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Nicht immer enden kritische Situationen rund um Fussballspiele in Gewalt, oft können Spannungen rechtzeitig abgebaut werden. Doch wie entsteht der sprichwörtliche Funke, der zur Explosion führt? Dieser Frage geht Alain Brechbühl von der Universität Bern in der Studie «Dynamik der Gewalteskalation am Beispiel des Fussballstadions» nach. Ein Gastbeitrag.

Zuschauergewalt bei Fussballspielen ist in der Schweiz ein aktuelles Thema, wie Debatten um Massnahmen zur Prävention von Fussball-Krawallen zeigen. Zentral waren dabei sicherlich die Diskussionen rund um das neue Hooligan Konkordat. Während in anderen Ländern bereits verschiedene Studien durchgeführt wurden (bspw. in Schweden, siehe Hylander & Granström, 2010), existiert in der Schweiz aber kaum Forschung darüber, was für Faktoren verantwortlich sind, dass es zu einer Eskalation kommt oder eben nicht. Insbesondere die Standpunkte der involvierten Personengruppen, nämlich Fans, Polizisten und Sicherheitskräfte, sind dafür von zentraler Bedeutung. Ein Forschungsprojekt der Universität Bern beschäftigt sich deshalb mit der Frage, wie einzelne Vertreter dieser Gruppen eine kritische Situation wahrnehmen. Als kritisch gelten Situationen, die sich durch eine gewisse Spannung zwischen zwei Gruppen auszeichnen und möglicherweise in Gewalt enden können.

Das Projekt startete in der Saison 2012/2013, wo total acht kritische Situationen bei Spielen zweier Teams der Raiffeisen Super League gesammelt werden konnten, in welchen ein möglicher Ausgang in einer Eskalation denkbar war. Bei vier Situationen endete die Situation in Gewalt. Es wurden total 59 Interviews mit Fussballfans, Polizisten und Sicherheitspersonal durchgeführt, um genauere Erkenntnisse über die kritischen Situationen zu erheben. Die erste Hälfte der Interviews ist mittlerweile ausgewertet und erste Zwischenergebnisse stehen fest.

Ergebnisse:
1) Die Wahrnehmungen der drei Gruppen können nur zum Teil in Übereinstimmung gebracht werden. Dies wird beispielsweise im Empfinden deutlich, was eine angemessene räumliche Distanz ist oder dabei, was als bedrohlich wahrgenommen wird und was nicht (für Fans die OD-Ausrüstung von Sicherheitskräften/Polizei bzw. für Polizisten/Sicherheitskräfte die Vermummung der Fans). Bei den befragten Personen herrschte eine Tendenz zur Stereotypisierung: Personen der gegenüberstehenden Gruppe werden dabei nicht individuell, sondern als relativ einheitliche Masse betrachtet. Dies obwohl innerhalb der genannten Gruppen eine grosse Bandbreite an unterschiedlichen Verhaltensweisen zu beobachten ist. Es zeigte sich eine ausgeprägte Sensibilität für vermutetes Unrecht, wonach die Handlungen der anderen involvierten Personengruppen beurteilt werden.

2) Als relevante Faktoren für gewaltfreie Lösungen konnten somit eine klare und direkte Kommunikation sowie genügend räumliche Distanz zwischen den Gruppen festgestellt werden. Zudem sollten beide Seiten auf sichtbare provokative Elemente verzichten.

3) Die bisherigen Ergebnisse sprechen dafür Stereotypisierungen zu vermeiden. Es ist darauf hinzuarbeiten, dass zwischen den Gruppen eine direkte Kommunikation stattfindet. Hierzu ist zu klären, welche Personen in den unterschiedlichen Situationen den grösstmöglichen Einfluss haben. Mit solch einer direkten Kommunikation lässt sich sicherstellen, dass die Verhaltensweisen in unterschiedlichen Situationen als legitim betrachtet werden können, was letztlich zu einer Beruhigung der Situation beitragen kann.

Plakativ liessen sich die Ergebnisse mit folgendem Aufruf zusammenfassen: «Steht euch nicht auf die Füsse, aber sprecht miteinander!»

Fanmarsch in Swansea


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Die Vorfreude war gross, als dem FC St.Gallen der Swansea City FC zugelost wurde – nicht wenige wünschten sich dieses Los bereits in der Qualifikationsphase. Dies nicht zuletzt, da die schönen Erinnerungen an den letzten britischen Gegner noch omnipräsent sind. Man verlor damals im Jahr 2000 zwar das Hinspiel gegen den Chelsea FC an der Stamford Bridge in London knapp mit 1:0, jedoch wurde das Londoner Team im Rückspiel mit 2:0 gebodigt und so aus dem UEFA-Cup geworfen. Auf eine ähnliche Sensation hoffte wohl insgeheim auch jeder gegen die Swans. Swansea City gewann in der letzten Saison den englischen Ligacup, weshalb die Waliser im Europacup vertreten sind. Bei ihrem Aufstieg 2011 waren sie gar die erste Premier League-Mannschaft aus Wales, mittlerweile ist Erzrivale Cardiff nachgezogen.

Gemäss dem Internetforum der Swansea-Fans erwarteten diese einige Dutzend Investment-Banker und Uhrmacher mittleren Alters, die mit gefederten Filzhüten in Swansea auftauchen würden. Was sich als eine «total miscalculation» herausstellen sollte. Rund 1‘500 Grün-Weisse nahmen die Reise nach Swansea in Angriff. Die Einwohner Swanseas waren am verregneten Spieltag Zeugen einer regelrechten grün-weissen Invasion. Aus allen Löchern – oder in diesem Fall wohl eher Pubs – kamen die Ostschweizer gekrochen und versammelten sich auf dem Castle Square, um gemeinsam den Marsch zum Stadion anzutreten. Da die britische Fankultur von einer Politik ausgerottet wurde, auf die man hierzulande gerne referenziert, war dieser Anblick für die Waliser ein sehr seltener. Biertrinkende, schreiende aber friedliche Fussballfans, die gemeinsam durch die Gassen Swanseas streiften.

Als die Mannschaften einliefen, verwandelte sich der Gästesektor schliesslich in ein Meer aus Fackeln, Schals, Fahnen und Doppelhaltern, begleitet von wirklich ohrenbetäubendem Support. Das Spiel im Liberty Stadium selbst war eine Nervenprobe für die mitgereisten Anhänger des FCSG. Nach einem harschen Start jubelte der grün-weisse Mob, als St.Gallen in der 14. Minute ein Penalty gegeben wurde. Karanovic vergab diesen jedoch fahrlässig und verwandelte sich vom russischen Goldmariechen zum walisischen Pechvogel mit Hirnerschütterung. Manch einer haderte noch mit dem Schicksal, als Mathys in der 18. Minute das Tor von Swansea-Goalie Tremmel nur knapp verfehlte. Nach diesem Chancenplus für die Ostschweizer waren es dann die Swans, die auffallender waren und ebenfalls zwei riesige Chancen vergaben.

Schade, das Spiel war verloren. Gewonnen haben immerhin die frenetischen Fans des FC St.Gallen, nämlich den Respekt der walisischen Zuschauer: «Well done you guys – best away support I’ve seen at our ground – don’t think you stopped singing!».

Reise nach Swansea

Dieser Text ist ein Auszug aus dem im SENF #01 erschienen Artikel «Mir spielet international – ein europäisches Tagebuch». Die Erstausgabe kann hier, im Fanlokal oder an Heimspielen am DV-Stand bezogen werden. Nur solange der Vorrat reicht!


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Auch über fünf Jahre nach dem Umzug vom Osten in den Westen der Stadt St.Gallen trauern viele noch dem Espenmoos nach. Die unvergleichliche Nähe zum Spielfeld, die stillvolle Haupttribüne kombiniert mit eher improvisiert anmutenden Stehplatzbereichen, der Weg durchs Quartier und die Schrebergärten… Auch wenn wir – ganz ohne grün-weisse Brille – sicher behaupten können, in der Ära der neuen Stadien ein eher besseres Los gezogen zu haben: Die Individualität, das Einzigartige fehlt im Westen der Stadt. Im SENF #01 hat Stefano Razzetti diesen Umstand sehr schön beschrieben: «Das Espenmoos war viel familiärer … Jetzt ist das Stadion ein riesiger Betonkomplex. Es ist einfach mehr Business als damals.» Offenbar sieht man das nicht nur in St.Gallen so. Im aktuellen tschutti heftli äussert sich Alain Wiss, seines Zeichens Luzerner, so: «Als ich vor sieben Jahren begann, gab es noch das Espenmoos in St.Gallen. Die Stimmung in diesem Stadion war immer top, da spielte ich immer gerne. Heute haben wir viele neue Stadien, aber leider sind alle ein bisschen ähnlich. Das Spezielle geht verloren.»

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«Zusammengefasst gibt es in St. Gallen wirklich nicht viel zu meckern. Das Stadion ist hübsch, die Fans machen Lärm wie die Grossen und die Mannschaft spielt nahe am Optimum ihrer Möglichkeiten. Was fehlt zur Glückseligkeit? Senf!» Zugegeben: Das neue News-Portal Watson nahm wohl keinen Bezug auf unser Magazin. Trotzdem springen wir gerne in die Bresche. Tatsächlich mit dem Magazin befasst haben sich diverse Ostschweizer Medien. Eine Presseschau.

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Das Radio FM1 begab sich nach eigenen Angaben am Donnerstagabend im Fanlokal auf «Brodwurscht-Rettigsmission». Dort musste das Lokalradio feststellen, dass die Bratwurst keine Rettung benötigt, es aber trotzdem etwas zu berichten gab. Auch Tele Ostschweiz war zugegen und fragte unter anderem Jeff Saibene, was er sich denn vom Magazin erhoffe. Dieser zeigte sich erfreut, richtet aber auch konkrete Wünsche an das Magazin, wie er dem St.Galler Tagblatt zu Protokoll gab: «Dass es sich grundsätzlich für den FC St.Gallen einsetze, aber dennoch kritisch über die sportliche Leistung berichte, lautet die Antwort.» Gute Wünsche gabs auch vom Kulturmagazin Saiten zum Start: «Und wenn das Blatt kein Blatt vor dem Mund nimmt, was wir Senf wünschen, lernt Hooligan-Hunter Hansjakob vielleicht auch, ab und zu über sich selber zu lachen.» Indessen hat der Blick am Abend bereits einen Blick ins Magazin geworfen und wagt ein erstes Urteil: «Die Zeit und Mühe hat sich gelohnt: Mit der Erstausgabe des ‚Senf‘ liegt ein 74-seitiges Heft vor, das tiefe und auch einige bisher verborgene Einblicke in die FCSG-Fankultur gibt … Das ist das Spezielle und auch die Stärke des Magazins: Es kommen sowohl Spieler, Trainer als auch die Fans zum Wort.» Wenig später doppelte Saiten auf seiner Webseite nach: «’Senf‘ stellt eine Behauptung auf, die sonst vielleicht nur in Basel gewagt wird: Nämlich dass Fussball – und da eigentlich nur der eigene Klub – so wichtig ist, dass man damit ein Magazin mit 74 Seiten füllen kann.»

Wir sind sicher, dass Fussball so wichtig ist und hoffen, dass möglichst viele Fussballinteressierte das ebenso sehen. Die Besucherzahlen der Webseite, der positive Start unserer Social Media-Kanäle sowie natürlich die Verkaufszahlen stimmen uns positiv. Nichtsdestotrotz freuen wir uns nach wie vor über jedes Feedback zu unserer Erstausgabe!


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In der Ostschweiz gibt es nur wenige Tabubrüche, die man begehen kann. Das bewusste Verzehren einer St. Galler Bratwurst mit Senf gehört mitunter sicherlich dazu. Dementsprechend hohe Wellen schlugen die anlässlich des letzten Europa League-Gruppenspiels gegen Swansea im ganzen Stadion verteilten Flyer mit dem Aufdruck: «Im neue Johr isst mer au z’Sangallä d’Brodwurscht mit Senf». Im Vorfeld der Enthüllung wurden einige Spekulationen herumgereicht, worum es sich denn nun konkret handeln könnte: Die 20 Minuten sprach von der «Senf-Bombe», beim St.Galler Tagblatt war von einer allfälligen Verbrüderung mit den ungeliebten Gästen aus Zürich die Rede und das Magazin Saiten sprach gar von SENF als Abkürzung des neugegründeten «Sondereinsatzkommando Einheimischer und Naturverbundener Fussballveganer».

Vergangenen Donnerstagabend war es dann endlich soweit: Eine beachtliche Masse an Neugierigen war der Aufforderung des Flyers ins Fanlokal gefolgt und liess es sich nicht nehmen, dem Platzen der «Senf-Bombe» beizuwohnen. Die gute Nachricht zuerst: Es handelt sich dabei keinesfalls um den vielfach befürchteten kulinarischen Paradigmenwechsel oder gar eine Verbrüderung mit Zürcher Fussballfans. Cheftrainer Jeff Saibene höchstpersönlich gebührte die Ehre den weiteren anwesenden Gästen das erste Cover des neuen Fussballmagazins SENF zu präsentieren. Passend zum Titelthema Europa fand danach eine Gesprächsrunde mit dem Trainergespann Jeff Saibene und Daniel Tarone über das vergangene Europa League-Abenteuer statt. Bei Bier und Wurst sowie musikalischer Unterhaltung wechselten die ersten Exemplare des neuen Magazins die Seiten. Weitere Möglichkeiten das Magazin zu erwerben bestehen an den Heimspielen des FC St. Gallen, im Fanlokal sowie hier auf unserer Homepage.

Ach, und übrigens: So absurd manch eine Spekulation auch gewirkt haben mag, das Magazin Saiten lag mit der Vermutung richtig, dass SENF eine Abkürzung sei. Korrekterweise steht SENF dieses Mal jedoch nicht für ein militantes Sondereinsatzkommando sondern für «St. Gallen Erkundet Neue Feriendestinationen» – wofür es in der nächsten Ausgabe steht, sei an dieser Stelle noch nicht verraten.

Impressionen vom Launch des Magazins