Noch bevor der FC St.Gallen die zwei Spiele der zweiten Qualifikationsrunde zur Europa League bestreitet, werden bereits die Partien der dritten Runde gelost. Auf diese Gegner könnte St.Gallen treffen.

Fanmarsch in Swansea

Der FC St.Gallen geht gegen den norwegischen Verein Sarpsborg 08 als Favorit ins Rennen. FCSG-Fans wissen natürlich aus leidvoller Erfahrung, dass das noch nicht viel heissen muss. Trotzdem wirft SENF bereits einen Blick auf eine mögliche dritte Qualifikationsrunde. Denn diese wird bereits am Montag ausgelost.

Die dritte Qualirunde wird wie schon die zweite in einer Runde für Meister und einer Runde für Cupsieger und sonstige qualifizierte Teams gespielt. In Letzterer treten neben dem Sieger des Duells FCSG-Sarpsborg 51 weitere Teams an. 13 davon stossen erst in dieser Runde dazu, so zum Beispiel Zenit St.Petersburg, Rapid Wien oder auch der FC Luzern. Zwei Plätze sind für die Verlierer der zweiten Runde des Platzierungswegs der Champions League-Qualifikation vorgesehen. Das sind Ajax Amsterdam oder Sturm Graz im einen Spiel und PAOK Thessaloniki oder der FC Basel im anderen Spiel. Die restlichen Teams ergeben sich aus den Siegern der zweiten EL-Qualirunde.

Bereits jetzt ist klar: Der FC St.Gallen wird in dieser Auslosung zu den ungesetzten Teams gehören. Entsprechend kann er nur auf ein gesetztes Team treffen. Gesetzt sind alle Teams, die eine Koeffizienten von 10,0 oder höher aufweisen. Wie schon in der zweiten Qualifikationsrunde gilt: Weil zum Zeitpunkt der Auslosung die Spiele der vorhergehenden Runde noch nicht gespielt sind, gehen jene Partien mit dem Koeffizienten des besseren Teams in die Wertung ein. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Partie B36 Torshavn – Besiktas Istanbul in den Topf der gesetzten Teams wandert, obwohl Torshavn weit entfernt von dem erforderlichen Koeffizienten von 10,0 wäre.

Die möglichen Gegner des FC St.Gallen:

Verlierer der zweiten Runde des Platzierungswegs in der Champions League-Qualifikation:

– Ajax Amsterdam oder Sturm Graz

Neu dazustossende Teams:

– Zenit St.Petersburg
– Olympiakos Piräus
– Sporting Braga
– KAA Gent
– Feyenord Rotterdam
– SK Rapid Wien
– HNK Rijeka

Sieger der zweiten EL-Qualifikationsrunde:

– FC Sevilla oder Ujpest Budapest
– B36 Torshavn oder Besiktas Istanbul
– FK Sarajevo oder Atalanta
– FK Spartak Subotica oder Sparta Prag
– UMF Stjarnan oder FC Kopenhagen
– Steaua Bukarest oder NK Rudar Velenje
– KRC Genk oder CS Fola Esch
– AZ Alkmaar oder FK Qairat Almaty
– Tschichura Satschchere oder NK Maribor
– Maccabi Tel Aviv oder FK Radnicki Nis
– RB Leipzig oder BK Häcken
– FK Partizan Belgrad oder FK Trakai
– FC Burnley oder FC Aberdeen
– Girondins Bordeaux oder FK Ventspils
– FK Ufa oder NK Domzale
– FK Zeljeznicar Sarajevo oder Apollon Limassol
– Molde FK oder KF Laci

Erneut ist also die Chance gross, dass nach der Auslosung der mögliche Gegner des FC St.Gallen noch nicht feststeht. Nur kommt dieses Mal auch noch die Unsicherheit dazu, ob es der FC St.Gallen überhaupt in die dritte Qualirunde schafft. Die Auslosung findet am Montag um 14 Uhr statt (wenn die Uefa denn dieses Mal rechtzeitig startet). Davor werden die Teams wieder in Gruppen zugeteilt, die möglichen Gegner werden also da bereits einmal reduziert. Die Spiele der dritten Qualirunde würden dann am 9. und 16. August stattfinden.

Update 23. Juli, 10.40 Uhr: Auslosungsgruppen bekannt

Die Uefa hat in der Zwischenzeit die Auslosungsgruppen bekannt gegeben. Das Duell zwischen dem FCSG und Sarpsborg ist die Nummer 8 in der Gruppe 1. Möglich sind noch folgende Gegner bzw. Partien:

– 1: Ajax oder Sturm Graz (Verlierer der CL-Quali)
– 2: Maccabi Tel-Aviv oder Radnicki Nis
– 3: HNK Rijeka
– 4: Aberdeen oder Burnley
– 5: Zenit St.Petersburg

Wie schon bei der Auslosung zur zweiten Quali-Runde werden also mehrere Gruppen gleichzeitig gelost. In diesem Fall Gruppen 1 bis 4, Gruppe 5 umfasst mehr Teams und wird danach separat gelost. Für die mögliche Partie des FCSG heisst das: Die Nummer, die der Nummer 8 zugelost wird, ist der Gegner in einer allfälligen dritten Qualirunde. Wer zuerst gezogen wird, spielt zuerst zuhause. Die Ziehung startet heute Montag um 14 Uhr. Davor finden die Ziehungen der CL und des EL-Meisterwegs statt.


Die WM ist vorbei, jetzt gibt es endlich wieder mehr Itten und weniger Neymar. Ein Mitglied des Senf-Kollektivs rechnet mit dem sogenannten Weltfussball ab.

facepalm

Es ist nicht lange her, da schrieb ich in einem noch nicht veröffentlichten Text für SENF, es gebe wohl neben dem FC St.Gallen kaum einen Verein, dessen Fans regelmässig so froh über das Saisonende sein müssten. Endlich Pause, keine wöchentliche Niederlage mehr.

Ähnlich geht es mir bei der Weltmeisterschaft. Endlich ist sie fertig. Ich frage mich: Stelle ich – ein ausgesprochener Fan des Regionalfussballs – zu hohe Ansprüche an den Fussball? Warum bin ich zweimal nacheinander so froh über das Ende eines Anlasses? Mein persönliches WM-Fazit ist ernüchternd: Das war ja nicht auszuhalten. Ich will nicht noch mehr davon. Nicht noch mehr bedingungsloses Verteidigen, nicht noch mehr Simulieren, Rudelbildungen und Zeitspiel. Schön, fand die WM am Sonntag ihr Ende. Jetzt gibts wieder mehr Itten und weniger Neymar.

Ich wundere mich über die vielen Kommentare, die von einer hervorragenden WM sprechen. Der «Sonntagsblick» schrieb, die Fussballer hätten das schöne Spiel in Perfektion zelebriert. Andere meinten, die spielerische Klasse sei extrem hoch gewesen, jedes Spiel spannend, weil es heute keine Kleinen mehr gebe.

Ich bin da eher bei Oliver Kahn: Diese tiefstehenden Mannschaften, die von Beginn weg verteidigen, vielleicht mal ein Tor schiessen und dann noch mehr verteidigen, die sind nichts Neues. Die deutsche Torhüterlegende – als Kommentator vielen und auch mir sympathischer denn als Goalie – sah an der WM nichts, was er noch nie gesehen hat. Ich auch nicht. Aber vieles, das perfektioniert wurde.

Joga Bonito – spiele schön

Nehmen wir das Defensivspiel. Ich schicke vorweg: Meiner Meinung heiligt jedes faire, legitime Mittel an einer WM den Zweck. Ich nehme es den Teams nicht übel, wenn sie so spielen. Aber es ist nicht schön anzuschauen. Eines Gipfeltreffens der besten Spieler und Mannschaften der Welt geradezu unwürdig.

Ein amerikanischer Sportartikelhersteller warb einst mit dem Slogan «Joga Bonito», «spiele schön». Der Abgesang darauf ist an der WM um ein paar Strophen bereichert worden. Von Schweden etwa, einer biederen Mannschaft, an die sich kaum einer erinnern würde, hätte sie nicht (verdient!) die Schweiz rausgeworfen. Von Russland, das so den Viertelfinal erreicht hat. Vom Iran (zu dem ich Sympathien entwickelt habe), von Island, von Dänemark. Ein wenig auch von Weltmeister Frankreich.

Kommen wir zum Simulieren, den Rudelbildungen und dem Zeitspiel. Klar, auf Neymar wurde schon genug herumgehackt, aber er hat sich das auch redlich verdient. Doch er ist in guter Gesellschaft: Cristiano Ronaldo versuchte auf lächerliche Art, einen Penalty zu schinden. Griezmann holte im Final so den Freistoss heraus, der zum 1:0 führte.

Der Engländer Henderson bewarb sich während des Spiels gegen Kolumbien um eine Aufnahme an Schauspielschulen rund um die Welt. Dies in einem extrem überhitzten Spiel, weil die Kolumbianer alle zwei Minuten den Schiedsrichter in den Schwitzkasten genommen haben. Das Spiel hätte nicht zu Ende gespielt werden können, hätte der Unparteiische die Karten so verteilt, wie es im Regelbuch steht.

Endlich wieder Gurkenliga

Und dann das Zeitspiel. Bei Frankreich-Belgien wurde in den letzten 15 Minuten vielleicht noch drei Minuten Fussball gespielt. Kylian Mbappé soll der neue Star des Weltfussballs werden. Das Zeitspiel hat er auf jeden Fall schon mal drauf, das zeigte er eindrücklich. Einen solchen Weltfussball will ich nicht.

Ich bin froh startet nun wieder der Ligabetrieb. Nicht nur, weil ich bald kein Grillfleisch mehr sehen kann und nicht mehr jeden zweiten Tag wegen der Begleiterscheinungen des Fernsehfussballs einen Kater habe. Auch nicht, weil die Super League so viel schöneren Fussball bietet als die Weltmeisterschaft, zumindest Belgien und Kroatien haben uns ja schon ein wenig verwöhnt und ich bin jetzt noch mehr Fan von Kevin de Bruyne.

So überheblich, die Schweizer Liga damit zu vergleichen, bin ich nicht. Wir sprechen hier von einer Liga, die auf der Strasse gerne als Gurkenliga bezeichnet wird. Aber: Es ist die mir liebgewordene Gurkenliga. Ich habe mich an sie gewöhnt, an ihre Bodenständigkeit, an all ihre Schwächen. Ich habe sie nun mal gern. Ich sehe lieber Itten als Neymar.


SENF berichtet(e) umfassend von der WM 2018. Die Übersicht zu Berichten, Tickern und allem anderen gibts hier: http://senf.sg/senf-zur-wm-2018/


Sämtliche Artikel, Bilder, Ticker und sonstige Erzeugnisse, die wir bis Mitte Juli zu digitalem Papier gebracht haben, sind hier verlinkt. Natürlich informierten wir auch auf FacebookTwitter und Instagram unter dem Hashtag #SENFWM darüber.


19. Juli

Die WM ist vorbei, die Super League steht vor der Tür. Endlich wieder mehr Itten und weniger Neymar.


18. Juli

Der Videoschiri soll mehr Fairness bringen. Das klappt nicht immer, wie wir hier ausführen.


3. Juli

Nach Openair-bedingter Pause kehrt SENF heute ins Turnier zurück. Schafft die Schweiz die Viertelfinalqualifikation? R.S. und R.S. tickern live.


27. Juni

Im letzten Gruppenspiel kann die Schweiz den Achtelfinaleinzug sicherstellen. Gelingt das? SENF tickert live.


22. Juni

Die Schweiz trifft im zweiten Gruppenspiel auf Serbien. Auf dem Weg Richtung Achtelfinal ist das Spiel von grosser Bedeutung. SENF tickert live vom Public Viewing des serbischen Kulturvereins Sveti Sava in Altstätten.


19. Juni

Wir unterbrechen die WM-Berichterstattung für eine Eilmeldung: Der FC St.Gallen ist morgen nach fünf Jahren wieder einmal Teil einer Europa League-Auslosung. Das Prozedere ist leicht verwirrlich, deshalb haben wir es hier erklärt.


17. Juni

R.S. und R.S. tickern den Auftakt der Schweiz gegen Brasilien live.


14. Juni

Die WM geht los. Das heisst nicht nur einen Monat lang Fussball schauen, das heisst auch: Einen Monat lang WM-Songs ertragen. Wir haben reingehört, damit ihr nicht müsst.


13. Juni

Nur noch einmal schlafen, dann startet die Weltmeisterschaft. Höchste Zeit, die Tipps für die ersten Spiele abzugeben. Wer beim SRF-Tippspiel mitmacht, kann gerne unserer Tippgruppe namens SENF beitreten.


12. Juni

Vor einer WM erscheinen unzählige Berichte, Bilder, Videos und vieles mehr. Wenig davon ist so gut wie dieser Kurzfilm.

12. Juni

Die Karpatenukraine ging als Sieger vom Platz und darf sich Weltmeister nennen. Conifa-Weltmeister zumindest. In der Heimat drohen derweil unangenehme Fragen wegen angeblicher separationistischer Handlungen. Unser Bericht vom Finaltag der WM für Fussballhipster ist hier zu lesen.

7. Juni

Die Halbfinals sind gespielt. Nordzypern schlägt Padania mit 3:2, die Karpatenukraine schlägt Szeklerland 4:2. Am Samstag machen folglich Nordzypern und die Karpatenukraine den Weltmeistertitel unter sich aus. Die Begegnung verspricht spannend zu werden. In der Gruppenphase trennten sich die zwei Teams 1:1. Padania und Szeklerland machen Platz 3 aus. In der Gruppenphase gewann Padania dieses Spiel mit 3:1. Auch im Spiel um Platz 3 dürften sie leicht favorisiert sein. SENF wird von beiden Partien berichten. Als einziges Schweizer Medienhaus berichten wir vor Ort von beiden WM-Finals diesen Sommer. Wir tun das am schnellsten und mit Bildern auf unserem nagelneuen Instagram-Kanal.


5. Juni

In den Viertelfinalspielen der Conifa-WM setzten sich Nordzypern gegen Barawa, Padania gegen Punjab, die Karpatenukraine gegen Cascadia und Szeklerland gegen Westarmenien durch. In den Halbfinals trifft Nordzypern auf Padania und die Karpatenukraine auf Szeklerland. Die Spiele finden am 7. Juni statt.

Dass Barawa überhaupt in die Viertelfinals vorstossen konnte, sorgte für ordentlich Zündstoff. Barawa soll einen Spieler nach dem ersten Spiel nachgemeldet haben. Ellan Vannin, das Team von der Isle of Man, das in der Vorrunde nur knapp gescheitert war, legte Protest ein. Die Conifa lehnte diesen ab. Sehr zum Unbill von Ellan Vannin:

Die Mannschaft verzichtete in der Folge sogar auf die Platzierungsspiele, die sie noch hätten spielen sollen. In der Zwischenzeit soll aber ein gutes Treffen mit dem Präsidenten der Conifa, dem ehemaligen Schiedsrichter Per-Anders Blind, stattgefunden haben:


5. Juni

Schon bevor in Russland der erste Pfiff ertönt, werden in London WM-Viertelfinals gespielt. Die von der Fifa nicht anerkannten Teams treten zur Conifa-WM an. Wir waren vor Ort: Die WM für Fussballhipster

 


Der Video Assistant Referee (VAR), der sogenannte Videoschiri, soll mehr Fairness bringen. Das klappt nicht immer. Die Diskussionen halten an.

Die Videoschiris bei der Arbeit. (Bild: Screenshot FIFA TV)

Auch im letzten Spiel der Weltmeisterschaft kam er wieder zum Einsatz, der Video Assistant Referee (VAR). Der «Videoschiri», wie er im Volksmund genannt wird, wies den eigentlichen Schiedsrichter Néstor Pitana darauf hin, dass der Kroate Ivan Perišić im eigenen Sechzehner die Hand zur Hillfe nahm. Pitana konsultierte die Fernsehbilder und entschied auf Penalty. Eine übersehene Regelübertretung wird nachträglich geahndet. Ein Einschreiten des Videoschiris hat einen Fehler korrigiert.

Was allerdings für Verwirrung sorgen kann, ist die Frage, wann er überhaupt eingreifen darf. Blenden wir zurück: In der 19. Minute geht Frankreich in Führung. Nach einem Freistoss, der nicht gegeben hätte werden dürfen. Antoine Griezmann liess sich ohne Fremdeinwirkung fallen, Schiri Pitana hatte aber ein Foul gesehen.

Der Videoschiri konnte hier nicht eingreifen. Er darf das nur unter gewissen Umständen: bei Toren, Penaltyentscheidungen, möglichen roten Karten und Spielerverwechslungen. Hätte in der 34. Minute bei Perišićs Handspiel nicht der Videoschiri eingegriffen, so hätte man vermutlich von ausgleichender Gerechtigkeit gesprochen.

Natürlich ist es legitim, nicht eine Fehlentscheidung durch eine zweite ausgleichen zu wollen. Es ist sogar wünschenwert, das nicht zu tun. Insofern ist das erwähnte Beispiel für sich alleine kein stichhaltiger Grund gegen den Videoschiri. Besser illustriert das Spiel Iran-Portugal das Problem. Die zahllosen Unterbrechungen vergrösserten den Spass am Fussballschauen ohnehin nicht. Wenn dann die Entscheidungen gar nach der Konsultation der Fernsehbilder strittig bleiben, verfehlt das neue Instrument den Zweck sowieso.

Dass auch ein Videoschiri nicht für die völlige Gerechtigkeit besorgt sein kann, zeigt ironischerweise aber ein Schiri am besten. Der Schweizer Spielleiter Sascha Amhof wurde im SRF jeweils zu strittigen Szenen befragt. Beim Spiel Argentinien-Island kam es zu einer kontroversen Penaltysituation. Dazu sagte Amhof: «Unter dem Strich ist es für mich ein Penalty.» Ein Skandal sei es aber nicht, dass der Schiri diesen nicht gepfiffen hätte. «Das ist der Grund, weshalb der VAR nicht eingegriffen hat, weils nicht skandalös falsch ist.»

Zusammengefasst: Eigentlich wärs Penalty, aber so schlimm war das Foul dann doch nicht. Deshalb kann man weiterspielen lassen. Das ist Schwachsinn. Es gibt nur «Foul» und «kein Foul». Ein «bisschen Foul» gibts nicht. Absurder ist da höchstens noch die Frage von Amhof, was denn hier die Realität sei, die Originalgeschwindigkeit oder die Slow-Motion.

Die Diskussionen über den Videoschiri werden so schnell nicht enden, auch im SENF-Kollektiv herrscht keine Einigkeit. Vielleicht ist aber gerade das das Schöne am Video-Schiri: Trotz vermeintlicher Objektivität kann man immer noch trefflich diskutieren.


SENF berichtet umfassend von der WM 2018. Die Übersicht zu Berichten, Tickern und allem anderen gibts immer hier: http://senf.sg/senf-zur-wm-2018/


In der Saison 2005/06 war der FC St.Gallen wenige Runden vor Schluss wie so oft noch nicht gerettet. Für Mock war die Lage so dramatisch, dass er gerne Oliver Kahn als neuen Schlussmann verpflichtet hätte. Hutter hingegen wollte noch nicht einmal das Sammelbildchen mit dem deutschen Torhüter.

Hutter und Mock sassen sich gegenüber. Jeder hatte eine Beige mit Fussballbildchen vor sich. Im Fernsehen lief ein Fussballmatch. Am Radio eine Fussball-Hymne und am Computer der Fifa World Cup 2006. Zwei Fussball-Gefangene warteten in der St.Galler Altstadt auf ihre Befreiung. – Aber weit und breit war niemand, der ihnen helfen oder wenigstens ihre Not lindern wollte. Im Gegenteil: Die stärkste Zeitung der Schweiz versteckte Fussball-Bildchen in einer ganz gewöhnlichen Samstags-Ausgabe. Das Schweizer Fernsehen schickte Trainer Gilbert Gress und ein paar Prominente aufs Fussballfeld zum Match. Und der FCZ führte eine Fussballposse auf unter dem Titel «Ils ont kidnapé Rafael!».

Mock legte das Bild mit dem Dortmunder Westfalenstadion auf den Tisch. Hutter jenes von Alex Frei. Die Regeln waren einfach: Wer wusste, was das betreffende Bild mit St.Gallen zu tun hatte, durfte das Bild behalten. «Alex Frei hätte uns garantiert zum zweiten Meistertitel in Folge geschossen, wenn der FCSG ihn 2001 rechtzeitig verpflichtet hätte.» Hutter zögerte keinen Augenblick mit der Antwort. Mock nickte und schob das Bild über den Tisch. «Im Westfalenstadion feierte der Stürmer Stéphane Chapuisat seine grössten Erfolge. Als 18-jähriger Lausanne-Stürmer dribbelte er in der Saison 87-88 seinen Gegenspieler Ertan Irizik auf dem Espenmoos schwindlig und verzückte dabei sogar das St.Galler Publikum.» – Mock lachte, Hutter zuckte die Schultern und gab das Bild frei.

Die Kater Amoah und Rubio schauten den seltsamen Tauschgeschäften aufmerksam zu. Nächste Runde: Otto Pfister und das Wappen der USA. Mock antwortete zuerst: «Der Togo-Trainer hat uns Kindern damals mächtig imponiert. Wenn die Mannschaft nach dem Einlaufen vom Nebenplatz Richtung Tribüne marschierte, paffte Spielertrainer Pfister eine Zigarette und witzelte locker mit den St.Galler Fans.» – Hutter drückte Mock das Bild und dazu noch den seltenen Argentinier Sorin in die Hand. «Der amerikanische Fussballer Frankie Hejduk verärgerte mit seinen Eskapaden und seiner Überheblichkeit die Fans auf dem Espenmoos. Seine Nomination für die WM ist eine absolute Frechheit.»

Hutters Erregung dämpfte Mock mit einer grosszügigen Dreingabe. Er schenkte Hutter das Bild von Kahn und liess dazu eine folgenschwere Bemerkung fallen: «Der würde auch zu uns uns passen, gerade jetzt.» – Hutter sagte nichts. Aber er schob alle gewonnenen Bilder wieder hinüber zu Mock. «Nimm zurück, was du eben gesagt hast, oder ich spiele nicht weiter.» Mock ging wortlos zum Kühlschrank, holte sich ein Getränk, setzte sich vor den Fernseher und sah ruhig zu, wie der Arsenal-Hüter Lehmann den Penalty von Riquelme hielt. «Wir schweben in höchster Abstiegsgefahr, ja wir stehen am Abgrund. Und was macht der treue FCSG-Fan Mock aus dem Sektor Blau?» Goalie-Witze, um damit von seiner heimlichen Liebe zur deutschen Nationalmannschaft abzulenken. – Mock erhob sich langsam, packte seine Bildchen ein, kraulte Amoah und verliess das Wohnzimmer kommentarlos. Hutter riss die deutsche Mannschaft aus dem Fussball-Album, öffnete das Fenster und liess einen Papierflieger zu Mock hinuntersegeln.


Die Geschichten von Hutter & Mock waren über Jahre fixer Bestandteil der St.Galler Matchvorbereitung. Die ersten 37 Folgen bis zum Abschluss der Rückrunde der Saison 2003/04 sind in einem Sammelband im Saiten-Verlag erschienen. Der Autor Daniel Kehl hat uns freundlicherweise die nachfolgenden, bisher nicht in Buchform erschienenen Episoden überlassen. Wir veröffentlichen in jeder Ausgabe des SENF eine Hutter & Mock-Episode, die erste im SENF #02. Zusätzlich erscheint jeden zweiten Monat eine Episode hier auf diesem Blog.

Die aktuelle Episode «Frei, Pfister und Kahn» erschien anlässlich des Heimspiels in der 34. Runde der Saison 2005/06 gegen den Neuchâtel Xamax.

Hutter & Mock