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Kurz scheint sie gewesen zu sein, die Sommerpause dieses Jahr – EM sei Dank. Und so scheint es, als ob die letzte Saison erst vor gefühlten zwei Wochen zu Ende gegangen wäre, mit bitteren Folgen für das psychische Wohl der FCSG-Fans.

Es vermag kaum zu erstaunen, dass jene Saison – vor allem die grottenschlechte Rückrunde des FC St.Gallen – die Fans noch immer nicht losgelassen hat. Während man beim ersten Heimspiel gegen die Young Boys noch mit einer gewissen Hoffnung ins Stadion gegangen ist, hat spätestens das Spiel in Sion diesen kleinen Funken Optimismus so sicher gelöscht, wie St.Gallen auswärts im Stade de Suisse nie gewinnt.

Bereits nach zwei Spielen haben wir St.Galler wieder das Gefühl, ein «broken record» zu sein, eine kaputte Schallplatte: Ein Sprung in der Platte verhindert, dass der Song weitergeht und stattdessen hängen wir an der immer gleichen Stelle fest. Bereits nach zwei Spielen scheint die gewohnte Leier des sportlichen Misserfolgs fortgesetzt zu werden. Wir hören schon jetzt die zynischen Kommentare zu einer weiteren Übergangssaison und sind versucht, in diesen Kanon einzustimmen.

25. Minute: «Hey, 25 Minute gspielt und no kei Goal kassiert!»

30. Minute, die ersten SMS kommen rein: «Erschreckend schwach!!!»

38. Minute: «Da isch dä erscht Schuss ufs Goal, womer die Saison gsehnd! Mindestens eine hemmer etz fürd Statistik.»

45. Minute: «Bi SG stimmt gar nünt, nöd emol s’Matchblatt.»

70. Minute: «Minimalziel Liga-Erhalt?! I würd sägä Maximalziel!»

Dann kommt in der 76. Minute Aleksics Traumtor: «Wenigstens dur Standard-Situatione gits ä Goal. Wa meinsch, wie lang hebäds?»

90. Minute, die letzten SMS kommen rein: «:( !!!»

Obwohl uns die Situation jetzt so vertraut erscheint: Eigentlich ist sie das gar nicht. Die Hinrunde war in den letzten Jahren jeweils ganz passabel. Eigentlich sollte es doch noch bis zur Rückrunde dauern, bis wir wieder an diesem Punkt angelangt sind? So früh das Gefühl zu haben, in einem endlosen Déja-Vu zu sitzen, ist selbst für uns erstaunlich.

Sowieso scheint Zynismus einmal mehr die einzige Möglichkeit zu sein, mit der Situation irgendwie umzugehen. Oder in der vielleicht etwas hoffnungsvolleren Version: Ironie. Schliesslich hat ein französischer Lyriker vor rund 100 Jahren mal gesagt: «Ironie ist die letzte Phase der Enttäuschung.»

Da hilft nur eins: sich auf die bewährten Rituale, die wir im SENF #06 thematisieren, besinnen. Sich auf ebendiese Ironie und den gewohnten Schalk verlassen. Und mit Freunden die kassierte Niederlage bei einem Bier verarbeiten. Gewinnen kann jeder. Verlieren kaum einer so gut wie wir.


Dieser Beitrag erschien am 1. August 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.


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Irgendwie fühlte es sich doch komisch an, Saibene auf der anderen Seite zu sehen. Wie ein Wiedersehen nach einer in die Brüche gegangenen Beziehung.

Jeff Saibene

Auch wenn es in der Beziehung schon länger gekriselt hat, so ist das Schlussmachen nie einfach. Vor allem dann, wenn der ehemalige Gefährte schon nach gut einem Monat einen Neuen an seiner Seite hat. Und obwohl der FC St.Gallen am Wochenende auf diesen Neuen, den FC Thun, getroffen ist, kramen wir nicht das Wort «ausgerechnet» hervor. Dafür begegnet man sich in der kleinen Super League einfach zu oft.

Wer kennt es nicht? Man lernt sich kennen (Saibene löst Forte ab), ist sich sympathisch (Wiederaufstieg), verknallt sich (dritter Platz 2013), liebt sich heftig (Europa League), bekommt Beziehungsprobleme (Rückrunde 2015) und trennt sich (nach Vaduz-Niederlage).

Und sieht sich wieder.

Man würde ja tuscheln, verstohlen hinüberblicken und versuchen, sich ein Urteil zu bilden. Aber am Sonntag verhinderten unzählige Kameras und gut 6’000 Schaulustige eine unangenehme Intimität der ehemaligen Weggefährten.

Der fussballerische One Night Stand

Wie geht es dieser einst so wichtigen Person in meinem Leben ohne mich? «Es gibt genug andere», bemerkt der Freundeskreis in einer solchen Situation. Es gibt genug Trainer, dürfte der Funktionärskreis sagen. Und weil die Ligen einen solchen vorschreiben, ist die Durststrecke ohne echten Trainer meist überschaubar. Das Anhängsel «ad interim» – das fussballerische Gegenstück zum One Night Stand – hält selten lange, sieht man von der heftigen Romanze an der deutsch-holländischen Grenze zwischen Raute und Glatze ab.

Aber sowieso: Ein Wiedersehen Ehemaliger in der Super League hat nicht viel Brisanz.

Wegen des aktuellen Ligasystems – man duelliert sich mindestens viermal pro Jahr – wird das Treffen mit dem Ex-Verein zur Alltäglichkeit. Das gilt für Trainer wie für Spieler. Vor allem für letztere ist die Ausbildungsliga Super League eh oft nur Durchgangsstation. Wer viele Tore erzielt, ist beim Publikum beliebt. Wer viele Tore erzielt, ist aber auch sehr schnell weg. Das Ausland lockt, das Geld, volle Stadien, Ruhm. Es sind dann diese aussergewöhnlich talentierten Spieler, die man zwar kurz, aber umso heftiger liebt. Wie ein Ferienflirt. Man geht dann auch im Frieden auseinander, bleibt weiterhin in Kontakt. Stets mit der leisen Hoffnung, dass sie eines Tages zurückkehren. Im vergangenen Juli haben auch wir gehofft, aber es gab (noch) kein Liebescomeback.

Die Romanze mit Zinnbauer

Die Trainer wiederum sind in jüngerer Vergangenheit grundsätzlich im Frieden gegangen (worden). Koller verdankte man den wohl grössten Erfolg der Vereinsgeschichte, Forte den Wiederaufstieg und Saibene unverhofft magische Europapokalstunden. Die Balakovs, Looses und Castellas scheiterten, was ein weiteres Engagement in der höchsten Schweizer Spielklasse scheinbar verunmöglichte. Sowieso gilt, dass ein Trainer meist schon weg ist, bevor er grossen Schaden anrichten kann. Und bisweilen ist er schon weg, bevor er überhaupt richtig wirken kann. Wir kennen dieses Phänomen aus der Westschweiz, wo der Trainer nicht das schwächste, sondern das allerschwächste Glied ist.

Und so wird ein Rencontre mit Saibene bald nur noch ein vom Boulevard künstlich aufgebauschtes Thema sein, für das man Brisanz künstlich züchten muss. Und doch hat das Thuner Logo auf Saibenes Brust so real wie die Spielunterlage im Berner Oberland gewirkt. Dass Grün-Weiss in Thun drei Punkte entführte, grätscht eigentlich sowieso jeglichen Ansatz von Liebeskummer ab. Schliesslich haben die Espen auch einen Neuen, Joe. Nach zwei Siegen in Serie geht man so langsam vom Kennenlernen zum Sich-sympathisch-Sein über. Vielleicht wird daraus bis zum Winter eine Romanze?


 

Dieser Beitrag erschien am 10. November 2015 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.

Bild: Saiten (upz)


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Anlässlich des Auswärtsspiels vom vergangenen Sonntag in Lugano wagt das Senf-Kollektiv einen Blick zurück – in die Jahre 2008 und 2009, in denen eine der eindrücklichsten Abfolgen von Gastspielen im Tessin stattfand.

Ob strahlender Sonnenschein oder strömender Regen: Das Wetter nach der Fahrt durch den Gotthard ist immer eine Überraschung. Die Vergangenheit zeigt: Ziemlich ähnlich verhält es sich, wenn St.Gallen auswärts im Tessin spielt. Auch hier wissen wir nie, was am Ende des Tages herausspringt.

Barrage in Bellinzona – das Wetter sagt alles

Wir schreiben das Jahr 2008. St.Gallen tritt in Bellinzona zum Hinspiel der Barrage an. Eine der prägendsten Erinnerungen: Es regnet in Strömen und ohne Unterbruch. In Bellinzona, wo doch sonst immer die Sonne scheint. Dieses Mal nicht. Vielleicht weil wir gegen den Abstieg spielen? Das Wetter als Sinnbild für die Lage des Clubs: Land unter!

Damals haben wir – nass bis auf die Knochen – noch nicht gewusst, dass der eigentliche Tiefpunkt im Rückspiel im Espenmoos folgen würde: der Abstieg und gleichzeitige Abschied vom Espenmoos, mit unschönen Nebengeräuschen.

Seit diesem Spiel kontrollieren wir immer doppelt, ob wir wasserfest angezogen sind, wenn wir ins Tessin reisen.

Locarno – hat das Tessin etwas zu kompensieren?

Es kommt, wie es kommen musste, der FCSG steigt ab – und wir reisen 2008/2009 darum mehr als je zuvor in den Süden, weil sich in der zweiten Liga zu diesem Zeitpunkt doch einige Tessiner Vereine finden. Einer davon, Locarno, und das Auswärtsspiel im Lido haben es uns besonders angetan.

Als ob das Tessin sich mit uns versöhnen wollte, herrscht bei unserer Ankunft im friedlichen Locarno strahlender Sonnenschein. Ausflugstimmung kommt auf, wir essen Gelati am See, erkunden ein zu diesem Zeitpunkt doch etwas verschlafenes Städtchen, marschieren ins Stadion und erleben einen ungefährdeten Sieg unseres FCSG, während die Sonne unermüdlich scheint.

Seit diesem Spiel kontrollieren wir immer doppelt, ob wir die Sonnencrème mit Schutzfaktor 50 eingeschmiert haben, wenn wir ins Tessin reisen.

Lugano zum Ersten – «mer gönd no lang nöd ha ha hai»

Und am Ende dieser erweiterten Saison (wenn man das Barrage-Spiel noch dazuzählt), die uns zwei Spiele mit zwei Extremen beschert hat, fahren wir noch einmal durch den Gotthard, dieses Mal jedoch vor einem völlig anderen Hintergrund: Nach dem gewonnenen Spiel gegen Concordia Basel, was den Aufstieg für den FCSG bedeutet, führt uns das letzte Spiel in der unteren Liga nach Lugano. Die Gefühlslage könnte nicht unterschiedlicher sein, wenn man das Bellinzona-Spiel damit vergleicht.

Wieder hat ein ordentlicher Haufen St.Galler den Weg ins Tessin gefunden, aber dieses Mal singen wir, feiern den Aufstieg. Im Cornaredo erleben wir einen der unvergesslichen Momente: ein Auswärtsspiel, das uns 90 Minuten voller Freude beschert.

Seit diesem Spiel kontrollieren wir immer doppelt, ob wir die Siegeszigarren eingepackt haben, wenn wir ins Tessin reisen.

Jedes Auswärtsspiel im Tessin – vom Barrage-Spiel bis zum Wiederaufstieg – war eine Wundertüte. Unterschiedlicher hätten sie kaum sein können. Deswegen erinnern wir uns wohl so gut an sie. Und deswegen kontrollieren wir seither immer doppelt, ob wir genügend Sonnencrème unter der wasserdichten Kleidung aufgetragen haben und ob wir genügend Zigarren und Champagner für Siegesfeiern im Gepäck haben. Denn, wie gesagt; im Tessin kann man alles erleben – vom einen Extrem ins andere.


Dieser Beitrag erschien am 20. Oktober 2015 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.


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Es gibt gewisse Situationen, die jedem FCSG-Fan bekannt sind. SENF hat zehn solcher Begebenheiten zusammengestellt – Viel Spass!

1. Wenn jemand aus unerklärlichen Gründen Senf zu seiner Bratwurst bestellt:

1365[1]

2. Wenn ein besonders witziger Zeitgenosse den unsäglichen Spruch «Hopp Sangallä, inä mit äm Ballä» zum Besten gibt:

1362[1]

3. Wenn der FC Basel mal wieder Schweizermeister wird:

1296[2]

4. Wenn das Bier wider Erwarten alkoholfrei ist:

1043[2]

5. Wenn der FCSG im Cup (schon wieder) gegen einen unterklassigen Gegner verliert:

1370[1]

6. Wenn dich deine Mitarbeiter nach einer Niederlage am Montag nach dem Resultat fragen:

828[1]

7. Wenn die Hobby-Zürcher mal wieder mit ihren 27 Meistertiteln angeben:

1095[1]

8. Wenn du dir die Wiederholung vom «Wunder von Moskau» ansiehst:

kbstng[1]

9. Wenn der Schiedsrichter mal wieder einen völligen Schwachsinn pfeift:

1065[1]

10. Wenn das Spiel in fünf Minuten beginnt und du noch immer auf dein Bier wartest:

1511[1]


Dieser Beitrag erschien am 15. September 2015 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.


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Das Bundesamt für Landestopographie (swisstopo) hat unter http://map.lubis.admin.ch rund 320‘000 Luftbilder der Schweiz aus dem vergangen Jahrhundert öffentlich zugänglich gemacht. SENF hat die Luftbilder, welche das Espenmoos zeigen, herausgesucht und ermöglicht so eine visuelle Zeitreise. Mit einem Klick auf das Bild gelangt man dabei jeweils direkt zum jeweiligen Kartenausschnitt auf welchem das Espenmoos zu sehen ist.

Espenmoos 1935
Die erste Aufnahme datiert vom 21. August 1935 und zeigt das Espenmoos rund 25 Jahre nach der Eröffnung des Stadions im Jahre 1910.


Espenmoos 1945
Nicht nur die Schweiz hatte anfangs Juni 1945 die Kriegswirren mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Auch das Espenmoos präsentierte sich in einem beinahe unveränderten Zustand im Vergleich zur ersten Luftbildaufnahme aus dem Jahr 1935.


Espenmoos 1957 Drei Jahre nach der Installation der ersten Totomat-Tafel im Espenmoos lässt sich 1957 eine erste optische Veränderung im Vergleich mit den anderen Aufnahmen feststellen: Die Haupttribüne wurde um einige Plätze aufgestockt und vergrössert.


Espenmoos 1966Rund 55 Jahre nach der Eröffnung des Stadions im Jahr 1910 präsentiert sich das Espenmoos im Mai 1966 das letzte Mal als eigentlicher Sportplatz.


Espenmoos 1972 Nach dem Bau der charakteristischen Haupttribüne im Jahr 1969 kann im Zusammengang mit dem Espenmoos getrost von einem Fussballstadion gesprochen werden. Dank des Schattenwurfs sind die Flutlichtmasten in diesem Bild von 1972 gut zu erkennen, mit Hilfe derer erstmals Abendspiele möglich waren.


Espenmoos 1984 Ein gutes Jahr vor dem ewigen Stadionrekord von 16’200 Zuschauern während des Spiels gegen Inter Mailand im Jahr 1985 präsentiert sich das Espenmoos schon beinahe in seiner finalen Form.


Espenmoos 1990 Anfangs der 1990-Jahre lassen sich im Vergleich zu der Aufnahme aus dem Jahr 1984 keine grossen Veränderungen mehr feststellen.


Espenmoos 1996 61 Jahre nach der ersten Luftbildaufnahme präsentiert sich das Espenmoos im Jahr 1996 so, wie es wohl die meisten FCSG-Fans noch in Erinnerung haben: Als schmuckes Kleinstadion inmitten des Heiligkreuz-Quartieres.

(Bildquellen: Bundesamt für Landestopografie / geodata © swisstopo)