Für unsere zweite Ausgabe sind wir im Frühling 2014 nach Sheffield gereist um den ältesten Fussballclub der Welt zu besuchen und den Weg zu ebnen, dass der FC St.Gallen dem Club of Pioneers beitritt. Schon damals berichtete Richard Tims, der Präsident des Sheffield FC, dass der Club irgendwann an seinen ursprünglichen Spielort zurückkehren möchte. Nun wird das Anliegen konkreter.

Sheffield FC Logo

Nach der Gründung im Jahr 1857 spielte der Sheffield FC auf einem Feld in Olive Grove, mitten in Sheffield. Am eigentlichen Geburtsort des Fussballs besteht zwar auch heute noch eine Rasenfläche, zum Fussballspielen genügt diese aber längst nicht mehr. Der Sheffield FC trägt seine Heimspiele derzeit etwas ausserhalb der Stadt aus. Das soll sich ändern. Die Stadt hat bereits eingewilligt, dass der Club an seine Geburtsstätte zurückkehren kann. Doch damit fängt das Projekt erst richtig an. Als Amateurverein verfügt der Verein nicht über die Ressourcen, alle nötigen Arbeiten auszuführen. Und hier kommen Fussballfans aus aller Welt ins Spiel: Mit einer Crowdfunding-Kampagne sollen die nötigen Mittel beschafft werden. Bereits mit einem Pfund kann man einsteigen, wer tiefer in die Tasche greifen möchte, kann sich sogar einen Einsatz für den Sheffield FC sichern.

Wir finden, der Fussball hat diese Heimat verdient! Und um dir einen Einblick zu gewähren, was den Sheffield FC ausmacht, veröffentlichen wir nachfolgend den Text aus dem SENF #02 mit dem Titel «Fussballpioniere» in voller Länge.


Vor 135 Jahren wurde im Restaurant Hörnli der FC St. Gallen 1879 gegründet. Auch wenn sich die Fans in einem Lied auf den ironischen Standpunkt stellen, damit der älteste Verein der Welt zu sein, gibt es einige wenige Vereine, die noch älteren Datums sind. SENF hat sich beim tatsächlich ältesten Fussballverein der Welt, dem Sheffield FC, umgesehen.

Der Ort Sheffield hat für den englischen Fussball tragische Berühmtheit erlangt. Vor 25 Jahren ereignete sich im Hillsborough-Stadion eine der grössten Katastrophen der Fussballgeschichte. Im traditionell auf neutralem Terrain stattfindenden Halbfinale des FA-Cups trafen Nottingham Forest und Liverpool aufeinander. Das Spiel zog die Massen an, vor dem Sektor des Liverpool-Anhangs stauten sich die Menschen, sodass die überforderte Polizei ein Eingangstor öffnete. Die Fans strömten dadurch in bereits überfüllte Stadionbereiche, wodurch es zur Tragödie kam. Im Gedränge der Menschenmenge verloren 96 Fans ihr Leben, viele weitere wurden verletzt. Die Ereignisse dieses Tages hatten weitreichende Konsequenzen. Während die Verfehlungen der Polizei erst vor kurzem richterlich festgehalten wurden – unter anderem dank dem grossen Einsatz der Kampagne «Justice for the 96», die jahrelang die Fehler der Polizei aufzudecken versuchte – wurden die Fans bereits kurz nach der Tragödie bestraft. Durch verschiedene Massnahmen, wie zum Beispiel die Abschaffung der Stehplätze, verschwand die bis anhin so berüchtigte englische Stimmung.

Trotz dieser Historie ist Sheffield nach wie vor eine fussballbegeisterte Stadt. Während die besser bekannten Vereine Sheffield Wednesday und Sheffield United in der zweit- beziehungsweise dritthöchsten Liga regelmässig um die 20‘000 Zuschauer zu ihren Spielen begrüssen dürfen, spielt der Sheffield FC vor rund 200 Zuschauern in der Northern Premier League Division One South, der achthöchsten Liga. Eine Zahl, die darüber hinwegtäuscht, dass der Sheffield FC mit Gründungsjahr 1857 der älteste Fussballverein der Welt ist und somit das Spiel, das heute Millionen in seinen Bann zieht, zu grossen Teilen mitgeformt hat. Dass man dieses Erbe pflegen will, daran lässt der Präsident Richard Tims beim Besuch von SENF keinen Zweifel. Auch wenn der Verein zurzeit in einem kleinen, rund 2‘000 Fans fassenden Ground zu Hause ist und die Räumlichkeiten aus einigen zusammengestellten Containern – immerhin mit vereinseigenem Pub – bestehen: Man sieht sich als der «great-great-grandfather» aller Fussballvereine dieser Welt. Nicht zu Unrecht, wie sogar die FA, der englische Fussballverband, bestätigt. Auch wenn es, so Tims Eindruck, «denen in London lieber wäre, dass es den Sheffield FC nicht gäbe». So könnte man einem grösseren, bekannteren Verein den Stempel des ältesten Vereins aufdrücken. Sie bekämen auch immer wieder den Vorwurf zu hören, dass damals höchstens eine sehr primitive Form von Fussball gespielt wurde, sogenannter «mob football», bei dem sich zwei Teams – nicht selten ganze Stadtviertel – eher um den Ball prügelten, als darum zu spielen. Dies entbehre aber jeglicher Grundlage, meint Tims. Er belegt das unter anderem mit einem Regelbuch. Die Gründer Nathaniel Creswick und William Prest gaben so nicht nur ihrem Verein eine formelle Grundlage, sondern mangels bestehender Regeln gleich auch dem Spiel an sich. Die Ähnlichkeiten zum heutigen Spiel sind frappant. Um endgültig alle Zweifel aus dem Weg zu räumen, will Tims demnächst ein Dokument veröffentlichen, das – noch bevor die FA überhaupt gegründet wurde – festhielt, dass eine Mannschaft aus elf Spielern zu bestehen habe. Wenn es noch weiterer Argumente bedarf, um Skeptische zu überzeugen, so erzählt Richard Tims gerne vom ältesten Derby der Welt, das auch heute noch jährlich zwischen dem Sheffield FC und dem nur drei Jahre jüngeren Hallam FC stattfindet. Wenn man Tims zuhört, stellt man sich aber sowieso kaum die Frage, ob das alles stimmt. Viel eher fragt man sich, wieso dieser Verein nicht die Aufmerksamkeit geniesst, die er verdient hat. Auch beim Sheffield FC hat man sich diese Frage gestellt. Anstatt sich darüber zu beklagen, nahm man in Sheffield die Dinge aber selber in die Hand und hob den Club of Pioneers aus der Taufe. In diesem sollen in nicht allzu ferner Zukunft die jeweils ältesten Fussballvereine aller Länder vertreten sein. Die Mitgliedschaft soll jedoch nicht nur ein Lippenbekenntnis sein, vielmehr soll sie ausdrücken, dass man als Mitglied die Ursprünge dieses Sports bewahren will. Um dem auch sportlich Ausdruck zu verleihen, findet regelmässig ein Pioneers Cup statt, bei dem Teams aller Pioniere mitmachen, bestehend aus Fans, ehemaligen Spielern und weiteren Persönlichkeiten. Auf Initiative und Vermittlung von SENF, mit Unterstützung des Dachverbands 1879, hat sich auch der FC St.Gallen mit dem Sheffield FC in Verbindung gesetzt und wird schon kurz nach Veröffentlichung dieser Ausgabe – am 24. September 2014 anlässlich des Heimspiels gegen den Grasshopper-Club Zürich – Vertreter des ältesten Vereins in St.Gallen begrüssen, um in den ehrwürdigen Kreis der Pioniere aufgenommen zu werden. Der FC St.Gallen wird an der Austragung des Pioneer Cups im nächsten Jahr voraussichtlich ebenfalls ein Team stellen, und SENF wird berichten.


Die ersten Fussballlichtspiele St.Gallen wurden begleitet von einer Ausstellung, die der SENF als offizieller Medienpartner des Fussball Film Festivals organisiert hat. In die Ausstellung eingeführt hat ein adaptierter Text aus dem SENF #02, den wir nachfolgend veröffentlichen. Die Ausstellung selbst bestand aus Trikots des FCSG aus vielen verschiedenen Epochen.

Ausstellung Fussballlichtspiele

Am 19. April 1879 sorgte die kleine Ankündigung im St. Galler Tagblatt, dass am selben Abend ein «Foot-bal Club» gegründet werden soll, wohl noch für wenig Aufsehen. Fussball hatte zu dieser Zeit bei weitem noch nicht den Stellenwert, den er einige Jahre später haben sollte. Im Gegenteil, 1919 äusserte sich der damalige Präsident Emil Gretler folgendermassen zu den Anfängen: «Das war damals richtige Pionier-Arbeit, als es noch hiess, etwas zu betreiben, für das niemand Verständnis aufbrachte, sondern nur Spott und Gelächter übrig hatte … Ohne irgendwelche behördliche Subventionierung, ja an vielen Orten gegen die grössten Schwierigkeiten seitens der Obrigkeit, musste der Platz erobert werden.»

Seit diesen Anfängen sind die grün-weissen Clubfarben eine Selbstverständlichkeit für jeden, der sich mit dem FC St. Gallen verbunden fühlt. Doch dass der FCSG während seiner 135-jährigen Geschichte für einige Jahre andere Clubfarben trug und auch zu hause nicht immer in grün-weiss auflief, ist vielen nicht bekannt. Diese Ausstellung ermöglicht es, in die Geschichte des Vereins und damit in die Geschichte der Trikots des FC St.Gallen einzutauchen. Seit 1879.

Zur Gründung wählten die Verantwortlichen des FCSG die Clubfarben grün-weiss, jedoch wechselte der FC St. Gallen die Clubfarben mehrmals. Nach dem Zusammenschluss mit dem FC Celeriana 1889 änderten die St. Galler die Clubfarben von grün-weiss zu blau-weiss. Nach knapp zehn Jahren in blau-weiss spielte der FCSG nach einer weiteren Fusion mit dem FC Phoenix von 1898 bis 1900 in gelb-schwarz, bevor man zurück zu den bis heute bestehenden grün-weissen Vereinsfarben fand.

Die verschiedenen Trikots zeigen nicht nur die Entwicklung aktueller Trends auf, sie machen implizit auch Aussagen über den Fussballsport. Von schlichten, ohne Werbung versehenen Trikots ging der Weg über zaghafte erste Sponsoren auf der Brust bis zu den heutigen, doch etwas mehr bedruckten Shirts, die neben Marken auch offizielle Embleme der Liga aufweisen. Nur eines ist über die Jahre – mit wenigen Ausnahmen – konstant geblieben: «Der FCSG ist grün-weiss!»

Ausstellung Fussballlichtspiele Ausstellung Fussballlichtspiele Ausstellung Fussballlichtspiele Ausstellung Fussballlichtspiele Ausstellung Fussballlichtspiele Ausstellung Fussballlichtspiele Ausstellung Fussballlichtspiele

Wer mehr über die Geschichte des FC St.Gallen erfahren möchte, kann dies mit dem SENF #02 machen. Unter dem Titelthema «135 Jahre FCSG» haben wir verschiedene Episoden näher beleuchtet und in einem Zeitstrahl die ganze Geschichte inklusive der damaligen Trikots nachgestellt.


Das Bundesamt für Landestopographie (swisstopo) hat unter http://map.lubis.admin.ch rund 320‘000 Luftbilder der Schweiz aus dem vergangen Jahrhundert öffentlich zugänglich gemacht. SENF hat die Luftbilder, welche das Espenmoos zeigen, herausgesucht und ermöglicht so eine visuelle Zeitreise. Mit einem Klick auf das Bild gelangt man dabei jeweils direkt zum jeweiligen Kartenausschnitt auf welchem das Espenmoos zu sehen ist.

Espenmoos 1935
Die erste Aufnahme datiert vom 21. August 1935 und zeigt das Espenmoos rund 25 Jahre nach der Eröffnung des Stadions im Jahre 1910.


Espenmoos 1945
Nicht nur die Schweiz hatte anfangs Juni 1945 die Kriegswirren mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Auch das Espenmoos präsentierte sich in einem beinahe unveränderten Zustand im Vergleich zur ersten Luftbildaufnahme aus dem Jahr 1935.


Espenmoos 1957 Drei Jahre nach der Installation der ersten Totomat-Tafel im Espenmoos lässt sich 1957 eine erste optische Veränderung im Vergleich mit den anderen Aufnahmen feststellen: Die Haupttribüne wurde um einige Plätze aufgestockt und vergrössert.


Espenmoos 1966Rund 55 Jahre nach der Eröffnung des Stadions im Jahr 1910 präsentiert sich das Espenmoos im Mai 1966 das letzte Mal als eigentlicher Sportplatz.


Espenmoos 1972 Nach dem Bau der charakteristischen Haupttribüne im Jahr 1969 kann im Zusammengang mit dem Espenmoos getrost von einem Fussballstadion gesprochen werden. Dank des Schattenwurfs sind die Flutlichtmasten in diesem Bild von 1972 gut zu erkennen, mit Hilfe derer erstmals Abendspiele möglich waren.


Espenmoos 1984 Ein gutes Jahr vor dem ewigen Stadionrekord von 16’200 Zuschauern während des Spiels gegen Inter Mailand im Jahr 1985 präsentiert sich das Espenmoos schon beinahe in seiner finalen Form.


Espenmoos 1990 Anfangs der 1990-Jahre lassen sich im Vergleich zu der Aufnahme aus dem Jahr 1984 keine grossen Veränderungen mehr feststellen.


Espenmoos 1996 61 Jahre nach der ersten Luftbildaufnahme präsentiert sich das Espenmoos im Jahr 1996 so, wie es wohl die meisten FCSG-Fans noch in Erinnerung haben: Als schmuckes Kleinstadion inmitten des Heiligkreuz-Quartieres.

(Bildquellen: Bundesamt für Landestopografie / geodata © swisstopo)


Als ältester Verein Kontinentaleuropas könnte der FC St. Gallen eigentlich auf eine lange Geschichte zurückblicken. Abgesehen vom ersten Logo, das in den jüngsten Jahren ein Revival erlebte, und dem Meistertitel 1904 ist jedoch weder bei den Fans noch beim Verein häufig von den Ursprüngen des FCSG die Rede. SENF hat sich deshalb in den Archiven umgesehen und insbesondere die ersten 40 Jahre unseres Fussballclubs untersucht. Eine Leseprobe aus dem aktuellen SENF #02.

40 Jahre FCSG
Am 19. April 1879 sorgte die kleine Ankündigung im St. Galler Tagblatt, dass am selben Abend ein «Foot-bal Club» gegründet werden soll, wohl noch für wenig Aufsehen. Fussball hatte zu dieser Zeit bei weitem noch nicht den Stellenwert, den er einige Jahre später haben sollte. Im Gegenteil, 1919 äusserte sich der damalige Präsident Emil Gretler folgendermassen zu den Anfängen: «Das war damals richtige Pionier-Arbeit, als es noch hiess, etwas zu betreiben, für das niemand Verständnis aufbrachte, sondern nur Spott und Gelächter übrig hatte … Ohne irgendwelche behördliche Subventionierung, ja an vielen Orten gegen die grössten Schwierigkeiten seitens der Obrigkeit, musste der Platz erobert werden.»

Wechselhafter Start
Die ersten Jahre des noch jungen Vereins waren äusserst wechselhaft. Nach dem ersten Enthusiasmus der Gründungszeit folgten bald Rückschläge. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kämpften sämtliche Fussballvereine in St. Gallen – und derer gab es nun einige – um ihr Überleben. Während viele andere Vereine diese Zeit nicht überlebten, überstand der FCSG dank geschickten Schachzügen diese schwierige Zeit. Dazu gehörten Fusionen, die indes auch immer wieder zur Änderung des Vereinsnamens und der Clubfarben führten. Aus dem in grün-weiss antretenden Foot-bal Club wurde ein in blau-weiss antretender Foot-ball Club St. Gallen. Dieser wiederum änderte nach der Fusion mit dem FC Phoenix im Jahr 1898 seinen Namen auf Vereinigter Foot-Ball Club St. Gallen und spielte neu in gelb-schwarz. Der Wechsel zurück auf die ursprünglichen und auch heute immer noch aktuellen Farben grün und weiss erfolgte bereits wieder 1900, die Namensänderung in FC St. Gallen drei Jahre später.

Erster Meistertitel
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging es mit dem FC St. Gallen aufwärts. Es folgte der erste Meistertitel 1904. Zu verdanken hatte der FCSG diesen einer ersten Mannschaft, die auch noch im Jahr 1917 an einer Monatsversammlung offenbar für regelrechte Gefühlsausbrüche gesorgt haben muss: «Noch heute sehe ich jene Wackern von 1904 vor mir, von denen man wirklich sagen konnte: Sie liebten sich wie Brüder.» Ein gewisser Lehrer, Wilhelm Inhelder, dem diese Aussage im Protokoll zugeordnet wurde, konnte sich noch detailliert an die Spielweise der damaligen Akteure erinnern. Am amüsantesten ist mit Sicherheit die Beschreibung des linken Verteidigers, Felix Thöny: «Seine besondere Spezialität war, jeden anstürmenden Gegner, ob gross oder klein, stark oder schwach, ein oder zwei Mann, unbarmherzig auf den «Sack» zu legen, alles mit vigilanter Schnelligkeit und eleganter Grazie. Als die reinste Unschuld betrachtete dann unser Thöny das angerichtete Unheil, und jedermann hatte die Überzeugung: Die sind von selbst gefallen, es ist ihre eigene Schuld.»

Gesellschaftliche Bedeutung
Der FC St. Gallen engagierte sich nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftlich, wie sich den Archiven entnehmen lässt: «Die erste gesellschaftliche Veranstaltung von Bedeutung fand am 5. Januar 1884 im Museum statt anlässlich der Fahnenweihe. Als Gäste wurden jedoch nur solche angenommen, die im Stande waren, eine Dame mitzubringen. Letztere wurden aus der Vereinskasse bewirtet und scheinen einen recht guten Appetit mitgebracht zu haben.» Dazu finden sich in unzähligen Protokollen Beschreibungen des Clublokals und der Ortswechsel desselben. Die wohl grösste Bedeutung als Clublokal hatte das Löchlebad. Wo heute das Union-Gebäude steht, wurde früher getrunken, gejasst, Referenten gelauscht oder auf grossen Wandtafeln die Spielresultate aller Mannschaften betrachtet. Auch im Ausland schienen sich die Spieler nicht nur auf den Sport zu konzentrieren. Anlässlich einer Mailand-Reise an Ostern 1905 wird beispielsweise festgehalten: «Felix hatte sich derart angestrengt, dass der mitreisende Dr. Curti sich aus verschiedenen Gründen mitten in der Nacht in ein anderes Zimmer flüchten musste.»

Gegen Ende der ersten vierzig Jahre des FCSG brach der erste Weltkrieg aus; dieser ging auch am FC St. Gallen nicht spurlos vorüber. Das Team musste im Jahr 1918 – dem nach Aussage der Vereinschronisten wegen einer Grippewelle schwersten aller Kriegsjahre – viele sportliche Rückschläge einstecken. Doch bereits damals schien den FC St. Gallen auszuzeichnen, was auch heute noch gilt: Selbst wenn die Zeiten schlecht sind, lässt sich niemand so schnell unterkriegen. Oder wie dies der ehemalige Präsident Emil Gretler ausdrückte: «Aber dann wieder frisch aufs neue ans Werk, vielleicht geht’s das nächste Jahr besser. Dieser stete Ansporn erhält ja uns Footballer immer frisch und lässt richtige Sportleute nicht erlahmen.»

Den ganzen Artikel und noch viel mehr zur Geschichte des FC St.Gallen sowie zu vielen weiteren Themen gibts im aktuellen SENF #02. Das Heft kann hier bestellt werden. Ebenso erhältlich ist es an den Heimspielen des FCSG am DV-Stand, im Fanlokal, im Rösslitor und in der Comedia.


Am 22. August erscheint die zweite Ausgabe des SENF zum Thema «135 Jahre FCSG». Unter dem die Abkürzung bildenden Motto «Scho Ewig Numä Fuessball» haben wir uns mit verschiedenen Aspekten der Geschichte unseres Vereins befasst. Dazu gehört die Reise des FCSG nach München im Jahre 1948. Als nach dem Ende des zweiten Weltkrieges Spiele gegen deutsche Mannschaften eigentlich immer noch verboten waren, trat eine aus Spielern des FCSG und des SC Brühl bestehende Mannschaft trotzdem gegen eine Münchner Auswahl an. An dieser Stelle veröffentlichen wir einen Ausschnitt aus dem im SENF #02 erscheinenden Text.

St.Gallen und München

Das Münchner Stadion an der Grünwalderstrasse füllte sich indes bereits viele Stunden vor Anpfiff des mit grosser Spannung erwarteten Städtetreffens mit vielen Schaulustigen. Als dann die beiden Städteteams unter tosendem Jubel das Stadion betraten, offenbarte sich eine Stimmung, die an grosse Länderspiele aus der weit entfernt scheinenden Vergangenheit zu erinnern vermochte. 40’000 Zuschauer hatten das Stadion bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Münchner Mannschaft, die sich aus fünf Bayern und sechs Sechzigern zusammensetzte, stand folgender St.Galler Mannschaft gegenüber: Eugster (FCSG), Rechsteiner (FCSG), Laforce (Brühl), Bischof (Brühl) Passeri (Brühl), Luchsinger (FCSG), Weber (Brühl), Gartmann (Brühl), Magnaguagno (Brühl), Müller (FCSG) und Baumann (FCSG). Nach dem Austausch von Geschenken, den herzlichen Begrüssungsworten durch den Gouverneur der amerikanischen Militärregierung von Bayern sowie Vertretern der Landeshauptstadt, wurde das Spiel kurz nach 15 Uhr angepfiffen. Das St. Galler Tagblatt hat das Spielgeschehen in seiner Ausgabe vom 12. Oktober 1948 ganz im damaligen Stil der Sportberichterstattung dokumentiert:

«In der 36. Minute stürzt sich Eugster mutig in eine prächtige Kombination der einheimischen Stürmer. Eine Minute später aber heisst es schon 3:1, da ein rasanter Hinterhaltsschuss Thanners über Freund und Feind hinweg genau unter der Latte ins Netz flitzt. Noch verknallt Magnaguagno einmal freistehend eine gute Chance, dann ist diese temporeiche erste Halbzeit zu Ende. – Nach dem Seitenwechsel spielt St. Gallen, bei dem nun Müller und Gartmann ihre Plätze wechseln, mit dem leichten Wind im Rücken. Die Schweizer scheinen nun etwas angriffiger; doch zwei Vorstösse bringen nichts ein, und beim dritten erweist sich der herauslaufende Schmalzl schneller als der st. gallische Mittelstürmer. Die Münchner, deren Verteidigung oft etwas sorglos spielt, setzen nun aber wieder, vorab dank ihrer äusserst starken Läuferlinie, mehr Druck auf, und das in der 7. Minute [der zweiten Halbzeit] durch Bachl erzielte schönste Tor des Tages mit scharfem, tiefem Kopfstoss in die rechte Ecke, ist das Signal zu einer nahezu steten Überlegenheit der Platzherren, die den wacker sich wehrenden, aber technisch und taktisch klar unterlegenen St. Gallern eine herrliche, höchst lehrreiche Fussballlektion bester Marke vordemonstrieren.»

Trotz hoher Niederlage der St. Galler, welche einige Abwesenheiten aufgrund beruflicher Verpflichtungen in Kauf nehmen mussten, konnte sich die Mannschaft in einer fair geführten Partie grosse Sympathien des Publikums erarbeiten. In einem Spiel, in dem nicht Sieg oder Niederlage, sondern vielmehr der Schritt des deutschen Sports aus der kompletten Isolation heraus im Mittelpunkt stand, hatte sich die St. Galler Städtemannschaft tapfer geschlagen. Die Münchner verliehen ihrer Dankbarkeit nach dem Spiel mit einem grossen Bankett nochmals deutlich Ausdruck. Neben dem Versorgen mit materiellen Hilfeleistungen waren die St.Galler wie schon nach dem ersten Weltkrieg erneut die erste Mannschaft, die sich mit den Münchnern auf dem Fussballplatz mass.

Die städtischen Erzrivalen Brühl und St.Gallen hatten sich zu einer Mannschaft geformt und dadurch ein Benefizspiel ermöglicht, dessen Einnahmen den Wiederaufbau des Münchner Waisenhauses zu grossen Stücken ermöglichten. Dass dabei die internationale Sportblockade umgangen und den St.Gallern von der FIFA im Nachgang und im Wiederholungsfalle Sperren angedroht wurden, interessierte in diesem Zusammenhang nur wenig. Auf Druck der FIFA sprach der SFV schliesslich eine Busse von 500 Franken gegen den FCSG aus, welche mit solidarischen Spenden innert einer Woche aufgebracht werden konnte. Die Meinung zur Haltung der FIFA brachte man sodann auch auf einem der Einzahlungsscheine mit einem Kommentar zum Ausdruck: „Vorher Bücklinge vor Nazi-Deutschland, jetzt Eselstritte und Rückenschüsse für alle, die aus Deutschland eine Demokratie schaffen wollen“. 1950 wurde Deutschland schliesslich wieder in die FIFA und den internationalen Sportverband aufgenommen.

SENF #02 erscheint am 22. August. Wir veröffentlichen die zweite Ausgabe im Fanlokal (Türöffnung: 19.00 Uhr, Beginn 20.00 Uhr). Bereits jetzt kann das Magazin vorbestellt werden.