Der FC St.Gallen hat in seiner fast 139-jährigen Geschichte viel erlebt: Zwei Meistertitel, Abstiege, Aufstiege, Beinahe-Konkurse, europäische Nächte, dubiose Verantwortliche und viel mehr. Doch kaum ein Einschnitt war so prägend wie der Abschied aus dem Espenmoos. Nach 98 Jahren im Osten der Stadt zügelte der FCSG in den Westen. Nach 98 Jahren im stets improvisiert wirkenden Quartierstadion mit charakteristischer Haupttribüne und morschen Holzlatten spielen die Espen seit dem Jahr 2008 in einem Betonbunker mit Mantelnutzung und Parkhaus.

Noch immer haben viele FCSG-Fans Mühe, sich im neuen Stadion zuhause zu fühlen, das noch immer keinen Namen hat, der länger als ein Sponsoringvertrag Bestand hat. Doch weshalb genoss und geniesst das Espenmoos, dem es eigentlich an so vielem mangelte, einen so guten Ruf? Wieso sind fehlende sanitäre Anlagen, die mancherorts schlechte Sicht aufs Spielgeschehen und Lichtausfälle im Rückblick bloss charmante Anekdoten? Wir haben uns auf die Suche nach einer Antwort gemacht. Und unzählige Antworten gefunden. So viele, dass wir damit zwei Magazine hätten füllen können.

Das Resultat ist ein Heft, das für einmal 92 Seiten aufweist, von denen fast alle direkt oder indirekt mit dem Espenmoos zu tun haben. Auf diesen finden sich ein langes Interview mit Meistertrainer Marcel Koller, der das Espenmoos als das Heimstadion schlechthin bezeichnet. Teil des Hefts sind selbstverständlich auch eure Antworten aus der grossen Fan-Umfrage, in der ihr das Espenmoos gleich reihenweise als perfekt bezeichnet habt. Natürlich haben wir uns auch angeschaut, wie das Heiligkreuz-Quartier heute aussieht. Dazu kommt eine Übersicht der skandalträchtigsten Spiele, ein Text des letzten Espenmoos-Platzwarts, ein Gespräch mit Meisterstürmer Ionel Gane und natürlich lassen wir ganz viele Bilder sprechen, so zum Beispiel von einigen Choreografien im Espenmoos.

Diese nicht abschliessende Aufzählung macht vor allem eines klar: Über das Espenmoos gibt es unglaublich viel zu erzählen. Auch zehn Jahre nach dem Auszug.


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Der FC St.Gallen hat in seiner fast 139-jährigen Geschichte viel erlebt: Zwei Meistertitel, Abstiege, Aufstiege, Beinahe-Konkurse, europäische Nächte, dubiose Verantwortliche und viel mehr. Doch kaum ein Einschnitt war so prägend wie der Abschied aus dem Espenmoos. Nach 98 Jahren im Osten der Stadt zügelte der FCSG in den Westen. Nach 98 Jahren im stets improvisiert wirkenden Quartierstadion mit charakteristischer Haupttribüne und morschen Holzlatten spielen die Espen seit dem Jahr 2008 in einem Betonbunker mit Mantelnutzung und Parkhaus.

Noch immer haben viele FCSG-Fans Mühe, sich im neuen Stadion zuhause zu fühlen, das noch immer keinen Namen hat, der länger als ein Sponsoringvertrag Bestand hat. Doch weshalb genoss und geniesst das Espenmoos, dem es eigentlich an so vielem mangelte, einen so guten Ruf? Wieso sind fehlende sanitäre Anlagen, die mancherorts schlechte Sicht aufs Spielgeschehen und Lichtausfälle im Rückblick bloss charmante Anekdoten? Wir haben uns auf die Suche nach einer Antwort gemacht. Und unzählige Antworten gefunden. So viele, dass wir damit zwei Magazine hätten füllen können.

Das Resultat ist ein Heft, das für einmal 92 Seiten aufweist, von denen fast alle direkt oder indirekt mit dem Espenmoos zu tun haben. Auf diesen finden sich ein langes Interview mit Meistertrainer Marcel Koller, der das Espenmoos als das Heimstadion schlechthin bezeichnet. Teil des Hefts sind selbstverständlich auch eure Antworten aus der grossen Fan-Umfrage, in der ihr das Espenmoos gleich reihenweise als perfekt bezeichnet habt. Natürlich haben wir uns auch angeschaut, wie das Heiligkreuz-Quartier heute aussieht. Dazu kommt eine Übersicht der skandalträchtigsten Spiele, ein Text des letzten Espenmoos-Platzwarts, ein Gespräch mit Meisterstürmer Ionel Gane und natürlich lassen wir ganz viele Bilder sprechen, so zum Beispiel von einigen Choreografien im Espenmoos.

Diese nicht abschliessende Aufzählung macht vor allem eines klar: Über das Espenmoos gibt es unglaublich viel zu erzählen. Auch zehn Jahre nach dem Auszug. Mit unserer neunten Ausgabe tragen wir hoffentlich dazu bei, dass das noch lange so bleibt. Der Release des SENF #09 findet am Donnerstag, 8. Februar, ab 20 Uhr im Bierhof St.Gallen statt. Wie immer wird dort das Cover enthüllt. Im Anschluss an das Rahmenprogramm kann das Heft vor Ort gekauft werden. Ab sofort kann das Heft zudem auch vorbestellt werden.


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In der Saison 2005/06 bewegte sich der FC St.Gallen schon Runden vor Schluss im relativ gesicherten Mittelfeld der Liga. Im Cup war er in blamabler Weise gegen Küssnacht am Rigi ausgeschieden. Kein Wunder, begaben sich Hutter & Mock zum Cupfinal des FCW gegen den FC Sion nach Winterthur.

Hutter staunte über die vielen Frauen in der Schlange. Er studierte ihre Gesichter. Mock nervte sich. Hinter ihm drückte ein Kerl mit schwarzer Lederjacke und Ohr-Piercings nach vorn. Mock machte sich breit. Winterthur feierte das Fussballfest des Jahres. Winterthur – Sion! Das war ein Abend der Versprechen und der Hoffnung. Zwei zweitklassige Mannschaften, die in den Cupfinal wollten und endlich wieder zurück zu vergangenem Erfolg. Die Winterthurer Bierkurve, die Eulach-Ultras und die Libero-Bar empfingen die eigenen Helden mit einer eindrücklichen rotweissen Choreografie – «Gschicht schriebe!» – und den Gast aus dem Wallis mit einer grossen Fendantflasche und einem witzigen «Flasche leer». Hutter und Mock fanden Platz auf der ungedeckten Gegentribüne und Mock heimelte das richtig an. «Das ist ja fast wie früher im Espenmoos, da konnten wir noch von hinten her auf die Tribüne hochklettern.» Hier konnten die hintersten Zuschauer nicht sehen, was sich unten an der Seitenlinie abspielte, denn der Tribünen-Architekt hatte sich beim Bau verrechnet. Das passte zum Spiel. Das neureiche Sion versuchte es wie einst der Erzfeind Servette mit Spielkultur und individueller Klasse. Und das einfache «Winti» wehrte sich so wie früher der gute alte FC Sion: mit viel Herzblut und Kampf.

Mock kümmerte sich rührend um eine 85-jährige Dame, die von ihrem 29-jährigen Enkelkind begleitet wurde. 1975 war sie mit dem verstorbenen Mann an den letzten grossen FCW-Cupfinal nach Bern gefahren – «mit dem Extrazug für die gewöhnlichen Leute». Der Enkel war damals noch nicht einmal auf der Welt. Winterthur tauchte ab bis in die erste Liga und der Enkel ging fremd, nach Zürich zu den «Grass-Smokers», einem Grasshopper-Fanclub. Hutter zählte die Stockwerke des leeren Sulzer-Hochhauses und stellte sich vor, wie der Hauswart in den goldenen Siebzigerjahren das Licht in einigen Büros brennen liess und so ein grosses «FCW» über die Schützenwiese zauberte. «Winti»-Stürmer Renfer traft die Latte und der gefährliche Vogt narrte Hüter Hürzeler ums Haar mit einem Absatztrick. Das Spiel wogte hin und her und wurde ein richtig spannender Cup-Fight.

Dann schnappte auf der Schützenwiese die Abseitsfalle nicht zu. 0:1 für Sion. «Winti» bäumte sich auf, mit einem generösen Publikum im Rücken, das jede Sekunde dieses Cup-Traums auskostete. Aber der auffällige Patrick Bengondo vergab die letzte Chance für den FCW. Die Walliser Fans stürmten den Rasen und warfen Schneebälle gegen die einheimische Bierkurve, die gelassen auf die die Provokation reagierte. Mock erinnerte sich an früher, als noch zwanzig Fans mit rotweissen Fahnen ihren FCW auf dem Espenmoos anfeuerten – mitten unter den St.Galler Zuschauern. Kein Zaun, keine Polizei, kein Fanbetreuer weit und breit. Winterthur feierte trotz Cup-Out. Ein Fan kletterte auf die alte Totomat-Wand und wechselte die Resultattafeln aus: FCW 2, Gast 1.


Die Geschichten von Hutter & Mock waren über Jahre fixer Bestandteil der St.Galler Matchvorbereitung. Die ersten 37 Folgen bis zum Abschluss der Rückrunde der Saison 2003/04 sind in einem Sammelband im Saiten-Verlag erschienen. Der Autor Daniel Kehl hat uns freundlicherweise die nachfolgenden, bisher nicht in Buchform erschienenen Episoden überlassen. Wir veröffentlichen in jeder Ausgabe des SENF eine Hutter & Mock-Episode, die erste im SENF #02. Zusätzlich erscheint jeden zweiten Monat eine Episode hier auf diesem Blog.

Die aktuelle Episode «Flasche leer» erschien anlässlich des Heimspiels in der 26. Runde der Saison 2005/06 gegen den FC Thun.

Hutter & Mock