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Nach dem nicht ganz unglücklichen Sieg des FCSG in Thun war die Stimmung unter den Fans gelöst. Bis die drei Punkte im Trockenen waren, mussten die Fans ganz schön zittern. Nichts Ungewöhnliches. Das Senf-Kollektiv präsentiert zehn weitere Momente, die jeder FCSG-Fan kennt.

Wenn du bei der Eingangskontrolle gefragt wirst, ob du schon kontrolliert wurdest:
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Wenn die Aufstellung des Gegners ertönt:
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Wenn du ganz fest daran glaubst, dass diesmal alles besserwird:
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Wenn der FCSG gegen einen direkten Konkurrenten in Führung geht:
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Wenn du noch den Führungstreffer bejubelst und der Gegner schon den Ausgleich erzielt:
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Wenn du hörst, dass es Freibier gibt:
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Wenn du in der Pause pinkeln musst:
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Wenn der FCSG ein Tor schiesst, während du auf der Toilettebist, und du deshalb später zu den Jubelnden stösst:
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Wenn du nach dem Spiel gefragt wirst, ob du wieder einmal (zu viel) getrunken hast:
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Wenn du gefragt wirst, wie es der FCSG geschafft hat, drei Punkte mit nach Hause zu nehmen:
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Dieser Beitrag erschien am 22. September 2016 beim Ostschweizer Kulturmagazin Saiten. Das SENF-Kollektiv veröffentlicht dort in der Rubrik «Am Ball» nach jedem Auswärtsspiel einen Beitrag zum Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.


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Zum Abschluss war der Kinosaal vollbesetzt. Mit «Zlatan – Ihr redet, ich spiele» und anschliessender Diskussion mit dem extra aus Schweden angereisten Produzenten des Films, Lennart Ström, gingen am vergangenen Samstagabend die zweiten Fussballlichtspiele St.Gallen zu Ende. Drei Tage Fussball und Filme: Wir waren dabei und blicken zurück.

Als die Organisatoren am Donnerstag die zweiten Fussballlichtspiele St.Gallen eröffneten, beschrieben sie, wie das Festival aus einer typischen Bier-Idee entstanden war und sich nach der ersten Durchführung beim Abschlussessen zu einer Grappa-Idee weiterentwickelt hatte. Diese Entwicklung fand ihre Entsprechung auf allen Ebenen des Festivals: bei der Aufmachung der Lokalität, beim Barangebot (eine tolle Mischung aus Altbewährtem und Orientalischem bot für jeden etwas), bei der Filmauswahl und schliesslich auch bei den weiteren Programmpunkten und der Organisation. Waren die ersten Fussballlichtspiele wohl so etwas wie ein Testlauf gewesen, zeigte sich im zweiten Jahr: Sie sind da, um zu bleiben!
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Bereits der Start am Donnerstagabend zeigte den Zuschauern, dass sie sich auf die weiteren Tage freuen konnten. Die Programmauswahl war stimmig, der erste Film «Vi är bäst ändå – This is Söderstadion» sogar wie gemacht für St.Gallen und deswegen wohl auch der emotionalste für anwesende Fans des grössten hiesigen Clubs. Erzählte er doch eine Geschichte, die in vielen Zügen derjenigen des FCSG glich: nämlich die der Fans des Stockholmer Vereins Hammarby IF, der aus einem geliebten alten Stadion in eine neue Arena umziehen muss.

Ab den ersten Bildern, welche den Abriss des verlassenen Stadions zeigten, und im weiteren Verlauf des Filmes kamen immer wieder Erinnerungen an den eigenen Ablöseprozess vom Espenmoos auf, an die Bagger in der Südkurve. Viele Szenen erzeugten Resonanz beim anwesenden Publikum, weil man sich im Gezeigten und Gesagten wiedererkannte. Dies war bei den Zuschauern denn auch das hauptsächliche Gesprächsthema in der Pause und nach dem Film und wurde ebenfalls in der darauffolgenden Podiumsdiskussion aufgegriffen.

Yvette Sanchez, Daniel Fels und Daniel Torgler diskutierten dabei mit Corinne Riedener über verschiedenste Themenfelder, die im Film angesprochen worden waren: zum Beispiel über ebendiesen Ablöseprozess, über die Funktion eines Stadions als identitätsstiftenden Ort, Freiraum oder Heimat sowie über die Situation in St.Gallen im Jahr 2008. Für den längsten Lacher des Abends sorgte Torglers Aussage zu den Sektoren im Espenmoos und zu einem Kreislauf, den man dazumal als Fan vielfach durchlaufen hatte: «Als Kind im Sektor Blau wechselte man in der Jugend in die Südkurve, blieb dort einige Zeit, und begab sich dann auf die Haupttribüne, wenn man beruflich erfolgreich war, oder sonst wieder in den Sektor Blau.»

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Während bei den Podiumsdiskussionen der Fussballlichtspiele im vergangenen Jahr jeweils noch eine Fragerunde dabei gewesen war, war eine solche in diesem Jahr leider nicht mehr vorgesehen. Ein Zwischenruf aus dem Publikum zeigte jedoch: Das Thema löste so viele Fragen und Emotionen aus, dass es sich gelohnt hätte, die Podiumsdiskussion im Anschluss noch für Fragen und Wortmeldungen aus dem Publikum zu öffnen. So wurden diese in die Festwirtschaft getragen und eifrig vor dem Tiffany weiterdiskutiert.

Ebenfalls einem Thema aus Fan-Optik, jedoch einem etwas schrägeren, widmete sich der zweite Film des Abends: Die «Sons of Ben», ein Fanclub aus Philadelphia, hatten sich 1996 gegründet, bevor es ihren Club überhaupt gegeben hatte. Wir empfehlen diesen Film allen, die ihn verpasst haben, nur schon wegen der Fangesänge: «We’ve won as many Cups as you and we don’t have a team.»

Sowohl thematisch wie auch geographisch neue Wege gingen die Filme am Freitag. «The Damned United» und «I Believe in Miracles» führten nach England und hatten Trainerlegende Brian Clough zum Thema. Wieder zeigte sich die gelungene Auswahl: Der zweite Film schloss nahtlos an den ersten an, weil er mit Szenen eines Interviews begann, das in «The Damned United» den Abschluss gebildet hatte. Zusammen gaben beide diverse Einblicke in die Persönlichkeit Cloughs, so dass zum Schluss ein komplexeres Bild dieses Mannes resultierte, als gewisse seiner Aussagen in den einzelnen Filmen angedeutet hätten (zum Beispiel: «you work hard, and if you work hard, you have a chance of playing well, and if you play well, then you’ll enjoy it», aus «I Believe in Miracles»).

Etwas politischer und sozialkritischer wurde es am Samstag, dem letzten Tag der Lichtspiele. Mit «White, Blue and White» machte ein Film den Anfang, der die schwierige Situation von Osvaldo Ardiles und Ricardo Villa beleuchtet. Beide Argentinier spielten bei Tottenham Hotspur als der Falkland-Krieg ausbrach: Während zu Beginn die erfolgreiche Zeit beider nachgezeichnet wird (welche zum Beispiel auch zu einem klassischen Fussballsong geführt hat, «Ossie’s Dream»), werden die Zustände durch den Krieg komplexer und zusehends unhaltbar. Ein emotionales und berührendes Zeitzeugnis.

Diesen Themenblock schloss ein Film über arbeitslose Fussballer in Deutschland ab: «Zweikämpfer» feierte Schweizer Premiere. Bei der schwierigen Frage nach dem Zeitpunkt des Karrierenendes erkannten wir vom SENF-Team viele Parallelen zu unserem Interview mit Jörg Stiel (im SENF #06): Wie meistert ein Fussballprofi den Übergang, strukturiert seinen Alltag, wann ist der richtige Zeitpunkt, dem Game den Rücken zu kehren? Im Anschluss war Angelo Stomeo von der Swiss Association of Football Players (SAFP) zu Gast. Er sprach über die Situation in der Schweiz und legte dar, wie die SAFP Schweizer Fussballern Unterstützung bietet. Anhand des Beispiels von Adrian Winter betonte er die Wichtigkeit, am Ball zu bleiben. Winter hatte sich im Trainingscamp des SAFP fit gehalten, einen Vertrag in den USA bekommen und ist nun wieder zurück in der Schweiz.

Als Einleitung zur eigentlichen Finalissima am Samstag präsentierten Mämä Sykora und Sascha Török vom Fussballmagazin ZWÖLF allerlei Trouvaillen aus der «unheiligen Allianz zwischen den Königen Fussball und Fernsehen». Weil sie in einer stündigen Präsentation Highlight an Highlight reihten, ist es praktisch unmöglich, etwas darüber zu schreiben, was diesen gerecht werden würde. Wer dabei war, fand sich auf einer Reise durch die Vergangenheit, lachte zum Beispiel über die Trikots des FC Luzern aus der Saison 1970/71, hörte Alex Freis «Das isch emol ä Goal» (#Platzverweis) oder blickte in die Berichterstattung des Schweizer Fernsehens vor dem Cupfinal 1985, mit Matthias Hüppis Aargauer Socken (wie es Török nannte) und dem Torwandschiessen. Prädikat: Einmalig!
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Und zum Abschluss schloss sich der Kreis des Festivals mit «Zlatan – Ihr redet, ich spiele»: Es ging wieder nach Schweden. Im Film über Ibrahimovics jungen Jahre wurden Nuancen einer Person sichtbar, die wohl nur in solch frühem Filmmaterial zu finden sind. So erfuhren die Zuschauer zum Beispiel, dass Ibrahimovic als 19-Jähriger 350 Schulstunden verpasst hatte, ein Rekord. Seine Antwort dazu: «Ich habe einfach nur an Fussball gedacht, darum bin ich nicht hingegangen.» Ebenfalls einmalige Einsichten bescherte den anwesenden Gästen das abschliessende Gespräch mit Produzent Lennart Ström. Er beantwortete Fragen zur Entstehungsgeschichte des Films und schliesslich auch Fragen des Publikums. Ein überraschender und würdiger Abschluss des Tages und des Festivals als Ganzes.

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Während Kino in St.Gallen normalerweise etwa gleich spannend ist, wie die Champions League ab den Viertelfinals (ausser im Kinok ist nicht viel Neues zu erwarten, die Grossen machen das Geschäft), haben die vergangenen drei Tage gezeigt, dass auch unbekannteren und thematisch vielfältigeren Filmen eine Chance gegeben werden sollte. Die Fussballlichtspiele St.Gallen tun dies und vereinen vieles: ein ausgesuchtes Programm, abwechslungsreiche Zusatzveranstaltungen, eine Ausstellung (dieses Jahr mit Bildern von Manuel Stahlberger und vom tschutti heftli), ein durchmischtes Publikum und einen reibungslosen Ablauf. Fussball ist definitiv mehr als 11 gegen 11. Und manchmal eben auch ganz grosses Kino.


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Nach der 1:3-Niederlage gegen den FC Zürich im ersten Spiel nach der Winterpause entwickelte sich der Start der Saison 2005/06 doch noch gut. St.Gallen gewann in Aarau mit 4:1 und zuhause gegen Thun mit 5:1. Hutter & Mock machten sich auf dem Wasserweg auf zum Auswärtsspiel in Schaffhausen, wo sie einen weiteren Sieg der St.Galler zu bejubeln hofften.

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Hutter sah auf die Uhr, dann auf das grüne Ufer. Er sah weit und breit nichts von einer Stadt. Mock paddelte und plapperte. «Gleich sind wir beim Kloster Paradies, Hutter, und keine Stunde später sitzen wir schon auf der Breite. Es ist wunderbar!» Für Hutter war der Ausflug mit Mock und dem Gummiboot eine einzige Zwängerei. «Ich friere und langweile mich, wir sind zu spät und verpassen garantiert den Anpfiff. Aber Hauptsache, unserer Ruderer hat seinen Spass.»

Mock zog an einer Schnur, fischte eine Flasche Bier aus dem Rhein und reichte sie Hutter. «Wir haben vor einer Woche den FC Thun zerzaust, das sensationelle Thun, das nach dem Sieg gegen Dynamo Kiew überall ins Herz geschlossen wird. Aber auch auf dem Espenmoos wird wieder gelacht. Und darum wird in Schaffhausen alles rund laufen, Zuversicht, Hutter.» – «Und spätestens nach zwei Niederlagen in Folge ist die Party dann leider schon wieder zu Ende und die nächste mehrjährige Fastenzeit beginnt. Mock, woher nimmst du bloss deinen unglaublichen Optimismus?» Mock ruderte heftig, auf seiner Stirn perlte der Schweiss. Er strahlte: «Garat! Tönt doch genau so, wie ein Verteidiger zu spielen hat: Unerbittlich, kompromisslos und doch verführerisch wie ein seltenes Juwel. Bei Koubsky seh ich den tschechischen Europameister Ladislav Jurkemik vor mir und seine unerreichte Zuverlässigkeit. Cerrone – ein stürmischer Wirbelwind – zusammen mit Gjasula, Marazzi, Callà, den Routiniers Alex, Zellweger und Razzetti und dem Ballartisten Hassli ist der FCSG Ausgabe 2005 endlich wieder eine Mannschaft, glaub mir!»

Hutter streckte sich, schloss die Augen und versuchte sich zu entspannen. Mit Schaffhausen verband er keine guten Erinnerungen. Hier war St.Gallen der ungeliebte Favorit, dem man gerne ein Bein stellte und sich darüber ausserordentlich diebisch freute. Nicht ohne Grund: Wer auf dem Espenmoos nicht genügt hatte, durfte es in Schaffhausen probieren und war entsprechend motiviert. Eigentlich mochte Hutter solche Teams, nur blöd, dass es im Fussball immer nur drei Punkte zu verteilen gab, egal ob der Gegner sympathisch oder verhasst war.

Familie Mock hatte den Ausflug nach Schaffhausen genau geplant: Im Paradies steuerte Mock das Ufer an, auf dem Parkplatz verpackte Frau Mock das Schlauchboot im Kofferraum, während sich die beiden Fussballfans in ihre Arbeitskleidung stürzten.

Fünf Minuten vor Spielbeginn hatte das Trio die Plätze hinter dem Tor von Razzetti bezogen und nun strahlte auch Hutter. Bruno Sutter durfte den gesperrten Marazzi vertreten. Hutter nervte sich über die doofen Kommentare der eigenen Fans, die nur darauf warteten, dass Sutter möglichst viel misslang. Mock erklärte seiner Frau eine Halbzeit lang, wie all die neuen St.Galler heissen und woher sie kommen. «Jetzt gehts los», sang das St.Galler Jungvolk nach dem 1:0 von Gjasula und setze den FCSG bereits an die Tabellenspitze. Dann fällte der heissblütige Cerrone den wackeren Tsawa – rote Karte und plötzlich war es wieder wie all die Jahre zuvor. Mit Hängen und Würgen brachten die zehn Grünweissen nach dem 1:1 wenigstens einen Punkt ins Trockene. Hutter seufzte nach dem Schlusspfiff: «Alles wie gehabt.» Mock dagegen strahlte noch immer und überhörte Hutters Zweifel: «Ein Auswärtspunkt, wunderbar! Die Mannschaft hat Moral. Wir sind auf Kurs.»


Die Geschichten von Hutter & Mock waren über Jahre fixer Bestandteil der St.Galler Matchvorbereitung. Die ersten 37 Folgen bis zum Abschluss der Rückrunde der Saison 2003/04 sind in einem Sammelband im Saiten-Verlag erschienen. Der Autor Daniel Kehl hat uns freundlicherweise die nachfolgenden, bisher nicht in Buchform erschienenen Episoden überlassen. Wir veröffentlichen in jeder Ausgabe des SENF eine Hutter & Mock-Episode, die erste im SENF #02. Zusätzlich erscheint jeden zweiten Monat eine Episode hier auf diesem Blog.

Die aktuelle Episode «Parkplatz im Paradies» erschien anlässlich des Heimspiels in der fünften Runde der Saison 2005/06 gegen den FC Basel.

Hutter & Mock


Bild von Schaffhausen: CC BY-SA 3.0, Link