie sei man so sehr im Fokus der Weltöffentlichkeit gestanden.

Ukrainische Regierung ist nicht erfreut

Im Fokus zu stehen bringt indes auch Nachteile, wie sich drei Tage nach dem letzten Pfiff zeigt. Die Spieler der Gewinnermannschaft dürfen sich auf unangenehme Fragen der ukrainischen Regierung gefasst machen.  Dass das Team separatistische Propaganda machen würde, scheint indes in der Tat schwer zu glauben. Und selbst wenn sie es wollten, würden es die Veranstalter nicht zulassen. «Über die Hymne und Flagge hinaus ist jede Botschaft hier strikt verboten», sagt Düerkop. «Wir haben kein Interesse daran politische Spannungen zu erzeugen. Wir zielen vielmehr darauf ab, alle Menschen zusammenzubringen und durch den Fußball zu vereinen.»

Das sei denn auch ausgezeichnet gelungen. «Politische» Aufreger blieben aus. Die Fans hätten sich vorbildlich verhalten, aber «auch abseits des grünen Rasens haben sich die Mannschaften super verstanden, Freundschaften gebildet und sich gegenseitig durchgehend unterstützt». Düerkop wählt grosse Worte, um das zu beschreiben: «Wir haben ein grosses Fussballfestival erlebt, einen Karneval der Kulturen auf und neben dem Rasen, und sind mit Liebe überschüttet worden.»

Ellan Vannin wird ausgeschlossen

Diesem Fazit vermutlich nicht zustimmen, werden die Vertreter von Ellan Vannin. Das Team der Isle of Man hatte sich zurückgezogen, nachdem ihr Protest gegen einen nachgemeldeten Spieler im Team von Barawa nicht erfolgreich war. Man mag geteilter Meinung sein, ob die Conifa sich selber einen Gefallen tat, dem Team von Barawa eine Nachmeldung für das zweite und dritte Gruppenspiel zu erlauben. Die Umstände bei den Teams, die oft mit Visa-Problemen kämpfen, bedürfen einer pragmatischen Handhabung. Die Fairness gegenüber allen Teams bedarf trotzdem gewisser Regeln. Dass sich der Verband von Ellan Vannin nach einem unliebsamen Entscheid einfach zurückzieht, ist indes sicher die falsche Lösung. Dass die Conifa nun gleich einen Ausschluss Ellan Vannins in die Wege leitet, dürfte aber auch kaum zur Beruhigung und Problemlösung beitragen. Das letzte Wort hat die Generalversammlung aller beteiligten Verbände.

Der Rückzug von Ellan Vannin und der nachfolgende Ausschluss aus der Conifa ist vor allem zu bedauern, weil bei diesem Turnier die sonst so oft missbrauchte Phrase «Dabei sein ist alles» eben für viele tatsächlich zutraf. Um das zu belegen, braucht es nur einen kurzen Blick auf das Team von Matabeleland. Trotz Platz 13 von 16, das Turnier war ein Erfolg. Davon zeugt der Kurzfilm von Joel Rookwood genauso wie dieser Tweet des Trainers Justin Walley.


SENF berichtet umfassend von der WM 2018. Die Übersicht zu Berichten, Tickern und allem anderen gibts immer hier: http://senf.sg/senf-zur-wm-2018/


Die Gruppenphase der WM endete mit zwei dicken Überraschungen: Vorjahressieger Abchasien musste bereits die Segel streichen, ebenso Mitfavorit Ellan Vannin. Heute stehen die Viertelfinals auf dem Programm.

Matabelelands Spieler und Betreuer klatschen beim Publikum ab. (Bild: Con Chronis/CONIFA)

Während Fussballfans rund um den Kontinent die Spielpläne der in neun Tagen beginnenden WM studieren, den Grill in Position bringen und die Biervorräte auffüllen, läuft in London bereits eine Fussball-Weltmeisterschaft.

Dort spielen die Teams, die nicht Teil der FIFA sind. Und, wie der Guardian ausführte, meist auch nicht Teil der internationalen Gemeinschaft: «the world’s outcasts, the dispossessed, the not-quite nations, the once-were nations and in many cases never-will-be nations. Some are not geographical entities at all, such as Japan’s Korean minority.» Am greifbarsten sind vermutlich die Auswahlen von Tibet und Nordzypern. Oder Raetia, die Bündner Landesauswahl, die auch dank des Rappers Gimma ins Leben gerufen wurde, sich aber dieses Jahr nicht qualifiziert hat.

Eine somalische Hafenstadt organisiert die WM

Die Auswahlmannschaften haben sich unter dem Banner der Confederation of Independent Football Associations (Conifa) zusammengefunden, um internationale Spiele bestreiten zu können. In verschiedenen Modi haben sich 16 Teams für die Weltmeisterschaft qualifiziert, die von Barawa organisiert wird. Barawa ist eigentlich eine Hafenstadt in Somalia. Der Fussballverband wird aber von der in England lebenden Diaspora verantwortet, weshalb auch das Turnier im Grossraum London ausgetragen wird.

Gespielt wird in klassischen Non-League-Grounds, Spielstätten von Teams also, die mit Profifussball nichts am Hut haben. Zum Beispiel das Coles Park Stadium, die Heimstätte des Haringey Borough FC, der gerade in die Isthmian League Premier Divison aufgestiegen ist, die siebthöchste englische Liga.

Es sei keine wohlhabende Gegend, sagt Matt Walker, den wir am letzten Samstag im Coles Park Stadium treffen. Walker hat in der vergangenen Saison in allen 55 Uefa-Nationen ein Spiel der obersten Liga gesehen. Auch in St.Gallen war er zu Gast. Mehr zu ihm gibt’s demnächst im Fussballmagazin Zwölf. Obwohl er das ganze Jahr mit Fussballspielen in den von der Uefa und Fifa anerkannten Ländern verbracht hat, ist er doch ein typischer Gast bei dieser WM. Es ist ein Stelldichein der Fussballnerds, eine Art Happening für Fussballhipster. Wer keinen Bezug zu einem der beteiligten Länder hat, kommt vor allem, weil es hier Fussball gibt, den es sonst nirgends gibt.

Eine Abmachung für den Afrikacup in Kamerun

Als wir uns mit Matt unterhalten, fällt das Wort Bromley, eine Londoner Gegend nicht weit von seinem Zuhause entfernt. Just in diesem Moment passiert uns ein Fan des Bromley FC, der sich angesprochen fühlt. Es entwickelt sich ein Gespräch. Schnell merken der Bromley-Fan und Matt, dass sie schon mal an den gleichen aussergewöhnlichen Orten waren, teilweise an den gleichen Spielen. Wie man in Äquatorial-Guinea am besten an Tickets kommt und wie die Reisepläne für den Afrikacup 2019 in Kamerun sind: An dieser WM dreht sich wegen solcher Fragen niemand überrascht um. Wenn sich einer umdreht, dann um sie zu beantworten.

Es gibt aber natürlich auch die Fans. Die erste Begegnung, die wir uns anschauen, ist Szeklerland gegen Matabeleland. Letzteres liegt im Süden von Simbabwe, Ersteres ist eine Gegend im heutigen Rumänien, das hauptsächlich von Ungaren bewohnt wird. Neben Szeklerland gibt es drei weitere Conifa-Mitglieder, die sich auf Ungaren ausserhalb Ungarns stützen: Felvidék, Délvidék und die Karpatenukraine. Aus Felvidék stammt auch Alex. «Ich wurde im gleichen Ort wie meine Vorfahren geboren, aber in einem anderen Land», sagt der Hungaro-Slowake, der in London lebt. Weil sich Felvidék aber zurückgezogen hat, unterstützt er heute Szeklerland.

Mit ihm tun das noch an die 100 andere. Sie treffen lautstark im Stadion ein. Auch während dem Spiel fallen sie durch ihre Stimmung auf. «Ria, ria, Hungaria» ertönt es immer und immer wieder. Dazu zünden die Fans Rauchfackeln in den ungarischen Nationalfarben. Als Aussenstehender weiss man oft nicht so recht, wie man das Auftreten deuten muss. Nationalismus ausserhalb der Nation? Gezielte Abgrenzung gegenüber dem ungeliebten Rumänien? Die Fans von Szeklerland geben aber kaum Anlass zur Beanstandung. Fotografen können sich so ungehindert zwischen ihnen bewegen wie in kaum einem Stadion sonst. Nur nach dem Spiel kommts in der Stadionbar zu Unstimmigkeiten. Das Barpersonal erträgt die Trommeln und das Megaphon nicht, die Fans ertragen die Zurechtweisung nicht. Es bleibt aber beim Wortgefecht.

Das ganze Stadion für den Underdog

Das Spiel hatte Szeklerland da schon mit 5:0 gewonnen. Der Sieg hätte auch höher ausfallen können. Matabeleland zeigte offensiv einen ansehnlichen Auftritt, in der Defensive fehlte aber die Organisation. Wohl auch deshalb sah sich der Torhüter nach rund einer halben Stunde zu einer Notbremse veranlasst, die natürlich eine rote Karte zur Folge hatte. Matabeleland gelang nicht einmal ein Ehrentor. Trotz zweier guter Chancen kurz vor Schluss, bei denen das ganze Stadion – so schien es – mit den Underdogs mitlitt.

Für Matabeleland, bei dem der ehemalige Liverpool Goalie Bruce Grobbelaar für das Torhütertraining zuständig ist, ist aber alleine die Teilnahme ein kleines Wunder. Per Crowdfunding hat das Team 20’000 Dollar gesammelt, um nach London reisen zu können. Paul Watson, der Commercial Director von Conifa, sagte nach der Gruppenphase denn auch, die Spieler Matabelelands hätten nach einer Niederlage glücklicher ausgesehen als manch andere Spieler nach einem Sieg.

Auch bei der zweiten Partie an diesem Tag sind die Rollen klar verteilt. Padania, Mitfavorit auf den Titel, trifft auf Tuvalu. Obwohl Tuvalu den einzig souveränen Staat im Teilnehmerfeld stellt, haben die Kicker von den Inseln mit der Domain-Endung .tv keine Chance. Das Spiel bleibt wohl aber wegen einer anderen Besonderheit in Erinnerung. Der Schiedsrichter zeigte zum ersten Mal eine grüne Karte. Damit wird ein Spieler bestraft, der sich beispielsweise einer Schwalbe schuldig gemacht hat. Der Spieler muss zwar vom Feld, kann aber ersetzt werden, sofern das Team sein Auswechselkontingent nicht schon ausgeschöpft hat.

Keine politischen Äusserungen

Zum Schluss steht es 8:0 für Padania, der Region im Norden Italiens, die sich vor allem durch die Abgrenzung zum Süden definiert. Am Beispiel Padania zeigt sich ein ungelöster Konflikt, der während des Turniers aber nicht in den Vordergrund tritt. Der Ausdruck Padania ist in Italien konnotiert. Die Lega Nord hat ihn für sich gepachtet. Die Conifa will politisch neutral sein. Gleichzeitig wollen die Veranstalter aber niemanden ausschliessen, solange darauf verzichtet wird, sich an Spieltagen politisch zu äussern.

Dass diese Grenzen nicht ganz so einfach zu ziehen sind, zeigt sich auch am Tag darauf. Im St Paul’s Sports Ground trifft Cascadia auf Tamil Eelam. Cascadia, eine grenzübergreifende Region an der amerikanischen und kanadischen Westküste, will sich nach eigenen Aussagen auf den Sport konzentrieren, die gemeinsame Kultur der Region in den Vordergrund rücken. Eine politische Konnotation wollen sie sich explizit nicht auferlegen. Und trotzdem werden sie auf der Plattform Deadspin doch so kategorisiert: «The idea of Cascadia represents a connection with nature, a leftist ideology, and a disillusionment with American corporatism.»

Noch deutlicher zeigen sich potenzielle Probleme aber bei Tamil Eelam. Das Gebiet, das diese Mannschaft vertritt, liegt im Norden und Osten Sri Lankas. Auch islamistische Gruppierungen wollen hier Einfluss nehmen. Das Konzept von Tamil Eelam geht auf die Tamil United Liberation Front zurück. Die Liberation Tigers of Tamil Eelam, bei uns bekannt als Tamil Tigers, hatten versuchten, die Abspaltung zu erzwingen. Rund um das Spielfeld sind einige Tamilen mit Pullovern zu sehen, auf denen Soldaten abgebildet sind.

«Es gibt kein Tamil Eelam»

Auf Twitter kursiert ein Schreiben an den Conifa-Präsidenten, das von der High Commission of the Democratic Socialist Republic of Sri Lanka stammt:

In diesem steht, es gebe kein Tamil Eelam und die Liberation Tigers of Tamil Eelam seien Terroristen.

Die Spieler scheinen das nicht in den Vordergrund stellen zu wollen. Auch wenn es schön sei, für die eigenen Leute zu spielen, sagt Kabilan Sithamparasakthi nach dem Spiel, das Tamil Eelam gleich mit 0:6 verliert. Er sagt es auf Schweizerdeutsch, denn Sithamparasakthi spielt nächste Saison beim FC Aegeri in der 2. Liga interregional. Dass er im Team von Tamil Eelam steht, verdankt er seiner Leistung bei einem Sichtungstraining in Luzern, wo er sich gegen rund 40 andere Fussballer durchgesetzt hat.

Den politischen Diskussionen können aber weder Spieler noch Verantwortliche ganz ausweichen. Schon am Eröffnungstag hätten einige Georgier die Teilnahme von Abchasien angeprangert, weil sie es als abtrünnige Region ansehen. Die zypriotische Regierung beschwerte sich, dass die türkischen Nachbarn von Nordzypern mittun dürfen. Deutlicher werden die politischen Interventionen aber, wenn es um Tibet geht. Gleich mehrere potenzielle Sponsoren hätten ihre Unterstützung daran geknüpft, Tibet auszuschliessen, sagt Paul Watson. Darauf sei man aber natürlich nicht eingegangen.

«Good spraying, ref!»

Politische Diskussionen finden auch unter den Zuschauern immer wieder statt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Was, wenn Westarmenien – von der Türkei nicht anerkannt – auf Nordzypern – nur von der Türkei anerkannt – treffen sollte? Alles in allem beherrscht aber eine gelöste, gute Stimmung an den Spielen. So zum Beispiel am erwähnten Sonntagnachmittag im St Paul’s Sports Ground, wo normalerweise der Fisher FC und die Frauenmannschaft von Millwall spielen, direkt in der Anflugschneise des London City Airports. Hinter dem Tor versammelt sich eine bunt gemischte Gruppe, die schlicht und einfach Spass am Fussball zu haben scheint. Je länger das Spiel dauert – und wohl auch je mehr Bier getrunken wird –, desto kreativer werden die Zwischenrufe. Da wird schon einmal der Linienrichter als Reptiloid bezeichnet oder der Einsatz des Freistoss-Sprays des Schiedsrichters frenetisch bejubelt: «Good spraying, ref!»

Vielleicht war es auch etwas Wetterglück, aber das Fazit der Organisatoren nach der Gruppenphase fällt fast schon euphorisch aus. Alle Erwartungen seien übertroffen worden, sagt Paul Watson. Es seien viel mehr Zuschauer gekommen und die sportliche Qualität sei sehr gut gewesen. In den Viertelfinals, die heute stattfinden, trifft Barawa auf Nordzypern, Padania auf Punjab, die Karpatenukraine auf Cascadia und Westarmenien auf Szeklerland. Die Halbfinals sind auf Donnerstag angesetzt, das Spiel um Platz 3 und der Final auf Samstag, wo SENF wieder vor Ort sein wird. Und unter anderem dem ehemaligen Profi-Schiedsrichter Mark Clattenburg zusehen wird, der den Final pfeift.


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Der Winter ist in der Regel fussballfreie Zeit. Der Ball ruht nicht zuletzt aufgrund der widrigen klimatischen Bedingungen in der Schweiz. Während der Meisterschaftspause reisen deshalb viele Clubs in den Süden um sich auf die Rückrunde vorzubereiten. Ein Teil des SENF-Kollektivs ist dem FCSG in die wärmeren Breitengrade gefolgt.

Mit Malta hat der FC St.Gallen ein eher ungewöhnliches Ziel für sein Trainingslager ausgesucht. Alle anderen Teams – abgesehen vom konkursbedrohten FC Thun – haben Südspanien bereist. Und sind dort wohl glücklicher geworden als unser FCSG auf der kleinen Mittelmeerinsel. Zumindest was die geplanten Testspiele angeht: Uni Craiova, ein Traditionsverein aus Rumänien, sagte kurzfristig eines der beiden angesetzten Testspiele ab. Terek Grozny gleich sein ganzes Trainingslager auf Malta. Und das Spiel gegen die lokalen Hibernians Paola fand wegen des ungastlichen Wetters nicht in ihrem schmucken Heimstadion, sondern wie die andere Partie auch im grossen, leeren Nationalstadion statt. Beim 6:2-Sieg der Grün-Weissen war der Gegner aber kein wirklicher Gradmesser, das Ganze glich eher einer besseren Bewegungstherapie. Immerhin hat’s nun aber doch noch geklappt, der FCSG hat den Inselaufenthalt kurzfristig um einen Tag verlängert, um sich am Samstag  mit dem Karlsruher SC messen zu können. Jenem Verein, der in der Winterpause Joe Zinnbauer leicht umgarnt hatte – wenn man den Gerüchten glauben schenkt…

Der guten Laune der Mannschaft und den mitgereisten Fans tat dies keinen Abbruch. Mit dem Hotel scheinen die Tschutter zufrieden zu sein und auch der Ausgang im Malta-Mallorca «Paceville» hat ihnen sichtlich gefallen. Auch wenn sie sich bei den Fans, die teils in den gleichen Lokalen verkehrten, kaum blicken liessen. Ebenso unterliessen sie es, die 13 reisefreudigen Fans beim Spiel gegen Hibernians eines Blickes zu würdigen. Klar, ein Trainingslager ist, wie der Verein diese Woche selbst schrieb, kein Ponyhof. Aber es hätte nur wenig gebraucht, um den mitgereisten Fans eine kleine Freude zu machen.

Ein Trainingslager in Malta ist auch aussergewöhnlich, weil man als Verein dort fast alleine ist. Die Suche nach Testspielgegnern erschwert sich dadurch, die Trainingsbedingungen sind hingegen ideal. Der FCSG konnte auf dem Trainingsplatz tun und lassen was und wie er wollte, er stand ihnen wie zuhause rund um die Uhr zur Verfügung. Das sei sehr positiv, sagte Mediensprecher Daniel Last, und in Spanien beinahe unbezahlbar. Nur der FC Basel leiste sich diesen Luxus. Ein Luxus, der es erlaubte, auch mal eine Trainingseinheit nur für die Jungen zu machen oder einfach sonst spontan zu sein. Wie sehr davon Gebrauch gemacht wurde, ist indes nicht bekannt. Es sei denn, Joe hat die Mannschaft mal wieder zu einem nächtlichen Straftraining verdonnert.

Dazu gab es zumindest nach dem zweiten Testspiel keinen Grund. Das Spiel wurde mit 6:2 diskussionslos gewonnen, dies obwohl die St.Galler Abwehr vor der Pause zweimal schlief und dem harmlosen Gegner so zwei Tore ermöglichte. Es schien aber weder die Fans noch Dölf Früh zu stören, denn der Präsident zeigte sich spendabel und quittierte die «Dä Präsi zahlt e Rundi»-Sprechhöre mit einer 200-Euro-Note. Das verdutzte Stadionpersonal, das nur wegen der mitgereisten FCSG-Fans überhaupt die Bar geöffnet hatte, staunte Bauklötze. Bei schön herausgespielten Toren und Freibier liess es sich definitiv aushalten, auch wenn ein eisiger Wind pfiff und die Spieler auf dem Rasen kurzzeitig regelrecht abgeduscht wurden.

Das Trainingslager in Malta wird, vermutlich, nicht als das Beste in die Vereinschronik eingehen. Aber sehen wir’s mal so: In den letzten Jahren hatte kaum einer etwas zu meckern nach der Trainingslager. Es folgten desaströse Rückrunden. Vielleicht ist’s diesmal ja andersrum.


Anmerkung (20.01., 18.54 Uhr): Ein ebenfalls mitgereister Fan hat uns geschrieben, die Mannschaft habe den Fans gegenüber mehrfach ihre Wertschätzung gezeigt. So seien die Fans mit Shirts beschenkt und nach dem ersten Spiel zum Fototermin in die Kabine gebeten worden. Auch sei im Ausgang durchaus miteinander angestossen worden. Zu diesem (späten) Zeitpunkt waren wir nicht mehr vor Ort. Wir haben uns im Text explizit auf den Dienstagabend bezogen. Dass wir dies nicht deutlicher kenntlich gemacht haben, ist unser Versäumnis.


Ein grün-weisser Klub zieht von einem altehrwürdigen Quartierstadion in eine moderne Arena – was wie die Geschichte des FC St.Gallen klingt, ist auch jene von Hammarby IF. Wir wollten uns das genauer anschauen und sind nach Schweden gereist.

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Der Hammarby IF aus Stockholm musste vor rund drei Jahren aus dem angestammten Zuhause im Stadtteil Södermalm ausziehen. An den diesjährigen Fussballlichtspielen St.Gallen wurde unter anderem der Film «Vi är bäst ändå – This is Söderstadion» gezeigt, der den Ablöseprozess der Fans dokumentiert. In der neuen Arena ging die letzte Saison nicht allzu gut zu Ende. Hammarby belegte in der abgelaufenen Saison – in Schweden wird von Frühling bis Herbst durchgespielt – Rang 11 von 16. Im letzten Heimspiel der Saison gegen Norrköping ging es um nichts mehr. Auch deshalb, weil sich Norrköping einen Spieltag zuvor aus dem Meisterrennen verabschiedet hatte. Der Match ähnelte den Spielen in St.Gallen stark. Eine Mannschaft in grün-weiss, die zwar bemüht, aber doch nicht erfolgreich agiert und sich am Ende mit einem mageren 1:1 begnügen muss.

Auch sonst ähnelt Hammarby irgendwie ein bisschen dem FC St.Gallen. Die Zuschauer sind trotz fehlendem Erfolg unglaublich treu, erscheinen zahlreich – gegen Norrköping waren es rund 20‘000 – und unterstützen ihr Team auch in schlechteren Zeiten. Wir treffen uns in Stockholm mit Magnus, einem der Protagonisten des Films «Vi är bäst ändå». Er warnt uns schon vor dem Spiel, dass wir heute nicht zu viel erwarten dürften, da die Saison nicht so erfolgreich verlaufen sei.

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Uns interessiert aber vor allem, wie es den Fans von Hammarby nach dem Umzug vor rund drei Jahren geht. Schliesslich kennen wir die Situation: In Stockholm zügelten sie vom Söderstadion in die Tele 2 Arena, in St.Gallen zügelten wir vom Espenmoos in die AFG Arena. Auch die Fans von Hammarby vermissen ihr altes Stadion. Neu ist eben nicht immer besser, hat aber durchaus auch Vorteile. Da wäre zum Beispiel die Grösse. Ins alte Söderstadion passten gerade mal 10’000 Zuschauer. In die neue Arena dreimal so viel. Zudem muss wohl auch der Romantiker akzeptieren, dass viele Fans den Komfort eines neuen Stadions dem einer – wenn auch charmanten – Bruchbude vorziehen. Gerade für Familien sei der Matchbesuch angenehmer geworden, sagt Magnus. Und schliesslich sei es auch einfacher an Tickets zu kommen. Das ermögliche mehr Zuschauern ins Stadion zu kommen. Das bedeute auch: mehr Fans. Einige davon wüssten jedoch (noch) nicht, dass auch sie für die Atmosphäre im Stadion zuständig seien: «Sie gehen ans Spiel um die Stimmung zu konsumieren und nicht um sie zu erzeugen.»

Trotzdem findet Magnus das neue Stadion besser, als er es erwartet hätte. Dass das neue Stadion ganz nah am alten gebaut wurde, habe zusätzlich geholfen. Dass es viel schlimmer hätte kommen können, zeige sich aktuell beim Rivalen AIK. Deren neues Stadion sei zu gross, die Zuschauer zu weit weg vom Feld. Und dann stünde das Stadion noch in einer ganz anderen Gegend, ohne Restaurants und Bars. Noch so eine Parallele zum FC St.Gallen und seinem neuen Stadion: Irgendwie wird man nicht so richtig warm mit der neuen Heimat, aber besser als andere Stadionneubauten ist es halt doch noch. Ein Schicksal Hammarbys teilt St.Gallen jedoch nicht – wir müssen unser Stadion mit niemandem teilen. Hammarby hingegen schon – ihr Stadtrivale Djugården spielt in derselben Arena.


Public Viewing direkt am See, mit Freibier und miesem Catering. Fast wie in den All-inclusive Ferien, nur näher. Der sechste und letzte Teil unseres Public Viewing-Tests.

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Sommerabend in Arbon. Velofahrende Kinder mit neongrünen Sonnenbrillen, Nike Airs und Barcelona-Shirts. Frau Latscha zückt den Schlüssel und schliesst die Pedalo-Vermietung. Ein parfümierter Herr erzählt seiner Freundin von den bevorstehenden Ferien im fernen Las Vegas. Eine beinah perfekte Idylle, nur die Aufbauarbeiten für das bevorstehende Seenachtsfest verhindern Ferienstimmung am nahen Bodensee.

«Zu dä EM chasch mi aso alles froge!»

«Wer spielt hüt?», fragen wir am Wurststand. «Portugal-Wales, morn Dütschland-Frankrich und am Sunntig denn dä Final», erklärt die Bratwurst-Verkäuferin. «Spielplan auswendig gelernt?» – «Nei, zu dä EM chasch mi aso alles froge!»

Alles klar. Wir bestellen Znacht für knappe 20 Franken, überwinden unsere Festbank-Abneigung und nehmen an einem freien Tisch Platz. Als Arboner kennt man hier schnell Leute. Sehen und gesehen werden: Nette Menschen aus der Schulzeit und solche, die man lieber nie kennengelernt hätte. («Hesch no Kontakt mit em Dani?» – «Nai, und du?» – «I au nöd.»)

Es wäre ein guter Tag, um sich von Egger’s Catering für einmal positiv überraschen zu lassen. Aber trocken bleibt trotz frischer Seeluft trocken und auch das harte Bürli schmeckt am See nicht besser. Dabei sah die in doppelter Ausführung installierte Beschriftung «Holzkohlengrill» so vielversprechend aus. Jänu. Während das SRF schöne Aufnahmen des Austragungsortes Lyon zeigt, liebäuglen wir mit der Eistheke auf der anderen Seite. Vielleicht später.

«I bin so nervös», sagt eine junge Dame mit dunkelroten Lippen. «Chunsch mit, wenn er do isch?» Fussball scheint eine halbe Stunde vor Spielbeginn Nebensache zu sein. Dabei geht es um viel: Der Sieger qualifiziert sich immerhin für den Final.

Vom Pinkeln direkt auf die Ersatzbank

Kurz vor Matchbeginn füllt sich die Arena allmählich. Das Public Viewing in Arbon ist vieles: Jugendtreff, Stammbeiz, Jassturnier, Familienausflugsziel. Viele Portugal-Shirts sind zu sehen, und keine Wales-Trikots. Bevor es losgeht: Pinkelpause – bei der Rückkehr dann die böse Erkenntnis: Eine Gruppe hat unsere Plätze eingenommen und scheint sich da pudelwohl zu fühlen. Wir nehmen auf der Schlosswiese Platz.

«Gwlad, gwlad, pleidiol wyf i’m gwlad», legt Wales gesanglich vor, und Portugal kontert: «Às armas, às armas!», zu den Waffen, zu den Waffen. Nationalhymnen – da geht die Post ab. Auf dem Feld dann in der Folge weniger: 19 Minuten dauert es, bis der Ball das erste Mal in Richtung Tor rollt. Die walisische Fussballinnovationsabteilung hat eine neue Eckballvariante entwickelt. Schöne Variante, dennoch kein Tor.

Die Portugiesen nebenan atmen auf und starten den Versuch, sich das Spiel schönzutrinken. «Wer wött ä Bier?» In kürzester Zeit kommen zehn Bestellungen zusammen. Das Beste daran? Der bequeme Service: Das Bier kann direkt auf der Wiese bestellt werden – sehr günstig sogar, wie sich für die Portugal-Fans später herausstellen wird.

«Fantisch – mehr vom Leben»

Auf dem 21 Quadratmeter grossen Full-HD-Screen läuft inzwischen die 40. Spielminute. Statisches hin- und her, Ronaldo versauert im walisischen Strafraum, es fehlt an Ideen. Und uns an einer Wolldecke. In Arbon ist es kalt geworden.

21.46 Uhr: Halbzeit. Zeit für einen kleinen Rundgang durch die Arena, in der jeder freie Zentimeter für inspirierende Werbebotschaften genutzt wird: «Schnider…die Abfalllöser» und «Thurgauer Kantonalbank – Mehr vom Leben» können mit «Soll ihr Fest gelingen – müssen Sie zu Egger springen!» nur knapp mithalten.

Positiv: der freie Eintritt. Wer dennoch zahlen will, kann für 31 Franken und 40 Rappen einen Platz am «Fantisch» mieten. Im Preis inbegriffen sind ein halbes Poulet und ein Getränk nach Wahl.

Wer eine abgetrennte Zone mit Polo-Shirt-tragenden Networkern bevorzugt, dem sei obige Lounge empfohlen. Hier wird Rotwein getrunken und an Zigarren genuckelt. Auch Bill Mistura, der ehemalige CEO der Betriebs AG, scheint sich da pudelwohl zu fühlen – das Hündli in der Runde sowieso.

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Finaleinzug und Freibier

Das Spiel geht weiter. «Simmer do eigentlich di ainzige Fans?», fragen sich die Portugiesen neben uns. Von den Fantischen scheint man hier auf der Wiese nichts zu wissen. Item. Viel Stimmung kommt auch in der zweiten Halbzeit nicht auf.

Dann, plötzlich, in der 50. Minute: «Goooooooal!» CR7, ein zu null. «Goooooooal!» 53. Minute, Nani, zwei zu null. Jetzt ist die Hölle los am Bodensee. Glückliche Portugiesen in Arbon jubeln, enttäuschte walisische Fans skandieren in Lyon «Just don´t wanna go to work».

40 Minuten bleiben ihnen, um sich noch ein wenig vor der Arbeit zu drücken, doch Portugal lässt nichts mehr anbrennen. Doch kurz vor Schluss folgt doch noch eine Schrecksekunde für die Portugal-Fans nebenan. Die Servierdame taucht noch einmal auf: «Wäg dä 10 Bier…» – «Ah…, jo genau…» – «Isch imfall scho guet.»

Die Portugal-Fans können ihr Glück kaum fassen: Finaleinzug und Freibier. Ungläubiges Nachfragen, aber tatsächlich: «Isch würkli guet so. I weiss nödmol, wo dä Chef isch.» Besser als Ferien in Las Vegas.

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Kurzbewertung:

Lage: 5 von 5 Croissants – Nah am Wasser gebaut, kombiniert mit feinster Tribünen-Architektur. Sehr schön.

Stimmung: 4 von 5 Croissants – Durchmischtes Publikum, eine ansehnliche Anzahl Fans und ordentliche Stimmung. Das alles trotz lahmem Spiel.

Verpflegung: 2 von 5 Croissants – Egger’s Catering erinnert an die kulinarischen Tiefflüge der FCSG-Partien, aber sorgt so immerhin für gewohntes Fussball-Ambiente. Insider-Tipp: Nefis Kebap Hüsli in der nahen Arboner Altstadt.

Kosten: 3 von 5 Croissants – Freier Eintritt. Fantisch für die sogenannten Fans und eine Loge für die vermeintlich Mehrbesseren. Die EM-Arena wird ihrem Namen gerecht.

#Platzverweis:

Seit kurzem können Schiedsrichter schon vor Anpfiff der Partie rote Karten verteilen. Wir haben schon vor Turnierbeginn zehn Herren eruiert, bei denen wir von dieser Möglichkeit Gebrauch machen würden.

Im ersten Test kam Roman Neustädter hinzu, im zweiten Stephan Lichtsteiner und im dritten der Schiri. Im vierten Test wurde das WLAN der Militärkantine vor Anpfiff vom Platz gestellt, um danach im fünften Test von Petrus Gesellschaft zu bekommen. Dieses Mal muss das Catering dran glauben. Verkohlte Bratwürste und harte Bürli dürfen wir während der Fussball-Saison noch zur Genüge Essen. Deshalb: #Platzverweis!


Dieser Beitrag erschien am 8. Juli 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz. Während der EM testen wir verschiedene Public Viewings der Region.