Noch bevor der FC St.Gallen die zwei Spiele der zweiten Qualifikationsrunde zur Europa League bestreitet, werden bereits die Partien der dritten Runde gelost. Auf diese Gegner könnte St.Gallen treffen.

Fanmarsch in Swansea

Der FC St.Gallen geht gegen den norwegischen Verein Sarpsborg 08 als Favorit ins Rennen. FCSG-Fans wissen natürlich aus leidvoller Erfahrung, dass das noch nicht viel heissen muss. Trotzdem wirft SENF bereits einen Blick auf eine mögliche dritte Qualifikationsrunde. Denn diese wird bereits am Montag ausgelost.

Die dritte Qualirunde wird wie schon die zweite in einer Runde für Meister und einer Runde für Cupsieger und sonstige qualifizierte Teams gespielt. In Letzterer treten neben dem Sieger des Duells FCSG-Sarpsborg 51 weitere Teams an. 13 davon stossen erst in dieser Runde dazu, so zum Beispiel Zenit St.Petersburg, Rapid Wien oder auch der FC Luzern. Zwei Plätze sind für die Verlierer der zweiten Runde des Platzierungswegs der Champions League-Qualifikation vorgesehen. Das sind Ajax Amsterdam oder Sturm Graz im einen Spiel und PAOK Thessaloniki oder der FC Basel im anderen Spiel. Die restlichen Teams ergeben sich aus den Siegern der zweiten EL-Qualirunde.

Bereits jetzt ist klar: Der FC St.Gallen wird in dieser Auslosung zu den ungesetzten Teams gehören. Entsprechend kann er nur auf ein gesetztes Team treffen. Gesetzt sind alle Teams, die eine Koeffizienten von 10,0 oder höher aufweisen. Wie schon in der zweiten Qualifikationsrunde gilt: Weil zum Zeitpunkt der Auslosung die Spiele der vorhergehenden Runde noch nicht gespielt sind, gehen jene Partien mit dem Koeffizienten des besseren Teams in die Wertung ein. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Partie B36 Torshavn – Besiktas Istanbul in den Topf der gesetzten Teams wandert, obwohl Torshavn weit entfernt von dem erforderlichen Koeffizienten von 10,0 wäre.

Die möglichen Gegner des FC St.Gallen:

Verlierer der zweiten Runde des Platzierungswegs in der Champions League-Qualifikation:

– Ajax Amsterdam oder Sturm Graz

Neu dazustossende Teams:

– Zenit St.Petersburg
– Olympiakos Piräus
– Sporting Braga
– KAA Gent
– Feyenord Rotterdam
– SK Rapid Wien
– HNK Rijeka

Sieger der zweiten EL-Qualifikationsrunde:

– FC Sevilla oder Ujpest Budapest
– B36 Torshavn oder Besiktas Istanbul
– FK Sarajevo oder Atalanta
– FK Spartak Subotica oder Sparta Prag
– UMF Stjarnan oder FC Kopenhagen
– Steaua Bukarest oder NK Rudar Velenje
– KRC Genk oder CS Fola Esch
– AZ Alkmaar oder FK Qairat Almaty
– Tschichura Satschchere oder NK Maribor
– Maccabi Tel Aviv oder FK Radnicki Nis
– RB Leipzig oder BK Häcken
– FK Partizan Belgrad oder FK Trakai
– FC Burnley oder FC Aberdeen
– Girondins Bordeaux oder FK Ventspils
– FK Ufa oder NK Domzale
– FK Zeljeznicar Sarajevo oder Apollon Limassol
– Molde FK oder KF Laci

Erneut ist also die Chance gross, dass nach der Auslosung der mögliche Gegner des FC St.Gallen noch nicht feststeht. Nur kommt dieses Mal auch noch die Unsicherheit dazu, ob es der FC St.Gallen überhaupt in die dritte Qualirunde schafft. Die Auslosung findet am Montag um 14 Uhr statt (wenn die Uefa denn dieses Mal rechtzeitig startet). Davor werden die Teams wieder in Gruppen zugeteilt, die möglichen Gegner werden also da bereits einmal reduziert. Die Spiele der dritten Qualirunde würden dann am 9. und 16. August stattfinden.

Update 23. Juli, 10.40 Uhr: Auslosungsgruppen bekannt

Die Uefa hat in der Zwischenzeit die Auslosungsgruppen bekannt gegeben. Das Duell zwischen dem FCSG und Sarpsborg ist die Nummer 8 in der Gruppe 1. Möglich sind noch folgende Gegner bzw. Partien:

– 1: Ajax oder Sturm Graz (Verlierer der CL-Quali)
– 2: Maccabi Tel-Aviv oder Radnicki Nis
– 3: HNK Rijeka
– 4: Aberdeen oder Burnley
– 5: Zenit St.Petersburg

Wie schon bei der Auslosung zur zweiten Quali-Runde werden also mehrere Gruppen gleichzeitig gelost. In diesem Fall Gruppen 1 bis 4, Gruppe 5 umfasst mehr Teams und wird danach separat gelost. Für die mögliche Partie des FCSG heisst das: Die Nummer, die der Nummer 8 zugelost wird, ist der Gegner in einer allfälligen dritten Qualirunde. Wer zuerst gezogen wird, spielt zuerst zuhause. Die Ziehung startet heute Montag um 14 Uhr. Davor finden die Ziehungen der CL und des EL-Meisterwegs statt.


Heute und morgen Mittwoch werden in Nyon die Partien der zweiten Qualifikationsrunde der Europa League ausgelost. Die Partie des FC St.Gallen wird morgen ausgelost. Und trotzdem könnte der Gegner auch danach noch unklar sein.

Jeff Saibene

Zum ersten Mal seit 2013 wird der FC St.Gallen wieder am europäischen Geschäft teilnehmen. Damals berechtigte der dritte Platz in der Saison 2012/13 zum Eingreifen im Playoff, der letzten Stufe vor der Gruppenphase. St.Gallen bekam Spartak Moskau zugelost, der Rest ist Geschichte. Will der FC St.Gallen auch 2018 wieder in die Gruppenphase gelangen, muss er insgesamt drei Qualifikationsrunden überstehen. Eingreifen müssen die Espen schon in der zweiten Runde.

Die Auslosung zu dieser zweiten Runde findet morgen Mittwoch statt. Allerdings sind zu diesem Zeitpunkt weder die erste Runde noch die sogenannte Vorqualifikationsrunde gespielt. Das heisst: Auf den Losen, die im Topf für die zweite Qualifikationsrunde sind, sind nicht nur einzelne Teams aufgedruckt, sondern auch Begegnungen der Vorqualifikation und der ersten Qualifikationsrunde, die noch nicht stattgefunden haben.

Vaduz greift in der ersten Runde ein

Die Ziehung der Partien der ersten Qualifikationsrunde findet unmittelbar vor der Ziehung mit dem FC St.Gallen statt. Für diese wurden schon Gruppen definiert. In sieben Gruppen sind zehn Teams, in zwei Gruppen zwölf Teams. Immer die Hälfte ist gesetzt und trifft auf ein ungesetztes Team. Möglich sind Partien wie Gabala FK gegen Progrès Niederkorn. Aber auch grössere Namen wie die Glasgow Rangers, Partizan Belgrad oder Lech Poznan greifen schon in dieser Runde ins Geschehen ein. Und auch der FC Vaduz.

Reise nach Swansea

Auch in der zweiten Runde trifft dann ein gesetztes Team auf ein ungesetztes. Damit auch ohne bereits gespielte erste Qualifikationsrunde klar ist, welcher Koeffizient herangezogen wird, um die gesetzten Teams zu definieren, erhält der Sieger der Partie immer den Koeffizienten des besseren Teams. Das hat zur Folge, dass die Begegnung mit dem Koeffizienten des besseren Teams in die Ziehung eingeht. Sollte also Vaduz (Koeffizient von 2.750) gegen Lech Poznan (Koeffizient 7.000) spielen müssen, geht dieses Los mit Koeffizient 7.000 in die Ziehung der zweiten Runde ein.

Das alles macht Prognosen unmöglich. Dazu kommt noch: In der Ziehung der ersten Qualifikationsrunde sind bereits sieben Lose im Topf, auf denen eine Begegnung und kein einzelnes Team aufgedruckt ist, die Partien der Vorqualifikation. Diese sind zwar schon ausgelost, aber noch nicht gespielt. Es ist also möglich, dass der FC St.Gallen nach der Auslosung sogar noch drei mögliche Gegner hat.

Es gibt viele mögliche Gegner

Ein hypothetisches Beispiel: Birkirkara (Malta, Koeffizient 2.750) trifft in der Vorqualifikation auf KI Klasvik (Färoer Inseln, 0.750). In die Ziehung zur ersten Qualifikationsrunde geht dieses Los mit Koeffizient 2.750. Dieser Begegnung könnte beispielsweise CS Fola Esch (3.500) zugelost werden. Das Los mit den drei möglichen Siegern Birkirkara, Klasvik und Fola Esch würde mit dem Koeffizient 3.500 in die Ziehung zur zweiten Qualifikationsrunde eingehen. Damit wäre das Los im Topf der Ungesetzten. Der FC St.Gallen weist einen Koeffizienten von 6.040 auf und ist in der zweiten Qualirunde sicher gesetzt. Das Dreifach-Los wäre also eine Möglichkeit.

Möglich ist aber auch, dass der FCSG den Gegner sogleich kennt. Einige Teams treten erst in der zweiten Qualifikationsrunde in den Wettbewerb ein, sind aber im Gegensatz zum FCSG ungesetzt. Dazu gehören beispielsweise Hapoel Haifa, Aberdeen oder Djurgardens IF.

Wer jetzt völlig den Durchblick verloren hat, dem sei die Seite von Bert Kassies empfohlen. Dort werden alle Runden so durchgespielt, als würde immer das Team mit dem höheren Koeffizienten eine Runde weiterkommen.

Ab 13 Uhr gehts los

Angesetzt ist die Ziehung der ersten Qualifikationsrunde übrigens auf 13 Uhr Schweizer Zeit. Wir fürchten aber, dass wie üblich zuerst viel zu viel geplaudert wird. Die Auslosung der zweiten Runde erfolgt dann im Anschluss. Dazu werden die Lose in sieben Gruppen aufgeteilt. Gruppen 1-5 bestehen aus zehn Teams, Gruppen 6 und 7 aus zwölf Teams. Möglich sind zu diesem Zeitpunkt entsprechend noch fünf oder sieben sechs Lose. Wie viele Mannschaften damit noch möglich sind, lässt sich wegen oben dargelegter Vorgehensweise nicht sagen.

Wer in einer Begegnung zuerst gezogen wird, hat zuerst Heimrecht, spielt also am 26. Juli zuhause und am 2. August auswärts. Das Einzige, was wir jetzt schon mit Gewissheit sagen können: Wir wissen nach der Auslosung, in welcher Woche wir Ferien nehmen müssen. Wohin es geht, das könnte weiterhin unklar sein. Wenn es dann nur nicht Vaduz wird…

Fanmarsch in Swansea

Update (19. Juni 2018, 21 Uhr): Seit Kurzem stehen auf der Uefa-Webseite neue Zeiten für die morgige Auslosung. Die Auslosung der ersten Runde soll um 12 Uhr starten. Danach werden die Gruppen für die Auslosung der zweiten Runde bekanntgegeben. Diese Auslosung soll dann um 14 Uhr folgen.


Zur Hälfte einer Saison wird gerne zurückgeblickt. Die Retrospektive auf das erfolgsarme Jahr 2016 ersparen wir euch aber und schauen lieber in die Zukunft. Denn die gibt Grund zur Hoffnung – zumindest, wenn man unserer Statistik Glauben schenkt.

Seit der erfolgreichen Europa League-Qualifikation im Jahr 2013 malen sich die FCSG-Fans in der Winterpause gerne aus, wohin denn die Reise im nächsten europäischen Jahr gehen könnte. Doch die Ernüchterung folgte jeweils kurz nach dem Beginn der Rückrunde. Nach einer guten Vorrunde vergaben die Espen in den drei dem Erfolgsjahr folgenden Saisons in der zweiten Saisonhälfte die Chance auf weitere europäische Nächte. Nach dem schlechten Start in die aktuelle Saison witzelten entsprechend viele Fans, dieses Mal werde man wenigstens nicht enttäuscht, wenn die Hoffnungen schon zur Winterpause verflogen sind. Nur: Nach der Aufwärtstendenz in den letzten Spielen stimmt das so nicht mehr. Schon gar nicht, wenn man einen Blick auf die Statistik wirft.

Seit der Saison 2003/04 besteht die oberste Schweizer Liga nur noch aus zehn Mannschaften. Im Vergleich der Rangierungen zur Winterpause und zum Saisonende zeigt sich: Wer zur Saisonhälfte auf Platz 6 steht – wie aktuell der FC St.Gallen –, hat reelle Chancen auf den Europapokal. Satte fünfmal beendete der anfangs des Winters Sechstplatzierte die Saison auf dem fünften Rang. Dem Rang also, der oft zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, weil sich zumeist ein weiter vorne klassiertes Team bereits durch den Schweizer Cup einen Startplatz gesichert hat. Das könnte auch dieses Jahr sehr gut der Fall ein. Mit YB, Sion, Basel und Luzern hat die Hälfte aller im Cup verbliebenen Teams realistische Chance auf einen Platz unter den ersten Vier.

Selbst für jene, die nicht an eine erfolgreiche Rückrunde glauben, verspricht die Statistik Hoffnung: Seit Einführung der Super League landete nie ein Team auf dem letzten Rang, das zur Winterpause auf dem sechsten Rang oder besser klassiert war. Hier sind die Konkursfälle von Servette Genf und Neuchâtel Xamax ausgenommen, beim Einbezug des ersteren Falls hätte die Aussage aber nach wie vor ihre Richtigkeit.

In den oberen Tabellen-Regionen, in denen der FCSG bekanntlich in den letzten Jahren kaum je mitspielt, sagt die Statistik ebenfalls Interessantes aus. Zwar wird der zur Winterpause auf Platz 1 platzierte Club meistens auch Meister (in 9 von 13 Fällen) – aber der Zweitplatzierte wird öfter Erster oder Dritter (in 4 von 13 Fällen) als dass er auf dem zweiten Platz verbleibt (in 3 von 13 Fällen). Den Abstiegskampf, mit dem der FCSG gemäss unserer Statistik nichts zu tun haben dürfte, könnten der Neunte Thun und der Achte Lugano unter sich ausmachen. Der im Winter Letztplatzierte rettet sich nämlich öfter auf den neunten Platz (in 5 von 13 Fällen), als dass er am Tabellenschluss bleibt (in 3 von 13 Fällen). Am häufigsten abgestiegen ist seit Einführung der Zehnerliga der Zweitletzte (in 4 von 11 Fällen; zwei Abstiege wegen Konkurs nicht beachtet). In diesem Sinne: Europa wir kommen!


 


Ich hatte mir das jetzt mal angetan. Wider besseren Wissens und gesunden Menschenverstands. Tatsächlich war ich ja ein bisschen erstaunt über mich selbst, dass ich mich überhaupt daran erinnert hatte…

CL-Pokal_David Flores Flickr_adapted

… naja, hatte ich. Und darum (und wohl auch aufgrund eines kleinen Teils morbider Neugierde) schliesslich die Auslosung der UEFA Champions League-Gruppenphase im Live-Stream mitverfolgt.

Nachdem ich alle technischen Hindernisse einmal überwunden hatte (der Flash Player wollte ein Update um 17.58 Uhr, zwei Minuten vor dem eigentlichen Start der Übertragung), ertönte sie zum Einklang: die Hymne, die einem sofort in die geschichtsträchtigen Stadien dieses Kontinents transportiert und an alle grossen Clubs der europäischen Ligen denken lässt. Beim «the chaaaaampions» ertappte ich mich dabei, wie ich wünschte, dass ich das doch auch einmal bei einem Spiel des eigenen Clubs hören würde.

Item, mindestens der unmittelbare Start war also besser, als ich es erwartet hatte, nachdem ich auf der Zugangs-Webseite vorgängig lesen konnte, dass die Stars langsam im Saal einträfen. Gespannt wartete ich, wie es denn nun weitergehen würde, so als Auslosungs-Zuschauer-Neuling. Schnell stellte sich heraus: Obwohl das Ganze um 18.00 Uhr hätte beginnen sollen, begann der eigentliche Vorgang erst gefühlte 20 Jahre später. Und dauerte noch einmal gefühlt so lang. Um 18.35 Uhr war ich nur noch froh, nicht im Saal sein oder mitfiebern zu müssen.

Denn auch das Überbrückungsprogramm, sicherlich zum Spannungsaufbau gedacht, hatte mindestens bei mir nicht den geringsten Erfolg. Vielmehr wirkte es wie leere Selbst-Beweihräucherung, die inhaltslos und vor allem mit viel Geplänkel Zeit zu schinden versuchte. Die Fragen der Moderatoren waren flach, die Antworten der Spieler ebenso – alles wirkte einstudiert und brachte keinerlei neue Einsichten: sogar die vermeintlich spontanen Witze der Fussballspieler, die geladen waren, um die Ziehung zu vollziehen, fielen bei allen ausser bei den Moderatoren durch.

Einen richtig faden Beigeschmack verlieh dieser Veranstaltung aber das Wissen um anstehende Änderungen im Modus der Champions League, welche seit heute auch kommuniziert sind. Nun haben sich Befürchtungen, dass genau die bereits jetzt am meisten von der Champions League profitierenden Clubs noch mehr profitieren würden, mindestens zum Teil bewahrheitet. Weiterer Kommerzausbau, eine Steigerung der Werbe- und TV-Einnahmen und schliesslich Gewinn-Maximierung scheinen zur Stunde bei der UEFA (und der FIFA) im Vergleich zum eigentlichen Spiel soweit im Vordergrund zu stehen, dass alles (selbst eine Auslosung) zur einträglichen Show verkommen muss. Am besten mit Vermarktungspotenzial im asiatischen Markt. Der Zweite der englischen Liga zieht dort halt mehr als der dänische Meister. Dass das mit einer Champions League wenig zu tun hat, scheint bei der UEFA niemanden zu stören. Die gerade laufende Zeremonie schien so wie ein weiterer Arm dieser Auswüchse – wenigstens bis zur Hälfte.

Nach der Ziehung liess ichs dann gut sein. Ich hatte genug gesehen, stellte vor der Wahl von Europas Fussballer des Jahres ab, wollte keinen Satz der ungelenken Moderatorin und des jovialen Moderators mehr hören und dachte für mich: Ja, so eine europäische Reise wäre ja schon was. Aber dem ganzen Zirkus auch einfach mal den Rücken kehren zu können, hat auch etwas für sich.

Wer im Detail nachlesen will, was sich am Modus der UEFA Champions League genau ändert, dem empfehlen wir den Artikel der Süddeutschen Zeitung.


Foto: David Flores, CC by 2.0 (adapted)


Jeff Saibene kam 2011 ohne viel Kredit nach St. Gallen. Den Abstieg konnte er nicht mehr verhindern. Dann zeichnete er sich aber mitverantwortlich für die beste Zeit des FCSG in den letzten Jahren. SENF unterhielt sich mit dem Cheftrainer über diese Entwicklung, seine Europa League-Erlebnisse und über seine Eindrücke vom Club und den Fans.

Jeff Saibene

SENF: Jeff Saibene, wie kommt ein Luxemburger dazu, in der Schweiz Karriere zu machen?

Saibene: Dass ich in der Schweiz landete, war kein Zufall, sondern wie vorprogrammiert. Ich war immer ein Schweiz-Fan; nicht einmal unbedingt vom Fussball, sondern weil mir das Land immer sehr gefiel. Mit 19 spielte ich bei Standard Lüttich, da kam eine Anfrage aus Aarau, wo ich meinen ersten Profivertrag unterschrieb.Ich blieb dann, bis auf einen kleinen Unterbruch, immer hier. Heimweh verspüre ich nicht, ich will auch nicht zurück, sondern mit meiner Familie hier bleiben.

SENF: Luxemburg gilt als Fussballzwerg. Aus welcher Perspektive betrachtet man da den Weltfussball?

Saibene: Da ich schon mit 15 aus Luxemburg wegzog und mehr als die Hälfte meines Lebens in der Schweiz verbracht habe, sehe ich den Fussball mehr aus Schweizer Perspektive. Luxemburg wurde aufgrund seines geringen Stellenwerts aber schon immer etwas belächelt, wobei ich hier mittlerweile eine gewisse Akzeptanz spüre. Dass Luxemburg die Schweiz besiegt hat, trug vielleicht auch etwas dazu bei.

SENF: Eine Akzeptanz, die du dir in St. Gallen hart erarbeiten musstest.

Saibene: Verständlicherweise stand man mir kritisch gegenüber, als ich vom Luxemburgischen Fussballverband nach St. Gallen kam.Ich war ein Durchschnittskicker, nicht viele haben mich gekannt und wir verfehlten gleich das Ziel, die Liga zu halten. Die darauffolgende Saison in der Challenge League war ebenfalls schwierig. Danach gab es aber einen radikalen Wandel, nach dem ich mir und wir uns Akzeptanz aufgebautund viel Vertrauen bei der Bevölkerung gewonnen haben. Ich geniesse derzeit ein hervorragendes Verhältnis, was sich auch in einer gewissen Anerkennung und Dankbarkeit äussert. Dies trägt viel dazu bei, dass ich mich hier sehr wohl fühle.

SENF: Zum schwierigen Start trug sicher auch das Auswärtsspiel bei Xamax bei. Was geht einem Trainer durch den Kopf, wenn Tréand für acht verbliebene Neuenburger in der 94. Minute gegen St. Gallen das 2:1 schiesst?

Saibene: Das war wirklich ein Horrormoment. Wir waren in Überzahl und konnten in diesem wichtigen Spiel gegen einen direkten Konkurrenten wenigstens überhaupt noch ausgleichen. Dann haben wiruns bei einem Freistoss komplett naiv verhalten. Statt zu flanken, schoss Hämmerli direkt aufs Tor, der Torhüter parierte den harmlosen Schuss, warf aus, Tréand liess zwei von uns stehen und schoss das Tor. Es ist eine Episode, über die wir heute 
lachen können, damals war es aber Horror. Den Abstieg bedeutete es aber nicht: Obwohl es mental ein empfindlicher Schlag war, konnten wir das Rennen bis zum Schluss offen halten, ehe wir bei YB verloren.

SENF: War es danach eine undankbare Aufgabe, die Challenge League als Ligakrösus, also quasi aus der Bayern-Perspektive, in Angriff zu nehmen?

Saibene: Die Challenge League war eine zwiespältige Geschichte. Wir haben stets unsere Pflicht erfüllt, haben aber nicht das Spektakel gezeigt, das sich das Umfeld wünschte. Zudem war die Liga unattraktiv. Obwohl ein fader Beigeschmack bleibt, erreichten wir den Aufstieg ohne Probleme. Es war auch einmal schön, die Gewissheit zu haben, aufgrund der vorhandenen Qualität acht von zehn Spielen zu gewinnen. Wir gerieten nie ernsthaft unter Druck und stiegen früh auf.

SENF: Hat es dich dann selbst überrascht, als Aufsteiger gleich souverän Dritter zu werden?

Saibene: Meistens ist es ja so, dass man als Aufsteiger den Groove mitnimmt. Es war vielleicht aber auch eine Trotzreaktion: Wir hatten wenig Kredit, viele gaben uns keine Chance. Dazu kamen mit Nater und Janjatovic entscheidende Transfers; Spieler, die uns enorm weiterbrachten, vorhin jedoch kaum jemand kannte. Mit diesen zwei Top-Fussballern in der Mitte hat sich unser ganzes System verändert. Wichtiger als die letzte Saison ist für mich aber, dass wir die Leistung in der diesjährigen Hinrunde bestätigen konnten, trotz immenser Belastung sowie gewichtigen Abgängen. Was wir in diesem halben Jahr erreicht haben, finde ich bemerkenswert.

SENF: Von der Challenge League direkt in die Europa League: Ein Traum?

Saibene: Wenn ich jemandem beim Heimspiel vor zwei Jahren gegen Carouge gesagt hätte, dass wir hier 2013 in der Europa League-Gruppenphase Valencia empfangen, hätte der mich für komplett verrückt erklärt. Es nahm von Spiel zu Spiel seinen Lauf, alles ging sehr schnell. Möglicherweise werde ich erst in einigen Jahren realisieren, was wir hier als kleiner Club erreicht haben. In Moskau mit 4:2 zu gewinnen und die Gruppenphase zu erreichen ist mit das Schönste,was ich je erlebt habe. Die 30 Minuten nach dem frühen Gegentor waren mit das Beste, was der FC St. Gallen in jüngerer Vergangenheit gezeigt hat. Ich habe in der darauffolgenden Nacht kein Auge zugemacht, erhielt viele Nachrichten. Wir machten europaweit Schlagzeilen und erhielten innerhalb der Schweiz Anerkennung und Sympathie, wie es St. Gallen noch selten erfahren hat. Mit der Qualifikation zur Europa League sowie unserem Auftreten in der Gruppenphase haben wir viel für das positive Image des Vereins getan.

SENF: Dabei hast du vom schwerstmöglichen Gegner gesprochen, als uns Spartak Moskau zugelost wurde.

Saibene: Ja, ich dachte, das ist einfach Scheisse: Da verlierst du zweimal, hast zuhause keine Zuschauer, fliegst nach Moskau und das war dann die Europa League. Natürlich habe ich das weder dem Team, noch der Öffentlichkeit gegenüber so verkauft, aber ich hatte die Russen in der Meisterschaft verfolgt und sie waren wirklich sackstark. Ehrlich gesagt, wäre ich lieber nach Stuttgart gereist.

Ich glaube, dass wir danach mit Valencia und Swansea die beste Gruppe erwischt haben. Valencia ist ein Weltclub, der in den letzten zehn Jahren zweimal im Champions League-Final stand. Das Auswärtsspiel war für alle ein grosses Erlebnis, obwohl wir hoch verloren haben. Kuban Krasnodar war weniger ein Wunschgegner – insgeheim habe ich auf Standard Lüttich gehofft, wo ich als junger Spieler fünf Jahre verbrachte.

SENF: Haben sich die Prioritäten während der Europa League-Zeit verschoben?

Saibene: Nein, gar nicht. Ich habe von Spiel zu Spiel geschaut und so rotiert, dass einerseits alle Spieler im Rhythmus blieben und wir andererseits immer genügend fitte Spieler auf dem Platz hatten. Abgesehen von den Stürmern sind wir vom Verletzungspech verschont geblieben, weshalb wir alles ganz gut bewältigt haben – obwohl
die Belastung riesig war und wir zuletzt im Dreitagesrhythmus spielten.

SENF: Wie bewältigte die Mannschaft dieses immense Pensum?

Saibene: Es ist eine Frage des Willens und der Fitness. Nach der intensiven Vorbereitung im Sommer sagten mir viele Spieler, sie seien noch nie so fit gewesen. Auch darum sind wir die Mannschaft mit dem grössten Laufpensum der Liga. Die Teams der europäischen Topligen laufen im Schnitt 122 Kilometer pro Spiel, wir rund 130! Als ich der Mannschaft vorschlug, etwas weniger Pressing zu betreiben, wollten die Jungs das nicht. Sie wollen so Fussball spielen und zeigten, dass sie dazu im Stande sind: Nach dem Auswärtsspiel in Moskau besiegten wir Luzern mit 4:1. Aus Krasnodar kamen wir freitags in der Nacht zurück, klinisch tot. Trotzdem gewannen wir gegen Zürich und liefen wieder 130 Kilometer! Vor der Winterpause gab es aber doch Spiele, in denen wir die Belastung spürten. Trotzdem: Wie oft seid ihr nach Hause gegangen und wart wirklich enttäuscht von der Mannschaft? Ich denke, diese Spiele lassen sich im vergangenen Jahr an einer Hand abzählen.

SENF: Ihr habt uns beeindruckt – wir euch auch?

Saibene: Am meisten beeindruckt hat mich Swansea, als die ganze Schlange St. Gallen-Fans an unserem Bus vorbeizog. Wenn du zu diesem Club gehörst und so etwas siehst, ist das Wahnsinn! Riesig! Auch im Stadion war es ein einmaliges Erlebnis. Fans in England, das ist etwas anderes; es ist auch Stimmung, aber nicht so, das kennen sie gar nicht. Ich bekam danach Meldungen, sie hätten so etwas noch nie erlebt. Was haben sie geschrieben? ‚Best ever!‘ Auch im Cup gegen Zürich fand ich die Stimmung unglaublich cool. Es waren 7‘700 Leute da und von der Stimmung her hatte ich das Gefühl, das Stadion sei voll. Wir haben ein riesiges Fanpotenzial, ich geniesse jedes Spiel.

SENF: Jedes Spiel? Bist du von uns manchmal nicht auch enttäuscht?

Saibene: Im Moment selten. Natürlich, wenn einer einmal einen Penalty verschiesst und danach zwei, drei schlechte Aktionen hat, ist es unglücklich wenn 50 Prozent der Fans pfeifen. Ich habe zwar ein gewisses Verständnis, es gehört irgendwie auch dazu, denke aber auch ‚Scheisse, muss das jetzt sein?‘.

SENF: Stört es dich, wenn in einem Spiel mehr gegen den Gegner als für die eigene Mannschaft gesungen wird?

Saibene: Naja, es ist halt… Hauptsache es wird gesungen (lacht).

SENF: Wir kommen nicht drum herum, das Thema Pyro anzusprechen. Stört dich das? Gefällt dir das?

Saibene: Das Problem bei Pyros ist einfach, dass es gefährlich ist. Wenn es zur Waffe und auf Menschen geworfen wird, dann ist es Horror. Wenn es aber so ist, dass es als Fest, als Stimmung genutzt wird, finde ich es grandios.

SENF: Mittlerweile bist du der mit Abstand dienstälteste Trainer der Super League. Was bedeutet dir das? Könnte sich daraus eine längere Ära entwickeln?

Saibene: Ich hatte im Dezember meinen tausendsten Arbeitstag beim FC St. Gallen. Ich denke, darauf darf ich schon ein bisschen stolz sein. Tausend Tage sind eine lange Zeit und für mich besonders schön, weil die Anfangszeit nicht so positiv war. Darum gefällt es mir, dass der Trainer hier derzeit gar kein Thema ist und es wäre speziell, wenn dies über einige Zeit so bleiben würde – sieben, acht Jahre beim gleichen Club zu arbeiten, das würde mich schon sehr reizen. Vielleicht ist das aber auch nur Wunschdenken…

SENF: A propos Wunschdenken: Was willst du unbedingt erreichen?

Saibene: (Überlegt lange) Den Cupfinal möchte ich unbedingt einmal erleben, weshalb mir das Out gegen Zürich grausam auf dem Magen liegt. Früher wollte ich einmal der erste Luxemburger sein, der in der Bundesliga trainiert. Davon bin ich aber etwas abgekommen, zumal ich mich hier derzeit wunschlos glücklich fühle. Ich geniesse hier eine riesige Unterstützung von allen Seiten und kann mir nicht vorstellen, dass ich es irgendwann und irgendwo nochmals so gut haben werde wie hier. Dennoch muss man realistisch bleiben. Wenn ein Top-Angebot kommt und der Präsident, der Sportchef und ich finden, dass ich das unbedingt annehmen müsse, würde ich wahrscheinlich auch gehen. Ich denke kaum, dass ich Guy Roux werde und hier 37 Jahre lang Trainer bleibe.

SENF: Wer weiss!

Saibene: Wer weiss, ja! Vielleicht sitzen wir in 20 Jahren ja wieder hier (lacht).

Dieses Interview erschien zum ersten Mal im SENF #01 (erschienen im Januar 2014).