Share on FacebookTweet about this on Twitter

Cover SENF 03

Die dritte Ausgabe des SENF ist vollgepackt mit Artikeln zum Thema «Geld im Spiel». Wir blicken zurück auf die Anfänge des Profisports und auf Putschversuche in der jüngeren Vergangenheit des FC St.Gallen. Wir unterhalten uns mit dem FCSG-Präsidenten Dölf Früh und der in Verruf geratenen Schiedsrichter-Legende Kurt Röthlisberger, aber auch mit dem Uzwiler Eishockey-Profi und bekennenden FCSG-Fan Matthias Seger. Und natürlich fehlen auch die bekannten Rubriken nicht: Wir räumen wieder einen Estrich aus, lassen Hutter & Mock wiederauferstehen und vieles mehr. Das ganze Inhaltsverzeichnis gibts hier.


HIER: SENF #03 BESTELLEN


Share on FacebookTweet about this on Twitter

Am 29. Januar erscheint die dritte Ausgabe des SENF zum Thema «Geld im Spiel». Geld hat beim FC St.Gallen immer eine grosse Rolle gespielt. Die bewegte Vergangenheit mit finanziellen Engpässen und Putschversuchen rekapitulieren wir im Artikel «Aufruhr im Osten der Stadt». Ein Ausschnitt.

Aufruhr im Osten der Stadt

Im September 1994 wurde Hans Hurni an die Spitze des Vereins gewählt. Turbulent ging es weiter, die nachfolgende Saison sollte sogar als eine der turbulentesten in die Annalen eingehen und der Ligaerhalt konnte erst am letzten Spieltag sichergestellt werden. Im vorletzten Spiel durfte der FC St.Gallen in Kriens nicht verlieren, doch der Gastgeber führte bis zur 83. Minute mit 2:0, wodurch die Chancen des FC St.Gallen auf den Ligaerhalt nur noch statistischer Natur waren. Die Wende gelang schliesslich dank Toren von Marc Zellweger und Radoslav Gilewicz. Dennoch drohte der Abstieg am grünen Tisch. Nur durch eine beispiellose öffentliche Spenden- und Lizenzkleber-Aktion – einen Kleber konnte man für 5 Franken erstehen, dafür gab es einen Gratiseintritt zum letzten Spiel gegen Solothurn – konnten die benötigten 300’000 Franken aufgebracht werden, sodass sich die Nationalliga mit einem Begnadigungsgesuch erweichen liess. Hans Hurni zog sich im Oktober 1996 zurück und überliess das FC-Präsidium Emil Kern.

Die finanziellen Probleme rissen jedoch nicht ab. Auf Geheiss der Nationalliga mussten die Anteilscheine der Stadiongenossenschaft um 50 Prozent abgeschrieben werden, wodurch ein Betrag von 350’000 Franken an Aktiven verloren ging. Die Saison 1996/97 schloss mit einem Defizit von 980’000 Franken, sodass der FC insgesamt mit über 1.5 Millionen Franken verschuldet war. Das Budget des Vereins belief sich zu jener Zeit auf knapp 4.5 Millionen Franken, was dem tiefsten Budget aller Nationalliga-Clubs entsprach. Die Nationalliga legte dazumal bei der Lizenzerteilung fest, dass die Verschuldung 500’000 Franken nicht überschreiten durfte. Die grosse Schuldenlast führte dazu, dass der Verein pro Jahr fast 100’000 Franken nur an Schuldzinsen zahlen musste. Verzweifelt wurde eine Mitgliederaktion namens «Powerplay» initiiert, deren Ziel es war, die Anzahl Clubmitglieder von 1’600 auf 5’000 zu erhöhen. Es konnten jedoch nur 700 neue Mitglieder gewonnen werden, wodurch aber immerhin 150’000 Franken in die Kassen gespült wurden. Schliesslich überliessen Mäzene dem FC St.Gallen 1.1 Millionen Franken, sofern der Verein die restlichen 400’000 Franken anderweitig aufbringen konnte, was schliesslich gelang. Emil Kern berichtete von über 200 persönlichen Meetings und Telefonaten, bis er den Betrag zusammenbekam, ein offenes Geheimnis war auch sein persönliches Engagement.

SENF #03 erscheint am 29. Januar 2015. Wir feiern den Release im Fanlokal mit einer Ostschweizer Elefantenrunde: Drei Präsidenten, drei Vereine, drei Ausgangslagen. Die Türen öffnen sich um 19.00 Uhr, los gehts um 20.00 Uhr. Weitere Angaben zum Inhalt findest du hier, das Magazin vorbestellen oder ein Abo abschliessen kannst du hier.

Plakat SENF03 Release


Share on FacebookTweet about this on Twitter

Lange wurde gerätselt, ob Philippe Montandon für die Rückrunde wieder zur Mannschaft stösst. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. SENF hat aus zuverlässigen Quellen erfahren: Nach der achten Gehirnerschütterung ist nun definitiv Schluss.

Am 9. August des vergangenen Jahres steigt der FCSG-Captain Philippe Montandon im Heimspiel gegen Aarau zu einem Kopfball hoch. Statt des Balls trifft er den Hinterkopf des Teamkollegen Marco Mathys. Er sackt zusammen. Diagnose: die achte Gehirnerschütterung seiner Karriere. Für viele ist zu diesem Zeitpunkt klar: Das wars. Doch Montandon selbst betont in der Folge immer wieder, er wolle erst gesund werden und danach weiterschauen. Beharrlich arbeitet er monatelang an seinem Comeback. Zu einem solchen kommt es aber nicht: Der FCSG-Captain tritt am Mittwoch zurück, wie SENF aus gut unterrichteten Quellen erfahren hat.

Der 32-jährige Montandon spielte bereits von 2004 bis 2006 beim FC St.Gallen. Über den FC Schaffhausen und den FC Lugano kehrte er 2011 in die Ostschweiz zurück und entwickelte sich zu einem wichtigen Spieler, wurde später auch Captain. Montandon entwickelte sich in der Ostschweiz zu einem Top-Verteidiger sowie Teamleader; einem Mann, dessen Wort Gewicht hat. Ob er dem Verein in einer anderen Funktion erhalten bleibt, ist nicht bekannt. Der FCSG hat jedoch am Mittwoch zu einer ausserordentlichen Medienkonferenz eingeladen.

Montandon


Share on FacebookTweet about this on Twitter

Am 8. Spieltag der Saison 2004/2005 verlor der FCSG auswärts in Aarau gleich mit 4:1 und rutschte auf den zweitletzten Platz ab. Hutter & Mock stellten sich schon damals die Frage, wieso ehemalige St.Galler Spieler immer dann aufdrehten, wenn sie gegen ihren ehemaligen Club anzutreten hatten? Eine Antwort fanden sie nicht, trotzdem fand der Ausflug einen versöhnlichen Abschluss.

Brügglifeld

Hutter zog Schuhe und Socken aus und streckte die Füsse ins Wasser. Er starrte in die graue Brühe und zählte die schwimmenden Bierbüchsen, die andere Fans weiter oben im Bach entsorgt hatten. Mock hatte Hutter eine Weile von der Strasse aus beobachtet. «Kühle Füsse und ein kühler Kopf – wirklich professionell, deine Vorbereitung vor dem schweren Gang aufs Brügglifeld. – Hutter, wo hast du das bloss gelernt?» Mock streckte Hutter eine Hand entgegen und zog ihn das Wiesenbord hinauf. Dann schlenderten sie dem Bach entlang zum Restaurant Sportplatz bei der kleinen Brücke vor dem Stadion. Das Brügglifeld erinnerte Mock an das Stadion seiner Jugend: Überdachte Haupttribüne und rund um das Spielfeld Stehrampen, auf denen die Fans schutzlos Wind und Wetter ausgesetzt waren. Wenn es regnete, hielten sich Mocks Freunde ihre Leintuch-Fahne über den Kopf, die sie zu Hause in der Badewanne grün gefärbt hatten.

Die Aarauer Haupttribüne war bis auf den letzten Platz gefüllt. Mit Andi Egli war das Publikum und die Zuversicht zurückgekehrt auf das Brügglifeld. Ausserdem sorgten die ‚Renegades‘ mit Country und Rock live von der Gegengerade für aufgeräumte Stimmung unter den Fans. Alles war bereit für einen unterhaltsamen Fussballabend.

Andi Egli hatte seine Equipe – hoffnungsvolle junge und andernorts ausgemusterte Spieler – gut auf die Partie eingestellt: Den Gegner schwindlig spielen, zu Fehlern zwingen und einfach darauf warten, bis auch Goalie Razzetti geschlagen ist. In der 21. Minute war es so weit, und der junge Bühler schob einen bereits abgewehrten Ball ins St.Galler Tor. In den Köpfen der Fans im Gästesektor lief der Auswärtsfilm 04-05 ab. Einmal Rückstand – immer Rückstand. Doch Akwuegbu versenkte den Penalty zum 1:1. In der Pause spielten die ‚Renegades‘ knocking on heavens door und vielleicht würde St.Gallen an diesem traumhaften Abend ja doch noch irgendwie den Lucky Punch landen. Die St.Galler Fans zündeten ein Pyro-Feuerwerk als Startsignal für die zweite Halbzeit. Jetzt gehts los! Kurz später zirkelte der beim FCZ unerwünschte Simo einen Freistoss für Aarau in die hohe Ecke des St.Galler Tors. Mock und Hutter sackten synchron auf die Steinstufe nieder.

Es gibt Fussballspieler, die verlieren wegen bösartiger Schmährufe ihr ganzes Selbstvertrauen. Rainer Bieli gehört garantiert nicht dazu. Je zorniger er von FCSG-Fans beschimpft wurde, desto genialer wurde sein Spiel. Ein präziser und überraschender Schuss in die tiefe, nähere Ecke – 3:1. Kurz darauf eine Flanke von Varela (Ex-FCB) und eine traumhafte Direktabnahme von – Rainer Bieli! Der Torschützte drehte sich vor dem Gästesektor um und zeigte auf seine Rückennummer. Hutter seufzte: «Mock, was machen wir falsch? Warum trifft der gleiche Bieli bei uns keinen Ball und sprüht hier nur so vor Spielfreude? Warum verlieren bei uns alle Spieler so schnell den Mut?» Mock sagte kein Wort, stieg die Stufen hinab zum Zaun und trat mit aller Wucht gegen eine Reklametafel. Hutter hörte, wie Fans neben ihm in breitem Oberländer Dialekt über die schlimmsten St.Galler Auswärtsniederlagen zu diskutieren begannen: «Waaisch nu sSächszwaai zDelsberg.»

Nach dem Schlusspfiff ging auch Hutter hinab an den Zaun beim Spielfeld. Plötzlich stand auf der anderen Seite der junge Marazzi und entschuldigte sich persönlich bei ihnen für die dürftige Leistung. Mock sah Hutter gerührt an und sagte: «Der da hat das Herz auf dem rechten Fleck.»

Die Geschichten von Hutter & Mock waren über Jahre fixer Bestandteil der St.Galler Matchvorbereitung. Die ersten 37 Folgen bis zum Abschluss der Rückrunde der Saison 2003/04 sind in einem Sammelband im Saiten-Verlag erschienen. Der Autor Daniel Kehl hat uns freundlicherweise die nachfolgenden, bisher nicht in Buchform erschienenen Episoden überlassen. Wir veröffentlichen in jeder Ausgabe des SENF eine Hutter & Mock-Episode, die erste – «Kurort St.Gallen» ­– im SENF #02. Zusätzlich erscheint jeden zweiten Monat eine Episode hier auf diesem Blog, bisher «Müll in der Marktgasse» sowie «Stöckl oder Zamorano». Die aktuelle Episode «Rock im Stadion» erschien anlässlich des Heimspiels am 9. Spieltag gegen Servette Genf.Hutter & Mock