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Den schlechten Start in die Saison 2004/05 schien der FCSG mit dem überraschenden Auswärtssieg bei den Berner Young Boys abgehakt zu haben. Doch schon im darauffolgenden Heimspiel gegen den FC Zürich folgte die nächste Schlappe. Nach elf Spieltagen fand sich der FCSG auf dem zweitletzten Platz wieder, punktgleich mit dem Letzt-platzierten Servette. Hutter & Mock waren vor dem OLMA-Heimspiel gegen den FC Schaffhausen entsprechend angespannt. Die Schweizer Fussballlandkarte sah zu jener Zeit noch etwas anders aus. Die Diskussionen der beiden sollten die FCSG-Fangemeinde Jahre später aber einholen.

Bahnfahrt

Hutter verteidigte den Stehplatz vor seiner Haustür erfolgreich gegen alle Familien und Rentner der Stadt. Auch ein Platzregen konnte ihn nicht vertreiben. Es war kalt und neblig. Es war Olma-Zeit. Und St.Gallen stand auf einem Abstiegsplatz. Vor Hutter zog der strahlende Kanton Tessin vorbei: schwarze Ziegen aus dem Verzascatal, glänzende Traktoren aus Mendrisio und ein stolzer Fasnachtskönig aus Arbedo. Interessant, bisher hatte «Ticino» für Hutter nur stundenlange Autofahrten an langweilige Auswärtsspiele bedeutet, von denen man immer mit leeren Händen zurückkehrte. Eine Frau mit Zoccoli offerierte ihm ein Glas Merlot. «Hutter, was wäre die Schweiz ohne ihre Sonnenstube? Nächste Saison reisen wir zusammen nach Lugano oder Chiasso oder noch lieber nach Bellinzona, wo wir endlich wieder auf die grosszügigen Gegner in weinroten Trikots treffen, die uns 1969 im Cupfinal unseren einzigen Cup-Pokal geschenkt haben.» Mock winkte fröhlich einer Tessinerin zu, die ihm prompt eine Brissago zuwarf. Hutter stutzte. «Lugano, Chiasso, Bellinzona? Mock, seit wann sprichst du davon, dass wir ins B absteigen? Alex ist doch wieder fit, Merenda kommt bald zurück, und an Obradovic‘ Seite blüht auch der verkannte Pavlovic auf. Wir kämpfen uns zurück ins Mittelfeld, glaub mir!» Mock blies Hutter den Rauch ins Gesicht und lachte: «Aber doch kein St.Galler Abstieg! Nein, ein Tessiner Klub wird am Ende der Saison garantiert aufsteigen. Noch nie etwas von der neuen Landkarte des Schweizer Fussballs gehört?»

Hutter dachte nach: Sion mit seinen Fans gehörte ins A, auch der Traditionsklub Luzern, was wiederbelebte Lugano und vielleicht das erstaunliche Yverdon. Aber wer sollte runter ins B? Xamax und Servette dürfen nicht wegen dem Gleichgewicht zwischen Deutsch und Welsch. Blieben also nur Schaffhausen und Aarau. Die musste man einfach schlagen – St.Gallen hatte gegen beide verloren.

Eine Tessiner Guggenmusik in giftgrünen Kostümen heizte dem unterkühlten St.Galler Publikum mit einem «Pogues»-Stück ein. Hutter spürte in sich eine ungemütliche Kälte, dagegen konnten selbst die Gäste aus der Südschweiz nichts ausrichten. «Aber warum sollen wir denn ausgerechnet gegen Schaffhausen gewinnen?» Mock antwortete langsam und betonte jede Silbe ganz deutlich: «Olma-Match. Alle Jahre wieder, immer gleich gut.»

Hutter sah vor sich das trostlose Stadion in Chiasso, den Quartierfussballplatz in Meyrin und eine grüne Wiese in Bulle. «Und wenn wir doch absteigen, was dann, Mock?» – «Dann werden wir wieder aufstehen wie alle anderen, die es vor uns erwischt hat. Früher oder später. Ausserdem kann ich dir endlich ein paar schöne Orte in der Schweiz zeigen: Zum Beispiel die Libero-Bar auf der Winterthurer Schützenwiese mit all den Wahnsinnigen, die seit bald dreissig Jahren darauf warten, dass sie wieder ins A zurückkehren.» Mock ging zum nächsten Tessiner Beizli und kehrte mit zwei Kaffee Grappa zurück. Er lief zu Höchstform auf, begann den Umzug anzufeuern und sang mit den Ambri-Fans die Hymne «La Montanara». Hutter tippte auf Mocks Schulter. «Schaffhausen war 1961-62 letztmals in der Nati A und spielte zwischendurch sogar in der Ersten Liga. Unglaublich, was Fussballklubs alles überleben.»

Die Geschichten von Hutter & Mock waren über Jahre fixer Bestandteil der St.Galler Matchvorbereitung. Die ersten 37 Folgen bis zum Abschluss der Rückrunde der Saison 2003/04 sind in einem Sammelband im Saiten-Verlag erschienen. Der Autor Daniel Kehl hat uns freundlicherweise die nachfolgenden, bisher nicht in Buchform erschienenen Episoden überlassen. Wir veröffentlichen in jeder Ausgabe des SENF eine Hutter & Mock-Episode, die erste im SENF #02. Zusätzlich erscheint jeden zweiten Monat eine Episode hier auf diesem Blog.

Bisher erschienen:
– «Kurort St.Gallen» im SENF #02
– «Müll in der Marktgasse»
– «Stöckl oder Zamorano»
– «Rock im Stadion»
– «Heiliger Ivan» im SENF #03

Die aktuelle Episode «Was dann?» erschien anlässlich des Heimspiels am 12. Spieltag gegen Schaffhausen.

Hutter & Mock


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Am 8. Spieltag der Saison 2004/2005 verlor der FCSG auswärts in Aarau gleich mit 4:1 und rutschte auf den zweitletzten Platz ab. Hutter & Mock stellten sich schon damals die Frage, wieso ehemalige St.Galler Spieler immer dann aufdrehten, wenn sie gegen ihren ehemaligen Club anzutreten hatten? Eine Antwort fanden sie nicht, trotzdem fand der Ausflug einen versöhnlichen Abschluss.

Brügglifeld

Hutter zog Schuhe und Socken aus und streckte die Füsse ins Wasser. Er starrte in die graue Brühe und zählte die schwimmenden Bierbüchsen, die andere Fans weiter oben im Bach entsorgt hatten. Mock hatte Hutter eine Weile von der Strasse aus beobachtet. «Kühle Füsse und ein kühler Kopf – wirklich professionell, deine Vorbereitung vor dem schweren Gang aufs Brügglifeld. – Hutter, wo hast du das bloss gelernt?» Mock streckte Hutter eine Hand entgegen und zog ihn das Wiesenbord hinauf. Dann schlenderten sie dem Bach entlang zum Restaurant Sportplatz bei der kleinen Brücke vor dem Stadion. Das Brügglifeld erinnerte Mock an das Stadion seiner Jugend: Überdachte Haupttribüne und rund um das Spielfeld Stehrampen, auf denen die Fans schutzlos Wind und Wetter ausgesetzt waren. Wenn es regnete, hielten sich Mocks Freunde ihre Leintuch-Fahne über den Kopf, die sie zu Hause in der Badewanne grün gefärbt hatten.

Die Aarauer Haupttribüne war bis auf den letzten Platz gefüllt. Mit Andi Egli war das Publikum und die Zuversicht zurückgekehrt auf das Brügglifeld. Ausserdem sorgten die ‚Renegades‘ mit Country und Rock live von der Gegengerade für aufgeräumte Stimmung unter den Fans. Alles war bereit für einen unterhaltsamen Fussballabend.

Andi Egli hatte seine Equipe – hoffnungsvolle junge und andernorts ausgemusterte Spieler – gut auf die Partie eingestellt: Den Gegner schwindlig spielen, zu Fehlern zwingen und einfach darauf warten, bis auch Goalie Razzetti geschlagen ist. In der 21. Minute war es so weit, und der junge Bühler schob einen bereits abgewehrten Ball ins St.Galler Tor. In den Köpfen der Fans im Gästesektor lief der Auswärtsfilm 04-05 ab. Einmal Rückstand – immer Rückstand. Doch Akwuegbu versenkte den Penalty zum 1:1. In der Pause spielten die ‚Renegades‘ knocking on heavens door und vielleicht würde St.Gallen an diesem traumhaften Abend ja doch noch irgendwie den Lucky Punch landen. Die St.Galler Fans zündeten ein Pyro-Feuerwerk als Startsignal für die zweite Halbzeit. Jetzt gehts los! Kurz später zirkelte der beim FCZ unerwünschte Simo einen Freistoss für Aarau in die hohe Ecke des St.Galler Tors. Mock und Hutter sackten synchron auf die Steinstufe nieder.

Es gibt Fussballspieler, die verlieren wegen bösartiger Schmährufe ihr ganzes Selbstvertrauen. Rainer Bieli gehört garantiert nicht dazu. Je zorniger er von FCSG-Fans beschimpft wurde, desto genialer wurde sein Spiel. Ein präziser und überraschender Schuss in die tiefe, nähere Ecke – 3:1. Kurz darauf eine Flanke von Varela (Ex-FCB) und eine traumhafte Direktabnahme von – Rainer Bieli! Der Torschützte drehte sich vor dem Gästesektor um und zeigte auf seine Rückennummer. Hutter seufzte: «Mock, was machen wir falsch? Warum trifft der gleiche Bieli bei uns keinen Ball und sprüht hier nur so vor Spielfreude? Warum verlieren bei uns alle Spieler so schnell den Mut?» Mock sagte kein Wort, stieg die Stufen hinab zum Zaun und trat mit aller Wucht gegen eine Reklametafel. Hutter hörte, wie Fans neben ihm in breitem Oberländer Dialekt über die schlimmsten St.Galler Auswärtsniederlagen zu diskutieren begannen: «Waaisch nu sSächszwaai zDelsberg.»

Nach dem Schlusspfiff ging auch Hutter hinab an den Zaun beim Spielfeld. Plötzlich stand auf der anderen Seite der junge Marazzi und entschuldigte sich persönlich bei ihnen für die dürftige Leistung. Mock sah Hutter gerührt an und sagte: «Der da hat das Herz auf dem rechten Fleck.»

Die Geschichten von Hutter & Mock waren über Jahre fixer Bestandteil der St.Galler Matchvorbereitung. Die ersten 37 Folgen bis zum Abschluss der Rückrunde der Saison 2003/04 sind in einem Sammelband im Saiten-Verlag erschienen. Der Autor Daniel Kehl hat uns freundlicherweise die nachfolgenden, bisher nicht in Buchform erschienenen Episoden überlassen. Wir veröffentlichen in jeder Ausgabe des SENF eine Hutter & Mock-Episode, die erste – «Kurort St.Gallen» ­– im SENF #02. Zusätzlich erscheint jeden zweiten Monat eine Episode hier auf diesem Blog, bisher «Müll in der Marktgasse» sowie «Stöckl oder Zamorano». Die aktuelle Episode «Rock im Stadion» erschien anlässlich des Heimspiels am 9. Spieltag gegen Servette Genf.Hutter & Mock


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Die Geschichten von Hutter & Mock waren über Jahre fixer Bestandteil der St.Galler Matchvorbereitung. Die ersten 37 Folgen bis zum Abschluss der Rückrunde der Saison 2003/04 sind in einem Sammelband im Saiten-Verlag erschienen. Der Autor Daniel Kehl hat uns freundlicherweise die nachfolgenden, bisher nicht in Buchform erschienenen Episoden überlassen. Bereits erschienen sind «Kurort St.Gallen» im SENF #02 und «Müll in der Marktgasse» auf diesem Blog. Die nun folgende Episode ist zum Heimspiel gegen den FC Basel am siebten Spieltag der Saison 2004/05 erschienen. Der FCSG war mehr schlecht als recht in die Saison gestartet, was Hutter & Mock nicht von einem Besuch beim Auswärtsspiel in Thun abgehalten hatte, wo sie Zeuge eines wunderbaren Freistosstors beim Unentschieden gegen den damaligen Leader wurden.

Thun

Mock schob den leeren Teller auf die Seite. Er zeichnete ein Rechteck auf das Papiertischtuch und begann Namen aufzuschreiben. «Im Tor Pédat und Stiel, klar. Innenverteidigung: Rietmann und Zwyssig – sicher, das sind zwei verdiente Natispieler. Aber wo bleibt Herbert Stöckl, unser Mister Cupfinal aus dem Jahr 1977? Wenn Urs Fischer mitspielen darf, dann muss aus Deutschland auch Stöckl her! Der kämpfte und schrie auf dem Espenmoos herum wie ein Verrückter, dabei hiess der Gegner nicht Borussia Dortmund, sondern bloss Etoile Carouge. Ohne Stöckl gibt es kein St.Galler Allstar Team!» Hutter nahm ein Stück Brot und warf es aus der Gartenbeiz in hohem Bogen in Richtung Aare. Sofort stürzten sich Enten darauf. «Alle Plätze der ehemaligen Stars sind schon besetzt, Mock. – Zamorano und Rubio sind ja da, was willst du mehr?» Mock leerte sein Bierglas in einem Zug und stand auf. «Hör auf! Verteidiger Stöckl war für den FC St.Gallen viel wichtiger als Stürmerstar Zamorano. Hätten die zwei in der gleichen Mannschaft gespielt, dann wären wir schon 1990 Meister geworden und nicht erst zehn Jahre später!» Hutter und Mock schlenderten stumm über die Holzbrücken und Schleusen Richtung Bahnhof. Fussball in der Provinz! Hutter genoss die Ruhe vor dem Match. Keine Knallpetarden, kein Krawall, sondern rundherum freudige Erwartung und strahlende Gesichter. Hutter hatte Respekt vor den Thuner Fans. Im Bus lauschte er dem weichen Singsang: «Gäge Sangaue chöi si nid gwinne, aber mir blibe glich Ärscht ir Tabäuä!»

Der Ordner vor dem Gästesektor durchsuchte Hutters Rucksack und hielt ihm die Zeitung entgegen. «Zletscht Mau heisi drmit äs Füür gmacht. Tüäat das hüt bitte underlaa. » Mock goss etwas Bier über den «Sonntagsblick» und gab in breitem Thurgauer Dialekt zurück: «Wössedsi, mer sind nöd äso, aso mit üs hends si kei Omständ.»

Weit weg spielten elf St.Galler gegen den Absturz auf den zweitletzten Tabellenplatz – durch eine Leichtathletik-Laufbahn und eine Rabatte aus geköpften Tännchen von den eigenen Fans getrennt. Razzetti schrieb ein weiteres Kapitel für das Buch: «Grandiose Goalies in Grünweiss». Doch allein gegen den flinken Renggli hatte auch Razzetti keine Abwehrchance. 1:0 für Thun. Mock starrte in den Boden. Hutter suchte verzweifelt nach einer frohen Botschaft, um Mock aufzuheitern. «Denk an den Cupmatch, als wir hier auch 2:0 hinten lagen und am Schluss alles gut herauskam. Denk ganz fest daran, das nützt!» Mock verschwand irgendwo hinter dem Erdwall des Gästesektors. Dann bekam St.Gallen einen Freistoss, 25 Meter vor dem Tor. Jairo oder Sutter? Hutter schloss die Augen, es war ganz still um ihn herum. Er hörte, wie der Thun-Goalie seine Leute in der Abwehrmauer dirigierte. Dann kam der Pfiff, und eine Sekunde später lag sich der Gästesektor in den Armen. Mock schüttelte ihn: «Weltklasse! Sutter ist ein Freistossgott!» Hutter wünschte sich ganz fest, dass nichts mehr passiert oder dass der Schiedsrichter das Spiel sofort abpfeifen würde. Mock dagegen begann die St.Galler Spieler anzufeuern, als wollte er sie ganz allein zu diesem Auswärtspunkt beim Tabellenführer schreien. Irgendwann tippte ihm Hutter auf die Schulter: «Mock, ich bin dabei, wir holen diesen Stöckl in Bayern ab und bringen ihn ans St.Galler Jubiläumsspiel.»

Wir veröffentlichen in jeder Ausgabe des SENF eine Hutter & Mock-Episode, die erste im SENF #02. Zusätzlich erscheint jeden zweiten Monat eine Episode hier auf diesem Blog.

Hutter & Mock


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Die Geschichten von Hutter & Mock  waren zwei Jahre lang fixer Bestandteil der St. Galler Matchvorbereitung. Der Autor Daniel Kehl hat uns die damals im Matchprogramm Inside erschienenen Texte  freundlicherweise überlassen. In diesem Post: Die zweite Episode aus der Saison 2004/05.

Marktgasse

Hutter schreckte auf. Unten in der Gasse knallte und zischte es. Nationalfeiertag! In der Wohnung roch es nach frischem Kaffee. Tanja summte in der Küche. Hutter stand auf, schloss das Fenster, zog die Vorhänge und legte sich wieder ins Bett. Er tauchte ab, raste auf der Autobahn quer durch Deutschland, nahm in Hannover die Ausfahrt zum Stadion, stellte das Auto direkt vor dem Eingang ab, wedelte mit dem St.Galler Saisonabo und spurtete an den Ordnern vorbei in die Kabine. Es war still. Barnetta sass allein auf der Bank, blickte Hutter freundlich an und nickte ihm zu. Hutter wollte sprechen – «Tranquillo, komm sofort zurück! Bitte, hilf uns doch!» – aber er brachte kein einziges Wort heraus. Barnetta stand auf, umarmte ihn, führte ihn ohne Worte zurück zum Auto, drückte ihm fest die Hand und zeigte ihm den Weg Richtung Süden. Hutter fuhr auf der Autobahn direkt zum Flughafen. Er zückte seinen grünweissen Passepartout, lächelte den Sicherheitsleuten zu und stürmte in die nächste Maschine nach Rio de Janeiro. Er suchte den Strand an der Copacabana ab, bis er Jairo gefunden hatte. Hutter wählte die Worte ganz vorsichtig – «Lieber Luiz Filho Jairo, wir haben in St.Gallen einen kleinen Notfall, bitte hilf uns!» – Aber Hutters Stimme versagte erneut. Jairo zuckte bloss mit den Schultern und zeigte auf sein Herz.

Tanja stellte das Tablett mit drei Sonntagszeitungen, Kaffee und Buttergipfeln direkt neben Hutters Kopfkissen. Sie massierte solange seine Stirn und Schläfen bis Hutter langsam die Augen öffnete. Tanja strahlte. «Ein wunderbarer Tag – Weisswein, See und dein Freund Mock warten auf uns, komm!» Hutter blätterte in den Zeitungen: Calo, Todisco und Senn strahlten ihm in gelben Schaffhauser Trikots entgegen. «Einst Nieten in St.Gallen, jetzt Matchwinner!» Kater Amoah sprang mit einem weiten Satz direkt in den «Sonntagsblick» und zerriss die Seite über das Schaffhausen-Spiel. Hutter bastelte einen Papierball daraus und warf ihn Rubio zu, der ihn noch in der Luft erwischte. Tanja zerknüllte den Bericht in der «Sonntagszeitung» – «So werden wir nie drei Punkte holen!» – und platzierte einen Treffer auf Hutters Nase. Hutter schnappte die «NZZ» – «Fussball über der Schmerzgrenze» – riss das Fenster auf und knallte den ganzen Papiermüll hinaus in die Marktgasse. Amoah und Rubio blickten Hutter mit grossen Augen an.

Tanja schob eine CD der Aeronauten in die Musikanlage. «Schaffhausen ist eine Illusion, wenn ich mich umdreh, ist es weg, Schaffhausen ist eine Illusion, wenn ich nicht hinseh, ist es weg.» Hutter schüttelte den Kopf. «Tanja, weisst du, was mich an dieser Niederlage am meisten ärgert? – Dass wir sie völlig verdient haben. Auch Schaffhausen wurde vor einer Woche durchgeschüttelt und vorgeführt beim 1:6 gegen YB. Und was war die Reaktion des Schaffhauser Trainers? Er stellte gegen St.Gallen die elf genau gleichen Versager auf, die sich für das grosse Vertrauen prompt mit einem Sieg bei ihm bedankten. Wirklich intelligent und sympathisch, dieses Schaffhausen.»

Wir veröffentliche in jeder Ausgabe des SENF eine Hutter & Mock-Episode, die erste im SENF #02. Zusätzlich erscheint jeden zweiten Monat eine Episode hier auf diesem Blog.

Hutter & Mock