Panini-Bilder, Tickets, Fanzines, Fanartikel… Fussballfans und Sammelfieber, das passt irgendwie zusammen. Der St.Galler Markus Deininger hievt dieses jedoch auf eine völlig neue Ebene. Er ist stolzer Besitzer von 1‘844 Trikots verschiedenster National- und Clubmannschaften und damit von der weltweit grössten Sammlung. SENF hat ihn besucht.

trikots

Als sich drei Mitglieder des SENF-Kollektivs auf den Weg zu Markus Deininger machten, hatten sie eigentlich nur im Sinn, die FCSG-Trikots aus seiner Sammlung zu fotografieren. Schnell wurde aber klar, dass sie viel mehr erfahren sollten. Markus Deininger sammelt nicht einfach nur Trikots, damit er die weltgrösste Sammlung sein Eigen nennen darf. Viel wichtiger sind ihm die Geschichten, die dahinter stecken. Kein Wunder, wenn man diesen lauscht. Die wohl schönste: Er hat seine Frau durch das Hobby kennengelernt. Als die russische Eishockeymannschaft Krilija Moskau in Zürich gastierte, versuchte er beim Trainer Aleksander Zarubin ein Trikot zu ergattern, schliesslich hatte er unlängst angefangen, Russisch zu lernen. Der russische Trainer nahm seine Adresse entgegen, Deininger hörte lange Zeit nichts. Einige Monate später erhielt er jedoch Post von Zarubins Tochter, Olga. Sie wollte ihr Englisch verbessern, er sein Russisch. Es entstand eine Brieffreundschaft, schon ein Jahr später besuchte Olga im Rahmen eines Studentenaustauschs die Schweiz und 1993 heirateten die beiden. «Meine Frau hat also sicher keine Probleme mit meiner Sammelwut», erzählt Deininger schmunzelnd.

Trikots

Der 45-Jährige hat viele weitere Geschichten auf Lager. Zu beinahe jedem Trikot kann er etwas erzählen. So hat er nach einem Gastspiel des BVB Dortmund im Espenmoos in der Dunkelheit einen Spieler der deutschen Mannschaft um ein Trikot gebeten. Dieser reagierte unwirsch und ohrfeigte den jugendlichen Trikotsammler. Auf seinen Beschwerdebrief an den Verein – E-Mails kannte man damals noch nicht – antworte Dr. Gerd Niebaum persönlich per Telefon und versprach ihm Wiedergutmachung. «Einige Tage später bekam ich den halben Fanshop per Post zugeschickt», erzählt Deininger. Aber auch zu diversen FCSG-Trikots kann er Anekdoten zum Besten geben. Eines hat er über eBay von einem Ungarn erstanden, ein anderes – mit der Rückennummern des damaligen Ersatztorhüters Bolli – von einem Portugiesen. Viele weitere grün-weisse Leibchen finden sich in seiner Sammlung. So zum Beispiel das von Wilco Hellinga am Cupfinal getragene Shirt. Oder eines der letzten Trikots, in denen Marc Zellweger noch aufgelaufen ist. Das einzige Trikot, das er jeweils in einem Safe deponiert und extra für den Besuch von SENF nach Hause mitgenommen hat, ist auf den ersten Blick ein völlig unscheinbares dunkelgrünes Shirt. Seine Bedeutung offenbart sich, wenn man die Geschichte dahinter erfährt. Als Libyen in Gossau gegen die Ukraine spielte, wollte sich Deininger unbedingt ein Trikot der Libyer sichern. Die Verantwortlichen versicherten ihm, er könne nach dem Spiel in ihrem Hotel vorbeischauen, um eines zu ergattern. «So bin ich dann ins Hotel Herisau gefahren und durfte dort das Trikot von Al-Saadi al-Gaddafi mitnehmen», berichtet Deininger durchaus mit ein bisschen Stolz. Sowieso sind Nationalmannschaften Deiningers grosse Leidenschaft. Bis auf einige wenige ist er im Besitz aller Nationalmannschafts-trikots. Die wenigen, die ihm fehlen, sind Kleinststaaten. Und Deutschland. «Das habe ich bisher nicht übers Herz gebracht», meint Deininger lachend.

Trikot_Gaddafi

So hat er im Verlaufe der Jahre 1’844 Trikots erstanden oder geschenkt erhalten. Einen Eintrag ins Guinness-Buch war ihm aber schon 1997 und 1998 mit «nur» rund 800 Trikots sicher. Deininger hat vor allem ein Flair für England, weshalb die englische Nationalmannschaft auch unzählige Male vorkommt. Von englischen Vereinen besitzt er bis in die unteren Ligen ebenfalls dutzende, wenn nicht hunderte Trikots. Die Shirts der gesamten Sammlung bleiben aber nicht einfach hinter verschlossenen Türen. Vielmehr werden sie von Markus Deininger und seinen beiden Kindern regelmässig getragen.

Als sich die Mitglieder des SENF-Kollektivs nach rund zwei Stunden langsam verabschieden, reichen sie Markus Deininger die Erstausgabe des SENF als kleines Dankeschön. Beim Durchblättern schreit er beim Artikel zum Auswärtsspiel gegen Inter Mailand vor rund 20 Jahren erfreut auf. Auf dem Foto, das drei Fans zeigt, die mit dem Extrazug nach Italien mitgereist waren, erkennt er seinen Bruder. Jetzt freut er sich erst recht, dass seine FCSG-Trikots aus unzähligen Jahren im SENF #02 erscheinen werden. Erscheinungsdatum ist der 22. August. Hier kannst du das Heft bereits jetzt vorbestellen.

Ein Gedanke zu „1’844 TRIKOTS
DIE GRÖSSTE SAMMLUNG
DER WELT

  1. WOW!!!!!
    Herzlichen glückwunsch Ihr 2 habt eine Geschichte zusammen die sonst keiner erzählen kann! Ich war gerade am Kindertrikot´s suchen dran als ich über diese seite stolperte! Falls Ihr schon Nachwuchs habt wie Ich und meine Frau dan schaut doch mal für euren spross auf Kinder Trikot vorbei! Bis jetzt die beste Seite die ich fand!
    MFG. Andre Madler

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