Der legendäre Werner Zünd sagte am Release der neuen SENF-Ausgabe, sein Herz sei gleich doppelt grün-weiss. Die liebsten beiden Vereine des Rheintalers, der FC St.Gallen und sein Stammverein FC Rebstein, tragen diese Farben.

Die gemeinsamen Farben sind aber nicht allen eine Hilfe, wie ein Blick in die Rebsteiner Fasnachtszeitung zeigt. A.C., ein Junior des FC Rebstein, spielte mit seiner Mannschaft unlängst in Uzwil. Den Heimweg wollte er mit der Bahn antreten. Am gleichen Tag fand auch ein Spiel des FCSG statt. Er dachte sich, dass die Fans ja ungefähr in die gleiche Richtung fahren müssen. Also heftete er sich am Bahnhof einfach an die Fans in grün-weiss und glaubte, sich in die richtige Richtung zu bewegen.

Dumm war nur: Die Fans reisten nicht etwa nach St.Gallen, wo er auf den Zug ins Rheintal hätte umsteigen können, sondern nach Bern. Der Junior wunderte sich nicht schlecht über die lange Fahrt bis ans vermeintliche Ziel – und bemerkte erst dann, die halbe Schweiz durchquert zu haben.

Der FC Rebstein dürfte über den Ausflug des Juniors nach Bern gelacht haben. Der Verein hat mit dem FCSG neben den Farben nämlich noch eines gemeinsam, wie uns ein Kollektivmitglied versichert: Es ist ein geselliger Verein, bei dem viel gelacht wird. Sicher auch über diese Episode. Und wer weiss, vielleicht wird aus diesem Junioren ja der nächste doppelt grün-weisse.

Bild: Fasnachtszeitung Rebstein


Wir waren völlig überrumpelt. Innert weniger Minuten waren die Espenmoos-Bastelbögen ausverkauft. Und die Nachfrage noch lange nicht gestillt. Also haben wir uns am Tag nach dem Release gleich wieder aufgemacht zur Druckerei und einen neuen Auftrag platziert. Deshalb können wir euch jetzt die gute Nachricht überbringen: Wer noch keinen Bastelbogen hat, kriegt nochmal eine Chance!

Wer Bastelbögen reservieren will, schreibt bis spätestens 21. Februar ein Mail mit Name und Anzahl gewünschter Bögen an bestellung@senf.sg. Der Preis beträgt 10 Franken pro Bastelbogen. Achtung: Weil der Versand aufgrund der Grösse schwierig und teuer wäre, müssen die Bastelbögen abgeholt werden. Möglich ist das am Donnerstag, 22. Februar, zwischen 19 und 20 Uhr, im Bierhof oder am Sonntag, 25. Februar, nach dem Heimspiel gegen den FC Lugano neben dem DV-Stand hinter dem Espenblock.



St.Gallen ist eine Fussballstadt, das wissen wir. Seit gestern ist St.Gallen auch eine Bastelstadt: Am Release der neuen SENF-Ausgabe war nicht nur das Magazin, sondern auch der Espenmoos-Bastelbogen ein Renner. «Drümol d’Kombi, bitte», sagte manch einer, der sich rund 90 Seiten Lektüre über das Espenmoos besorgen wollte – und dazu ein Espenmoos für zuhause. Die Bastelbögen waren nach wenigen Minuten ausverkauft. Von diesem Ansturm wurden wir etwas überrumpelt, eine zweite Auflage ist in Arbeit.

Das zeigt vor allem etwas: St.Gallen ist auch zehn Jahre nach dem Auszug aus seiner alten Heimspielstätte noch stark mit dem Espenmoos verbunden. Das bewiesen nicht nur die vielen Interessenten am Release, sondern auch die beiden Gäste, die das Cover der Nummer Neun enthüllten. Mit Werner Zünd und Tranquillo Barnetta gab es einen Rückblick auf die Zeit im Espenmoos, die die beiden St. Galler Urgesteine lange miterlebt haben.

Werner Zünd, vielen bekannt als Super-Werni, punktete mit viel Humor. Und überraschte mit einem Bekenntnis: Er sei, bevor er in St. Gallen angefangen habe, Fan einer anderen Mannschaft gewesen. Wir verzichten jetzt mal darauf, sie mit Namen zu nennen – es ist keine, die in der Ostschweiz beliebt ist. Zünd sagte aber auch, sehr schnell ein grün-weisses Herz bekommen zu haben. Ein sehr grosses obendrein, war er doch etwa drei Jahrzehnte für den FCSG tätig. Einmal wurde er vom Assistenztrainer zum Fast-Platzwart degradiert: «Das war der Tiefpunkt, fast zu viel für mein grün-weisses Herz», sagte Zünd.

Der wortgewandte Rheintaler teilte mit den etwa 100 Erschienenen einige witzige Erlebnisse. «Wir haben öfters mal bei den Schrebergartenbesitzern Bittibätti machen müssen, damit wir den Ball zurückbekommen», sagte er etwa. Oder: Als sich in einer Mannschaft Grüppchen bildeten, die in der Kabine jeweils wenig miteinander gesprochen hatten, sei halt einfach die Trennwand «rausgetätscht» worden. Zünd zeichnete ein romantisches Bild des Fussballs, sagte auch, das Espenmoos sei mehr ein Zuhause gewesen als es das neue Stadion in Winkeln ist.

Kaum einer hat im Espenmoos mehr erlebt als Werner Zünd. Auch nicht Tranquillo Barnetta. Der vielleicht bekannteste St.Galler Tschutter der Neuzeit erlebte dort aber auch einiges – er kam zuerst als Fan ins Espenmoos, dann als Spieler, er debütierte, schoss sein erstes Tor, wurde Publikumsliebling. «Das Espenmoos ist eine wunderschöne Erinnerung», sagte er, das neue Stadion sei aber auf einem ganz anderen Standard. «Auch im Espenmoos war nicht immer alles lustig, vor allem, wenn nach einem kalten Spiel mal wieder nur eine Dusche funktioniert hat.»

Zum Abschluss gabs die Frage, ob die Mannschaft bereit sei für das Spiel gegen Zürich am Sonntag. «Ich glaube schon», sagte Barnetta lachend, während Zünd nur sagte, er werde sich hüten, ein Urteil darüber abzugeben. Das Heimspiel gegen den FCZ ist nicht nur das erste nach der Winterpause und für den FCSG die Gelegenheit, die Scharte vom YB-Spiel auszuwetzen – es ist auch für alle die Gelegenheit, den neuen SENF zu erstehen. Unsere Verkäufer sind rund ums Stadion vor Ort. Natürlich kann man die neuste Ausgabe auch bestellen oder ein Abo abschliessen.


Ganz St.Gallen hoffte darauf, dass sich die Aufbruchstimmung im Verein auf den Platz übertragen würde. Das geschah nicht. Vor allem, weil Trainer Giorgio Contini offenbar kein Interesse daran hatte, dass seine Mannschaft ein Tor schiesst.

Wankdorf

Dem ersten Spiel nach der Winterpause wohnt immer ein gewisser Zauber inne. Erstmals zeigt sich, woran die Teams über die spielfreien Wochen gearbeitet haben und wie die Neuverpflichtungen sich ins Kollektiv einfügen.

In St.Gallen wurde dieses Jahr das erste Spiel nach der Pause noch etwas gespannter erwartet. Die Aufbruchsstimmung im Club nach dem Wechsel an der Spitze liess die Fans von einem Fussball träumen, der vielleicht nicht immer erfolgreich, aber immer engagiert ist. Die neue Führung um Matthias Hüppi und auch Sportchef Alain Sutter haben wiederholt betont, dass sie den Zuschauerinnen und Zuschauern einen Fussball präsentieren wollen, der sie unabhängig vom Resultat begeistert. Ein kämpfendes Kollektiv sollte die grün-weisse Euphorie endgültig entfachen.

Dass das für Chefcoach Giorgio Contini schwierig werden könnte, hat «Tagblatt»-Journalist Christian Brägger schon im Vorfeld der Auftaktpartie in Bern beschrieben: «Und dennoch muss der Coach plötzlich beginnen, auf andere zu hören, auf Sutter, Hüppi oder den Verwaltungsrat Stefan Wolf. Auf Leute also, denen der Sinn mehr nach Leidenschaft, Kampf und Unterhaltung steht und Resultate sekundär sind, solange der Auftritt stimmt, der die Leute anlockt. ‹Ich will mit dem FC St. Gallen Erfolg haben›, sagt Contini. Da zählen eben auch Resultate und Tabellenplatz, pragmatischer Fussball ist also nicht unbedingt der falsche Ansatz.» Am Samstag in Bern konnte man zum ersten Mal beobachten, wie Contini die Vorstellungen der neuen Führung umzusetzen gedenkt. Die Antwort war eindeutig: Gar nicht.

Contini liess in Bern ein System spielen, das mit viel gutem Willen als 3-5-2 durchgegangen wäre. Faktisch zeigte es sich aber als 5-3-2. Rechts musste Marco Aratore den Aussenverteidigerposten einnehmen. Eine Rolle, die ihm sichtlich nicht behagte. Und vor allem eine Rolle, auf der seine Talente schlicht verloren sind. Auf links war Silvan Gönitzer, der sich immer mehr zur Entdeckung der Saison mausert, zwar nicht ganz so verloren, aber konnte auch keine Wirkung gegen vorne entwickeln. Zumal er immer mit einem Aussetzer von Yrondo Musavu-King rechnen musste. In der ersten Halbzeit hätte ein solcher – ein schwacher Rückpass zu Dejan Stojanovic – beinahe zu einem Tor geführt. Die angebliche Leistungssteigerung, die King über den Winter gezeigt haben soll, war zumindest in Bern nicht festzustellen.

Contini zog es also vor, mit einer geballten Defensive in Bern zu starten. Die Möglichkeit, ein Tor zu schiessen, hat der Chefcoach offenbar nie in Betracht gezogen. Alles war auf ein 0:0 ausgerichtet. Dabei hätte der FC St.Gallen nichts zu verlieren gehabt. Mit einem Sieg rechnet im Wankdorf niemand, warum also nicht einfach alles auf eine Karte setzen? Kein Wunder ging unter den im Berner Gästesektor anwesenden Fan vor allem ein Wort um: Angsthasenfussball. Kaum jemand dürfte glauben, was Nzuzi Toko nach dem Spiel in der Mixed Zone gesagt haben soll: «Wir sind nicht hierhergekommen, um nur einen Punkt mitzunehmen, wir wollten gewinnen.»

Es bleibt die Hoffnung, dass der FC St.Gallen im ersten Heimspiel des neuen Jahres ein anderes Gesicht zeigt. Die Veränderungen der letzten Wochen haben das Potenzial, eine Euphorie zu entfachen. Dafür brauchts aber auch die entsprechenden Leistungen auf dem Platz.


Dieser Artikel erschien zuerst beim Kulturmagazin Saiten.