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Da hat der FCSG gleich ordentlich aufgerüstet – Aratore, Bunjaku, Facchinetti, Kapiloto, Tafer, Thrier, Tréand. Dahinter steckt eine Blutauffrischung, die nach dem Abnutzungskampf gegen Ende der letzten Saison dringend nötig geworden war. Die Luft war raus, die Euphorie weg, die Spiele ein beinahe lästiges Pflichtritual. Die Mannschaft hat es verpasst, sich erneut für den Europacup zu qualifizieren, obwohl es wohl noch selten so einfach gewesen wäre.

Transfers
Vielleicht wäre eine erneute Europa-Qualifikation aber auch zu viel des Guten gewesen: Zu viel des Guten für einen Verein, der nicht jedes Jahr mit Europa plant und planen kann. Zu viel des Guten für eine Mannschaft, die dies mit ihren Leistungen in der Rückrunde nicht verdient hätte. Zu viel des Guten für eine Gesamtsituation, in der Spannungen entstanden sind, die dadurch übertüncht worden wären. Zu viel des Guten für die Fans, deren Portemonnaies und Ferienkonti im letzten Herbst empfindlich bluteten.

Offensive ist jetzt aber das Zauberwort. Nicht nur in Bezug auf die Transfers, sondern auch auf die bisherige Mannschaft: Miserable 15 Tore erzielte sie 2014, das ist viel zu wenig, ungenügend. Nun wurde diesem Problem Abhilfe geschaffen. Beispielsweise mit dem 30-jährigen Kosovaren Albert Bunjaku, der in Deutschland auch einen jener dämlichen Übernamen bekam, die den Stars in der Bundesliga verpasst werden. Hoffen wir, dass Bum-Bum-Bunjaku (schauder!) seinem Ruf auch in St.Gallen gerecht wird, obwohl er zuletzt lange verletzt war. Dann Yannis Tafer, ein talentierter Angreifer mit der Kapazität, dem St.Galler Offensivspiel einen Schuss Genialität zu verleihen. Dann Marco Aratore, 14-facher Torschütze und 8-facher Assistgeber des FC Winterthur Ausgabe 13/14. Dann Geoffry Tréand, in der Ostschweiz noch bestens bekannt, weil er St.Gallen am 1. Mai 2011 einen der schmerzlichsten Dolchstösse der Klubgeschichte verpasst hat. Und zuletzt noch Nisso Kapiloto, ein total unbekannter Innenverteidiger aus Israel.

Darüber hinaus konnte der Beobachter beim letztwöchigen Trainingsauftakt zwei weitere neue Gesichter erblicken: Marsel Stevic (18) und Boris Babic (16) wurden mit Profiverträgen ausgestattet und erhalten die Chance, sich Einsatzminuten in der höchsten Schweizer Spielklasse zu erkämpfen. Von ihnen dürfen natürlich keine Wunderdinge erwartet werden, aber das Signal ist ebenso klar wie erfreulich: Junge Spieler erhalten in St.Gallen ja doch eine Chance. Es ist nun an ihnen, sich so zu entwickeln, dass man den Kalauer «sie werden uns noch viel Freude bereiten» aus der Mottenkiste graben kann. Jung zu sein bedeutet nämlich nicht automatisch Qualität zu besitzen. Oder um es mit einem weiteren Kalauer zu formulieren: «Es gibt keine jungen oder alten Fussballer, sondern nur gute oder schlechte», sagte dereinst Otto Rehagel.

Saisonstart ist auch Abschiedszeit – diesmal von vier verdienten Spielern, bisher. So erhält der zurückgetretene Innenverteidiger Martin Stocklasa in der Nachwuchsabteilung eine Beschäftigung, während Ivan Martic die Chance beim Serie-A-Verein Hellas Verona zu packen versucht. Ein schwieriges Unterfangen, kam der junge Kroate doch schon bei St.Gallen nicht regelmässig zum Einsatz. Dass er die Gelegenheit aber wahrnehmen will, kann ihm nun wirklich niemand verübeln. Matias Vitkieviez kehrt zum Besitzerverein YB zurück, womit eine Menge sympathische, kämpferische Spielweise, nicht aber ein Topskorer verloren geht. In Erinnerung bleiben vor allem seine Flanke in Moskau auf Karanovic sowie sein Fallrückziehertor gegen Aarau. Vitkieviez war ein Guter, einer, der so spielt, wie man es in der Ostschweiz gerne sieht. Der letzte Abgang ist ein Spieler, an dem sich in St.Gallen die Geister scheiden: Kristian Nushis Vertrag wurde nach fünf Saisons nicht mehr verlängert. Viele liebten seinen bedingungslosen Einsatz, viele hassten seine technischen Unzulänglichkeiten. Viele liebten seinen Drang zum Abschluss, viele hassten die kaum vorhandene Präzision desselben. Nushi ist ein Typ, der wegen seines Typs fehlen wird. Wenn es an der Zeit ist, darf aber auch einmal ein Schlussstrich gezogen werden.

Einen Schlussstrich ziehen muss man dringend auch unter die letzte Saison, die seit der Meistersaison die aufwühlendste war. Auf uns wartet ein neues Abenteuer, und nach der Transferoffensive des FCSG hat der zuletzt arg gebeutelte Optimismus einen Anstieg verzeichnen können. Zum Glück ist WM, denn eigentlich dürfte die neue Saison morgen beginnen – die Spannung darauf ist auf jeden Fall zurück.


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Die WM steht vor der Türe und macht auch vor dem St.Galler Palace nicht Halt. Wer anlässlich der WM2010 das Public Viewing im ehemaligen Kino besucht hat, wird sich sicher auch in diesem Jahr darauf freuen. Das Adrenalin-Team von toxic.fm mit Gästen und ein Grill laden zum etwas anderen WM-Genuss!

WM im Palace

Bereits davor widmet sich das Palace schon dem runden Leder. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Erfreuliche Universität» informiert der Journalist Carlos Hanimann am Dienstag, 3. Juni, ab 20.15 Uhr über «Blatters Brasilien – Fussball, Samba, Tränengas».

Als die Fifa im Oktober 2007 die Fussball-Weltmeisterschaft 2014 nach Brasilien vergab, ging für viele BrasilianerInnen ein Traum in Erfüllung. Korrupte Funktionäre, chaotische Bauarbeiten und ein herrischer Fifa-Präsident sorgten für Ernüchterung. Und dann wäre im Juni 2013 wegen der grössten Proteste seit Jahrzehnten beinahe die Hauptprobe geplatzt. Der Journalist Carlos Hanimann, der ein NZZ-Folio zu Brasilien verfasst hat und regelmässig zur Fifa recherchiert, spricht über Blatters Brasilien.

Nur eine Woche später wird Pascal Claude das Palace mit einer WM-Sonderausgabe seines Programms «Singende Beine» beehren. Claude ist regelmässiger Gast in St.Gallen. Auf Einladung des DV1879 liess er vor einiger Zeit in die Grabenhalle dutzende Interessierte in seine Sammlung von Fussball-Schallplatten eintauchen. Etwas weniger lang zurück liegt sein Auftritt im Fanlokal. Wer an einem der beiden Abende dabei war, weiss: Es lohnt sich!

«Buenos Dias, Argentina», sang die Deutsche Nationalmannschaft 1978, «Buenas noches», konterte der Liedermacher und Kritker der Militärjunta, Peter Jakobi. Die Geschichte der Weltmeisterschaften ist auch eine Geschichte ihrer Begleitmusik: Schrill, dumm, laut oder schief werden Team und Turnier besungen, mit dem immergleichen Ziel: «This time, we’ll get it right!» Pascal Claude führt anhand seiner Fussballplattensammlung im Vierjahresrhythmus durch die vergangenen Jahrzehnte und gibt dabei Udo Jürgens ebenso das Wort wie Gianna Nannini.