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Nach der ernüchternden Niederlage gegen den zweitklassigen FC Zürich ist der FC St.Gallen noch tiefer in der Krise. Die Fans plagt die innere Leere. Am Sonntag folgt das kapitale Kellerduell.

Zugegeben, die Hoffnung war nicht sehr gross, dass der FC St.Gallen wenigstens im Cup etwas reissen könnte. Das Ausscheiden gegen den FC Zürich kam daher auch wenig überraschend. Und trotzdem stürzt es den Verein noch weiter in die Krise und mit ihm die Fans in die grosse Leere.

Seit jeher ist der Cup so etwas wie die einzige Hoffnung für FCSG-Fans. In der Meisterschaft reicht es ohnehin fast nie für wirklich gute Platzierungen. Über 36 Spiele eine Leistung aufrechtzuerhalten, dass am Ende ein Europacup-Platz rausschaut – damit rechnen die wenigsten. Aber im Cup, wo es nur ein paar gute Spiele braucht, da müsste doch irgendwann mal etwas möglich sein. Doch auch der kürzeste Weg nach Europa ist für den FC St.Gallen mit steter Regelmässigkeit zu steil.

Nach dem Cup ist vor dem Abstieg

Meistens ist nach dem Ausscheiden aus dem Cup die Saison für den FC St.Gallen so gut wie gelaufen. Dieses Jahr dürfte das anders sein. Mit dem letzten Platz nach zwölf Runden stecken die St.Galler in akuter Abstiegsgefahr.

Das «Tagblatt» erkannte vor kurzem, dass die Statistik nichts Gutes erahnen lässt. Diese Gefahr sahen wir schon Mitte August, als wir uns die letzten Jahre näher angeschaut hatten: «Der FC St.Gallen muss aufpassen. Zumal die Statistik der letzten Jahre nicht mehr für den FCSG spricht. Seit 2005 waren die St.Galler nach dem fünften Spieltag fast immer auf Rang 5 oder besser klassiert. Nur in zwei Fällen lag man am fünften Spieltag auf den hinteren Rängen. Und zwar in den Saisons 2007/08 und 2010/11. Am Ende dieser beiden Saisons stieg der FCSG ab.»

Die Fans sind am Ende der Geduld

Kein Wunder, herrscht bei den Fans Untergangsstimmung. Joe Zinnbauer hat den Kredit bei vielen längst verspielt. Die Zahl jener, die ihm noch die Stange halten, wird immer kleiner. «Es ist Zeit zu gehen» ist noch die netteste aller Aufforderungen, die man zurzeit in der Ostschweiz über ihn hört.

Die Lage des FC St.Gallen ist zurzeit aber so schlecht, dass auch andere in den Fokus geraten. «Dä Stübi chasch grad mitgeh», ist immer öfter zu hören. Sportchef Christian Stübi, der für das Kader verantwortlich ist, hat seit Amtsantritt nicht überzeugt. Sein grösster Erfolg: Er hat Tranquillo Barnetta zurückgeholt. Nur: Barnetta hat seine Rückkehr schon in Aussicht gestellt, als Stübi noch nicht auf dem Sessel des Sportchefs sass.

In der aktuellen Situation droht auch Präsident Dölf Früh viel Kredit zu verlieren. Von vielen noch immer als Retter des FC St.Gallen bezeichnet, weil er für die Schulden der Vergangenheit geradestand, droht er, zum zweiten Mal als Präsident den Gang in die zweite Liga antreten zu müssen. Dieses Mal wird man ihm das nicht so schnell verzeihen. Je später er reagiert, desto eher wird ihm die sportliche Misere angelastet.

Und auch den Grossteil der Mannschaft wollen wohl die meisten Fans in die Wüste schicken. Ausgenommen davon ist wohl lediglich Daniel Lopar, der eine solche Misere ja jetzt selbst schon zum x-ten Mal mitmachen muss.

Daumen drücken im Kellerduell

Am Sonntag folgt für den FC St.Gallen das Kellerduell gegen den FC Thun. Ein kapitales Spiel, also: Daumendrücken und Tickerlesen, hier auf saiten.ch!

Verlieren die St.Galler, beträgt der Rückstand zu Thun bereits sechs Punkte. Selbst wenn Vaduz, das ebenfalls auf den hinteren Tabellenplätzen klassiert ist, erwartungsgemäss bei den Berner Young Boys verliert, sieht die Situation mehr als nur bedrohlich aus. Vaduz hätte zwar immer noch nur einen Punkt mehr als St.Gallen, von ihren bisher elf Punkten haben die Liechtensteiner jedoch deren sechs gegen den FCSG geholt.

Nicht gerade beruhigend, wenn der Abstieg praktisch nur noch verhindert werden kann, indem man den Angstgegner überholt. Sollte der FCSG also am Sonntag verlieren, den Fans bliebe vermutlich einmal mehr nur übrig, sich in Ironie und Zynismus zu flüchten. Schliesslich ist das ja die letzte Form der Enttäuschung. Und wer sollte das besser wissen als wir.


Dieser Beitrag erschien am 29. Oktober 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv kommentiert dort in der Rubrik «Am Ball» das Geschehen auf und neben dem Platz.10


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Der FC St.Gallen kommt nicht aus der Krise raus. Mit dem aktuellen Personal wird er das auch kaum schaffen. Das hat sich nicht erst beim Auswärtsspiel in Luzern gezeigt.

Das Spiel in Luzern war eine Katastrophe. Mit dem 0:3 dürfen sich die St.Galler noch glücklich schätzen. Dies nicht zuletzt dank des besten Mitspielers am Sonntag: der Torlatte. Dass zurzeit so gar nichts zusammenpasst, ist aber schon länger offensichtlich.

Es liegt nicht an einzelnen Personen, dass der FCSG (wiedermal) am Tabellenende steht. Auf dem Platz wirken die Spieler regelmässig überfordert, scheinen gar nicht so recht zu wissen, wie ihnen geschieht. Auf der Trainerbank versucht Joe Zinnbauer verzweifelt, irgendwie Einfluss zu nehmen. Wie er das aber macht, versteht kaum noch jemand. Auf dem Stuhl des Sportchefs schliesslich sitzt Christian Stübi und muss sich die Frage gefallen lassen, was er aus dem Geld gemacht hat, das er für die Kaderplanung erhielt. Eine Million mehr soll es dieses Jahr gewesen sein. Die Mannschaft zeigt diesen eigentlich zu erwartenden Qualitätsanstieg definitiv nicht.

Welches Personal für welches Spiel?
Man mag einwenden, Stübi hätte doch eben erst Tranquillo Barnetta zurück nach St.Gallen geholt. Ja, die Verpflichtung kam unter ihm zustande. Aber seien wir ehrlich: Wie gross ist die Leistung des Sportchefs, der einen Spieler zur Rückkehr überzeugt, der sowieso schon immer zurückwollte? Wenn es hier um Verhandlungen ging, waren diese wohl eher finanzieller Natur.

Man könnte auch einwenden, Stübi hätte kurz nach Amtsantritt das vielversprechende Talent Gianluca Gaudino nach St.Gallen gelotst. Und in der Tat merkt man beim jungen Bayern-Spieler immer mal wieder, dass er wohl tatsächlich zu Höherem berufen ist. Nur spielt er aber auch jetzt schon ein Spiel, mit dem seine Teamkameraden wenig anfangen können. Die Fokussierung auf den Ballbesitz zählt auch beim FC St.Gallen Ausgabe 2016 nicht zu den grössten Stärken.

Ein Problem, dass auch Zinnbauer während seiner bisherigen Zeit meist ignorierte: Er möchte einen Fussball spielen, den die Mannschaft schlicht nicht spielen kann. Er scheint zwar unlängst etwas davon abgekommen zu sein, aber ein passendes System hat er immer noch nicht gefunden. Davon zeugen die immer wieder veränderten Startformationen. Oft wird ohne offensichtlichen Grund wild hin- und hergewechselt. Ein gutes Spiel als Indikator für einen Startplatz im nächsten Spiel – in St.Gallen taugt dieser Indikator nicht mehr allzu viel.

Was unter der Woche im Training passiert, können wir als Aussenstehende natürlich nicht vollständig nachvollziehen. Einzelne – sagen wir es mal nett – nicht auf den ersten Blick verständliche Rotationen sind vielleicht durch die Geschehnisse unter der Woche erklärbar. Nicht aber in einem Ausmass, das die Situation in St.Gallen erklären würde.

Aussitzen ist keine Lösung
Kurzum: Sowohl Stübi als auch Zinnbauer scheinen mit der ihnen anvertrauten Aufgabe ebenso überfordert wie die Spieler mit dem Geschehen auf dem Platz. Weder die Verpflichtungen noch die Auf- und Einstellung der Mannschaft folgen einem Konzept. Gerade ein solches wäre aber wichtig. Ohne Konzept wird die Talfahrt des FCSG kaum gestoppt werden können.

Im Gegenteil: Der Verein läuft Gefahr, bis zur Winterpause in einem so desolaten Zustand zu sein, dass nicht einmal mehr die Rückkehr Barnettas für genügend Aufbruchsstimmung sorgen kann, um einen drohenden Abstieg zu verhindern.

Eine Reaktion wäre von Nöten. Handeln scheint beim FC St.Gallen aber nicht in Mode zu sein. Präsident Dölf Früh hält eisern am Trainer fest. An der gestrigen Generalversammlungwar die sportliche Entwicklung praktisch kein Thema. Es scheint fast, als wolle er sich keinen Fehler bei der Verpflichtung seines Personals eingestehen.

Nur: Jemanden zu verpflichten, der danach nicht das bringt, was man sich erhofft hat, das kann passieren. Zu lange mit einer Reaktion zu warten, ist hingegen ein kapitaler Fehler.


Dieser Beitrag erschien am 25. Oktober 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.


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Der österreichische Getränkehersteller Red Bull engagiert sich seit vielen Jahren im Sport-Sponsoring. Dies unter anderem auch mehr oder weniger erfolgreich im Fussball. Vielen eingefleischten Fussballfans stösst das Engagement des österreichischen Brauseherstellers dabei sauer auf. Ein kürzlich online publizierter Artikel sorgt nun für weiteren Unmut in den sozialen Medien.

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Anfangs Oktober veröffentliche das Red Bull-Magazin «The Red Bulletin» einen Artikel mit dem Titel «Fussball Fauxpas: Wie du am Spieltag besser nicht ins Stadion gehst». Das Magazin, welches sich laut Selbstbeschreibung das Ziel gesetzt hat, «Monat für Monat atemberaubende Stories aus der Welt von Red Bull und ihren „Playgrounds“ zu erzählen», geht in diesem Artikel unter anderem der Frage nach, welches Trikot man im Stadion anziehen solle und wie bunt die dazugehörigen Schuhe sein dürfen.

Als eingefleischter Fussballfan ist man geneigt, diese Frage mit «Ein Red Bull-Trikot, natürlich!» zu beantworten. Die fleissigen Schreiberlinge des «Red Bulletin» kommen hinsichtlich des richtigen «Looks» wenig überraschend zu einem anderen Schluss: Halb-Halb-Fan-Schals, Vereins-Tattoos sowie Merchandise gehören laut dem PR-Magazin des multinationalen Konzerns nicht ins Stadion. Die Begründung, weshalb man keine Halb-Halb-Schals am Spieltag tragen soll, leuchtet den meisten Stadiongängern dabei wohl noch ein:

«Ein Schal mit den Vereinsfarben und Logos beider Mannschaften geht nur bei einer wirklich engen Freundschaft der Vereine in Ordnung. Zur Not bei Freundschaftsspielen oder internationalen Duellen. Aber bei Liga- und Pokalspielen stellst du dich ja auch nicht im Trikot des Gegners in den Block deines Teams, oder?»

So weit, so gut. Man könnte beinahe meinen, der österreichische Brausehersteller habe dazugelernt. Die Begründung, weshalb man sich im Stadion nicht seines T-Shirts entledigen sollte, sorgt dann doch bereits wieder für Stirnrunzeln:

«Das Sixpack im Fitnessstudio vergessen? Dann lass im Stadion immer schön dein Shirt an und erspare es den umstehenden Fans, den Fernsehkameras und damit auch der Welt deinen wohlgeformten Bierbauch.»

Zugegeben, auch wenn der durchschnittliche Fussballfan nicht gerade eine ähnlich wohldefinierte Bauchmuskulatur wie der in diesem Zusammenhang im Artikel genannte Ronaldo besitzt, offenbart diese Begründung, was für ein Körperbild den Journalistinnen und Journalisten für ihre Kundschaft vorschwebt. Makellos und durchtrainiert, soll der Körper sein – am Bestem dank eines Red Bull-induzierten Trainingswahns. Handkehrum kann man von einem Magazin, welches sexistische Artikel darüber schreibt, was es für Gründe gibt, kroatischen Frauen-Basketball zu schauen, wohl nichts Anderes erwarten. Soviel sei an dieser Stelle verraten: Basketball ist es nicht.

Komplett zur Farce verkommt das Ganze beim letzten Punkt: Den Fanartikeln oder im Marketingsprech auch «Merchandising» genannt. Zwar ist der Ausspruch gegen übertriebene Fanartikel wie den als Beispiel dienenden Arsenal-Weihnachtspullover grundsätzlich lobenswert. Der Hinweis, dass man sich beim «Club-Merchandise» nur auf kleine Accessoires beschränken soll, grenzt dabei hingegen an Zynismus. Dies insbesondere wenn man bedenkt, dass Red Bull gerne einmal Vereinsnamen zu Marketingzwecken abändert und das angestammte Vereinslogo durch das eigene ersetzt. Ein Unternehmen, dessen Aktivitäten im Sport ausschliesslich der eigenen Marke dienen sollen, will nicht, dass diese Marke im Stadion möglichst oft zu sehen ist? Schwierig zu glauben…

Entsprechend hämisch fallen die Reaktionen in den sozialen Medien auf den misslungenen Artikel aus. Von grundsätzlichen Unmuts-Bekundungen zum fussballerischen Engagement des österreichischen Brauseherstellers über Tadel aufgrund der unzureichenden Recherche des Artikels bis hin zum ungläubigen Kopfschütteln über diese Art der «Kundenerziehung» findet sich beinahe alles. Der Kommentar eines gewissen Markus Alexander Wittek, welcher meint, dass man vor allem nicht mit einem Red Bull-Trikot ins Stadion solle, gefällt uns bis jetzt definitiv am besten.


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Tranquillo Barnetta kehrt zum FC St.Gallen zurück. Der Zeitpunkt ist gut, zumindest fan-psychologisch. Alles andere ist Spekulation – und zum Glück Gegenstand schöner Träume.

Es ist die vielzitierte Rückkehr des verlorenen Sohnes. So geschehen schon unzählige Male in der weiten Fussballwelt, beinahe in Perfektion vom Schweizer Klassenprimus praktiziert, wobei auch der schon Missverständnisse zu verzeichnen hatte.

Als Schatten dieser unbändigen Begeisterung tritt bei derlei Rückkehraktionen oftmals die grosse Erwartungshaltung auf. Ein Phänomen, das auch beim Barnetta-Transfer zu beobachten sein wird. Seinen ersten Ernstkampf wird der 75-fache Internationale frühestens im Februar bestreiten. Genug Zeit also, sich Barnetta als heroischen Retter einer bisher eher verkorksten Saison auszumalen.

Vielseitiger Mittelfeldspieler
Durch seine letzte Station in den Vereinigten Staaten wird vielerorts über den tatsächlichen sportlichen Wert des Transfers diskutiert. Zu wenig bekannt ist hierzulande die amerikanische Profiliga. Urteile über die Major League Soccer sind für Laien nur schwierig zu fällen.

Näher liegen uns deshalb Barnettas Einsätze im Nationalteam. Auch wenn diese länger zurückliegen. Beim richtungsweisendsten Spiel der jüngeren Nationalmannschaftsgeschichte traf Barnetta doppelt. Das war 2011, die Schweiz holte gegen England ein 2:2. Frei, Streller und Grichting waren da erstmals nicht mehr dabei und Barnetta war mutmasslich als gewichtige Stütze einer jungen Mannschaft mit Shaqiri, Xhaka oder Mehmedi vorgesehen.

Den Status der damaligen Zeit erreichte Barnetta in der Folge nie mehr, wenn auch der vielseitig einsetzbare Mittelfeldspieler beispielsweise beim bemerkenswerten 4:3 der Schalker in Madrid mitwirkte und zuweilen brillierte. Es waren dies Glanzpunkte, die seine herausragenden Fähigkeiten andeuteten, aber langfristige Prägungen blieben aus.

Ist den St.Gallern noch zu helfen?
Der Zeitpunkt des Wechsels passt. Nicht unbedingt auf sportlicher Ebene, denn da kann man nur spekulieren. Niemand ist in der Lage zu beurteilen, ob und wie Barnetta dieser Mannschaft weiterhelfen kann. Dafür sind die Strukturen in einer Mannschaft zu unübersichtlich, zu willkürlich gestaltet.

Auf dem Papier liest sich ein zentrales Mittelfeld um den kämpferischen Toko, den strategischen Gaudino und den initiierenden Barnetta aber durchaus vielversprechend. Wohlwollende werden da gar behaupten, dass innerhalb der Landesgrenzen inklusive Fürstentum nur wenige in den federführenden Mittelfeldpositionen besser bestückt sind.

Aber Fussball funktioniert halt nicht nur auf dem Papier. Unzählige Unwägbarkeiten schwingen mit, sodass wir uns gerne an der emotionalen Komponente festhalten. Wir preisen den Kampfeswillen eines Spielers und fahren mit Hoffnungen ans nächste Auswärtsspiel. Der Fussball ist zu komplex und doch zu einfach, um Kommendes als richtig oder falsch deklarieren zu können. Alles andere würde diesem wunderbaren Spiel auch sein Kapital nehmen: seine Unberechenbarkeit.

Fester Bestandteil der St.Galler Fussball-DNA
Der Zeitpunkt passt vielmehr deshalb, weil wir uns bis Anfang Februar dieser herrlichen Illusion hingeben können, dass es mit Barnetta besser laufen wird. Im tiefsten Innern, das weiss der St.Galler Fussballfan, wird es wahrscheinlich eben nicht besser. Aber jene Selbsttäuschung, jener Zynismus ist steter Begleiter, wenn man grün-weiss denkt. Sie ist fester Bestandteil der St.Galler Fussball-DNA.

Das schummrige Grau vor dem wohligen Einschlafen tauchen wir naiv euphorisch in einen grün-weissen Hoffnungsschimmer. Wie Tranquillo Barnetta seine alte Liebe mittels furioser Rückrunde in internationale Sphären schiesst. Das Drehbuch ist geschrieben. Wir warten schon sehnlichst aufs Scheitern und hoffen doch, dass es eben nicht so kommt.


Dieser Beitrag erschien am 4. Oktober 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.