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Ganz sicher waren wir uns nicht, ob ein Aufruf der richtige Weg ist. Ihr habt unsere Zweifel jedoch schnell ausgeräumt. Nach nur etwas mehr als 48 Stunden wurde das 100. Abo abgeschlossen. Wir sagen Danke!

Am Freitagnachmittag um 16 Uhr stellten wir unseren Aufruf online: 100 Abos bis Ende Monat – also in etwa dreieinhalb Wochen – sollten neu abgeschlossen werden, damit wir uns sicher sein können, den SENF nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu produzieren. Am Sonntagabend um 21 Uhr, nur wenig mehr als zwei Tage nach dem Start, flatterte der 100. Aboabschluss rein. Dazwischen wurde unsere Webseite wie wild geklickt, unsere Social Media-Posts erreichten grössere Reichweiten als üblich und befreundete Magazine wie das Zwölf oder der ballesterer teilten unseren Aufruf.

Wir waren ob der grossen Resonanz so perplex, dass wir es nicht mal geschafft haben, rechtzeitig die Erfolgsmeldung online zu stellen und uns ordentlich zu bedanken. Das möchten wir jetzt nachholen. Für all die Aboabschlüsse und auch die dazugehörigen Nachrichten gebührt euch ein riesiges Dankeschön! Für uns, die alle ehrenamtlich an diesem Projekt arbeiten, ist das eine Bestätigung, deren Bedeutung wir nicht stark genug betonen können.

Wir verstehen die vielen Abos aber natürlich auch als Aufgabe, die Qualität hochzuhalten. Wir nehmen diese Aufgabe gerne an und machen uns erst recht an die Fertigstellung der neunten Ausgabe. Wie versprochen wird diese ganz dem Espenmoos und seiner reichhaltigen Geschichte gewidmet. Wer sich die Ausgabe jetzt schon sichern will: Abos kann man natürlich weiterhin abschliessen. Aktuell stehen wir bei 127 verkauften Abos (Stand: 10. Oktober, 10 Uhr). Vielleicht schaffen wir ja sogar 200 bis Ende Monat?

HIER KANNST DU DEIN SENF-ABO BESTELLEN:

BEGINNEND MIT AUSGABE #08
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Wenn du mit der Bestellung Probleme hast oder du nicht über Paypal bestellen möchtest, kannst du uns unter bestellung@senf.sg kontaktieren.


Natürlich gibt es auch weiterhin Einzelhefte zu kaufen. Wenn du noch gar keinen SENF hast, kannst du die Ausgaben #01 – #08 für einen unschlagbaren Preis hier bestellen.


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Eins vorneweg: Das hier ist kein Spendenaufruf. Und dennoch brauchen wir eure Hilfe. Der SENF verkauft sich nicht so, wie wir uns das wünschen. Wir sind überzeugt, das liegt am fehlenden Verkaufstalent des SENF-Kollektivs und nicht am mangelnden Interesse unserer Leserschaft. Ob das stimmt, testen wir jetzt. Mit einem simplen Ziel: 100 neue Abos bis Ende Oktober.

Seit 2014 erscheint der SENF zweimal im Jahr. Mittlerweile haben wir acht Ausgaben mit viel unentgeltlichem Engagement in unzähligen Arbeitsstunden konzipiert, geschrieben, redigiert, gestaltet und gedruckt. Nach wie vor sind wir überzeugt, dass wir ein gutes Magazin machen, das die (Ost-)Schweizer Medienlandschaft in Bezug auf Fussball im Allgemeinen und den FC St.Gallen im Besonderen bereichert. Damals wie heute macht es uns auch sehr viel Spass, dieses Magazin zu konzipieren und produzieren.

Wir haben aber ein grosses Problem: Wir sind schlechte Verkäufer. Jeder und jede im SENF-Kollektiv schreibt oder gestaltet gerne. Einige redigieren sogar ganz gerne die Texte anderer. Verkaufen, und da wollen wir wirklich ehrlich sein, liegt nur ganz wenigen von uns so richtig. Und das merken wir im Absatz. Unsere Ausgaben an die Lesenden zu bringen, fällt uns oft schwer.

Natürlich kann das auch an der Nachfrage liegen. Immer wieder diskutieren wir, ob es vielleicht schlicht keinen Bedarf für ein St.Galler Fussballmagazin gibt. Wenn wir aber Woche für Woche sehen, wie sich Tausende für den FC St.Gallen interessieren, auch wenn dieser ja nun wirklich nicht oft auf der Sonnenseite der Liga steht, dann sind wir uns doch sicher: St.Gallen lebt Fussball und will ihn aufsaugen. Auch in Printform.

Unsere Verkaufsprobleme sind aktuell noch kein existenzielles Risiko. Die neunte Ausgabe ist bereits in Planung. Wir wollen mit dem SENF auch weiterhin kein Geld verdienen. Was wir aber wollen, ist unser Magazin zu den Leserinnen und Lesern zu bringen. Denn: Auch wenn es finanziell weiterhin aufgehen sollte, wenn die Ausgaben nicht gelesen werden, macht das Ganze keinen Sinn.

Wir haben uns deshalb entschieden, unser Magazin einem Test auszusetzen. Wir wollen quasi die Frage der Nachfrage endgültig klären. Wir machen dazu kein Crowdfunding, wie es aktuell nicht unüblich wäre. Es geht uns ja tatsächlich nicht ums Geld an sich. Es geht uns darum, dass der SENF gelesen wird. Dafür haben wir uns selber ein Ziel gesetzt: Bis Ende Oktober wollen wir 100 neue Abonnentinnen und Abonnenten gewinnen. Dazu senken wir auch die Preise um über zehn Prozent: Das Abo kostet neu nur noch 22.- pro Jahr. Wie gesagt, es geht uns nicht ums Geld.

Abos können ab der aktuellen Ausgabe 8 oder ab der kommenden Ausgabe 9 gelöst werden. Die neunte Ausgabe erscheint im Februar 2018. Damit niemand die Katze im Sack kaufen muss, geben wir bereits jetzt das Titelthema bekannt: Wir widmen uns zehn Jahre nach dem Auszug ganz dem Espenmoos und seinen unzähligen Geschichten aus fast 100 Jahren Stadiongeschichte.

Wer jetzt noch nicht vom Abo-Kauf überzeugt ist: Im Sommer steht unsere zehnte Ausgabe an. Wir haben im Sinn, das mit einer Sondernummer zu feiern. Aber dafür brauchen wir die Bestätigung, dass es den SENF wirklich braucht. Wir vertrauen darauf!

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Vor rund zwei Jahren sorgte die Enthüllungsplattform «Football Leaks» zum ersten Mal für Aufsehen. Bis heute ist unbekannt, wer hinter dieser als Blog betriebenen Dokumentenablage steht. Journalisten, die einen Kontakt herstellen können, müssen mit dem Pseudonym John vorliebnehmen. So auch Rafael Buschmann und Michael Wulzinger, die den Whistleblower getroffen und vor kurzem das Buch «Football Leaks: Die schmutzigen Geschäfte im Profifussball» veröffentlicht haben.

John weiss Bescheid über Transfer-Summen, Löhne und Vertragsdetails der Fussballwelt. Über «die Schattenwelt der Branche», wie es im Klappentext des jüngst erschienen Buches heisst. Diese wird durchleuchtet wie noch selten zuvor. «Es sind legale, halblegale und vermutlich auch illegale Deals, der grösste Teil davon war bis zu den Enthüllungen nicht bekannt», schreibt die Journalistin Nicole Selmer in einer Rezension. Und weiter: «Die Enthüllungen der ‚Football Leaks‘ reihen sich ein in die Berichte über korrupte und korrumpierende Fussballinstitutionen und Akteure. Längst hat ein Gewöhnungseffekt eingesetzt, und diese Nachrichten werden allzu schnell mit einem Achselzucken hingenommen. Die Autoren fordern auch deswegen, dass der Fussball nicht sich selbst und seinen Regeln überlassen bleiben darf.»

Am 16. September 2017 ist einer der Autoren, Spiegel-Redakteur Michael Wulzinger, in St.Gallen zu Gast. SENF präsentiert eine Lesung mit Wulzinger. Er wird anschliessend in einer offenen Fragerunde Einblick in den Entstehungsprozess des Buches, die Recherchen und andere Themen geben. Die Veranstaltung startet um 19.00 Uhr im Bierhof in St.Gallen, der Eintritt ist frei und das Buch kann vor Ort erworben werden.


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Das 3:3 des FC St.Gallen zum Saisonauftakt in Lausanne scheint zu bestätigen, was wir in Teil 1 unserer Saisonvorschau konstatiert hatten: Sportlich gibt es Grund zum Optimismus, im Umfeld sieht es freilich etwas anders aus.

Das Kader des FC St.Gallen Ausgabe 2017/18 lässt sich sehen. Im ersten Teil unserer Saisonvorschau kamen wir zum Schluss, dass die Fans durchaus positiv in die Saison gehen können. Das 3:3 in Lausanne hat zwar einzelne Schwächen aufgezeigt, aber eben auch eines unserer Fragezeichen – die Offensive – zumindest teilweise beseitigt. Auch wenn die erste Halbzeit der später abgebrochenen Partie in Lugano nicht berauschend war: Sportlich macht sich dieses Jahr kaum jemand wirklich Sorgen.

Die grossen Baustellen des FCSG scheinen heuer im Umfeld zu liegen. Seit dem überraschenden Rücktritt von Dolf Früh blieb kaum Zeit zum Durchatmen. Gefühlt verging kaum eine Woche ohne eine Nachricht zum Umfeld des Vereins. Doch eigentlich ist der Anfang der aktuellen Unruhen schon früher zu suchen, mindestens 2015: Im März jenes Jahres ersetzte Marco Otero Roger Zürcher als Nachwuchschef. Otero soll sich von Donato Blasucci beraten lassen. Dem Spielerberater wird, wie das «St.Galler Tagblatt» es ausdrückte, «grossen Einfluss auf Früh» attestiert. Kurze Zeit später trat auch Sportchef Heinz Peischl zurück. Sein Nachfolger wurde Christian Stübi.

Stübi in der Kritik

Stübi war nicht unbedingt der Wunschkandidat der meisten Fans. Viele hegten Zweifel, ob er der Aufgabe gewachsen ist. In seinen rund zwei Jahren als Sportchef schaffte er es, viele Zweifler zu überzeugen. Dabei halfen vor allem die Transfers von Tranquillo Barnetta, Albian Ajeti oder Nzuzi Toko.

Als im Mai dieses Jahres Zinnbauer doch endlich entlassen wurde, schien vorerst etwas Ruhe einzukehren. Mit Giorgio Contini wurde ein Nachfolger eingestellt, der in St.Gallen wegen des Meistertitels 2000 sowieso viel Kredit geniesst. Vor allem aber dürfte jedem St.Galler Fan in schmerzlicher Erinnerung sein, wie oft Contini als Vaduz-Trainer gegen den FCSG angetreten ist und nie verloren hat. Dass er auch Teil des Blasucci-Netzwerks sein soll, wusste man zwar auch zu dieser Zeit schon, es warf aber kaum Wellen.Am meisten Kritik musste er einstecken, weil er als Nachfolger von Jeff Saibene den deutschen Joe Zinnbauer präsentierte, dem er gleich einen Dreijahres-Vertrag anbot. Als Sportchef ist er offiziell zumindest mitverantwortlich, dass der FC zu lange am Deutschen festhielt. Es wurde jedoch schon früh gemunkelt, dass Zinnbauer auch bei Stübi nicht mehr viel Kredit genossen hat. Das «Tagblatt» schrieb sogar: «Doch völlig überraschend – und gegen den Willen Stübis – wird nicht der Deutsche, sondern Talentmanager und Co-Trainer Martin Stocklasa entlassen.»

Contini, Stübi und Otero auf einer Ebene

Das änderte sich kurze Zeit später. Wenige Tage nach der Bekanntgabe des neuen Trainers konnte Früh auch seinen eigenen Nachfolger präsentieren: Mit Stefan Hernandez wurde ein gänzlich Unbekannter Präsident der FC St.Gallen Event AG. Die weitreichenden Änderungen geschahen indes im Organigramm der FC St.Gallen AG – quasi als letzte Amtshandlung änderte Früh dort das System: Der bisherige «Future Camp Ostschweiz»-Geschäftsführer Ferruccio Vanin wurde zum CEO. Darunter stehen Contini, Stübi und Otero auf einer Ebene. Die Änderung kam faktisch einer Entmachtung des Sportchefs gleich, auch wenn dies von verschiedenen Beteiligten immer wieder abgestritten wird.

Das Organigramm der FC St.Gallen AG. (Bild: fcsg.ch)

Dieses System stösst rundherum auf Skepsis. Das «Tagblatt» schrieb von einem Pulverfass und zitierte den früheren YB- und heutigen Rapid Wien-Sportchef Fredy Bickel, der das neue Organigramm als «höchst untragbare Lösung» bezeichnet. Erschwerend kommt hinzu, dass Vanin und Otero seit gemeinsamen FCO-Zeiten ein verschworenes Team zu sein scheinen.

Wie gross der Einfluss von Berater Blasucci auf die beiden und auf Contini ist, ist von aussen schwierig abzuschätzen. Dass mit dem neuen Assistenztrainer Markus Hoffmann und Konditionstrainer Harry Körner zwei weitere, vermeintlich zum Blasucci-Netzwerk gehörende Exponenten den Weg nach St.Gallen finden, beruhigt zumindest nicht. Hernandez gab in einem «Tagblatt»-Interview an, die Sache im Griff zu haben. Er dulde keine solche Einflussnahme. In einem Artikel des «Tagesanzeigers» räumte er jedoch ein, von der Allianz rund um den Spielerberater zu wissen.

Für Stübi wurde die Situation offenbar untragbar. Er gab seinen Rücktritt bekannt. Die Unruhe verging auch in der Folge nicht. Nur wenige Wochen vor Saisonstart wurde der bisherige Physiochef Simon Roth abgesetzt – die Gründe blieben vage – und Verteidiger Roy Gelmi wechselte – mit unschönen Nebengeräuschen – nach Thun, obwohl er eigentlich gerne in St.Gallen geblieben wäre.

Wer will Sportchef werden?

Natürlich sind Netzwerke im Fussball nicht prinzipiell verwerflich. So funktioniert der Sport, vielfach sind Netzwerke sogar unabdingbarer Bestandteil. Wer zum richtigen Berater ein gutes Verhältnis pflegt, kommt eher zu einem guten Transfer. Dass sich die Verantwortlichen bei der Besetzung von wichtigen Posten in ihren Bereichen nach Vertrauten umsehen, ist ebenso wenig im Grundsatz verwerflich. Dass der Einfluss eines einzelnen «Kuchens» aber so gross wird, dass ein Sportchef nur noch den Ausweg des freiwilligen Rücktritts sieht, dürfte so eigentlich nicht geschehen.

Damit in St.Gallen wieder Ruhe einkehren kann, braucht der FC St.Gallen einen starken Sportchef, der nicht zum gleichen Dunstkreis gehört. Ob im bestehenden Organigramm überhaupt Platz dafür ist, scheint äusserst fraglich. Welcher Sportchef würde eine solche Position übernehmen wollen? Deshalb darf auch dieses Organigramm nicht sakrosankt sein.

Hier ist Hernandez gefragt: Wenn er von Allianzen Kenntnis hat, die ihm die Arbeit und dem FCSG die Zukunft erschweren, muss er einschreiten. Zur Not auch gegen den Willen Frühs, der diese Änderung des Organigramms zum Schluss seiner Amtszeit noch umgesetzt hat. Wieso es zu dieser Änderung kam, die sich nicht aufzudrängen schien, bleibt sowieso weiterhin unklar. Im angesprochenen «Tagesanzeiger»-Artikel wird von Unstimmigkeiten zwischen Früh und dem restlichen Verwaltungsrat zum Schluss seiner Amtszeit gesprochen.

Früh soll verkaufen

Vor diesem Hintergrund wäre es wünschenswert, wenn Früh den angekündigten Verkauf von Teilen seines Aktienpakets möglichst bald umsetzt. Damit würde er deutlich machen, dass er nicht im Hintergrund als graue Eminenz weiterwirken will. Mit seinen aktuell beinah 50 Prozent Anteilen an der FC St.Gallen Event AG dürfte sich dieses Gerücht sonst noch lange halten.

Die Gefahren eines Verkaufs sind schliesslich gering, auch dank Früh. Er und das restliche Aktionariat haben sich untereinander abgesichert, um einen Verkauf in unliebsame Hände möglichst zu verunmöglichen. Damit würde Früh auch den Prozess der Machtübergabe abschliessen. Wie wir schon zu seiner Rücktrittsankündigung geschrieben haben, wird es diese Übergabe sein, die im kollektiven Gedächtnis der FCSG-Fans den Ausschlag geben wird, wie Früh in Erinnerung bleibt.


Dieser Beitrag erschien am 2. August 2017 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv kommentiert dort in der Rubrik «Am Ball» das Geschehen auf und neben dem Platz.


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Die Nachricht schlug ein: Aus gesundheitlichen Gründen tritt Dölf Früh als Präsident des FC St.Gallen schon im Mai zurück. Wie er in die Clubgeschichte eingeht, wird massgeblich auch davon geprägt sein, wem er die Macht übergibt.

Als Dölf Früh 2010 das Präsidentenamt beim FC St.Gallen übernahm, hatte der Club gerade eine der schwersten Krisen durchlebt. Zusammen mit anderen Geldgebern bewahrte Früh den Club vor dem Konkurs, verlangte dafür aber auch den entsprechenden Einfluss. Die Rettung brachte Früh in weiten Teilen von Beginn weg eine Art Heldenstatus ein.

Es gab aber auch Kritik. Insbesondere die Strukturen des Clubs, die mit der Übernahme einhergingen, waren umstritten. Bis zum Einstieg Frühs existierte zwar neben der FC St.Gallen AG mit der Betriebs AG schon eine weitere – und sehr umstrittene – Organisation, sie hatte aber nicht den Einfluss, den die an ihre Stelle tretende FC St.Gallen Event AG erhalten sollte. Diese lag von Beginn weg in den Händen weniger privater Investoren. Und sie wurde faktisch zur Muttergesellschaft der FC St.Gallen AG. Zwar blieb letztere im Publikumsbesitz, die Publikumsaktionäre büssten aber an Bedeutung ein.

Nur eine ausserordentliche GV

Realistischerweise hatten die Kleinaktionäre zwar auch vorher nur wenig zu sagen (wir haben auch deshalb unlängst mehr Demokratie gefordert). Zumindest theoretisch bestand jedoch immer die Möglichkeit, an einer Generalversammlung einen Entscheid in die gewünschte Richtung zu lenken. Faktisch wurden die Entscheide über den FC St.Gallen neu aber in der Event AG getroffen. Das zeigt gerade auch die aktuelle Situation. Der FC St.Gallen verweist in seiner Medienmitteilung bloss auf eine ausserordentliche Generalversammlung der Event AG. Zwar wird danach auch die FC St.Gallen AG eine Wahl durchführen, die wird aber wohl nur noch Formalität sein.

Der Dachverband 1879 befürchtete auch deshalb vor rund sieben Jahren: «Die langfristige Ausrichtung des FCSG liegt somit in der Hand von privaten … Investoren, die ihren Spass am FCSG vielleicht bald verlieren.» Insbesondere Dölf Früh hatte über seine eigenen Anteile an den beiden Gesellschaften sehr viel Macht angehäuft.

Die Skepsis war aber auch gross, weil die Misswirtschaft in den Jahren vor der Übernahme kaum personelle Konsequenzen hatte. Das Unverständnis darüber, dass verantwortliche Personen weiter beschäftigt wurden, war vielerorts sehr gross. Es sollte sich jedoch bald zeigen, dass auch Früh aufräumen wollte. Nach und nach ersetzte er die verantwortlichen Personen jener Tage. Heute ist von der ehemaligen Führungsriege praktisch niemand mehr an Bord. Zwar wollte Früh nie über einzelne Personalien sprechen, er liess aber immer wieder durchblicken, wie wichtig ihm die richtigen Leute sind, gerade in Führungspositionen. Und richtig war vor allem, wer ähnlich tickte.

Wenig Nebenschauplätze und klare Zuständigkeiten

Gegen aussen führte das dazu, dass eine bis dahin ungekannte Professionalität Einzug hielt. Die Zuständigkeiten waren und sind klar geregelt. Und sie werden beim FC St.Gallen heute gelebt, nicht nur festgehalten. Der Präsident selbst hingegen tritt in der Öffentlichkeit kaum auf. Es wurde ruhig um den FC St.Gallen. Wenn die Espen in den Schlagzeilen standen, dann fast nur noch wegen der Leistungen auf dem Platz. Die Nebenschauplätze, die in der Vergangenheit so oft das mediale Bild geprägt hatten, verschwanden zusehends. Selbst nach den vielen Spruchbändern im Spiel gegen den FC Thun blieb es erstaunlich ruhig.

Wer direkt mit Früh zu tun hatte, kannte aber auch dessen andere Seite. Früh konnte sich in Diskussionen derart enervieren, dass sich auch schon mal Unbeteiligte ob des Lärmpegels umdrehten. Oft genug prallten in diesen Diskussionen grundsätzlich andere Einstellungen aufeinander. Wir können es nur vermuten, aber das Arbeiten mit und für Früh war ziemlich sicher nicht nur einfach.

Die Strukturen des FC St.Gallen sind in der Präsidialzeit Frühs im Kern unverändert geblieben. Zwar haben sich die konkreten Besitzverhältnisse etwas verschoben, noch immer aber wird ersichtlich, wie viel Macht sich bei Früh konzentriert. Wir haben diese Verhältnisse (und die aller Super League-Clubs) für unsere aktuelle Ausgaberecherchiert.

Früh hält selber 8,25 Prozent an der FC St.Gallen AG. Er hat aber auch grossen, wenn nicht bestimmenden Einfluss auf die 41,35 Prozent, die von der FC St.Gallen Event AG gehalten werden. In dieser ist er mit fast 40 Prozent nämlich bei weitem der grösste Aktionär. Trotzdem haben sich bisher die schlimmsten Befürchtungen nie bewahrheitet. Im Gegenteil. Wiederholt hat sich Früh dafür ausgesprochen, dass ein Fussballclub kein Investitionsobjekt sei. So sagte er beispielsweise vor zwei Jahren im Interview mit uns: «Ich verwalte hier nur eine Institution, die der Ostschweiz und der Allgemeinheit gehört.»

Ein Club sollte «kein Kommerz-Objekt» sein

Er scheint dies auch heute noch so zu sehen. Vor wenigen Wochen befragte ihn die NZZ zum Fall des FC Wil. Früh sagte unter anderem: «Ein Schweizer Klub ist ein Gut der Region, da geht’s um Tradition, um gesellschaftliche Verpflichtung, um Verlässlichkeit. Er sollte kein Kommerz-Objekt sein.» Noch erfreulicher für die Fans dürfte sein, dass sich die Verantwortlichen untereinander abgesichert haben, sollte einer der Beteiligten aussteigen. Wir haben im jüngsten Artikel in dieser Kolumne schon resümiert: «Ein Verkauf des FC St.Gallen ist damit zwar nicht unmöglich, aber eben schwieriger als sonstwo.»

Obwohl Früh den Club nicht als Investitionsobjekt begriff, hat er ihn immer auch wie ein Unternehmen verstanden, das es auf Vordermann zu bringen gilt. Und unternehmerisch scheint er das geschafft zu haben. Der FC St.Gallen steht 2017 auf soliden finanziellen Beinen. Der unternehmerische Fokus wurde Früh immer mal wieder aber auch übel genommen. Zwar wünschte man sich in St.Gallen zum Zeitpunkt der Übernahme nichts sehnlicher als Stabilität. Aber nach einer ersten Phase der Konsolidierung und befeuert durch die sensationelle Europa League-Qualifikation im Jahr 2013 war das Verlangen der Fans nach sportlichen Höhepunkten eben doch wieder grösser.

Mit der Mittelmässigkeit wollten sie sich nicht mehr zufriedengeben. Das wiederholt ausgegebene Ziel des Ligaerhalts stand für viele gleichbedeutend mit Ambitionslosigkeit. Gepaart mit dem fast schon trotzig anmutenden Festhalten am erfolglosen Zinnbauer zum Ende der letzten Hinrunde, schien es offensichtlich, dass der Fokus auf die finanzielle Gesundheit auch seine Kehrseite hat. Zum ersten Mal nach der Skepsis bei der Übernahme kämpfte Früh wieder mit einem etwas härteren Gegenwind.

Wer tritt die Nachfolge an?

Ob nun ein Verkauf bevorsteht, ist nicht sicher. Zwar will Früh das Präsidentenamt abgeben, einzelne Medien berichten aber, dass er die Aktienpakete behalten wolle. Ob sich ein neuer Präsident darauf einlassen wird, ist zumindest fraglich. Ohne die Übertragung der Aktienpakete bliebe Früh der starke Mann. Sicher ist bisher nur, dass die Übergabe des Präsidentenamts ansteht. Und sie kommt vermutlich etwas eher, als Früh das geplant hatte. Noch vor zwei Jahren sagte er zu uns: «Ich habe es in jeder Unternehmung zu meiner Aufgabe gezählt, die Nachfolge zu regeln.» Die Umstände, die jetzt zum Wechsel an der Spitze führen, verunmöglichen diese Planung, sollte sie denn nicht sowieso schon weit vorangeschritten sein.

So oder so: In den nächsten Wochen wird sich zeigen, wie Früh in die Geschichte des FCSG eingehen wird. In den Jahren seit seiner Übernahme hat er viel dafür getan, die anfängliche Skepsis abzubauen. In erster Linie, weil der Club ohne finanziellen Sorgen dasteht. Zudem aber auch, weil die Verantwortlichen mit Bedacht kommunizieren. Lieber sagt man beim aktuellen FC St.Gallen mal gar nichts, als eine unnötige Diskussion zu befeuern. Mit einer guten Nachfolgeregelung kann sich Früh endgültig ein Denkmal setzen. Sein Fokus auf das Unternehmerische, sein teilweise etwas stures Festhalten an getroffenen Entscheiden und seine selbst proklamierte Ahnungslosigkeit bezüglich der sportlichen Seite des Fussballgeschäfts würden ihm dann wohl verziehen.

Sollte der Club aber in dubiose Hände geraten, könnten die Befürchtungen aus der Zeit der Übernahme doch noch Tatsache werden. Und darunter würde nicht nur Frühs Erbe leiden, sondern eben vor allem auch der FC St.Gallen und seine Fans.


Dieser Beitrag erschien am 10. April 2017 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv kommentiert dort in der Rubrik «Am Ball» das Geschehen auf und neben dem Platz.