Share on FacebookTweet about this on Twitter

Ich hatte mir das jetzt mal angetan. Wider besseren Wissens und gesunden Menschenverstands. Tatsächlich war ich ja ein bisschen erstaunt über mich selbst, dass ich mich überhaupt daran erinnert hatte…

CL-Pokal_David Flores Flickr_adapted

… naja, hatte ich. Und darum (und wohl auch aufgrund eines kleinen Teils morbider Neugierde) schliesslich die Auslosung der UEFA Champions League-Gruppenphase im Live-Stream mitverfolgt.

Nachdem ich alle technischen Hindernisse einmal überwunden hatte (der Flash Player wollte ein Update um 17.58 Uhr, zwei Minuten vor dem eigentlichen Start der Übertragung), ertönte sie zum Einklang: die Hymne, die einem sofort in die geschichtsträchtigen Stadien dieses Kontinents transportiert und an alle grossen Clubs der europäischen Ligen denken lässt. Beim «the chaaaaampions» ertappte ich mich dabei, wie ich wünschte, dass ich das doch auch einmal bei einem Spiel des eigenen Clubs hören würde.

Item, mindestens der unmittelbare Start war also besser, als ich es erwartet hatte, nachdem ich auf der Zugangs-Webseite vorgängig lesen konnte, dass die Stars langsam im Saal einträfen. Gespannt wartete ich, wie es denn nun weitergehen würde, so als Auslosungs-Zuschauer-Neuling. Schnell stellte sich heraus: Obwohl das Ganze um 18.00 Uhr hätte beginnen sollen, begann der eigentliche Vorgang erst gefühlte 20 Jahre später. Und dauerte noch einmal gefühlt so lang. Um 18.35 Uhr war ich nur noch froh, nicht im Saal sein oder mitfiebern zu müssen.

Denn auch das Überbrückungsprogramm, sicherlich zum Spannungsaufbau gedacht, hatte mindestens bei mir nicht den geringsten Erfolg. Vielmehr wirkte es wie leere Selbst-Beweihräucherung, die inhaltslos und vor allem mit viel Geplänkel Zeit zu schinden versuchte. Die Fragen der Moderatoren waren flach, die Antworten der Spieler ebenso – alles wirkte einstudiert und brachte keinerlei neue Einsichten: sogar die vermeintlich spontanen Witze der Fussballspieler, die geladen waren, um die Ziehung zu vollziehen, fielen bei allen ausser bei den Moderatoren durch.

Einen richtig faden Beigeschmack verlieh dieser Veranstaltung aber das Wissen um anstehende Änderungen im Modus der Champions League, welche seit heute auch kommuniziert sind. Nun haben sich Befürchtungen, dass genau die bereits jetzt am meisten von der Champions League profitierenden Clubs noch mehr profitieren würden, mindestens zum Teil bewahrheitet. Weiterer Kommerzausbau, eine Steigerung der Werbe- und TV-Einnahmen und schliesslich Gewinn-Maximierung scheinen zur Stunde bei der UEFA (und der FIFA) im Vergleich zum eigentlichen Spiel soweit im Vordergrund zu stehen, dass alles (selbst eine Auslosung) zur einträglichen Show verkommen muss. Am besten mit Vermarktungspotenzial im asiatischen Markt. Der Zweite der englischen Liga zieht dort halt mehr als der dänische Meister. Dass das mit einer Champions League wenig zu tun hat, scheint bei der UEFA niemanden zu stören. Die gerade laufende Zeremonie schien so wie ein weiterer Arm dieser Auswüchse – wenigstens bis zur Hälfte.

Nach der Ziehung liess ichs dann gut sein. Ich hatte genug gesehen, stellte vor der Wahl von Europas Fussballer des Jahres ab, wollte keinen Satz der ungelenken Moderatorin und des jovialen Moderators mehr hören und dachte für mich: Ja, so eine europäische Reise wäre ja schon was. Aber dem ganzen Zirkus auch einfach mal den Rücken kehren zu können, hat auch etwas für sich.

Wer im Detail nachlesen will, was sich am Modus der UEFA Champions League genau ändert, dem empfehlen wir den Artikel der Süddeutschen Zeitung.


Foto: David Flores, CC by 2.0 (adapted)


Share on FacebookTweet about this on Twitter

Als Marketingprodukt abgetan, als Totengräber des Fussballs verschrien – Red Bull schlägt beinahe überall ein rauer Wind entgegen, wenn sich der Konzern aufmacht, einen Fussballclub gross zu machen. Insbesondere in Leipzig und Salzburg.

RB_Logo-adaptiert

Bevor Red Bull im Frühjahr 2005 beim SV Austria Salzburg die Kontrolle übernahm, war der österreichische Getränkehersteller vor allem als Sponsor von Formel 1-Teams, Extremsportlern und deren Events in Erscheinung getreten. Oder noch davor in Kombination mit Vodka – als «Gummibärli», dem Lieblingsgetränk pubertierender 
Jugendlicher, die sich in der Gruppe volllaufen lassen wollen, den Geschmack von Alkohol aber eigentlich noch gar nicht mögen. Vielleicht mit ein Grund, warum die Marke bei den meisten so positiv konnotiert ist. Die Übernahme des traditionsreichen Salzburger Fussballclubs leitete die Wende ein. Dem FC Red Bull Salzburg folgten RB Leipzig, die New York Red Bulls, Red Bull Brasil und Red Bull Ghana.

Doch was ist dran an den Kommerz-Vorwürfen? Betritt man beim Eingang zu den Red Bull Arenen eine Marketingwelt, in der Fussball nur lästige Notwendigkeit ist? Soll über den sportlichen Erfolg nur der Bezug zur Marke gestärkt werden? Oder sind Fussballspiele in den Brausestädten wie sonst überall auch? Wir wollten uns ein Bild machen und sind nach Leipzig und Salzburg gereist.

Unsere erste Station ist Leipzig. Auf dem Weg zum Stadion beschleichen uns gemischte Gefühle. Diese Vorfreude – dieser Matchday Buzz, wie sie es im Mutterland des Fussballs zu sagen pflegen – stellt sich zwar auch hier ein. Wo diese sonst vielleicht in Begleitung von Nervosität und Ungewissheit wegen der sportlichen Situation des eigenen Clubs oder wegen des Rufs der Gästefans auftaucht, mischen sich hier jedoch andere Empfindungen darunter. Erleben wir gerade den Untergang des Fussballabendlands? Der Anblick des Stadions beruhigt uns erstmal. Keine Omnipräsenz des Getränkekonzerns, kein offensichtlich anderes Klientel als sonst wo. Sowieso, die neue Arena, 
errichtet in den Überresten des alten Zentralstadions, ist alleine eine Reise wert. Über die Treppen der ehemaligen Spielstätte gehts in die neue Arena. Auf den Check-In bei Facebook verzichten wir dennoch. Wir möchten doch lieber kein «Red Bull Arena» in unserer Timeline.

Im Stadion die nächste positive Überraschung: Wo wir eine geballte Ladung gelb-blau-roter Reklamen erwarteten, sehen wir viele werbefreie Flächen. Wir verfallen in leichten Optimismus. Leider zu früh. Das Vorprogramm zum Spiel scheint hier das eigentliche Hauptprogramm zu sein. Ohrenbetäubender Lärm begleitet die Minuten vor dem Anpfiff, abgelöst von einem nervig-überdrehten Stadionspeaker, der die Aufstellung präsentiert. Ein Gregor Lucchi auf Speed und Ecstasy, quasi. Das Spiel beginnt. Die paar wenigen der rund 30‘000 Fans, die versuchen, für Stimmung zu sorgen, sind bedeutend leiser als es der Stadionspeaker war. Fans der Gäste aus Bochum sind sowieso kaum da. Wie so viele Fanszenen boykottieren die Bochumer das Auswärtsspiel in Leipzig. Die Kampagne Nein-zu-RB.de erfährt in Deutschland viel Unterstützung und auch die Leipziger Fans haben sie zur Kenntnis genommen. Im Fanblock der Ostdeutschen weht nämlich eine Fahne, die das Logo der Kampagne in «Ja zu RB» geändert hat – in Leipzig stellen sich viele auf den Standpunkt, das Engagement unterscheide sich kaum von jenem von Bayer in Leverkusen oder VW in Wolfsburg. Damit hat es sich aber auch mit Kreativität. Jedes Mal, wenn wir den Fangesängen der Leipziger lauschen, fühlen wir uns um Jahre zurückversetzt. Die Auswahl der Lieder gleicht denen, die im Espenmoos in den 90ern durch das Stadion dröhnten. Nur dass sie hier nicht dröhnen.

Wir entdecken aber auch Positives: Den Begriff Red Bull nimmt hier kaum jemand in den Mund. Es wird ausgewichen auf RB oder Rasen- Ballsport. Auch der Club selber darf sich bekanntlich nicht Red Bull nennen, die Deutsche Fussballliga hat ihr Veto eingelegt. Sponsoren im Vereinsnamen sind in Deutschland nach wie vor tabu, sofern es sich nicht um Werksmannschaften handelt – oder zumindest mal gehandelt hat. Leicht irritiert verlassen wir das Stadion. Nach dem Vorhof zur Hölle hat sich das zwar nicht angefühlt. Nach dem Entwurf des Fussballvereins 
der Zukunft aber auch nicht. Was war das denn hier? Was macht dieses Red Bull zum Hassobjekt, dem sowohl als Konzern als auch als Verein dennoch so viele Leute die Stange halten?

Wir reisen zur zweiten Station. In Salzburg hoffen wir, Antworten zu finden. Die österreichische Liga hat bekanntlich schon früh damit gebrochen, die Vereinsnamen frei von Sponsoren zu halten. Selbst die SV Austria Salzburg, der Vorgängerverein von Red Bull Salzburg, trug schon ein Casino oder ein Wüstenrot in ihrem Namen. 
Doch heute Abend darf auch der Ableger aus der Stadt des Konzern-Hauptsitzes den Zusatz Red Bull nicht im Namen tragen. Beim Europa League-Gruppenspiel gegen den rumänischen Vertreter Astra Giurgiu verbietet es die UEFA. Es spielt ganz einfach der FC Salzburg. Und er tut dies im Stadion Salzburg, weil auch im Arena-Namen keine Sponsoren erlaubt sind. Auf den Stadtplänen findet sich übrigens auch meist nur Stadion oder allenfalls EM-Stadion. Und trotzdem: Red Bull ist hier im Gegensatz zu Leipzig allgegenwärtig.

Wer den Presseeingang passiert, steht in einem Stadion, dass einem die Marke Red Bull regelrecht mit dem Vorschlaghammer ins Bewusstsein hämmern will. Die Stadionwände sind mit roten Bullen bemalt, oben an allen Treppen gibts Red Bull-Fanklatschen, über die Lautsprecher dröhnt Werbung für sämtliche Sparten des grossen Konzerns. Im Matchprogramm tragen die Rubriken so intelligente Titel wie «Bullevard», die Kinder werden vom Maskottchen «Bulli» unterhalten, der übrigens sogar einen «Bulli’s Skitag» veranstaltet, Deppen-Apostroph in
klusive. Das Spiel interessiert indes kaum jemanden. Zugegeben, Salzburg ist bereits durch, die Gäste sind ausgeschieden. Aber dennoch: Es ist ein internationales Spiel, in dem die Salzburger sogar den Rekord der in einer 
Europa League-Gruppenphase erzielten Tore brechen können, was sie dann mit einem ungefährdeten 5:1-Sieg auch vollbringen werden. Wir haben schon vor dem Spiel genug gesehen, quälen uns aber trotzdem weiter. Zur Mannschaftsaufstellung dröhnen die Glockenschläge des AC/DC-Songs Hells Bells aus den Boxen. Es ist, als ob die Salzburger uns gleich selber sagen wollten: Ihr seid nicht nur im Vorhof angekommen, ihr seid auf direktem Weg in die Hölle gereist. Die wenigen Salzburger Fans singen indes «Mia san Soizburger, koana mog uns». 
Wir stimmen zu, holen uns einen letzten Kaffee aus dem Medienraum, nur um noch einmal die unzähligen Dosen Red Bull zu verschmähen, und verschwinden.

Von Salzburg bis New York, von Leipzig bis Ghana. Die Expansion von Red Bull dürfte damit kaum vorüber sein. Unlängst machten Gerüchte die Runde, der Konzern sei auch am englischen Verein Leeds United interessiert. Auch wenn daraus (noch?) nichts geworden ist, die Fussballabteilungen von Red Bull verteilen sich über die Fussballwelt wie das klebrige Getränk über Bartheken: Einmal nicht aufgepasst und kaum mehr wegzukriegen.


Dieser Text erschien zum ersten Mal im SENF #03. Aus Anlass des Testspiels des FC St.Gallen gegen RB Leipzig möchten wir ihn hier zur Verfügung stellen. Aus den im letzten Abschnitt erwähnten Gerüchten zu einer möglichen Übernahme von Leeds United durch Red Bull wurde bisher keine Tatsache. Aufgeflackert sind die Gerüchte aber auch in der Zwischenzeit, wie wir hier beschrieben hatten.


Share on FacebookTweet about this on Twitter

Der FC St.Gallen hat mit dem Umzug vom Espenmoos in die nach einem Sponsor benannte Arena im Westen der Stadt nicht nur ein Stück Geschichte abgeschlossen, er hat damit auch ein Stück Identität verloren.

Panorama-Ansicht des StadionsErlebnisse und Erinnerungen sind unweigerlich mit dem Ort verbunden, an dem sie stattgefunden haben. Wenn Fussballfans in der Vergangenheit schwelgen, ist die Nostalgie oft mit Erinnerungen an Stadien verbunden. Vermutlich haben Stadionnamen auch deshalb eine so grosse Bedeutung für Fussballfans. Und vielleicht sträuben sich auch deshalb so viele gegen den Verkauf der Namensrechte von Stadien, weil sie Angst haben, einen Teil ihrer Geschichte, einen Teil ihrer Identität zu verlieren.

Gerade bei neuen Stadien scheint diese Angst vorzuherrschen. Verständlich: Ein Sponsor wird den Namen nie auf ewig für sich beanspruchen. Zum Glück!, werden die Fans des deutschen Vereins Greuter Fürth sagen, deren Stadion zwischenzeitlich schon mal «Playmobil-Stadion» oder «Trolli Arena» hiess. Namenwechsel sind also vorprogrammiert. Ein Fan will sich aber beim Rückblick nicht überlegen müssen, war das jetzt noch in der «AOL Arena», in der «HSH Nordbank Arena» oder in der «Imtech Arena», wie es die Fans des Hamburger SV tun müssen.

Nicht so schön: «Neues Stadion St.Gallen»

Nachdem der FC St.Gallen fast 100 Jahre im Quartierstadion im Osten, dem Espenmoos, beheimatet war, spielt er nun seit 2008 in der AFG-Arena. Damit haben sich viele Fans nie anfreunden können. Mit dem Namen schon gar nicht. Unter dem Verkauf der Namensrechte der Arena im Westen leiden die FCSG-Fans seit Beginn, seit sieben Jahren. Man versucht sich mit Kürzeln wie NSSG – für «Neues Stadion St.Gallen» – zu behelfen. So richtig schön ist das aber auch nicht.

Wenn in drei Jahren der Vertrag mit der Arbonia-Forster Gruppe ausläuft, wird wohl ein anderer Sponsor kommen, denn die AFG durchlebt turbulente Zeiten. Ein erneutes Sponsoring wird kaum zur Debatte stehen. Das ist die Chance, eine Diskussion anzustossen. Unsere Heimat hat einen Namen verdient, der nicht wie ein Spieler ausgewechselt wird. Und wenn er nur inoffiziell ist. Der Espenblock heisst schliesslich auch nicht offiziell so, trotzdem kennt kaum einer den «richtigen» Namen. Doch wie soll dieser Name lauten?

Nicht so prickelnd: «Stadion Winkeln»

Die Umgebung des Stadions gibt leider nicht viel her. «Stadion an der Zürcher Strasse» fällt aus offensichtlichen Gründen weg. «Stadion Winkeln» klingt auch nicht so prickelnd. «Gründenmoos» wäre auch wegen der sprachlichen Anlehnung an Espenmoos schön, ist aber leider vergeben. Das Breitfeld liegt um die Ecke, aber ein Open Air-Parkplatz will man ja auch nicht sein. Regionale Bezüge taugen also wenig.

Vielleicht sind daher geschichtliche Anleihen besser? «Amoah-Stadion»? «Zellweger-Arena»? Hat zwar etwas für sich, ist aber irgendwie dann doch noch zu aktuell. Blicken wir länger zurück. Vielleicht sogar ganz zu den Anfängen des FC St.Gallen? Das Stadion nach den Gründervätern zu benennen, wäre naheliegend. Zwar sind hier Namen bekannt, vom ersten Präsidium weiss man sonst aber praktisch nichts. Heikel. Wer weiss, was das für Leute waren.

Nicht so falsch: «Stadion» statt «Arena»

Aber, wenn wir nur ein paar Jahre weiterschauen, sticht ein Name heraus: Emil Gretler. Er hat – wie im SENF #02 nachzulesen ist – viel Engagement in den Club gesteckt. Und er hat schon 1919 den FC St.Gallen als Pionier bezeichnet. Der Beitritt des FCSG in den Club of Pioneers wäre eine Genugtuung für ihn gewesen, hat er doch damals gesagt: «Das war […] richtige Pionier-Arbeit, als es noch hiess, etwas zu betreiben, für das niemand Verständnis aufbrachte, sondern nur Spott und Gelächter übrig hatte […] Ohne irgendwelche behördliche Subventionierung, ja an vielen Orten gegen die grössten Schwierigkeiten seitens der Obrigkeit, musste der Platz erobert werden.»

Doch welchen Zusatz hängt man dem Namen an? Ein «Arena» verbietet sich – zu Gretlers Zeiten hiess wohl kaum ein Stadion so. Sportplatz würde da schon eher hinkommen, aber es muss ja auch ein bisschen in die Zeit passen, zum modernen Stadion. Man sollte die Heimstätte des FCSG wohl wirklich als das sehen, was es ist: ein Stadion. Das «Emil-Gretler-Stadion»?

Welchen Namen würdet ihr der Arena im Westen der Stadt geben? Wir freuen uns über Kommentare und Einsendungen an info@senf.sg oder via unsere Facebook-Seite!


Dieser Beitrag erschien am 7. Juli 2015 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz. In der spielfreien Zeit veröffentlicht das Kollektiv auf Saiten in loser Folge.


Share on FacebookTweet about this on Twitter

Wir hatten es im SENF #03 bereits thematisiert: Nach Salzburg und Leipzig soll der Getränkekonzern Red Bull ein Auge auf den englischen Verein Leeds United geworfen haben. Die Gerüchte wurden in diesen Tagen wieder aktuell. Bisher dementiert Red Bull.

Gerüchte gabs schon seit geraumer Zeit. Nun hat der Daily Mirror am 3. April berichtet, dass die Übernahmegelüste von Red Bull mittlerweile handfest seien. Der Deal soll bereits in zwei bis drei Wochen erfolgen, dazu sollen wichtige Vertreter des Getränkekonzerns an die Elland Road gereist sein. Im Raum stünde auch ein Verkauf von Red Bull Salzburg oder RB Leipzig, weil man Restriktionen seitens der UEFA befürchte, sollte der Konzern bei einem weiteren Verein als Haupteigner einsteigen.

Wie viel an den Gerüchten dran ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Der Konzern dementiert in den Salzburger Nachrichten jegliches Interesse. Ein weiteres Engagement im Fussball sei nicht geplant. Dem widerspricht die Fan-Initiative Leeds Fans CBS, die versucht, den Fans einen signifikanten Anteil an Leeds United zu erstehen. Sie berichtet im Gespräch mit dem BBC-Journalisten Adam Pope von insgesamt sechs potenziellen Käufern für Leeds United. Fünf davon sollen Interesse an einem Einbezug der Fans haben. Der sechste sei Red Bull. Deren Verbindungsmann wollte einen Wechsel des Namens und der Farben nicht ausschliessen.

Gesichert scheint bisher nur, dass der Verein zum Verkauf steht. Massimo Cellino, der über seine Firma Eleonora Sport derzeit Leeds United kontrolliert, soll gemäss dem italienischen Journalisten Gianluca Di Marzio einen Einstieg beim krisengeschüttelten FC Parma in Erwägung ziehen. Cellino bestätigt gegenüber der Yorkshire Evening Post denn auch die Gerüchte zu Red Bull. Nur: Er darf zurzeit sein Amt nicht ausüben. Wegen Steuervergehen wurde er bis zum 3. Mai von der englischen Liga suspendiert.

Unseren Bericht über Red Bull im SENF #03 beendeten wir so: „Unlängst machten Gerüchte die Runde, der Konzern sei auch am englischen Verein Leeds United interessiert. Auch wenn daraus (noch?) nichts geworden ist, die Fussballabteilungen von Red Bull verteilen sich über die Fussballwelt wie das klebrige Getränk über Bartheken: Einmal nicht aufgepasst und kaum mehr wegzukriegen.“ Das Fragezeichen um Leeds und Red Bull dürfte nach den jüngsten Gerüchten nicht kleiner geworden sein.

Red Bull


Share on FacebookTweet about this on Twitter

Am 29. Januar erscheint die dritte Ausgabe des SENF zum Thema «Geld im Spiel». Geld hat beim FC St.Gallen immer eine grosse Rolle gespielt. Die bewegte Vergangenheit mit finanziellen Engpässen und Putschversuchen rekapitulieren wir im Artikel «Aufruhr im Osten der Stadt». Ein Ausschnitt.

Aufruhr im Osten der Stadt

Im September 1994 wurde Hans Hurni an die Spitze des Vereins gewählt. Turbulent ging es weiter, die nachfolgende Saison sollte sogar als eine der turbulentesten in die Annalen eingehen und der Ligaerhalt konnte erst am letzten Spieltag sichergestellt werden. Im vorletzten Spiel durfte der FC St.Gallen in Kriens nicht verlieren, doch der Gastgeber führte bis zur 83. Minute mit 2:0, wodurch die Chancen des FC St.Gallen auf den Ligaerhalt nur noch statistischer Natur waren. Die Wende gelang schliesslich dank Toren von Marc Zellweger und Radoslav Gilewicz. Dennoch drohte der Abstieg am grünen Tisch. Nur durch eine beispiellose öffentliche Spenden- und Lizenzkleber-Aktion – einen Kleber konnte man für 5 Franken erstehen, dafür gab es einen Gratiseintritt zum letzten Spiel gegen Solothurn – konnten die benötigten 300’000 Franken aufgebracht werden, sodass sich die Nationalliga mit einem Begnadigungsgesuch erweichen liess. Hans Hurni zog sich im Oktober 1996 zurück und überliess das FC-Präsidium Emil Kern.

Die finanziellen Probleme rissen jedoch nicht ab. Auf Geheiss der Nationalliga mussten die Anteilscheine der Stadiongenossenschaft um 50 Prozent abgeschrieben werden, wodurch ein Betrag von 350’000 Franken an Aktiven verloren ging. Die Saison 1996/97 schloss mit einem Defizit von 980’000 Franken, sodass der FC insgesamt mit über 1.5 Millionen Franken verschuldet war. Das Budget des Vereins belief sich zu jener Zeit auf knapp 4.5 Millionen Franken, was dem tiefsten Budget aller Nationalliga-Clubs entsprach. Die Nationalliga legte dazumal bei der Lizenzerteilung fest, dass die Verschuldung 500’000 Franken nicht überschreiten durfte. Die grosse Schuldenlast führte dazu, dass der Verein pro Jahr fast 100’000 Franken nur an Schuldzinsen zahlen musste. Verzweifelt wurde eine Mitgliederaktion namens «Powerplay» initiiert, deren Ziel es war, die Anzahl Clubmitglieder von 1’600 auf 5’000 zu erhöhen. Es konnten jedoch nur 700 neue Mitglieder gewonnen werden, wodurch aber immerhin 150’000 Franken in die Kassen gespült wurden. Schliesslich überliessen Mäzene dem FC St.Gallen 1.1 Millionen Franken, sofern der Verein die restlichen 400’000 Franken anderweitig aufbringen konnte, was schliesslich gelang. Emil Kern berichtete von über 200 persönlichen Meetings und Telefonaten, bis er den Betrag zusammenbekam, ein offenes Geheimnis war auch sein persönliches Engagement.

SENF #03 erscheint am 29. Januar 2015. Wir feiern den Release im Fanlokal mit einer Ostschweizer Elefantenrunde: Drei Präsidenten, drei Vereine, drei Ausgangslagen. Die Türen öffnen sich um 19.00 Uhr, los gehts um 20.00 Uhr. Weitere Angaben zum Inhalt findest du hier, das Magazin vorbestellen oder ein Abo abschliessen kannst du hier.

Plakat SENF03 Release