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Mit seinem Lieblingsklub durch Europa reisen: Für viele Fans wurde dieser Traum im letzten Halbjahr Wirklichkeit. Für Christoph Ziegler ebenfalls, wenn auch auf eine ganze besondere Art und Weise. Unverhofft wurde er zum EL-Mannschaftskoch und reiste an alle vier Auswärtsspiele mit der Mannschaft mit. SENF hat sich mit ihm getroffen und über seine Erfahrungen gesprochen.

140313_Blogpost-Koch

«Ich bin ein Espenmoos-Kind», stellt Christoph Ziegler gleich zu Beginn klar. Fast klingt es ein wenig nach Entschuldigung, dass er die EL-Spiele nicht zusammen mit den anderen Fans erleben konnte, sondern vom VIP-Bereich aus. Oder nach Rechtfertigung, schon ein richtiger Fan zu sein. Beides ist aber nicht nötig. Im Gespräch mit ihm, der seine ersten Spiele bereits Ende der 70er-, anfangs der 80er-Jahre erlebt hat, merkt man schnell, dass er durch und durch Fan ist. Die Eindrücke in den VIP-Räumen der Stadien seien zwar interessant gewesen, aber er hätte dann eben doch lieber Bier statt edlen Weisswein getrunken. Und so eindrücklich die schon von Jeff Saibene erwähnte «Schlange» an Fans war, die in Swansea am Car vorbeizog, er wäre lieber in der Masse gewesen.

Interessant waren für ihn jedoch nicht nur die VIP-Räume, sondern vor allem die internationalen Gepflogenheiten in Grossküchen. Christoph Ziegler hat mit dem Restaurant Wildegg früher sein eigenes Restaurant geführt und arbeitet heute im Restaurant Öchsli in Herisau. Er machte sich also mit viel Erfahrung im Gastgewerbe aber null Erfahrung im Bekochen einer Fussballmannschaft auf den Weg nach Moskau. Bei seinem ersten Einsatz hatte er dann auch ein wenig Glück. Der Küchenchef im Sheraton in Moskau konnte auf Schweizer Küchenerfahrung zurückgreifen und sprach daher Deutsch. Der Einstand gelang. Und weil die Mannschaft offenbar so gut verpflegt war, dass sie Spartak Moskau vom Platz fegte, kam Christoph in den Genuss einer Siegesfeier auf russischem Boden. Mit dem Klub an der Bar und später, als alle in den Zimmern waren, mit Fans im Hotel nebenan.

Zum temporären Job als Mannschaftskoch kam er, weil Dölf Früh seine Kochkünste im Restaurant Wildegg öfters getestet hatte. Den restlichen Staff und die Mannschaft konnte er offenbar auch überzeugen. Noch auf dem Nachhauseweg aus Moskau wurde besiegelt, dass er auch an den drei folgenden Spielen mit von der Partie sein sollte. Das war dann aber auch gleichbedeutend mit noch drei Mal Suppe, Salatbuffet, Pouletbrust, Tomatenspaghetti, Früchte. Nicht gerade abwechslungsreich, was Christoph Ziegler der Mannschaft zuzubereiten hatte. Für die persönliche Kreativität war sowieso kein Platz, der Menüplan war vorgegeben. Und handwerklich stellte dieser den Koch kaum vor Probleme. Wären da nicht die Eigenheiten vor Ort, die auch an ihm hängen blieben. Am meisten zu improvisieren hatte er in Krasnodar. Hier musste er sich mit Händen und Füssen verständigen. Wenn das nicht funktionierte, griff Christoph Ziegler zum Smartphone und liess sich übersetzen, wonach er gerade auf der Suche war. «Weil mir aber dann natürlich auch niemand ausführlich Auskunft geben konnte, wurden immer fünf Finger hochgehalten. Alles hat immer fünf Minuten gedauert.»

Man merkt Christoph Ziegler an, wie gerne er diese Aufgabe für den FCSG erledigt hat. Man merkt auch, wie ein bisschen Stolz mit schwingt, dass alles reibungslos geklappt hat. Zumindest in seinem Einflussbereich. Dass die ganze Mannschaft inklusive Staff nach der Landung in Krasnodar eine Stunde im Flieger warten musste, bis dann endlich mal jemand eine Gangway herangeschafft hatte, dafür konnte wohl niemand etwas. Ebenso wenig wie für die wenig geniessbaren Wurst-Sandwiches im Stadion. Wer im Charterflug des DV1879 nach Krasnodar geflogen ist, kann sich vermutlich vorstellen, wie das ausgesehen und geschmeckt haben muss. Und weil für ihn als EL-Neuling alles so gut geklappt hat, wars ihm dann auch egal, wenn Sascha Ruefer meinte, bei der Nationalmannschaft sei das dann schon alles noch etwas professioneller.


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Als FC St.Gallen-Fan hat man oft nicht viel zu lachen: Alle 96 Jahre gibt es einen Meistertitel zu feiern, von den alljährlichen Strapazen im Cup wollen wir gar nicht erst sprechen und  in der Meisterschaft schafft man es – wie dieses Wochenende gegen Luzern – mit bestechender Regelmässigkeit sich selbst ein Bein zu stellen und den sicher geglaubten Sieg noch aus den Händen zu geben. Solche (gefühlten) Niederlagen bedürfen einer effektiven Bewältigungsstrategie. SENF hat sich umgehört und die gängigsten Methoden gesammelt.

Niederlagenbewaeltigung
Der Realitätsverweigerer: Die Frage nach dem Ausgang der Partie der favorisierten Mannschaft wird lediglich mit der Bemerkung quittiert, dass man da war und sich nicht weiter an das Spiel erinnern könne. Ob es sich dabei um einen bewussten Vorgang handelt oder lediglich um eine Folge der Strategiekombination mit dem weiter unten beschrieben Typus des Trinkers lässt sich nicht zweifellos sagen. Der Versuch ihm etwas zum Spiel oder gar das Endresultat zu entlocken, ist jedenfalls in etwa so erfolgsversprechend wie der Versuch, während der OLMA nüchtern zu bleiben.

Der (hoffnungslose) Optimist: Egal wie hoch oder bitter die Niederlage ausgefallen ist, der Optimist ist nicht kleinzukriegen:  Er spricht bereits kurz nach einer schmachvollen Niederlage von der kommenden Partie und dies mit solch einer Inbrunst, dass so manch ein Politiker vor Neid erblassen würde. Leider hat dieser Typus die eigentümliche Angewohnheit seine Hoffnungen aus so erfolgsversprechenden Indizien wie Keitas neuer Frisur zu schöpfen.

Der Trinker: Für die einen ist Alkohol eben doch eine Lösung. Auch wenn es für die eigene Gesundheit die wohl problematischste aller Methoden ist – für das Vergessen einer schmachvollen Niederlage scheint es eine durchaus probate Strategie zu sein. Den Trinker erkennt man nebst der regelmässigen Beteuerung, nie wieder zu trinken, auch an seiner extremen Lichtempfindlichkeit und der stets griffbereiten Wasserflasche.

Der Nostalgiker: Gehört mitunter zur verbreitetsten Bewältigungsstrategie unter Fussballfans (und dies nicht nur in St.Gallen, wie dieser Artikel über ebenfalls leidgeprüfte Eintracht-Fans belegt). Verübeln kann man diese Methode wohl niemandem, denn bekannterweise lassen sich offene Wunden am Besten durch schöne Erinnerungen an bessere Zeiten heilen. Diesen Typus erkennt man daran, dass er wahlweise mit dem Espenmoos-Buch oder der Erstausgabe des SENF (übrigens hier noch erhältlich) in den Händen anzutreffen ist und einem unablässig von den magischen Momenten von anno dazumal erzählt.

Der Experte oder eben der FCSG-Fan: Durch die jahrelange Sozialisation und eine geschickte Kombination der geschilderten Strategien beinahe nicht mehr aus der Fassung zu bringen.  Mit stoischer Ruhe und dem Kommentar, dass es bis zum nächsten Meistertitel nur noch knappe 82 Jahre dauern könne, werden sämtliche Niederlagen weggesteckt – denn schliesslich ist nach dem Spiel immer noch vor dem Spiel.